Fahrradfahren lernen als Erwachsener: Tipps und Tricks

Fahrradfahren lernen als Erwachsener? Das ist noch immer ein Thema, über das ungern gesprochen wird. Rad fahren kann man doch schon als Kind. Oder? Nicht unbedingt.

Zwar gibt es laut Zweirad Industrie Verband gut 79 Millionen Fahrräder und E-Bikes in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass alle rund 70 Millionen erwachsenen Menschen hierzulande auch Fahrrad fahren können. Nie gelernt wegen übervorsichtiger Eltern oder religiösen Verboten, Angst nach einem Sturz ...

Ja! Das Fahrradfahren kann in jedem Alter erlernt werden, sofern man noch fit, beweglich und aufmerksam ist. Wer im Erwachsenenalter zum ersten Mal auf ein Fahrrad steigen möchte, wird dabei auch nicht allein gelassen.

Das ist mitunter nicht mehr ganz so einfach wie als Kind, da Erwachsene oft weniger geduldig sind und sich mehr Gedanken machen, was schiefgehen könnte. Aber es lohnt sich, Fahrradfahren zu lernen. Denn laut Umweltbundesamt lassen sich in Ballungsgebieten bis zu 30 Prozent der Autofahrten durchs Fahrrad ersetzen.

Warum es sich lohnt, Fahrradfahren zu lernen

Doch auch als Transportmittel ist ein Fahrrad mehr denn je eine Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem umweltverschmutzenden und teuren Auto. Wenngleich viele schon im frühen Kindesalter in die Pedale treten, ist es auch für Erwachsene und sogar Senioren definitiv nicht zu spät, Fahrradfahren zu lernen.

Radfahren ist gesunde, kostengünstige Mobilität. Viele Menschen lernen es deshalb schon in jungen Jahren - aber einige auch nicht. Obwohl statistisch gesehen fast jeder Mensch in Deutschland ein Rad besitzt, gibt es viele Menschen, die nie gelernt haben, Rad zu fahren.

Wieder andere haben nie Rad fahren gelernt, weil besorgte Eltern die Straßen als zu gefährlich einstuften. Einige Erwachsene haben seit ihrer Führerscheinprüfung gar nicht mehr im Fahrradsattel gesessen. Und andere stammen aus Kulturkreisen, in denen das Radfahren nahezu unbekannt ist.

Die Angst überwinden

Radfahren soll nicht zur Mutprobe werden. Eine gewisse Grundspannung beim Fahrradfahren erhöht die Aufmerksamkeit und hilft, Gefahren schnell zu erkennen.

Erwachsenen fällt es häufig schwerer, neue Dinge zu lernen - das liegt unter anderem daran, dass sie viel verkopfter sind und mehr über mögliche Gefahren nachdenken. Daher geht es in erster Linie darum, diese Ängste hinter sich zu lassen.

Der wichtigste Tipp: Tasten Sie sich in Ihrem eigenen Tempo ans Fahrrad heran und lassen Sie sich nicht drängen. Nutzen Sie leere Straßen, Einfahrten oder leere Parkplätze zum Üben. In diesem sogenannten Schonraum sind Sie sicher vor dem Verkehr, können Gefahrensituationen, Slalomfahren und andere Dinge in Ruhe üben und verinnerlichen.

Die ersten Schritte

Langsam anfangen: Als ersten Schritt sollten Sie Ihr Fahrrad kennenlernen - und schieben. Lernen Sie Ihr Fahrrad erst einmal gründlich kennen. Schieben Sie es über einige längere Strecken, gehen Sie um Kurven, schieben Sie einen Slalom - so merken Sie, wie das Bike reagiert. Dabei können Sie auch das Bremsen üben: Wie wirkt sich der Zug an den Handbremsen aus, wenn sie sie unterschiedlich stark betätigen?

Rollern statt treten: Seien Sie noch einmal Kind: Die fangen meist auch auf einem Tretroller an und lernen, das Gleichgewicht zu halten. Ähnlich wird es auch in vielen Anfängerkursen gemacht, speziell mit Rollern für Erwachsene.

Auch ohne Roller können Sie das mit ihrem Fahrrad simulieren: Stellen Sie den Sattel möglichst niedrig ein und schrauben Sie die Pedale ab. So haben Sie im Notfall immer die Füße auf dem Boden. Versuchen Sie, Übungen wie Kurvenfahrten oder das Abstoßen mit einem Bein einzubauen.

Erste Tritte machen: Wenn das gut funktioniert, können Sie sich ans Treten herantasten. Zum Anfahren stellt man den Fuß auf das oben stehende Pedal (Position auf etwa 11 Uhr) und mit dem Standbein stößt man sich vom Boden ab. Wenn das Rad erst einmal rollt, können Sie besser die Balance halten. Das probieren Sie immer wieder.

Im Idealfall steht der linke Fuß auf dem Pedal, mit dem rechten Fuß stößt man sich vom Boden ab. Der Grund: Beim Anfahren auf der Fahrbahn ist die Körperseite dann geschützt vor dem Verkehr.

Training, Training, Training: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Üben Sie das Balancehalten, das Treten, das Kurvenfahren und das Bremsen in schwierigeren Situationen ganz in Ruhe. Erst dann sollten Sie sich in den fließenden Verkehr wagen. Machen Sie die ersten Fahrten am besten in verkehrsberuhigten Zonen und auf getrennten Radwegen. Fußgängerwege sind für erwachsene Fahrradfahrer tabu, auch wenn sie Anfänger sind. Haben Sie Geduld mit sich selbst, mit der Zeit werden Sie immer besser.

Das richtige Equipment

Was außerdem wichtig ist:

  • Das passende Fahrrad: Ideal für den Einstieg in die Welt der Fahrräder ist ein Bike mit tiefem Einstieg. So können Sie schneller und einfach auf- und absteigen. Breite Reifen geben mehr Stabilität. Eine Rücktrittbremse ist für Einsteiger übrigens nicht empfehlenswert, weil sie bei Schreckreaktionen zu plötzlichen Vollbremsungen führen kann.
  • Ein E-Bike sollten Sie für den Start nicht nutzen: Das höhere Gewicht und die Beschleunigung können Anfänger überfordern. Greifen Sie stattdessen lieber zu einem herkömmlichen Fahrrad.
  • Immer Helm und Handschuhe tragen: Falls es doch einmal zu einem Sturz beim Üben kommt, schützen sie vor Hautabschürfungen oder schwereren Verletzungen. Das gilt übrigens nicht nur für Anfänger.

Professionelle Hilfe und Kurse

Tipp: Übe zunächst auf einem ruhigen Platz, verkehrsfreien Platz und lasse dich von einem erfahrenen Trainer anleiten. Innerhalb des Kurses kann jeder Teilnehmer das Radfahren in seinem individuellen Tempo lernen.

Das richtige Aufsteigen und Absteigen nimmt zu Beginn die Angst vor dem Rad. Danach wird das Anfahren und Anhalten demonstriert. Für alle Teilnehmer gibt es die Möglichkeit, die ersten Fahrversuche auf einem gesicherten Gelände zu machen.

Wer Fahrrad fahren lernen möchte, sollte ein wenig Geduld mitbringen. Jeder Teilnehmer lernt das Radfahren in einer anderen Geschwindigkeit und das ist vollkommen in Ordnung. Je nach Erfahrung, Selbstbewusstsein und körperlicher Verfassung können verschiedene Kurse besucht werden.

Wer sich einen Kompaktkurs zutraut, kann das Fahrradfahren in ein bis zwei Wochenenden lernen. Das ist unterschiedlich.

Um einen Fahrradkurs zu besuchen, der vom ADFC veranstaltet wird, braucht man noch kein eigenes Fahrrad. Jedem Teilnehmer wird ein Rad zur Verfügung gestellt.

Übrigens steht vor den ersten Fahrversuchen am Rad noch eine Eingewöhnungsphase auf einem Tretroller an.

Es gibt verschiedene Angebote, zum Beispiel durch Radschulen. Die Zweigstellen des ADFC verteilen sich über ganz Deutschland und bieten ein breit gefächertes Angebot.

Immer mehr Radfahrschulen des ADFC bieten auch spezielle Fahrkurse für Geflüchtete an. Dieses Programm stellt außerdem Fahrräder zur Verfügung und macht Geflüchtete damit im Alltag mobil und fördert gleichzeitig ihre Integration.

Hilfe annehmen: In vielen Städten und Gemeinden gibt es Angebote speziell für Fahrrad-Anfänger und -Wiedereinsteiger, beispielsweise vom Fahrradclub ADFC. Hier lernen Sie wichtige Grundlagen und üben den sicheren Umgang mit Ihrem Fahrrad. Wenn Ihnen das zu viel sein sollte, suchen Sie sich eine vertrauenswürdige Person, mit der Sie gemeinsam an einem ruhigen Ort üben und über Ihre Ängste sprechen können.

Spezielle Kurse für Erwachsene: Hilfe bieten die ADFC-Radfahrschulen, die Fahrkurse speziell für Erwachsene im Programm haben und dabei helfen, das Rad fahren neu oder wieder zu erlernen.

Die Kursteilnehmenden können in kleinen Schritten und ihrem individuellen Tempo lernen, wie sie richtig auf- und absteigen, anfahren und anhalten oder Kurven fahren, Hindernissen ausweichen und sich richtig im Straßenverkehr verhalten.

Alternativen in Betracht ziehen

Falls Sie Probleme mit dem Gleichgewicht oder mit dem Rücken haben, können Sie sich auch über Alternativen Gedanken machen: So gibt es beispielsweise Fahrräder mit drei Rädern, die deutlich stabiler sind.

Sie sollten sich deshalb überlegen, ob ein sportliches Trike oder ein Sesseldreirad für sie die bessere Alternative wäre. „Die Räder sind äußerst kippstabil. Damit sind sie gerade beim langsamen Anfahren für Neueinsteiger:innen bestens geeignet. Das Erlernen geht superleicht: einfach reinsetzen und losfahren! Und auch im Alltag fallen manche Sachen leichter, beispielsweise das Handzeichengeben“, sagt Alexander Kraft vom Hersteller HP Velotechnik.

Die Rolle des ADFC

Was macht der ADFC? Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein.

Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen.

Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.

Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.

Von welchen Vorteilen profitiere ich als ADFC-Mitglied? Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür - auch dank Ihrer Mitgliedschaft - nicht nur Einfluss auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrenden ein.

Als ADFC-Mitglied profitieren Sie außerdem von umfangreichen Serviceleistungen: Sie können, egal wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem ADFC-Magazin Radwelt Informationen zu allem, was Sie als Rad fahrenden Menschen politisch, technisch und im Alltag bewegt. Nutzen Sie als ADFC-Mitglied außerdem vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Unternehmen sowie Versicherungen ausgehandelt haben.

Mit dem ADFC-Bundesverband, den Landesverbänden und den Kreisverbänden in mehr als 450 Städten und Ortschaften in ganz Deutschland finden Sie mit Sicherheit auch in Ihrer Nähe die passende Ansprechperson.

Um die 500 Ortsgruppen und Ortsverbände sind darüber hinaus für den ADFC aktiv.

Einen besonderen Dienst leisten die vielen ehrenamtlich Engagierten im ADFC: Sie organisieren Radtouren, kommen mit Politikern ins Gespräch und tragen mit unzähligen Aktionen dazu bei, dass die Bedingungen für Rad fahrende Menschen zunehmend besser werden.

Verkehrssicherheit

Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen? Wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszustatten ist, legt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) fest. Sie schreibt u. a. zwei voneinander unabhängige Bremsen vor, damit ein Fahrrad sicher zum Stehen kommt. Ebenso vorgeschrieben ist eine helltönende Klingel. Auch zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale mit je zwei nach vorne und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern sind Pflicht.

Am wichtigsten für die Verkehrssicherheit ist neben den Bremsen die Beleuchtung. Ein rotes Rücklicht und ein weißer Frontscheinwerfer sind vorgeschrieben. Die Beleuchtung kann batteriebetrieben sein und muss tagsüber nicht mitgeführt werden. Sie muss aber dann einsatzbereit sein, wenn die Sichtverhältnisse Licht erforderlich machen. Für den Straßenverkehr zugelassen ist Beleuchtung nur mit dem Prüfzeichen des Kraftfahrtbundesamts (eine Wellenlinie, Großbuchstabe K und fünfstellige Zahl).

Damit Radfahrende auch seitlich gesehen werden, sind Reflektoren in den Speichen oder Reflexstreifen an Reifen oder Felge vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO vorgeschrieben sind.

Worauf sollte ich als Radfahrer*in achten? Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrer*in im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmenden zu rechnen.

Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer*innen nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.

Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmenden gültigen Regeln - und seien Sie nicht als Geisterfahrende auf Straßen und Radwegen unterwegs.

Zusätzliche Tipps

  • Nimm den Radfahr-Beginner ernst.
  • Such ein passendes Rad und schraub die Pedale ab.
  • Achte auf die richtige Bekleidung.
  • Such einen geeigneten Platz.
  • Nimm dir Zeit und nicht zuviel vor.
  • Stell dir ein Kind auf einem Roller oder einem Laufrad vor.
  • Das Rad in Ruhe kennenlernen.
  • Probier das Radfahren zuerst ohne Pedale.
  • Üb das Bremsen vor dem Fahren.
  • Probier mal Rollern.
  • Tritt für Tritt zum Radfahren.

Fazit

Du siehst, Fahrrad fahren lernen geht auch im Erwachsenenalter noch - und es lohnt sich.

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