Fahrrad Scheibenbremse nachrüsten: Eine umfassende Anleitung

Fahrrad fahren macht Spaß, kann aber auch gefährlich sein. Daher ist es umso wichtiger, das Thema Sicherheit immer im Fokus zu haben.

Warum Scheibenbremsen nachrüsten?

Shimano-Scheibenbremsen (Disc Brakes) haben eine deutlich höhere Bremswirkung als herkömmliche Felgenbremsen. Noch dazu gelten diese als extrem zuverlässig und sind außerdem wartungsarm. Heutzutage sind die Scheibenbremsen von Shimano bei guten neuen Fahrrädern bereits standardmäßig verbaut.

Voraussetzungen für die Nachrüstung

Wer nicht von Haus aus die Shimano Disc Brakes vertrauen kann, hat oftmals die Möglichkeit diesen beliebten Geschwindigkeitsreduzierer entsprechend nachzurüsten, sofern die Voraussetzungen am Fahrrad dies zulassen.

  • Schauen Sie nach, ob Ihr Fahrrad an der Federgabel und am Hinterbau des Fahrradrahmens Discaufnahmen hat.
  • Ebenso müssen am Hinterbau und am Oberrohr eine Bremsleistungsführung vorhanden sein.

Wenn Ihr geliebter Drahtesel über diese Komponenten verfügt, können Sie hier durchaus Shimano Scheibenbremsen nachrüsten. Wenn dem nicht so ist, müssen die entsprechenden Bauteile ausgetauscht werden, denn einzelne Aufhängungen sind nicht erhältlich.

Kosten und Aufwand

Machen Sie eine Kostenaufstellung und prüfen, ob es sich lohnt aufzurüsten - sowohl von den Kosten als auch vom Zeit-/Arbeitsaufwand her oder ob es ggf. ratsamer ist ein komplett neues Fahrrad zu kaufen.

Die Montage der Scheibenbremsen

Wichtig ist, dass Sie die neuen Shimano-Bremsen immer genauestens nach der Hersteller-Anleitung von Shimano einbauen und sich dabei an die Vorgaben halten. Es gibt keine allgemeine Anleitung, da jeder Hersteller hier andere Vorgaben hat.

  1. Starten Sie mit der Scheibenbremsen-Montage auf der Fahrradnabe. Beachten Sie dabei unbedingt die Laufrichtung, welche meist mit einem kleinen Pfeil angegeben ist.
  2. Befestigen Sie dann die mitgelieferten Adapter nach der Shimano-Anleitung am Fahrradrahmen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht ausversehen den vorderen mit dem hinteren Adapter vertauschen.
  3. Ggf. Nun bringen Sie die Bremshebel am Fahrradlenker an und verlegen die Bremsleitungen.
  4. Entfernen Sie dann die Transportsicherungen an den Bremsbelägen und GANZ WICHTIG: Bestätigen Sie den Bremshebel NICHT!

Alternativen zur Scheibenbremse

Es gibt allerdings hervorragende Felgenbremsen, insbesondere die Maguras sind klasse. Kein Problem mit schleifenden Scheiben wie bei der Scheibenbremse und für den Normalfahrer im Trekkingbereich meiner Ansicht nach völlig ausreichend.

Vorteile der Scheibenbremsen

Scheibenbremsen werden interessant, wenn man sehr viel bei schlechtem Wetter oder auf schlechten Wegen und/oder Beidem unterwegs ist, da dann weder die Felgenflanken einfrieren können (im Winter sehr unangenehm, wenn auch die beste Felgenbremse nicht mehr bremst), noch die Felgenflanken schnell verschleißen. Aus diesen Gründen fahre ich nur noch mit Scheibenbremsen.

Scheibenbremsen am Rennrad nachrüsten?

Eine Frage, die sich viele Hobby-Rennradfahrer stellen, ist ob sich ein Rennrad mit Scheibenbremsen nachrüsten lässt. Die kurze Antwort: Nein.

Warum ist das so?

Scheibenbremsen brauchen einen Rotor. Eine traditionelle Felgenbremse nutzt die Felge selbst als Rotor. Scheibenbremsen sind etwas komplexer.

Funktionsweise

Angebracht im Zentrum des Rads, haben die Scheibenbremsen ihren Namen von der Rotorscheibe, die sich an der Nabe befindet. Dieser Rotor wird als Bremsfläche genutzt und durch Bremsbeläge verzögert, was die Bremswirkung erzeugt. Die Scheibe hat dabei in der Regel einen Durchmesser zwischen 140mm und 160mm und ist nur wenige Millimeter breit und muss durch die hohen einwirkenden Kräfte mit einer speziellen Nabe am Rad befestigt werden, was den ersten großen baulichen Unterschied des Fahrrads zur Felgenbremse darstellt.

Laufräder

Laufräder von Disc-Fahrrädern haben zudem häufig eine höhere Speichenzahl, um die Bremskräfte abzufangen.

Rotorscheiben

Die Rotorscheiben sind typischerweise mit Six-Bolt-Mount und Centerlock-Mount verfügbar. Letzteres ist eine Erfindung von Shimano und nutzt eine verzahnte Verbindung sowie einen Verschlussring für den Rotor, ist aber nur mit speziellen Shimano Werkzeug oder einem Werkzeug für die Tretlagermontage zu justieren. Die Six-Bolt-Mount Variante verwendet wie der Name schon sagt sechs kleine Bolzen, um die Scheibe zu fixieren.

Position des Bremssattels

Mit dem Rotor muss auch der Bremssattel zentral am Rad platziert werden. Dazu gibt es bei Rennrädern mit Scheibenbremsen spezielle Aufnahmepunkte bei den vorderen und hinteren Ausfallenden.

Standards

Die zwei etablierten Standards sind Post Mount und Flat Mount.

  • Der Post Mount Standard kommt vom Mountainbike und ermöglicht es dem Bremssattel, parallel zur Rotorscheibe zu verlaufen. Die Pfosten (Posts), auf denen der Bremssattel sitzt, sind in den Rahmen und die Gabel eingelassen.
  • Das Post Mount Konzept wird allerdings zunehmend vom neuen Flat Mount Standard von Shimano verdrängt, der 2015 eingeführt wurde.

Angepasst an die Anforderungen eines Rennrads, bietet die Flat Mount Aufnahme eine aufgeräumte, flache Schnittstelle, die bei kompakteren Platzverhältnis einfach besser funktioniert. Die Schrauben zur Befestigung gehen hier direkt durch den Rahmen (oder eine Adapterplatte) und fixieren den Bremssattel auf der Kettenstrebe / an der Gabel.

Achsen-Standards

Neben der Bremsaufnahme und der Radnabe sind für Scheibenbremsen auch andere Achsensysteme erforderlich.

Bei Rennrädern mit Felgenbremsen ist der Schnellspanner mit 100mm breiter Nabe vorn und 130mm hinten nach wie vor die Nummer 1. Ein Rennrad mit Scheibenbremsen sollte beim Schnellspanner-System hinten eine 135mm breite Nabe besitzen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass bei Disc-Rennrädern ein Steckachsensystem eingesetzt wird. Dies sorgt für eine noch sicherere Radaufnahme und erhöhte Steifigkeit.

Anfangs nutzten Rennräder mit Scheibenbremsen wie Mountainbikes 135mm Naben oder 142mm mit 12mm Steckachse (135x12 bzw. 142x12) hinten und 100x15mm Naben vorne.

Durch das Aufkommen des Flat Mount Standards bekommen Rennräder jetzt aber ihren eigenen Steckachsen-Standard, und zwar 142x12mm hinten und 100x12mm vorne - also leichter und kompakter als beim Mountainbike.

Hydraulische Scheibenbremse

Die mechanische Scheibenbremse wird mit einem Bowdenzug ähnlich der Felgenbremse betätigt. Hydraulische Systeme nutzen Bremsflüssigkeit.

Der Großteil der auf dem Markt erhältlichen Rennrädern mit Felgenbremsen nutzen die mechanische Variante, bei der ein Bowdenzug den Bremshebel mit dem Bremssattel verbindet. Dieser Ansatz wird auch bei Scheibenbremsen angewandt (mechanische Scheibenbremse), allerdings geht der Trend in Richtung hydraulischer Systeme.

Das mechanisch agierende Kabel wird dabei durch einen abgedichteten Schlauch mit Bremsflüssigkeit ersetzt, dessen Druck durch den Bremshebel geregelt wird. Das selbe Konzept wird bekanntermaßen auch bei Autos und Motorrädern angewandt.

Bei einem vollständig hydraulischen System müssen Brems- und Schalthebel mit einem internen Membransystem ausgestattet sein. Dies kann nur in der Gruppe gekauft werden und lässt sich bei mechanischen Systemen nicht nachrüsten.

Wie man sieht unterscheiden sich Felgenbremssysteme und Disc-Systeme erheblich voneinander und machen eine Umrüstung von einem Rennrad mit Felgenbremsen auf eines mit Scheibenbremsen mit einfachen Mitteln eigentlich unmöglich. Statt Nachrüsten ist also Umsteigen angesagt.

Funktionsprinzip der Scheibenbremse

Das Funktionsprinzip einer Scheibenbremse ist recht einfach: Bremskolben drücken beim Bremsen zwei Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe, die fest mit der sich drehenden Radnabe verbunden ist, wobei die Bewegungsenergie des rollenden Rades durch Reibung in Wärmeenergie umgesetzt wird.

Vorteile von Scheibenbremsen

Der Vorteil von Scheibenbremsen gegenüber den weitverbreiteten Felgenbremsen, bei denen Beläge aus einer Gummimischung auf die beiden Felgenseiten gepresst werden, liegt grundsätzlich in einer besseren Bremswirkung bei Nässe, der Unempfindlichkeit bei Felgenschlägen und der Schonung der Felge.

Hydraulische Bremssysteme

Die viel gepriesene feine Dosierbarkeit der Bremsleistung als größter Vorteil einer Scheibenbremse am Fahrrad kann sich erst voll bei den hydraulischen Bremssystemen entfalten: Bei hydraulischen Scheibenbremsen wird der Bremsimpuls über Hydraulikflüssigkeit oder Öl statt durch Bremszüge weitergeleitet.

Schon kleine Druckveränderungen werden in diesem geschlossenen System an die Bremskolben weitergegeben, so dass sich, was Sie mit Ihrer Hand am Bremshebel vorgeben, auch unmittelbar in dem Maß der Bremsleistung niederschlägt.

Kabelzüge bei mechanischen Bremsen reagieren demgegenüber weniger empfindlich auf Ihre mit dem Bremshebel gegebenen Impulse. Bei höherwertigen Fahrrädern werden daher bevorzugt hydraulische Bremsen verbaut.

Wartung

Hydraulische Scheibenbremsen überzeugen aber nicht nur dank größerer Kontrolle über die Bremswirkung. Sie sind auch weniger wartungsintensiv als ihre mechanischen Kollegen.

Kabelzüge verschmutzen schnell und können bei Wassereintritt korrodieren. Wenn Bremszüge nicht regelmäßig gewartet und gereinigt werden, können sie die Impulse des Bremshebels nicht mehr störungsfrei weitergeben.

Die Bremsleistung kann dadurch beeinträchtigt werden oder - im schlimmsten Fall - ganz ausfallen. Bei hydraulischen Scheibenbremsen ist diese intensive, regelmäßige Pflege dank des geschlossenen Hydrauliksystems, das nur bei Beschädigungen wieder geöffnet und neu befüllt werden muss, entbehrlich. Sie sind daher vergleichsweise wartungsarm und stabil.

Sollten jedoch einmal Probleme oder Beschädigungen an einer hydraulischen Scheibenbremse auftreten, ist die Behebung relativ aufwendig und erfordert Fachkenntnisse sowie Spezialwerkzeug.

Gewicht

Für Racer spielt bei der Entscheidung über das Bremssystem auch das Gewicht eine Rolle. Wenn jedes Gramm zählt, sollte berücksichtigt werden, dass hydraulische Scheibenbremsen etwas mehr Gewicht auf die Waage bringen.

Grundsätzlich sind sie aber in jeder Radsportdisziplin einsetzbar.

Was sollte ich bei einer Scheibenbremse für mein Fahrrad beachten?

Allerdings lassen sich nicht alle Fahrräder ohne weiteres auf eine Scheibenbremse umrüsten, da das Bremssystem spezielle Bohrungen zur Befestigung erfordert. Das heißt, dass Rahmen, Gabel und Laufräder beziehungsweise Radnabe für die Montage kompatibel sein müssen.

Sie können aber problemlos von einer mechanischen Scheibenbremse bei Ihrem Mountainbike oder Rennrad zu einer hydraulischen wechseln.

Qualitätskriterien

Starke Bremsleistung, gute Kontrollierbarkeit und optimales Wärmemanagement sind die wesentlichen Qualitätskriterien, auf die Sie bei der Auswahl einer Scheibenbremse achten sollten.

Größe der Bremsscheiben

Sie sollten sich auch mit der Größe der Bremsscheibe auseinandersetzen. Für die richtige Wahl sind Gewicht und der Einsatzzweck entscheidend: Je schwerer Fahrer und Gepäck sind, je schneller gefahren wird und je größere Steigungsunterschiede die Strecke aufweist, umso größer sollte die Scheibe sein.

Größere Bremsscheiben kühlen besser ab. Das ist gerade bei extrem beanspruchten Bremsen von Vorteil, weil das „Fading“ - das ist das Nachlassen der Bremswirkung aufgrund des sinkenden Reibwertes der Bremsbeläge auf der heißen Bremsscheibe - möglichst gering ausfällt.

Wer mit seinem Mountainbike oder Rennrad viel im bergigen Terrain unterwegs ist, sollte daher auf große Scheiben Wert legen. Zu empfehlen wären 180-Millimeter-Scheiben oder sogar 200-Millimeterscheiben bei großem Gesamtgewicht.

Kleinere 140- oder 160-Millimeter-Scheiben sind für Tourenfahrer und weniger anspruchsvolle Gelände geeignet.

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