Die Vorteile und Nachteile von Fahrrädern mit blauen Reifen

»Blau blau blau sind alle meine Kleider.« Daran erkannte man früher - dem Kinderlied nach - die Liebste des Matrosen. Heute erkennt man in manchen deutschen Städten bestimmte Fahrräder am blauen Vorderreifen: die Bikes von Swapfiets. Der blaue Vorderreifen ist ein Markenzeichen. Er sagt aus: Das ist ein Fahrrad von Swapfiets. Aber die Optik und die damit verbundene Zuordnung des Rads ist nur eine Sache. Am blauen Vorderreifen hängt noch viel mehr.

Was ist Swapfiets?

Swapfiets ist das weltweit erste "Fahrrad-as-a-Service"-Unternehmen. Gegründet 2014 in den Niederlanden, entwickelte sich das Unternehmen schnell und ist heute einer der führenden Anbieter von Mikromobilität in Europa mit fast 220.000 Mitgliedern in den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien und Großbritannien im Frühjahr 2021. Das Konzept von Swapfiets ist ganz einfach: Gegen eine monatliche Abo-Gebühr erhalten Swapfiets-Mitglieder ein voll funktionsfähiges Fahrrad oder eine E-Mobilitätslösung zur eigenen Nutzung.

Das Abo-Modell

»Das System funktioniert ganz einfach«, erklärt uns Lucas Vroemen, Business Development Manager für Deutschland: »Die Kunden kaufen bei Swapfiets kein Rad, sondern ein Fahrrad-Abo.« Bedeutet: Sie zahlen pro Monat 17,50 Euro beziehungsweise als Student 15 Euro und haben den Service inklusive. Platten? Der Service kommt so schnell es geht und repariert - oder er tauscht aus. Maximal darf das 24 Stunden dauern.

»Das ist wie bei Netflix oder Spotify: Man kauft ein Abo, das man monatlich kündigen kann. Mehr braucht man nicht«, so Vroemen. »Dieser Vergleich macht das System auch schnell verständlich.« Dabei ist nicht nur die Reparatur inklusive, sondern auch die Termin-Auslieferung eines bestellten Rads oder die Zustellung nach der Reparatur. »So erklärt sich auch der Name - vom englischen swap - austauschen.«

Das Swapfiets-System ist also dem Leasing ähnlich. Aber nur ähnlich: Das Unternehmen ist und bleibt immer Eigentümer des Fahrrads.

Vorteile des Swapfiets-Modells

  • Niedrige Einstiegskosten: Im Gegensatz zum Kauf eines eigenen Fahrrads sind die monatlichen Zahlungen von 15 bis 17,50 Euro erschwinglich.
  • Inklusive Service und Reparaturen: Alle Reparaturen, einschließlich Platten, sind im Abo enthalten. Bei Bedarf wird das Fahrrad ausgetauscht.
  • Hohe Flexibilität: Das Abo ist monatlich kündbar, was besonders für Studenten oder Personen mit temporärem Bedarf attraktiv ist.
  • Sicherheit: Swapfiets arbeitet eng mit der Polizei zusammen, um Fahrraddiebstahl zu verhindern. Zudem sorgt das Unternehmen dafür, dass die Fahrräder immer verkehrssicher sind.
  • Umweltfreundlich: Swapfiets trägt dazu bei, die Anzahl von „Fahrradleichen“ in der Stadt zu reduzieren.
  • Werbeeffekt: Die blauen Reifen dienen als automatische Werbekampagne für das Unternehmen.

Die Vorteile für Städte

Aber auch die Stadt sieht laut Milte ihr Unternehmen sehr positiv: »Wir sorgen dafür, dass es weniger Fahrrad­leichen in der Stadt gibt!« Wer sich kurz in Münster umsieht, erkennt das Problem sofort: Hier gibt’s viele Fahrradparkplätze, aber bis zu einem Fünftel davon ist mit kaputten Rädern blockiert.

»Außerdem freut sich die Polizei, dass wir den Verkehr hier sicherer machen: Kaum ein Swapfiets fährt ohne Licht durch Münster. Geht die Beleuchtung nicht, wird sie von uns ja kostenlos repariert.«

Nachteile und Kritikpunkte

  • Langfristige Kosten: Je länger ein Swapfiets genutzt wird, desto weniger lohnt sich das Abo im Vergleich zum Kauf eines eigenen Fahrrads.
  • Selbstbeteiligung bei Diebstahl: Bei Diebstahl des Fahrrads wird eine Selbstbeteiligung von 60 Euro fällig, wenn das Rad abgeschlossen war. Wenn es nicht abgeschlossen war, muss der Kunde 450 Euro zahlen.
  • Keine festen Service-Intervalle: Reparaturen und Wartung erfolgen nur bei Bedarf und nicht in festgelegten Intervallen.
  • Auswirkungen auf den Gebrauchtmarkt: Die Gebrauchtradpreise sind in Städten mit vielen Swapfiets-Nutzern gesunken.

Das Deluxe 7 Modell

Das neue Deutschland-Modell »Deluxe 7« hat eine Rücktrittbremse und eine Felgenbremse (in Holland reicht auch eine Bremse), Nabendynamo, fest montiertes Licht und eine Siebenfach-Schaltung.

Produktdetails des Deluxe 7

  • Getriebe: 7 Gänge
  • Bremse: Hand- & Rücktrittbremse
  • Rahmenmaterial: Aluminium
  • Radgröße: 28 Zoll
  • Reifenbreite: 47 mm
  • Lenker: Verstellbar
  • Licht: LED Beleuchtung
  • Gewichtsbeschränkung: 110 kg
  • Schloss: Ring- & Kettenschloss

Swapfiets in verschiedenen Städten

Derzeit ist das niederländische Unternehmen dabei, Deutschland zu »verswappen«. Als erstes war die Fahrrad-Vorzeigestadt Münster dran: Erst im April 2018 stieg man ein, zum Jahreswechsel ‘19 waren dort schon gut 3.300 Blaureifen zu verzeichnen. Münster bietet sich für den Einstieg an: Der Radanteil an der Alltagsmobilität liegt in Münster bei etwa 35-40 Prozent - irgendwie fährt hier jeder Fahrrad, was auch an der Topografie liegt. Dazu kommt mit fast 20 Prozent ein enorm hoher Anteil von Studenten in der Bevölkerung.

Bei unserem Besuch im Shop in Münster Ende November gab es bereits 7.000 deutsche Swapfiets, so Alena Milte. Shops gibt es auch schon in Bremen (800 Räder), Oldenburg (1.100) und Göttingen (600). Hannover, Braunschweig und Heidelberg werden gerade aufgebaut. 2019 sind Köln und der Osten Deutschlands dran: Berlin - da ist man schon im Aufbau, Leipzig, Dresden. Schon zum Jahreswechsel hatte Swapfiets 100 Mitarbeiter in Deutschland.

Team Jumbo-Visma und Swapfiets fördern gemeinsam das Radfahren im Alltag

Bei ausgewählten Etappen während der Tour de France wird Team Jumbo-Visma die blauen Vorderreifen - in einem innovativen Verfahren von Vittoria aus Baumwolle produziert - als besonders auffälliges Stilmittel einsetzen und darauf aufmerksam machen, dass Fahrräder in Städten weltweit nach wie vor das beste Verkehrsmittel sind, gut für die Gesundheit und gut für die Umwelt.

Richard Plugge, Direktor von Team Jumbo-Visma, erklärt: "Viele Fans des professionellen Radsports sind Menschen, die auch im täglichen Leben gerne das Fahrrad nutzen. Die Partnerschaft mit Swapfiets ist daher eine ganz natürliche Symbiose. Wir als Team Jumbo-Visma sehen dies als Chance, der breiten Öffentlichkeit mitzuteilen, was uns neben dem Gewinn eines Rennens wichtig ist: die Gesundheit der Menschen, eine grünere Umwelt und lebenswertere Städte für alle.

Ein nachvollziehbares und zugängliches Konzept!"

Fazit

Swapfiets hat sich als eine interessante Alternative zum traditionellen Fahrradbesitz etabliert. Das Abo-Modell bietetFlexibilität und inkludiert Serviceleistungen, die besonders für Kurzzeitnutzer und Studenten attraktiv sind. Allerdings sollten die langfristigen Kosten und die Bedingungen bei Diebstahl berücksichtigt werden. Trotz einiger Kritikpunkte bleibt Swapfiets ein innovativer Ansatz, um das Radfahren in Städten zu fördern und eine umweltfreundlichere Mobilität zu unterstützen.

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