Fahrradfahren lernen: Tipps für einen sicheren Start

Wenn Kinder das Fahrradfahren lernen, ist der Stolz groß, wenn die ersten Meter mit dem Fahrrad gefahren sind. Kinder werden beim Radfahren zum ersten Mal zu Verkehrsteilnehmer:innen. Fahrradfahren ist wichtig für die Entwicklung des Gehirns. Es fördert das Koordinationsvermögen und den Gleichgewichtssinn der Kinder. Zudem hilft es, dem Alltag zu entfliehen, da der Fahrtwind alle Sorgen wegweht.

Ab wann können Kinder Fahrradfahren lernen?

Ein bestimmtes Alter, ab dem Kinder Fahrradfahren lernen sollten, gibt es nicht. Wann es so weit ist, ist bei jedem Kind anders. Kinder, die vorher schon mit dem Roller oder Laufrad unterwegs sind, fällt das Fahrradfahren oft leichter. Sie haben dann schon einige Zeit ihren Gleichgewichtssinn, ihre Reaktionsfähigkeit und ihre Körperbeherrschung trainiert. Ein Laufrad ist daher die beste Vorbereitung auf das Fahrradfahren.

Die richtige Größe des Kinderfahrrads

Die richtige Größe des Kinderfahrrads ist sehr wichtig, denn das Kind soll sich auf seinem neuen Gefährt schließlich sicher fühlen. Für die Kleinsten geht es los mit Fahrradmodellen in 12 Zoll. Nur die Fersen dürfen dabei den Bodenkontakt verlieren. Stimmt die Größe nicht, ist entweder das Fahrrad zu groß oder zu klein. Das ist die Länge zwischen Boden und Schritt. Zentimetern eignet sich die kleinste Fahrradgröße von 12 Zoll.

Tabelle: Empfohlene Fahrradgröße nach Körpergröße

Körpergröße (cm) Fahrradgröße (Zoll)
90-105 12
100-115 14
105-120 16
115-130 18
120-140 20

Tipps für die Anschaffung eines Kinderfahrrads

Lassen Sie sich beim Fahrradkauf beraten. Ein hochwertiges Modell lohnt sich, denn es kann später dem kleinen Geschwisterchen noch treue Dienste leisten und hat einen hohen Wiederverkaufswert. Falls Sie für das erste Fahrrad nicht viel investieren möchten oder können, lohnt es sich, nach einem gebrauchten Markenmodell Ausschau zu halten. Aber lassen Sie auch vor diesem Kauf Ihr Kind das Zweirad ausprobieren.

Die ersten Fahrversuche

Zeigen Sie ihm in einer Trockenübung, wie das Fahrrad funktioniert. Bewegen Sie mit den Händen die Pedale. Zeigen Sie dem Kind, wie man die Bremsen anzieht und damit die Kette zum Stillstand bringt. Beim Losfahren fällt es ihnen schwer, das Gleichgewicht zu halten. Am Anfang ist es wichtig den Sattel festzuhalten. Manchen Kindern hilft es, wenn sie zunächst die Beine wie beim Laufrad baumeln lassen, um ein Gefühl für das neue Gefährt zu bekommen.

Stützräder - ja oder nein?

Viele Kinder haben ihre ersten Fahrversuche mit Stützrädern gemacht. Expert:innen raten, auf Stützräder zu verzichten, da sich das Treten der Pedale abgewöhnen müssen, wenn die Stützräder erst einmal abmontiert sind.

Welche Orte eignen sich zum Fahrradfahren lernen?

Die ersten Fahrversuche sollten nicht gerade dort machen, wo Autos unterwegs sind. Der Übungsort sollte wenig Hindernisse haben und möglichst ebenerdig sein. In den Parks sind Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. Wählen Sie eine Tageszeit aus, an der es noch nicht so voll ist. Es gibt auch sehr schöne Strecken am Fluss entlang, wie zum Beispiel am Neckar, da sind die Wege etwas breiter.

Geduld und Verständnis

Bringen Sie Geduld und Verständnis für Ihr Kind auf. Es ist ein besonderer Moment, an den sich Ihr Kind noch lange im Leben erinnern wird. Ihr Kind lernt das Fahrradfahren von ganz allein und sollte den Zeitpunkt nach Möglichkeit selbst bestimmen. Nachahmen und Ausprobieren sind im Kindesalter auch beim Radfahren die wichtigsten Lerngrößen und sollten viel Raum erhalten. Bleiben Sie dabei zu jeder Zeit unaufgeregt, ruhig und gelassen, insbesondere Ihrem Kind gegenüber. Vermeiden Sie große Ankündigungen oder Erwartungen und setzen Sie Ihr Kind niemals unter Druck.

Die richtige Einstellung des Fahrrads

Natürlich sollte das erste (Spiel-)Fahrrad fahrtauglich, richtig eingestellt und "sicher" sein. Wichtiger zu Beginn sind ein geschlossener Kettenschutz, intakte Sicherheitslenkergriffe und ein ausreichender Aufprallschutz am Lenkervorbau. Die entscheidende Größe und wichtigste Einstellung, die Sie am Kinderfahrrad vorzunehmen und regelmäßig zu überprüfen haben, ist die Sattelhöhe. Wählen Sie die Höhe so, daß Ihr Kind auf dem Sattel sitzend mit beiden Füßen den Boden gut erreichen kann und sich und das Fahrrad sicher halten kann.

Nach der Sattelhöhe stellen Sie die Lenkerhöhe ein. Lenker und Bremsgriffe müssen in bequemer Reichweite und auch beim Kurvenfahren problemlos bedienbar sein. Auch wenn er immer noch nicht -weder bei Eltern noch bei Kindern- zur selbstverständlichen Grundausstattung gehört: Gerade am Anfang sollten Sie den Fahrradhelm Ihrem Kind besonders schmackhaft machen, aber auch auf sein Tragen bestehen.

Das richtige Lernumfeld

Empfehlenswert sind alle flachen, glatten und vor allem gut überschaubaren Plätze, die ein Radfahren ohne statische oder plötzliche Hindernisse möglich macht. Das Wichtigste sind Ihre Ermutigungen und Ermunterungen. Wenn Ihr Kind aber nach 15 Minuten noch keine nennenswerten Fortschritte erzielt hat und kaum ein paar Meter mit dem Fahrrad allein geschafft hat, dann brechen Sie Ihre Unternehmung ab.

Übungen für Fortgeschrittene

Wenn schließlich die ersten Roll- und Tretversuche mit dem Kinderfahrrad erfolgreich gemeistert sind, sollten Sie gleich zum nächsten Übungsteil übergehen: Kurven fahren, Bremsen üben (vorne und hinten), Anfahren, Aufsteigen und Absteigen. Und ein paar Tage später dann vielleicht - abhängig von Kondition und Konzentrationsfähigkeit Ihres Kindes: Kreise und Achten fahren, Einhändig fahren, Hindernisse (Holzbretter, vielleicht auch flache Bordsteine) über- bzw. rauf und runterfahren.

12 Tipps für Erwachsene, die Radfahren lernen möchten

  1. Nehmen Sie den Radfahr-Beginner ernst.
  2. Suchen Sie ein passendes Rad und schrauben Sie die Pedale ab.
  3. Achten Sie auf die richtige Bekleidung.
  4. Suchen Sie einen geeigneten Platz.
  5. Nehmen Sie sich Zeit und nicht zuviel vor.
  6. Stellen Sie sich ein Kind auf einem Roller oder einem Laufrad vor.
  7. Das Rad in Ruhe kennenlernen.
  8. Probieren Sie das Radfahren zuerst ohne Pedale.
  9. Üben Sie das Bremsen vor dem Fahren.
  10. Probieren Sie mal Rollern.
  11. Tritt für Tritt zum Radfahren.

Warum Fahrradfahren für Kinder heute schwieriger ist

Josef Weiß bemerkt seit Jahren, dass sich sowohl die Fähigkeiten der Kinder als auch die Einstellung der Eltern gegenüber dem Fahrradfahren verändert haben. „Die motorischen Fähigkeiten der Kinder haben in den vergangenen Jahren nachgelassen. Das zeigt sich unter anderem in der Radfahrausbildung der dritten und vierten Klassen, an denen jährlich 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler teilnehmen.

Eine Lösung dafür sieht der Experte bei den Eltern: „In den schulischen Fahrradtrainings kann den Kindern das Fahrradfahren nicht von Grund auf beigebracht werden. Eltern müssen ihre Kinder von klein auf Schritt für Schritt an das Fahrradfahren heranführen.“

Fahrradfahren lernen: So unterstützen Eltern ihre Kinder richtig

Mit der richtigen Unterstützung können alle Kinder Radfahren lernen. „Es braucht vielleicht nur etwas mehr Zeit und Geduld als früher“, erklärt Weiß. „Aber die Investition lohnt sich - für die Sicherheit und Entwicklung unserer Kinder.“

Tipps für Erwachsene

Für Erwachsene, die zum ersten Mal auf ein Fahrrad steigen, empfehlen wir einen Rahmen mit tiefem Einstieg. Räder mit breiteren Reifen versprechen mehr Komfort und Stabilität. Zum Radfahrenlernen eignen sich E‑Bikes nicht.

Kleinere Stürze gehören bei den ersten Übungen dazu, deshalb sollte der Kopf gut geschützt sein. Außerdem zu empfehlen: Fahrradhandschuhe. Wer sich dem Abenteuer Fahrrad ungern unter vielen Augen stellen möchte, sollte sich trotzdem unbedingt Hilfe von einer erfahrenen Radfahrenden suchen und nicht einfach eigenmächtig in den Sattel springen.

Übungen für Erwachsene

Anfänger:innen sollten das Rad zuerst einmal schieben - und zwar auf einem Übungsplatz. Beim einhändigen Schieben am Sattel oder beim Schieben im Slalom merken sie, wie sich das Rad verhält. Wer das Fahrrad sicher zum Stehen bringt, hat weniger Angst. Dabei ist es ratsam, ein Rad mit zwei Handbremsen zu nehmen und wenn möglich auf einen Rücktritt zu verzichten. Übungsvarianten wie das Abstoßen mit einem Bein oder das Kurvenfahren erhöhen den Lernfaktor und machen Spaß.

Im Sattel sitzend wird nun in die Pedale getreten. Zum Anfahren stellt man den Fuß auf das oben stehende Pedal (Position auf ca. 11 Uhr) und mit dem Standbein stößt man sich vom Boden ab. Die Beschleunigung sorgt dann dafür, dass man besser die Balance halten kann.

Fahrsicherheit kann man lernen

Radfahrenlernen ist ein längerer Prozess, der viel Übung braucht. Kurven fahren, abbiegen, Engstellen passieren oder auf Überraschungen reagieren sind Situationen, die es zu trainieren gilt. Unvorhersehbare Situationen können zu Unsicherheit führen. Darum hilft es, die ersten Fahrten in Tempo-30-Zonen und auf getrennten Radwegen zu machen.

Alternativen für Erwachsene

Sie sollten sich deshalb überlegen, ob ein sportliches Trike oder ein Sesseldreirad für sie die bessere Alternative wäre. „Die Räder sind äußerst kippstabil. Damit sind sie gerade beim langsamen Anfahren für Neueinsteiger:innen bestens geeignet. Das Erlernen geht superleicht: einfach reinsetzen und losfahren! Und auch im Alltag fallen manche Sachen leichter, beispielsweise das Handzeichengeben“, sagt Alexander Kraft vom Hersteller HP Velotechnik.

Das richtige Kinderfahrrad finden

Die richtige Größe hat ein Fahrrad, wenn das Kind aufrecht sitzend den Lenker bedienen und auf dem Sattel sitzend mit beiden Beinen bequem auf dem Boden stehen kann. Auch die richtige Reifengröße des Fahrrads sollte vor dem Kauf immer bedacht werden. Vor dem Kauf zu beachten ist ein höhenverstellbarer Lenker und Sattel, damit das Rad mitwachsen kann. Kinder sollten mit der gesamten Fußfläche auf den Boden kommen.

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