Hunde sind die besten Freunde des Menschen. In Deutschland leben laut einer Statistik des IVH (Industrieverband Heimtierbedarf e.V.) 10,3 Mio. Hunde. Das sind 21 % der gesamten Haustiere. Nur ungern lässt man seinen geliebten Vierbeiner allein zu Hause. Hast du kein Auto, geht es manchmal nicht anders.
Klar kannst du dir deine Leine schnappen und deinen Hund neben dem Fahrrad herlaufen lassen. Aber vielleicht ist der Hund ja schon alt und nicht mehr so schnell und du möchtest lange Strecken fahren? Aber ist Radfahren mit Hund an der Leine überhaupt erlaubt? Und wenn ja wie geht das am einfachsten und gleichzeitig sicher?
Ist mein Hund fürs Fahrradfahren geeignet?
Nicht jeder Hund ist von Natur aus ein begeisterter Radfahrer. Welpen und Junghunde sollten aufgrund ihrer noch nicht vollständig entwickelten Knochen und Gelenke keiner übermäßigen Belastung ausgesetzt werden. Warten Sie, bis Ihr Hund ausgewachsen ist, bevor Sie ihn ans Fahrrad gewöhnen.
Auch ältere Hunde oder Tiere mit gesundheitlichen Problemen wie Gelenkschmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atembeschwerden sind möglicherweise nicht für längere Radtouren geeignet. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Tierarzt, um die Belastbarkeit Ihres Hundes abzuklären. Kurze Schnauzen bei brachycephalen Rassen können zu Atemproblemen führen, daher ist hier besondere Vorsicht geboten.
Der Hund sollte auf jeden Fall ausgewachsen und gesund sein, um fürs Fahrradfahren geeignet zu sein, so Hundetrainerin Manuela Blum aus dem rheinland-pfälzischen Birkenfeld. Kurzschnäuzige Rassen wie Mops oder Bulldogge kommen für den sportlichen Einsatz nicht infrage. Diese Tiere können schlecht atmen und haben zudem oft Probleme mit ihrem Bewegungsapparat - das Mitlaufen am Fahrrad würde sie körperlich viel zu sehr belasten.
Ist der Hund ausgewachsen und gesund, braucht er auch noch eine gute Kondition, schließlich muss er durchgängig traben und immer mal wieder galoppieren. Der übliche Gassigang reicht als Training nicht aus. Hunde, die schon beim Jogging mitlaufen, haben eine deutlich bessere Kondition, doch auch für sie dürfen die Radrunden nur langsam ausgeweitet werden. Eine geringe Körpergröße des Hundes ist übrigens kein Hinderungsgrund, allerdings sollten die Strecken dann nur kurz sein. Alternativ kann ihr Mensch einen Anhänger oder Korb am Rad anbringen, in den sich der müde Hund während der Tour legen und ausruhen kann.
Vorbereitung und Training
Eine gründliche Vorbereitung ist entscheidend für das Gelingen der Tour und das Wohlergehen Ihres Vierbeiners. Deshalb sollten Sie sich ein paar wichtige Fragen stellen, bevor Sie sich mit Ihrem Hund aufs Fahrrad schwingen.
Den Hund ans Fahrrad gewöhnen: 4 wirkungsvolle Schritte
- Schritt 1: Das Fahrrad kennenlernen
Lassen Sie Ihren Hund zunächst das Fahrrad in Ruhe erkunden. Belohnen Sie ihn, wenn er sich dem Fahrrad ohne Angst nähert.
- Schritt 2: Neben dem stehenden Fahrrad laufen
Führen Sie Ihren Hund an der Leine neben dem stehenden Fahrrad her. Loben und belohnen Sie ihn, wenn er ruhig bleibt.
- Schritt 3: Schieben des Fahrrads
Schieben Sie das Fahrrad langsam neben Ihrem Hund her. Sprechen Sie beruhigend auf ihn ein und belohnen Sie ihn für gutes Verhalten.
- Schritt 4: Kurze Fahrten
Beginnen Sie mit kurzen Fahrten auf ebenem Gelände. Steigern Sie die Dauer und Distanz allmählich.
Manche Hunde müssen sich erst langsam an das Zweirad gewöhnen, denn es ist ihnen unheimlich, weiß Hundetrainerin Blum. Ein ängstliches Tier lässt man zunächst daran schnuppern und spielt mit ihm neben dem Fahrrad, dann schiebt jemand das Rad und der Hundehalter läuft mit seinem Vierbeiner nebenher. Weiter geht die Gewöhnung in Mini-Schrittchen, indem der Halter mit dem Hund bei Fuß neben dem Rad läuft. Wenn das klappt und das Tier sich sicher fühlt, wechselt er alleine auf die andere Seite. Als nächsten Schritt kann er sich auf ein Pedal stellen und ein wenig rollen, dann kann endlich aufgesessen und ganz langsam losgefahren werden.
Nimm eine drei bis fünf Meter lange Leine und übe mit deinem Hund bei Fuß zu gehen. Wenn er versucht vorzulaufen, dann wechsle die Richtung, bis er wieder neben dir geht. Lob deinen Hund für dieses Verhalten. Sobald dein Hund das Nebenherlaufen beherrscht, baust du Kommandos wie „Stopp!“ und „Weiter!“ die Übung ein. So lässt dein Hund sich später ohne Leine dirigieren.
Steigern Sie das Training schrittweise
Hundetrainerin Blum empfiehlt, mit Anfänger-Hunden zunächst einen Kilometer weit zu fahren, dann zu pausieren und wieder zurückzufahren. Wöchentlich kann das Pensum jeweils um etwa zehn Prozent erhöht werden - das Aufbautraining dauert also seine Zeit. Die ersten Wochen des Frühjahrs sind daher der beste Zeitpunkt für den Start. Wenn das Wetter schöner geworden ist, sind dann bereits längere Ausflüge möglich. Wichtig: Bei einem Radausflug auf jeden Fall Wasser für das Tier mitnehmen.
Sicherheit geht vor
Nach § 28, 1 Straßenverkehrsordnung (StVO) darf dein Hund offiziell am Fahrrad mitgeführt werden. Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass der Straßenverkehr und andere Verkehrsteilnehmer dabei nicht gefährdet werden. Führe den Hund immer auf deiner rechten Seite, um ihn so vor vorbeifahrenden Autos zu schützen!
Sicherheit steht beim Fahrradfahren mit Hund an erster Stelle. Beachten Sie folgende Tipps, um Unfälle zu vermeiden:
- Vorausschauendes Fahren: Rechnen Sie mit unerwarteten Reaktionen Ihres Hundes und passen Sie Ihre Geschwindigkeit entsprechend an.
- Abstand halten: Halten Sie ausreichend Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern.
- Sichtbarkeit: Tragen Sie helle Kleidung und Reflektoren. Statten Sie auch Ihren Hund mit Reflektoren oder einer Leuchtweste aus.
- Handzeichen: Geben Sie klare Handzeichen, um Ihre Absichten anzuzeigen.
- Ruhige Strecken: Bevorzugen Sie ruhige Straßen und Wege mit wenig Verkehr.
- Wetterbedingungen: Passen Sie Ihre Fahrweise den Wetterbedingungen an.
Wickeln Sie niemals die Leine um den Lenker
Muss der Hund während der Radtour an der Leine gehen, darf diese keinesfalls um die Hand oder den Lenker gewickelt werden. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich eine Leine mit Gummieinsatz oder einen am Fahrrad angebrachten Halter mit Ruckdämpfer. Beides vermindert die Gefahr eines Sturzes vom Rad, falls der Hund doch einmal eigene Wege gehen will oder einen Schlenker einbaut. Der Hund sollte außerdem kein Halsband, sondern auf jeden Fall ein gut sitzendes sogenanntes Y-Geschirr tragen, das die Schultern freilässt, betont die Fachfrau.
Achten Sie darauf, den Hund nicht zu überlasten
„Bei Hitze sollte man den Hund nicht am Rad mitlaufen lassen, das würde ihn überlasten“, warnt der Tierarzt Thomas Steidl aus dem baden-württembergischen Nehren. Wenn der Hund nicht mehr weiterlaufen will, ist das laut dem Veterinär außerdem «ein sehr deutliches Zeichen» für eine Überforderung.
Er empfiehlt zudem, vor dem Trainingsstart das Tier zunächst von einem Tierarzt durchchecken zu lassen, damit nicht der Kreislauf oder die Gelenke bei der Radtour leiden. Übergewichtige Tiere sollten erst abspecken, ansonsten ist die Belastung als Radbegleiter für ihre Gelenke viel zu hoch.
Das Tempo muss moderat sein
Das Tempo beim Radeln sollte so gewählt werden, dass der Hund über längere Zeit nebenher traben kann. Dies entspricht laut Angaben der Hundetrainerin Blum je nach Hund einer Geschwindigkeit von acht bis zwölf Kilometern pro Stunde. „Hunde mit guter Kondition schaffen so eine Strecke von fünf bis zehn Kilometern“, erklärt sie. Aus Sicht eines Radfahrers sind dies also nur kurze Runden im ruhigen Tempo. Wer weiter, schneller oder generell sportlich fahren möchte, sollte auf seine vierbeinige Begleitung verzichten.
Checken Sie nach dem Fahren die Pfoten
Tierarzt Steidl rät: Nach dem Ausflug die Pfoten des Hundes auf Wunden und Schrunden kontrollieren. Wird man fündig, kann das ein Zeichen von Überlastung oder einem unpassenden Untergrund wie zum Beispiel Asphalt oder Schotter sein. Die nächste Radtour sollte entsprechend angepasst werden, indem sie etwa kürzer ausfällt oder über weichere Wege führt, zum Beispiel im Wald oder an einem Grasstreifen entlang. Von Hundeschuhen als Pfotenschutz hält der Fachmann nichts. „Das Laufen damit führt zu einer Überlastung“, sagt er.
Üben Sie den Rückruf sorgfältig
Am schönsten und entspanntesten ist eine Radtour für Mensch und Tier, wenn der Hund frei laufen darf. Beide müssen sich weniger konzentrieren, der Hund kann auch mal schnüffeln und der Radler ein wenig schneller fahren. Schließlich kann sein Tier jederzeit wieder aufholen. Allerdings müssen frei laufende Hunde in jedem Fall abrufbar sein, auch wenn ein Reh den Weg kreuzt oder in der Nähe ein anderer Hund zu sehen ist. „Der Rückruf muss wirklich perfekt sitzen“, erklärt Blum. „"Am besten, man baut dieses Training kleinschrittig auf und übt bereits beim Gassigang." “
Alternativen: Fahrradkorb und Hundeanhänger
Je nach Größe, Alter und Temperament Ihres Hundes gibt es verschiedene Möglichkeiten, Ihren Vierbeiner auf einer Fahrradtour mitzunehmen.
Fahrradfahren mit Hund im Korb
Kleinere Hunde können bequem in einem Fahrradkorb für Hunde transportiert werden. Achten Sie darauf, dass der Korb stabil und sicher am Lenker oder Gepäckträger befestigt ist und der Hund entsprechend gesichert wird. Gewöhnen Sie Ihren Hund langsam an den Korb, indem Sie ihn zunächst zu Hause darin füttern oder mit ihm kurze Spaziergänge machen, während er im Korb sitzt.
Rad fahren mit Hund im Fahrradanhänger oder im Lastenrad
Sowohl Anhänger als auch Lastenfahrräder bieten maximalen Komfort und Sicherheit, insbesondere für längere Strecken oder für Hunde, die nicht neben dem Fahrrad herlaufen können. Sie eignen sich für Hunde aller Größen und Altersklassen. Achten Sie beim Kauf auf einen stabilen Anhänger mit guter Belüftung und Federung. Bei einem Lastenrad sollten Sie zusätzlich eine rutschfeste Unterlage sowie Sicherungsmöglichkeiten wie ein Geschirr und einen Kurzführer haben.
Für kleine Hunde bis etwa fünf Kilogramm Gewicht gibt es spezielle Fahrradkörbe. Kurze Beine bedeuten große Körperbelastung und relative Langsamkeit. Kleinen Hunden ist es kaum möglich, auf Dauer das Tempo beim Fahrradfahren mitzuhalten. Wenn du ihn trotzdem auf eine Radtour mitnehmen möchtest, ist ein Fahrradkorb eine sehr gute Möglichkeit. Es gibt Körbe für Lenker oder Gepäckträger. Ein Lenkerkorb hat den Vorteil, dass du deinen Hund immer im Auge behältst. Der Korb sollte mit einem Gitter verschließbar sein, so dass nur das Köpfchen des Hundes herausgucken kann. So wird der Hund am Herausspringen gehindert. Für Allwetterfahrer gibt es Hundekörbe mit Regenhaube.
Eine Variante für größere, schwere oder gehandicapte Hunde ist der Fahrradanhänger. Zu beachten ist hierbei vor allem die eigene Kondition. Eine Deutsche Dogge kann zusammen mit dem Anhänger gut 100 Kilogramm wiegen.
Viele Hunde sind sehr bewegungsfreudig und lieben ausgedehnte Radtouren. Aber nicht jeder Vierbeiner kann oder sollte sehr lange am Rad laufen. Hier bieten Fahrradanhänger für Hunde viele Vorteile. Auf dem Markt gibt es mittlerweile eine große Auswahl an unterschiedlichen Modellen mit Preisspannen von rund 100 bis zu 1000 Euro. Die speziellen Anhänger für Hunde orientieren sich am Gewicht des Vierbeiners - so gibt es Anhänger für Tiere bis 15 Kilo, bis 50 Kilo und im XXL-Format. Wichtig ist dabei, die Produktabmessungen im Innenbereich des Anhängers mit der Größe des Tieres abzugleichen. Der Hund sollte immer die Möglichkeit haben zu sitzen oder sich bequem hinzulegen.
Die Länge des Anhängers sollte der Länge des Hundes im Stehen entsprechen plus die halbe Vorderbeinlänge. Der Innenraum sollte mindestens doppelt so breit sein wie die Brustbreite des Hundes. Das ist für den Hund besonders auf unebenen Strecken oder auch bei längeren Radtouren mit wechselndem Untergrund wichtig. Generell sind Fahrradanhänger mit einem stabilen Aluminiumrahmen eine gute Wahl, und auch auf luftbereifte Räder sollte man am Anhänger nicht verzichten. Der richtige Reifendruck ist nicht nur beim Fahrrad als Zugfahrzeug wichtig, sondern auch beim Fahrradanhänger. Denn der passende Luftdruck erhöht das Fahrgefühl, bietet optimalen Grip und schützt zudem vor Fahrradpannen.
Wer mit seinem Hund im Anhänger regelmäßig größere Radtouren in bergigem Gelände unternehmen möchte, für den ist ein Pedelec oder E-Bike als Zugfahrzeug ideal.
Dieses Zubehör sollte dabei sein
- Ein Sicherungsseil an der Kupplung des Radanhängers sollte immer montiert sein.
- Beide Räder des Fahrradanhängers sollten eine Feststellbremse haben, damit der Anhänger sicher abgestellt werden kann.
- Eine Fahne in einer Signalfarbe am Anhänger anbringen, um im Straßenverkehr sichtbarer zu sein.
- Auf eine einheitliche Kupplungsmöglichkeit bzw. Adapter achten, die bei allen Fahrrädern passen.
- Der Anhänger sollte über eine integrierte Leine verfügen. Den Vierbeiner immer am Hundegeschirr mit der Leine im Anhänger sichern.
- Den Anhänger mit Insektengitter und wasserdichter Regenplane ausstatten.
- In der Abdeckung sollten genügend Belüftungsoptionen vorhanden sein.
- Eine dicke, weiche Unterlegematte für den Hund in den Anhänger legen.
- Ideal: eine herausnehmbare Sitzwanne für eine einfache Reinigung.
- Wer bergige Strecken fährt, sollte größere Bremsscheiben am Fahrrad montieren.
Je nach Breite des Radanhängers gibt es besondere Vorschriften für die Beleuchtung. Fahrradanhänger müssen immer an der Front und am Heck mit Rückstrahlern beleuchtet sein. Ist der Anhänger breiter als einen Meter, benötigt man zusätzlich links eine weiße Frontleuchte.
Zusammenfassung
Die gemeinsame Fahrradtour mit Hund kann ein wunderbares Erlebnis für Mensch und Tier sein. Damit der Ausflug für beide Seiten entspannt und sicher verläuft, ist eine gute Vorbereitung unerlässlich. Dieser Ratgeber liefert Ihnen alle wichtigen Informationen, die Sie für unbeschwerte Radtouren mit Ihrem vierbeinigen Freund benötigen - ob in heimischen Gefilden oder im Urlaub.
Denken Sie daran, dass das Wohlbefinden Ihres Hundes immer an erster Stelle stehen sollte. Achten Sie auf seine Bedürfnisse, passen Sie die Touren entsprechend an und sorgen Sie für ausreichend Pausen und Erfrischungen. Mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung steht unvergesslichen gemeinsamen Fahrradausflügen nichts mehr im Wege!
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