Fahrrad Bremsscheibe Reinigen: Tipps für optimale Bremsleistung

Wenn du an die Pflege und Wartung deines Mountainbikes denkst, ist die Reinigung der Bremsscheiben wahrscheinlich nicht das Erste, was dir in den Sinn kommt. Aber gut funktionierende Bremsen sind nun mal enorm wichtig für deine Sicherheit. Deswegen beharren wir so drauf.

Die Wartung der Bremsen, bzw. in diesem Fall der Bremsscheiben, spielt jedoch nicht nur in punkto Sicherheit eine wichtige Rolle. Sie trägt auch dazu dabei, dass dein Mountainbike auf lange (und auf kurze) Sicht technisch einwandfrei funktioniert und andere Teile nicht beschädigt werden. Die mechanischen Einzelbestandteile deines MTBs greifen nämlich ineinander. Umso wichtiger ist es, dass jedes einzelne Puzzleteil seine Arbeit tut und keines aus der Reihe tanzt und eine regelrechte Verschleißkette nach sich zieht.

Deswegen solltest du regelmäßig daran denken, den Zustand deiner Bremsscheiben (und aller anderen Teile, wenn du schon einmal dabei bist) zu überprüfen. Sollte eine Bremsscheibe gerissen oder gebrochen sein, muss sie umgehend ausgetauscht werden. Achte außerdem darauf, ob die Bremsscheiben verbogen sind. Hier wird es problematisch, wenn die Scheibe mehr als 1 mm verbogen ist. Das lässt sich mit dem richtigen Werkzeug jedoch gut reparieren. Überprüfe außerdem regelmäßig, ob deine Bremsscheiben sauber sind.

Wenn dir das Aussehen oder die Funktionsweise eines Teils suspekt vorkommt, wende dich an einen Fachmann, der dich beruhigt und dir helfen kann. An fast allen Fahrrädern findet man inzwischen hydraulische Scheibenbremsen. Die modernen Systeme sind ausgereift und verhältnismäßig einfach zu warten. Lediglich das Entlüften der Anlage, wenn sich einmal Luft im System angesammelt hat, solltest du lieber der Fachwerkstatt überlassen.

Warum ist die Reinigung der Bremsscheiben wichtig?

Es fährt doch - warum also sollten Sie das Fahrrad putzen oder waschen? Ganz einfach: Dreck und dadurch entstehender Rost haben unter anderem zur Folge, dass die Seilzüge Ihres Fahrrads schwerfälliger gehen oder sogar stecken bleiben. Dadurch funktionieren Schaltung und Bremsen nicht mehr richtig. Vor allem im Winter ist die regelmäßige Fahrradreinigung Pflicht, denn Streusalz greift neben den Verschleißteilen auch den Lack Ihres Fahrrads an und begünstigt die Rost-Bildung.

Zur ausgiebigen Fahrradreinigung zählt auch die Pflege der Scheibenbremsen. Die sollten vollständig frei von Schmutz, Staub und Unebenheiten sein. Wie auch bei Motorrad- oder Autobremsen ist es wichtig, Fahrrad Bremsscheiben regelmäßig zu reinigen. So erhalten sie ihre Leistungsfähigkeit und die Lebensdauer lässt sich verlängern.

Die richtige Reinigung der Bremsscheiben

1. Vorbereitung

Es gibt nahezu für jedes Bauteil am Fahrrad ein Spezialmittelchen zur Reinigung. Die sind meist sehr teuer. Bei der Grundreinigung können Sie getrost auf teure Reinigungsmittel verzichten. Für die Reinigung von Rahmen und Rädern eignet sich Spülmittel perfekt. Wichtig: Verwenden Sie keine Lösungsmittel oder andere aggressive Reiniger.

Reinigen Sie Ihr Fahrrad nicht mit einem Hochdruckreiniger: Durch den hohen Druck kann Wasser in die abgedichteten Radlager gelangen, die dann zu rosten beginnen. Am besten reinigen Sie Ihr Fahrrad auf Asphalt in einem Hinterhof oder der Einfahrt. Fetten und ölen Sie Ihre Verschleißteile, sollten Sie das Fahrrad auf einen Karton oder eine Folie stellen, um den Untergrund zu schützen.

2. Laufräder ausbauen und Bremsscheiben prüfen

Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“. Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden.

Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss. Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen.

Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.

Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus. Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“.

Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen. Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.

3. Reinigungsprozess

Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.

Im Zuge eines solchen Waschgangs kannst du die Scheibenbremsen im Prinzip ohne besondere Behandlung einbeziehen. Die Bauteile vertragen Wasser und Fahrradreiniger problemlos. Bei stärkerer Verschmutzung solltest du mit Bremsenreiniger (Spray) arbeiten, der speziell den typischen, aggressiven Bremsstaub lösen kann. Wir empfehlen, den Reiniger dosiert einzusetzen, oder ihn mit einem benetzten Tuch aufzutragen. Zum Beispiel zum Säubern der Scheiben.

4. Vermeidung von Öl auf den Bremsscheiben

Mal kurz Öl auf die Kette sprühen und losfahren. Das denken viele und vergessen dabei, dass die Bremsscheibe sich in unmittelbarer Nähe befindet. Aber ist Öl auf den Bremsscheiben wirklich ein Problem? Ganz klares JA! Selbst das Berühren mit fettigen Fingern kann die Bremswirkung einschränken. Wer Glück hat bemerkt es vorher noch und kann die Scheiben mit Alkohol reinigen. Andernfalls kann es passieren, dass sich die Bremsbeläge mit Öl durchtränken und ihre Bremswirkung fast komplett verlieren. Tipp: Kettenöl aus der Tube bzw. Dosierflasche spart Öl und versprüht nicht die Hälfte!

Wichtig: Achten Sie unbedingt darauf, dass kein Öl auf die Bremsscheiben und den Bremssattel kommt.

5. Reinigung der Bremsbeläge

Wenn die Bremse nur beim Bremsen quietscht, sind meist die Bremsbeläge verunreinigt. Das passiert, wenn die Beläge und/oder die Bremsscheibe mit Öl oder anderen Schmiermitteln in Berührung gekommen sind. Dann quietschen sie nicht nur nervtötend, sondern haben auch eine deutlich schlechtere Bremswirkung.

Bei größeren Verunreinigungen der Bremsbeläge müssen Sie die Beläge erneuern. Bei kleinen Ölmengen kann man die Bremsbeläge noch retten und die Scheibe samt Bremssattel reinigen. Als erstes muss man die Beläge aus dem Bremssattel ausbauen. Danach kann man die verschmutzte Oberfläche der Beläge (Achtung: wirklich nur die Oberfläche) mit einer Feile oder Schleifpapier abfeilen.

Anschließend sollte man die Bremsscheibe und den Bremssattel (innen und außen) mit Bremsenreiniger einsprühen und mit einem sauberen Lappen abziehen. Zusätzlich kann man die gereinigte Bremsscheibe noch mit einem Stück feinem Schleifpapier leicht aufrauen. So können sich Bremsbelag und Scheibe neu aufeinander anpassen. Das ist die Grundlage für eine maximale Bremsleistung.

Abschleifen der Oberfläche der Bremsbeläge und der Bremsscheibe funktioniert nur bei wenig verunreinigten Belägen. Sind eure Bremsbelege verölt, verliert ihr Bremskraft. Ein Austausch der Belege ist unumgänglich.

Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt: 1) Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe. 2) Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten. Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden. Diese verschleißen zwar etwas schneller als Sinterbeläge, neigen aber weniger zu Geräuschentwicklungen. Außerdem lassen sich Bremsen mit organischen Belägen besser dosieren.

6. Regelmäßige Pflege der Fahrradkette

Nachdem Sie das Fahrrad geputzt haben, ist nun die Kette an der Reihe. Reinigen Sie Ihre Fahrradkette, dabei müssen Sie darauf achten, dass Sie die Kette nicht komplett entfetten. Ansonsten kann sich das Öl zwischen Bolzen und Kettengliedern auslösen und Ihre Fahrradkette geht kaputt. Es ist wichtig, die Kette nach jeder intensiven Reinigung richtig zu pflegen.

Beim Öl können Sie zwischen dünnem oder dickflüssigem Öl wählen. An dünnem Öl bleiben Staub und Dreck weniger haften. Durch dünnes Öl kann aber die zähe Fettung der Kette zu stark verdünnt werden und die Fettung wird ausgewaschen. Diese im Nachhinein wiederherzustellen, ist nahezu unmöglich. Wachs ist schmutz- und wasserabweisend und hält die Kette somit besser sauber. Zudem verschmutzt es die Kleidung nicht.

Groben Dreck und Staub sollten Sie nach jeder Fahrt entfernen. Sind Sie viel abseits von Straßen unterwegs, sollten Sie die Kette öfter reinigen. Die Fahrradkette wird oft vernachlässigt.

7. Zusätzliche Tipps zur Fahrradpflege

Nachdem Sie Fahrrad und Einzelteile sorgfältig gewaschen und geputzt haben, sollten Sie Ihr Fahrrad abtrocknen und auch alle anderen Komponenten gut trocknen lassen. Dann geht es daran, dass Fahrrad zu pflegen. Das Fahrrad pflegen bedeutet, es vor Wind, Wetter oder Schäden zu schützen. Je trockner das Fahrrad und die Einzelteile, desto besser haftet das Öl.

Den Rahmen können Sie zusätzlich mit einem Pflegeöl einsprühen und nach circa fünf Minuten Einwirkzeit (Produktbeschreibung beachten) mit einem trockenen Tuch wieder vom Rahmen abnehmen. Achten Sie darauf, sparsam zu fetten.

Das ganzheitliche Fahrradputzen schließt auch die Schalt- und Bremszüge ein. Bei freiliegenden Bremszügen kann Schmutz und Wasser in die Außenhüllen der Innenzüge gelangen.

Umgang mit Quietschenden Scheibenbremsen

Generell muss man unterscheiden, ob eine Scheibenbremse am Mountainbike ständig schleift und dabei ein Geräusch (oft ein Klingeln oder regelmäßiges Schleifgeräusch) von sich gibt, oder ob sie nur dann quietscht oder jault, wenn man die Bremse betätigt. Wie man eine dauerhaft schleifende Scheibenbremse korrekt einstellt, zeigen wir in dieser Schrauber-Anleitung samt Video.

Ein wichtige Info vorab: Eine Scheibenbremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Wer daran selbst rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem gründlich arbeiten. Ohne ausreichende Schraubererfahrung schadet es nicht, eine Fahrradwerkstatt aufzusuchen und sich Rat bei Experten zu holen.

Schnellste Maßnahmen gegen quietschende Scheibenbremsen

Das Abschleifen der Oberfläche der Bremsbeläge und der Bremsscheibe funktioniert nur bei wenig verunreinigten Belägen. Zudem kann man die gereinigte Bremsscheibe noch mit einem Stück feinem Schleifpapier leicht aufrauen. So können sich Bremsbelag und Scheibe neu aufeinander anpassen. Das ist die Grundlage für eine maximale Bremsleistung.

Quietschen bei Nässe

Auch das Quietschen bei nassen Verhältnissen oder bei Regen ist mehr oder weniger normal für Scheibenbremsen.

Ursachen für Geräusche

Eine Ursache für Geräusche ist, dass ein oder mehrere Teile in Schwingung geraten und hochfrequent vibrieren. Das kann ein Bauteil selbst sein oder eine (lose) Verbindung zwischen zwei Bauteilen. Du kannst jedoch prüfen, ob alle Schraubverbindungen an den Bauteilen der Bremsanlage fest geschlossen sind: Das sind zum einen die Befestigungsschrauben der Sättel an Rahmen und Federgabel. Zum anderen die Befestigungsschrauben der Bremsscheiben an den Naben. Bitte hier mit Gefühl vorgehen und einen Drehmomentschlüssel verwenden!

Sitzt der Bremssattel mittig über der Scheibe?

Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Bei einer gut eingestellten Bremse ist der Spalt links und rechts minimal. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen.

In der Regel muss man also den Sattel nur einmal korrekt ausrichten. Zwei Methoden führen zum Erfolg. Die einfachere geht so: Den Bremssattel an den beiden Inbusschrauben lockern, so dass er sich leicht von Hand seitlich bewegen lässt. Nun die Bremse am Hebel fest anziehen. Dadurch klammert sich der Sattel an die Scheibe und richtet sich automatisch aus. Nun bei weiterhin gezogener Bremse die beiden Schrauben wieder fest anziehen (Drehmomentschlüssel!). Nach Loslassen des Hebels sollte die Scheibe mittig zwischen den Belägen stehen und frei rotieren.

Fahren alle Kolben gleichmäßig und leichtgängig aus?

Nach längerer Nutzung und vielen Schlechtwetterfahrten kann es sein, dass die Kolben verschmutzt sind und nicht mehr gleichmäßig ausfahren. Oder dass sich einer der Beläge nach dem Bremsvorgang nicht mehr von der Scheibe zurückzieht. Auch das kann dann Schleifgeräusche verursachen. In diesem Fall müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden.

Werkzeuge für die Reinigung und Wartung

Wir zeigen dir, welche Servicearbeiten du in Eigenregie erledigen kannst. Angefangen beim regelmäßigen Check und Austausch der Bremsbeläge. Bis hin zur Fehlersuche bei Schleif- oder Quietschgeräuschen.

Werkzeug - Diese Tools benötigst du:

  • Satz Innensechskantschlüssel (Inbus)
  • Torx Schlüssel (je nach Bremsentyp)
  • Drehmomentschlüssel (empfehlenswert!)
  • Schleifpapier ca. Korn 100 bis 150
  • Bremsenreiniger Spray
  • Zur Bremse passende Ersatzbeläge

Mit diesen Tipps und Anleitungen kannst du die Lebensdauer deiner Fahrrad Bremsscheiben verlängern und stets eine optimale Bremsleistung sicherstellen.

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