Fahrradfahren nach Prostata-OP: Erfahrungen und Tipps

Hallo Männer, von "Mann zu Mann" bedeutet, es muss sich um ein gesundheitliches Männerproblem handeln. Und da nur Männer eine Prostata haben, ist es ja tatsächlich auch so. Letztendlich ist es aber nicht nur eine reine Männersache, denn wenn es Probleme diesbezüglich gibt, können diese durchaus auch die Lebensgemeinschaft ordentlich tangieren.

Viele Männer, die sich einer Prostataentfernung unterzogen haben, stellen sich die Frage, wann sie wieder auf ihr geliebtes Fahrrad steigen können. Da in Deutschland jährlich etwa 80.000 Männer an der Prostata erkranken, ist dies ein relevantes Thema für viele. Im Forum waren in den letzten 12 Monaten 2041 Mitglieder aktiv.

Erfahrungen von Betroffenen

Nach einer Prostata-OP (TUR) berichteten Betroffene von unterschiedlichen Empfehlungen bezüglich der Pause vom Radfahren, von 4 Wochen bis 3 Monate. Einige betonten, dass "Leidensgenossen" oft die besten Tipps geben können. Es ist verständlich, dass man kurz nach der OP andere Sorgen hat.

Ein Betroffener berichtete, dass ihm alle Ärzte und Therapeuten rieten, 3 Monate (bzw. 100 Tage) kein Rad zu fahren und auch sonst keinerlei 'Leistungssport' zu machen. Obwohl er sich gesund fühle, sei ihm nicht nach Radfahren, denn er sei immer noch inkontinent. Er werde also mit dem Radfahren warten, bis er wieder halbwegs 'wasserdicht' sei.

Ein anderer Patient berichtete, dass er vier Wochen nach der Entfernung der Prostata mittels einer klassischen OP (Öffnung im Unterbauch) wieder aufs Rad gestiegen ist, ohne spezielle Sättel angeschafft zu haben (nutzt SQLab 611 Active und Brooks Cambium).

Inkontinenz und Beckenbodentraining

Viele Männer haben nach der OP Probleme mit der Dichtheit. Es wurde berichtet, dass dies unter Umständen Monate bis zur Normalität dauern kann. Bei einigen besserte es sich plötzlich unglaublich, andere hatten speziell bei Bewegung, Husten oder Lachen Probleme. Nachts im Bett trocken zu sein, wurde als positiv erwähnt.

Beckenbodentraining ist ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation nach einer Prostata-OP. Allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen darüber. Prof. Otto, der die Kliniken (Quellental, Wildetal) in Wildungen leitet, ist der Meinung, dass dieses Training für Frauen entwickelt wurde, deren Beckenboden bei der Geburt 'ausgeleiert' wurde und die dadurch inkontinent sind. Bei Männern mit intaktem Beckenboden wäre das kontraproduktiv! Den Beckenboden müsse man bewusst einsetzen und das ganze Leben lang trainieren. In Wildungen wird nur der Blasenschließmuskel trainiert. Diesen bewusst anzusteuern ohne den Beckenboden mit zu bewegen, wird gelehrt und trainiert.

Gymnastische Kräftigungsübungen in Form eines Schließmuskeltrainings oder Kontinenztrainings sind empfehlenswert. Umgangssprachlich sagen viele dazu auch Beckenbodentraining. Aber auch der Rücken und die Beine kommen dabei nicht zu kurz.

Das Training:

  • stärkt die Beckenbodenmuskulatur
  • verbessert die Kontinenz
  • hilft, rücken- und beckenbodenfreundliche Alltagstechniken zu erlernen

Das Beckenbodentraining erlernen Sie am besten unter professioneller Anleitung eines Physiotherapeuten oder einer Physiotherapeutin. Es gibt spezielle Kurse dafür.

Spezielle Sättel und Fahrräder

Einige Betroffene empfahlen spezielle Sättel, um den Druck auf den Dammbereich zu reduzieren. Wer bisher noch ein Fahrrad ohne Federung nutzt, kann durch das Nachrüsten einer hochwertigen gefederten Sattelstütze, die Belastung für sein Gesäß um über 60 Prozent reduzieren. Wer häufig mit Entzündungen der Prostata zu kämpfen hat, sollte sich für einen Fahrradsattel entscheiden der den Druck auf die Prostata reduziert oder überhaupt keinen Druck auf den Dammbereich und die Prostata ausübt.

Medizinische Fahrradsättel wie der SQ-Lab 600 active oder der Hobson Easy Seat sind so konstruiert, dass die Prostata zu 100 Prozent entlastet wird.

Es gibt drei Modelle für verschiedene Einsatzbereiche:

  • Der SQlab 610 M-D active ist die sportlichste Version, geeignet für MTB und Trekkinkbike.
  • Der SQlab 602 M-D active ist etwas komfortabler als der 610er und eignet sich sehr gut längere Touren und den Alltagseinsatz auf Trekkingbikes.
  • Der SQlab 621 M-D active ist für Citybikes und Tourenrädern mit aufrechter Sitzposition eine gute Wahl. Er ist in den Breiten 18, 21 und 24 cm erhältlich.

Die maximale Entlastung des Dammbereichs beträgt 87 Prozent.

Ein "Leidensgefährte" ist schließlich auf ein Liegerad umgestiegen, da das für ihn am angenehmsten war.

Radfahren und Prostatakrebs

Radfahren schadet der Prostata und erhöht den PSA-Wert - ein Mythos, der seit Jahren kursiert und Unsicherheiten verbreitet. Wer Prostatakrebs hat oder im Alter ist, in dem das Krebsrisiko steigt, kann beruhigt auf das Fahrrad steigen. Denn prinzipiell ist Radfahren nicht schädlich. Ganz im Gegenteil!

Prostatakrebspatienten wird meist empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen und sportlich zu betätigen. Hierfür eignet sich das Radfahren wunderbar. Der Ausdauersport fördert die körperliche Gesundheit, indem er das Herz-Kreislaufsystem ankurbelt, für eine gute Durchblutung sorgt und den Stoffwechsel anregt.

Kontinuierliches Radfahren bei niedrigem Gang ist ein effektiveres Training als gelegentliches Treten bei hohem Gang. So werden die Kräfte besser eingeteilt und das Herz-Kreislaufsystem bleibt durchgehend in Schwung. Für eine optimale Haltung beim Fahrradfahren ist es besonders wichtig, den Rücken gerade zu halten. Lenker und Sattel sollten für ein angenehmes Fahrerlebnis richtig eingestellt sein.

Zu guter Letzt hält das Radfahren nicht nur den Körper gesund, sondern fördert auch die mentale und geistige Gesundheit. Die regelmäßigen Tritte in die Pedale wirken sich außerdem nachweislich beruhigend und entspannend auf die Psyche aus.

Sport bei Prostatakrebs

Sport bei Prostatakrebs ist ein billiges Medikament, das für jeden Mann zu haben ist. Dabei gilt jede Art von Bewegung als gesund - von Ausdauer- und Kraftsport bis hin zu mehr Bewegung im Alltag mit Unkrautjäten und Staubsaugen.

Mediziner und Medizinerinnen wissen heute, dass Sport und Bewegung verschiedenen Krebsarten vorbeugen können. Wer körperlich aktiv ist, senkt nachweislich sein Krebsrisiko. Schätzungen gehen von Werten zwischen 20 und 30 Prozent aus. Studien zeigen, dass Sport bei Prostatakrebs das Rückfallrisiko um bis zu 57 Prozent vermindern kann.

So leiden körperlich aktive Krebspatienten zum Beispiel weniger unter der chronischen Erschöpfung, der Fatigue. Sie bewältigen Ihren Alltag insgesamt besser. Körperliche Aktivität beeinflusst auch andere Krankheiten positiv, die den Prostatakrebs manchmal begleiten, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Erlaubt ist alles, was Spaß macht - Verbote für bestimmte Sportarten gibt es für Krebskranke heute nicht mehr. Allerdings raten Ärzte und Ärztinnen von intensiven, gefährlichen Sportarten wie Boxen, Karate oder Bungee Jumping ab. Wählen Sie lieber „sanftere“ Sportarten, die weniger verletzungsträchtig sind.

Empfohlene Sportarten

  • Joggen, Laufen
  • Schwimmen (nicht bei starker Inkontinenz)
  • Radfahren (nicht direkt nach einer Operation, weil schmerzhaft, sondern erst drei bis sechs Monate später)
  • Wandern und Nordic Walking
  • Skilanglauf

Wie viel Sport?

Ärzte raten, dreimal pro Woche für jeweils 60 Minuten körperlich aktiv zu sein. Sie können alternativ auch fünf bis sechs Einheiten wöchentlich für jeweils 30 Minuten trainieren. Gut sind Spazierengehen, Nordic Walking oder sanftes Schwimmen. Sie sollten sich bei der Betätigung leicht anstrengen müssen.

Bewegung in den Alltag bringen

  • Laufen oder radeln Sie zum nächsten Supermarkt statt sich ins Auto zu setzen.
  • Lassen Sie Aufzüge und Rolltreppen links liegen und steigen Sie Treppen!
  • Gehen Sie nach dem Essen ein Stück spazieren.
  • Bevor Sie zu Bett gehen: Laufen Sie einige Schritte, am besten an der frischen Luft.

Sport-Apps für Krebskranke

Für Krebspatienten, die Sport treiben möchten, gibt es heute einige digitale Helfer. Spezielle Sport-Apps fördern die Motivation, bringen Sie mit anderen in Kontakt und geben Tipps und Hilfestellungen.

  • App „Sport gegen Krebs“: Sie erhalten Tipps und Anleitungen, wie sie während und nach der Krebsbehandlung ihr Wohlbefinden durch Sport und Bewegung fördern können.
  • App „movival - Aktiv gegen Krebs“: Ziel ist es, durch Bewegung das Rückfallrisiko zu senken. Die werbefreie Vollvariante ist mit einem kostenpflichtigen Abo verbunden.
  • App Onko NachsorgeAktiv

Es geht nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern jede Art von Bewegung ist besser als inaktiv auf der Couch oder im Bett zu liegen.

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