Beim Thema Fahrradwartung ist das richtige Drehmoment entscheidend, besonders bei modernen Fahrrädern mit Carbon-Komponenten. Ein Begriff wie „Drehmoment“ kann erst mal sehr technisch und auch etwas einschüchternd klingen, aber im Endeffekt ist es gar nicht so schwer zu verstehen. Denn mithilfe des Drehmoments stellst du sicher, dass du die Teile deines Fahrrads beim Montieren oder Einstellen nicht zu locker oder zu fest anziehst.
Das Drehmoment (auch als Anzugsmoment bezeichnet) gibt an, wie fest ein Befestigungselement mit Gewinde, wie etwa eine Schraube oder ein Bolzen, angezogen wird. Ein bestimmtes Drehmoment wird mithilfe eines Drehmomentschlüssels erreicht. Drehmomentangaben bestimmen die korrekte Anzugskraft für Teile und die zugehörige Schraubverbindung. Mithilfe dieser Angaben wird sichergestellt, dass Teile nicht zu schwach oder zu fest angezogen werden.
WARNUNG - Ein zu hohes Drehmoment kann zur Beschädigung oder Fehlfunktion eines Teils führen. Ein zu geringes Drehmoment kann dazu führen, dass Teile sich lösen oder durch Materialermüdung brechen. Verwende einen Drehmomentschlüssel, um ein Teil mit dem korrekten Drehmoment anzuziehen, oder lasse diese Arbeiten von deinem Fachhändler durchführen.
Die Bedeutung des richtigen Drehmoments
Wer nicht regelmäßig Reparaturarbeiten am Bike erledigt, dem fehlt meist das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung beim Anziehen von Schraubverbindungen. Denn längst nicht jede muss mit derselben Festigkeit geschlossen werden. Im Gegenteil. Die Verbindungen erfordern je nach Schraube, Durchmesser, Größe und Material ganz individuelle Behandlungen.
Unerfahrene Hobbymechaniker schießen daher besonders bei filigranen Schrauben schnell einmal über das Ziel hinaus. Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass die Schraube abreißt und ihr Kern im Gewinde stecken bleibt. In der Regel ein irreparabler Schaden. Und selbst wenn sie nicht reißt, kann eine zu feste Verbindung oder Klemmung das Bauteil schädigen.
Aber auch das andere Extrem, eine zu lockere Verbindung, ist gefährlich. Stelle dir die Folgen vor, wenn sich während der Fahrt Lenker oder Vorbau lösen. Deshalb sind seit vielen Jahren die Komponentenhersteller dazu übergegangen, für jede Schraube ein so genannten Anzugsmoment festzulegen. Angegeben und gemessen wird es in der Einheit Newtonmeter (Nm). Man findet den Wert in der Gebrauchsanleitung des Herstellers. Ideal: Manche Hersteller drucken den Wert direkt am Bauteil neben der Schraube auf (z. B. Syntace).
Um nun dieses Anzugsmoment möglichst genau zu erzielen, benötigt man einen Drehmomentschlüssel. Selbst bei Profi-Mechanikern ist er ständig im Einsatz, da es kaum möglich ist, sich soviel Feingefühl in der Hand bzw. im Arm anzutrainieren.
Der Drehmomentschlüssel
Es gibt verschiedene Typen von Drehmomentschlüsseln. Zum Beispiel solche, die mit Hilfe von Torsion und einer Anzeigeskala arbeiten, oder auch elektronische Varianten. Sehr populär ist der hier vorgestellte auslösende Drehmomentschlüssel, auch genannt Knack-Schlüssel. Er sieht auf den ersten Blick aus wie eine so genannte Knarre (Ratsche). Ein Hebel mit Handgriff am Ende, an dem vorne der Ratschenmechanismus angebracht ist. Dort lässt sich an einem Vierkant-Flansch das gewünschte Werkzeug aufstecken. Beispielsweise ein Steck-, Torx- oder Inbus-Schlüssel.
Unterschied zur herkömmlichen Knarre: Direkt hinter dem Ratschenmechanismus, am Beginn des Hebels, sitzt ein teilbewegliches Gelenk. Eine Art Wippe, deren Widerstand über eine einstellbare Druckfeder im Inneren des Hebels regelbar ist. Über eine (Nm-) Skala wird vor dem Gebrauch das gewünschte Anzugsmoment eingestellt. Bei Erreichen dieses Wertes kippt die Wippe mit einem hör- und spürbaren Knack (!) vom einen zum anderen Anschlag.
Man benötigt unterschiedlich lange Schlüssel für verschiedene Anzugsmoment-Bereiche. In der Fahrradwerkstatt sind in der Regel zwei Schlüssel ausreichend. Wichtiger ist derjenige für die schwachen bis mittleren Anzugsmomente. Denn dabei verschätzt man sich eher als bei den hohen.
Der Drehmomentschlüssel im Einsatz
Wir zeigen den Gebrauch des Drehmomentschlüssels am Lenker/Vorbau. Hier ist es besonders wichtig, dass alle Klemmverbindungen korrekt angezogen sind. Erst recht, wenn der Lenker aus Carbon besteht!
Nachdem geklärt ist, welches Anzugsmoment die Schraube benötigt, stellt man diesen Wert (Nm) an der Skala des Drehmomentschlüssels ein. Das passende Werkzeug, zum Beispiel ein Inbus, wird an der Ratsche angebracht. Bei Klemmungen mit mehreren Schrauben müssen diese stückweise abwechselnd (2 Schrauben) bzw. über kreuz (4 Schrauben) angezogen werden. Damit die Hebelverhältnisse stimmen, muss man den Drehmomentschlüssel exakt am Griff anfassen. Sobald das eingestellte Anzugsmoment erreicht ist, kippt der Hebel an dem Gelenk (Wippe) in Drehrichtung der Schraube. Dabei ist ein Knackgeräusch zu hören. Ab jetzt nicht weiter anziehen!
Ein Drehmomentschlüssel ist ein praktisches Fahrrad Zubehör, um alle Teile anzuziehen. Ein Drehmomentschlüssel ist hierbei unverzichtbar, da er hilft, Schrauben exakt und sicher festzuziehen.
Schrauben schmieren oder trocken montieren?
Eine schwierig zu beantwortende Frage. Sicher ist: Mit einem geschmierten Gewinde lässt sich eine Schraube fester anziehen als trocken. Deshalb werden Anzugsmomente stets für den trockenen Zustand angegeben, da man sonst auch mit Dremomentschlüssel übers Ziel hinausschießen kann. Wer dennoch (leicht) fettet, sollte daher das empfohlene Anzugsmoment etwas verringern. Eine Schmierung ist ebenfalls kontraproduktiv an Schrauben, die ab Werk mit einer Sicherung (blaue Paste) gegen Lösen versehen sind. Zum Beispiel die Befestigungsschrauben von Bremsscheiben. Diese könnten sich sonst durch hochfrequente Vibrationen der Scheiben während des Bremsvorgangs mit der Zeit lösen.
Schraubensicherung (z. B. Loctite) findet man teils auch an Lenker- und Vorbauklemmungen. Was in dem Fall eher gegen eine Schmierung spricht. Man sollte darauf achten, dass die Gewinde sauber sind. Unproblematisch hingegen ist eine Schmierung an den Pedalgewinden, die ja durch die Laufrichtung (Rechts- und Linksgewinde) so konstruiert sind, dass sie sich nicht von selbst lösen können. Hier steht eher der Korrosionsschutz im Vordergrund.
Hinweis: Bei der Schmierung von Carbon- und Titan-Bauteilen darf kein Fett zum Einsatz kommen! Hier sind spezielle Montagepasten zu verwenden (Bitte die Anweisungen des jeweiligen Herstellers beachten).
Hersteller erwähnen in den Beschreibungen, wenn an einer Stelle eine Schraubensicherung aufgetragen werden soll. Das kann z. B. an Bremsscheiben oder dem Tretlagergewinde der Fall sein. Achte dann darauf, dass du kein zu starkes Mittel und nur moderate Mengen verwendest.
Wenn du ungleiche Metalle verbindest, genügt Fett nicht, um das Festrosten zu verhindern. Eine geeignete Montagepaste für Carbon, Alu oder Titan ist dann notwendig. Obwohl Metalle und Legierungen wie Alu und Carbon eigentlich nicht rosten, erzeugen sie an der Kontaktfläche eine Korrosionsschicht. Nutze Montagepaste am Gewinde und an Schraubenköpfen sowie natürlich allen Kontaktstellen der Parts.
Wartung und Überprüfung
Bei intensiver Nutzung deine Bikes im Gelände treten enorme Kräfte an allen Verbindungen auf. Du bist auf Trails, Downhill-Pisten oder im Gebirge unterwegs? Dann prüfst du vor jeder Fahrt, ob alle Schrauben fest genug sitzen. Auch vor langen Touren und Radwanderungen prüfst du Schrauben und Parts an allen beweglichen Teilen. Ein kleines Multitool mit Innensechskant-Schlüsseln ist auf Tour der Garant dafür, dass du schnell Abhilfe schaffst.
Bei moderater Nutzung und gemäßigter Fahrweise prüfst du die Schrauben am Vorbau, an der Sattelstütze und an Kurbelarmen monatlich, vor und nach langen Touren. Achte darauf, dass dein Rad sauber bleibt und sich Schmutz an und an manchen Rückseiten auch in den Gewinden sammeln kann. Lässt du dein E-Bike oder Fahrrad in einer Werkstatt warten.
Anbauteile wie Lenker, Flaschenhalter, Gepäckträger etc. sollten regelmäßig auf das korrekte Drehmoment überprüft und ggf. mit einem Drehmomentschlüssel nachgezogen werden. Nicht zu feste Anziehen - ansonsten kann das Gewinde oder die Teile selbst beschädigt werden! Die richtige Drehmomentangabe findest Du in den Unterlagen des Produkts oder direkt als Zahl (in Nm) auf dem Anbauteil aufgedruckt.
Schraubverbindungen an Bremssattel, Lagern, Vorbauten etc. sollten regelmäßig auf das korrekte Drehmoment überprüft und ggf. nachgezogen werden um eine sichere Fahrt zu gewährleisten. Da die jeweiligen Angaben von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sind, kann hier keine pauschale Aussage über einen korrekten Wert gegeben werden. Vor allem das richtig eingestellte Drehmoment der Lagerschrauben ist enorm wichtig, damit eine sichere und einwandfreie Funktion gewährleistet werden kann. Desweiteren sollten Lagerschrauben mit mittelfester Schraubensicherung bzw. Sicherungslack versehen werden.
Drehmomenttabelle für Fahrradkomponenten
Hier findet ihr eine Tabelle mit den jeweiligen Anzugsmomenten für Fahrradteile und Schrauben. Jeder kennt den Spruch: „Nach fest kommt ab“. Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm. Beim Antrieb, der höheren Belastungen ausgesetzt ist, werden oft auch mal 40 Nm benötigt. Die richtig dosierte Kraft schütz Zubehörteile, Schrauben und Gewinde vor Beschädigungen. Bei Carbonrahmen oder Anbauteilen unbedingt Montagepaste (kein Öl) verwenden, um das Anzugsdrehmoment zu verringern. Am besten auch immer die Angaben des Herstellers beachten.
Die meisten händisch angezogenen Schrauben bzw. mit Gefühl angezogenen Schrauben, werden in der Regel zu schwach oder zu stark angezogen. Das kann bei manchen Rahmenmaterialien oder einem kleinen Gewinde schnell zu Beschädigungen führen. Sicherheitshalber einen Drehmomentschlüssel verwenden.
Tipp: Am besten vor einer längeren Tour alle Schrauben checken und gegebenenfalls nachziehen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ein Universaltool im Gepäck hilft dabei, Schrauben auch unterwegs nachziehen zu können.
| Bauteil | Nm (Newtonmeter) | Benötigtes Werkzeug |
|---|---|---|
| Abdeckkappe in Schaftrohrkralle | 3-4 | Ahead-Kralle |
| Bar Ends | 15-17 | Inbusschlüssel 8 mm |
| Bremshebel (Unterrohrmontage) | 5-7 | Inbusschlüssel 4 mm |
| Bremshebelschelle | 2.5-3 | Kreuzschlitzschraubendreher |
| Bremshebelschelle | 6-8 | Inbusschlüssel 4 mm |
| Bremszuggegenhalter | 6-8 | Inbusschlüssel 4 mm |
| Cantileverbremse - Belagfixierung | 1-2 | Kreuzschlitzschraubendreher |
| Cantileverbremse - Bremsschuh | 8-9 | Maulschlüssel 10 |
| Cantileverbremse - Sockel | 5 - 7 | Inbusschlüssel 5mm |
| Cantileverbremse - Zugklemmung | 6 - 9 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Cleats (SPD) | 5 - 8 | Inbusschlüssel 4 mm |
| Freilauf - Freilaufkörper | 35 - 50 | |
| Freilauf - Kassette (Konterring HG) | 30 - 50 | Spezialwerkzeug |
| Innenlager Konus | 60 - 70 | Konusschlüssel 36 oder 40 mm |
| Innenlager Patrone | 50 - 70 | Spezialwerkzeug |
| Kettenblattschraube | 6 - 11 | Inbusschlüssel 6 mm |
| Kurbelschraube | 35 - 50 | Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter |
| Nabe - Achsmutter | 20 - 40 | Konusschlüssel 15 |
| Nabe - Konus-Kontermutter | 10 - 25 | Konusschlüssel 13, 14 |
| Nabe - Schnellspannhebel | 9 - 12 | Schnellspannhebel |
| Pedalachse | 35 - 40 | Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13 |
| Sattelklemmung doppelt | 8 - 14 | Inbusschlüssel 4 mm |
| Sattelklemmung einfach | 14 - 34 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Sattelstützeklemmung | 8.5 - 11.5 | Inbusschlüssel 5 mm oder Schnellspannhebel |
| Schaltbremshebel - Schelle | 2.5 - 3 | Kreuzschlitzschraubendreher |
| Schaltbremshebel - Schelle | 6 - 8 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Schalthebel - Daumenschalter | 2.5 | Inbusschlüssel 3 mm |
| Schalthebel - Drehgriff | 1.5 | Inbusschlüssel 3 mm |
| Schaltwerk - Befestigungsbolzen | 8 - 10 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Schaltwerk - Schaltröllchen | 3 - 4 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Schaltwerk - Zugklemmung | 4 - 7 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Scheibenbremse - Bremsklotz | 5 | |
| Scheibenbremse - Bremssattel | 5 | |
| Scheibenbremse - Nabe (6-Loch-Aufnahme) | 5 | |
| Seitenzugbremse - Bremskörper | 8 - 10 | Inbusschlüssel 5 mm, Maulschlüssel 10, 12, 13 |
| Seitenzugbremse - Bremsschuh | 5 - 9 | Maulschlüssel 10 mm |
| Seitenzugbremse - Zugklemmung | 5 - 8 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Steuersatz - A-Head-Klemmung | 17 - 20 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Steuersatz - Klemmschraube Konus | 20 - 30 | Inbusschlüssel 6 mm |
| Steuersatz - Kontermutter | 34 | Konusschlüssel 32, 36, 40 mm |
| Umwerfer - Befestigungsschelle | 5 - 7 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Umwerfer - Lötsockel | 7 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Umwerfer - Zugklemmung | 5 - 7 | Inbusschlüssel 5 mm |
| V-Brake - Sockel | 5 - 7 | Inbusschlüssel 5 mm |
| V-Brake - Bremsschuh | 6 - 8 | Inbusschlüssel 5 mm |
| V-Brake - Zugklemmung | 6 - 8 | Inbusschlüssel 5 mm |
| Vorbau - Lenkerklemmung | 11 - 30 | Inbusschlüssel 5 mm |
Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers.
Ein Drehmomentschlüssel sollte bei eingestellten 0 Nm gelagert werden.
Besondere Vorsicht bei Carbon
Bei Teilen aus Carbon spielt das richtige Anzugsmoment der Schraube eine zentrale Rolle. So klemmst du z. B. ein Rad mit Carbonrahmen bei der Wartung nicht am Oberrohr in den Montageständer, sondern mit mäßiger Kraft an der Sattelstütze. Carbon Sattelstützen sind für Anzugsmomente von etwa 5 Nm vorgesehen. Verschraubst du Carbonteile zu fest, können sie unter Belastung brechen.
Für Carbon sind keine pauschalen Drehmomentwerte anzugeben. Hier sind immer die Angaben der einzelnen Hersteller von den beiden zu verbindenden Komponeten zu beachten. Aber Achtung !!! der maximale Wert ist nur das was nicht überschritten werden sollte. Die alte Handwerkerregel, nach Fest kommt Ab, gilt im erweiterten Sinne umso mehr bei Carbon. Hier gilt, weniger ist mehr !
Klemmflächen wie Lenker-Vorbaukombinationen, Bremsgriffe, Sattelstützen, etc. bei denen zumindest eine Seite aus Carbonmaterial besteht, sind unbedingt beide Oberflächen, bzw. Reinigen Sie beide Kontaktseiten mit nicht aggressiven Reinigungsmitteln, wie z.B. einem Entfetterspray, oder Spiritus.
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