Die Wetter-App hat nur strahlenden Sonnenschein gemeldet und doch zieht urplötzlich ein Gewitter auf: Das ist Horror für alle Radfahrerinnen und Radfahrer. Ein kräftiges Sommergewitter kann nicht nur nass machen, sondern auch gefährlich werden. Neben einem Blitzschlag sind auch Starkregen und Sturmböen eine Gefahr für Radfahrende. Das kann leider immer passieren, auch wenn man seine Tour nach der Wettervorhersage geplant hat. Deshalb ist es wichtig, vorbereitet zu sein und zu wissen, wie man sich bei einem Gewitter verhält.
Gefahren beim Radfahren bei Gewitter
Viele Menschen stellen sich die Frage: Ist Fahrradfahren oder E-Bike fahren bei Gewitter gefährlich? Die Antwort lautet: Ja, das ist es. Bei Gewitter sollte auf Fahrradfahren verzichtet werden.
- Blitzschlag: Ein Fahrrad aus Metall zieht den Blitz nicht an, aber das Metall wirkt leitend. Anders als ein Auto ist ein Fahrrad kein Faraday'scher Käfig. Deshalb gilt: Immer weg vom Fahrrad, wenn das Gewitter tobt.
- Starkregen: Gerade bei Starkregen ist die Sicht von Autofahrenden stark beeinträchtigt und Radfahrende können schnell übersehen werden - vor allem, wenn sie kein Rücklicht haben.
- Sturmböen: Im Wald besteht Gefahr durch böigen, stürmischen Wind und Totholz in den Bäumen: Äste können herunterfallen oder abbrechen, Bäume umstürzen.
Wie man ein Gewitter erkennt
Sommergewitter treten meist gegen Spätnachmittag und abends auf. Deshalb lohnt es sich, die Fahrradtour in die Morgenstunden zu verlegen. Ansonsten ist der regelmäßige Blick auf eine Wetter-App ratsam und auch ein Blick in den Himmel kann helfen: Bei gering bewölktem Himmel türmen sich Gewitterwolken in die Höhe und haben im Frühstadium die Form eines Blumenkohls. Außerdem kündigt sich ein Gewitter durch grummelnden Donner an.
Wenn Donner zu hören ist, ist das Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt. Für eine genauere Bestimmung kann man die Sekunden zwischen Blitz und Donner abzählen. Diese Zahl teilt man dann durch drei und kommt so auf die Entfernung des Gewitters in Kilometern. Schall legt nämlich rund 333 Meter pro Sekunde zurück, also einen Kilometer in drei Sekunden.
Verhaltensregeln bei Gewitter
Eine wichtige Regel für Radfahrende: Auf alle Wetterlagen - wie das Sommergewitter - vorbereitet sein. Wenn das Gewitter sich also nähert, heißt es, die Tour anzupassen und einen Unterschlupf zu finden. Hier sind einige Tipps, wie man sich bei einem Gewitter verhalten sollte:
1. Schutz suchen
Ideal ist es, möglichst rechtzeitig Schutz in einem Haus mit Blitzableiter oder unter einer Stahlbetonbrücke zu suchen. Auch Brücken aus Stahlbeton bieten Schutz, weil sie wie ein Blitzableiter wirken. Das Fahrrad unbedingt vor der Brücke liegen lassen und keine Metallteile wie zum Beispiel Geländer berühren. "Der Blitz schlägt in die hoch gelegenen Teile der Brücke ein und wird über die Stahlbewehrung des Betons, die bis in das Brückenfundament reicht, in die Erde abgeleitet", sagt Roland Huhn vom ADFC. Im Notfall bieten Schutzhütten, Bushaltestellen oder Vordächer Schutz vor Regen.
2. Gefährliche Orte meiden
Wenn man dem Gewitter nicht ausweichen kann, sollte man auf keinen Fall einzelne Bäume als Unterstand nutzen. Diese stellen einen hohen Punkt dar und ziehen dadurch verstärkt Blitze an. Auch hohe Masten mit Metallanteil sind tunlichst zu meiden, da sich die Metallteile als Leiter erweisen können. Wer durch einen Wald fährt, ist zwar vor Blitzeinschlägen besser geschützt, kann hier aber durch herabfallende Äste verletzt werden. Deshalb sind Wälder bei einem Gewitter auch kein optimaler Aufenthaltsort.
Auch die Fahrbahn gilt es zu verlassen, da weitere Risiken drohen. In den Bergen sollte man die Gipfel meiden. Höhlen bieten sich zwar auf den ersten Blick als schlauer Unterschlupf an, können aber gerade bei Starkregen oder Steinschlag schnell zur Falle werden. Auch von Felsvorsprüngen ist abzuraten, denn hier können herabfallende Steine zu Verletzungen führen. Um Seen und Flüsse ist ebenfalls ein Bogen zu machen, da Wasser Blitze anzieht.
3. Schutzhaltung einnehmen
Weit und breit kein Haus? Sofort runter vom Rad, sich vom Rad entfernen und im tiefsten Punkt im Gelände, in einem Graben, einer Mulde oder Senke Schutzhaltung einnehmen: Hinkauern, Arme eng an den Körper, Kopf einziehen und dabei die Füße eng geschlossen halten. Der Deutsche Alpenverein (DAV) rät zur Schutzhaltung auf isolierendem Untergrund: "Dazu kauert man sich mit geschlossenen und angezogenen Beinen am besten auf eine isolierende Unterlage (wie einen trockenen Rucksack oder ein Kletterseil).
Wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, darf man nicht beieinanderstehen oder sich berühren, sondern sollte Abstand halten. Ein Regenschutz, z. B. eine Regenjacke, hilft, zumindest den Oberkörper trocken zu halten.
4. Abstand zum Fahrrad halten
Obwohl ein Fahrrad gummierte Griffe und Reifen hat, bietet es, anders als ein Auto, keine ausreichende Isolierung, um gegen Blitzeinschlag gut zu schützen. Ein Fahrrad ist somit kein Faradayscher Käfig, sondern das Gegenteil: Die Metallteile dienen als Leiter. Blitze werden zwar nicht angezogen, aber geben bei einem Einschlag den Strom besser weiter, was zu üblen Verbrennungen führen kann.
„Man sollte sich deshalb bei einem Gewitter immer mindestens zehn Meter vom Rad entfernen“, rät Stefan Stiener, Geschäftsführer des Reiseradherstellers Velotraum, und ergänzt: „Elektronische Teile, z. B. Displays von E‑Bikes oder elektronische Schaltungen, sollten ausgeschaltet und wenn möglich abgenommen werden, damit keine weiteren Schäden entstehen.“ Am schlausten sei es, die elektronischen Komponenten in einer wasserdichten Tasche zu verstauen und etwas entfernt vom Rad und sich selbst auf den Boden zu legen.
5. Nach dem Gewitter
Ist das Gewitter vorbeigezogen, heißt es: kein Risiko eingehen, sondern erst mal abwarten. Rund 30 Minuten kann es nach dem letzten Blitz und Donner dauern, bis die Gefahr endgültig vorüber ist. Man sollte dann nicht den Fehler machen und die Radtour in Zugrichtung des Gewitters weiterführen, sondern sich in die Gegenrichtung bewegen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass nach Starkregenereignissen Bäche Straßen und Wege überfluten können.
Zusammenfassung der wichtigsten Verhaltenstipps
- Prüfen Sie vor anstehenden Radtouren stets die Wettervorhersage.
- Steigen Sie umgehend von Ihrem Fahrrad, fahren Sie bei Gewitter nicht weiter und entfernen Sie sich von Ihrem Rad.
- Falls sich Ihnen eine Möglichkeit bieten sollte, suchen Sie Schutz und warten Sie, bis das Unwetter vorüber ist.
- Halten Sie sich fern von Bäumen, denn auch sie stellen eine mögliche Gefahr dar.
- Suchen Sie Schutz unter Betonbrücken oder Gebäuden mit Blitzableitern und halten Sie sich von Bäumen und metallischen Objekten (auch Ihrem Fahrrad) fern.
- Sind Sie im Wald unterwegs, suchen Sie sich eine Stelle mit möglichst gleich hohen Bäumen.
- Befinden Sie sich auf freiem Feld, wenn das Gewitter heranrollt, entfernen Sie sich mindestens 10 Meter von Ihrem Fahrrad und hocken Sie sich mit geschlossenen Beinen hin. Halten Sie Füße und Arme eng am Körper.
Die schönste Zeit für Radtouren ist der Sommer. Gleichzeitig ist das aber auch die Jahreszeit, in der es immer mal wieder blitzt und donnert. Wenn Sie diese Tipps beherzigen, können Sie ein Gewitter gut überstehen und Ihre Radtour danach unbeschwert fortführen.
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