Fahrrad für Weltreise Empfehlungen

Jahr für Jahr machen sich Abenteurer auf den Weg, die Welt auf dem Rad zu erkunden. Mit dem Fahrrad um die ganze Welt - auch das ist mit Rädern der vsf fahrradmanufaktur möglich. Wer drei Jahre oder länger mit dem Fahrrad um die Welt reisen möchte, ist fahrradverrückt. Klingt verrückt? Ist es auch.

Fakt ist allerdings, dass es das perfekte Reiserad, dass für alle Zwecke, Vorlieben und Einsatzbereiche geeignet ist, nicht gibt. Die konkrete Auswahl sollte daher vom eigenen Einsatzbereich (z. B. Zelt, Kochausrüstung, etc. versus Gasthaus und Restaurant), den ausgewählten Strecken und letztendlich auch persönlichen Vorlieben abhängig gemacht werden. Ein Fahrrad, das alle Reiseziele, Anwendungen und Streckenprofile abdeckt, kann immer nur ein guter Kompromiss sein! So hat z. B. ein auf raues Gelände abgestimmtes Fahrrad mit Voll-Federung auf der glatt asphaltierten Straße Nachteile was Gewicht, Zuladungsmöglichkeiten und Wartungsanfälligkeit angeht.

Hinzu kommt, dass die von mir als wichtig erachteten Kriterien teilweise im Widerspruch zueinander stehen. So ist zum Beispiel die von mir gewählte Rohloff-Nabenschaltung zwar sehr wartungsarm und zuverlässig, andererseits aber schwer zu reparieren, falls dann doch einmal ein Defekt aufregen sollte. Die Entscheidung für ein passendes, zuverlässiges Reiserad ist eine Wahl, die von dem geplanten Einsatz und ganz persönlichen Dingen, wie zum Beispiel der bevorzugten Sitzposition, mitbestimmt werden sollte. Auch das vorhandene Budget wird bei der Auswahl eine Rolle spielen, wobei ein teures Rad nicht automatisch die beste Wahl ist.

Wer länger unterwegs ist und dabei in Ländern ohne ein dichtes Netz von gut ausgestatteten Fahrradgeschäften unterwegs ist, wird es zu schätzen wissen, ein Rad zu fahren, dessen Komponenten möglichst wenig Wartung bedürfen. Wer auf zuverlässige, wartungsarme Komponenten setzt, ist deutlich entspannter unterwegs, weil sich die Gedanken nicht ständig um den nächsten Boxenstopp drehen müssen. Typische Wartungsarbeiten an einem Rad sind der Wechsel von Ketten, Ritzeln, Kettenblättern, Mänteln und Schläuchen. Je simpler die Technik, umso einfacher ist es, auf einer Tour das Rad gegebenenfalls selbst zu reparieren oder sich auch in entlegenen Teilen der Welt mit Ersatzteilen zu versorgen. Gelegentlich steht dieses Kriterium im Konflikt mit einer durch die entsprechende Auswahl von Komponenten erzielten Wartungsarmut.

Andere Faktoren, wie z.B. Komfort und Gewicht sind demgegenüber in den Hintergrund getreten. Nachfolgend möchte ich ein paar der Komponenten meines Rades etwas ausführlicher erwähnen, um dem einen oder anderen Leser eine mögliche Entscheidungshilfe bei der Suche nach geeigneten Radkomponenten mit an die Hand zu geben. Dafür habe ich die Gründe angeführt, die mich 2009 zum Kauf bewogen haben und diese um die Erfahrungen mit diesen Komponenten während der in den letzten 9 Jahren gefahrenen ca. 50.000 km ergänzt.

Rahmen

Es war nicht ganz leicht, für meine Körpergröße von 1,90 m und mit der Anforderung an eine möglichst hohe Stabilität bei maximaler Zuladung einen passenden Rahmen zu finden. Leichte Alurahmen oder dünnwandige Stahlrahmen (weniger als 0,4 mm) schienen weniger geeignet. Meine Entscheidung fiel schließlich auf den mehr als 3,5 Kilogramm schweren „Velotraum XXL“-Stahlrahmen mit einem zulässigem Systemgewicht (Systemgewicht = Eigengewicht des Rades + Zuladung + Fahrer) von 170 kg!

Meine Erfahrungen mit dem Velotraum-Rahmen sind bisher sehr positiv. Der Rahmen ist extrem steif und verwindet sich auch im vollständig beladenen Zustand nicht, was das gefährliche „Flattern“ bei schnellen Abfahrten verhindert. Kleiner Minuspunkt war nun nach 9 Jahren der teilweise aufgetretene Rost an den Stellen Rahmens, wo durch Stürze und groben Transport der sehr gute Lack abgesplittert war. Ich habe mich daher im Februar 2018 entschlossen den Rahmen komplett neu puverbeschichten und lackieren zu lassen.

Schaltung

Eines der wichtigsten funktionalen Elemente eines Reiserades ist die Schaltung. Nur wenn sie sauber funktioniert kann es unbeschwert die Berge hinaufgehen. Bis zu meiner Weltreise war ich mit der „Shimano XT“-Kettenschaltung unterwegs gewesen, die in sauberem Zustand sehr zuverlässig arbeitet. Dem stand gegenüber, dass ich gelegentlich Probleme mit Transport- oder Anstoßschäden am empfindlichen, außenliegenden Schaltwerk hatte. Auch lief die Kette bei schwierigen Bedingungen mit Dreck und Schlamm schnell nicht mehr rund und hakte bei Gangwechseln.

In 2009 habe ich mich dann für die 14-Gang Nabenschaltung „Speedhub 500/14“ des deutschen Herstellers Rohloff entschieden. Der Speedhub eilte ihr Ruf als wartungsarmes, zuverlässiges Arbeitstier voraus. Das in einem Ölbad arbeitenden Getriebe der Speedhub benötigt außer einem gelegentlichen Ölwechsel (empfohlen alle 5.000 km) keine Wartung. Die 14 Gänge decken in etwa das Spektrum einer 27-Gang-Schaltung ab, da sie gleichmäßig abgestuft sind und keine Mehrfachabdeckung vorhanden ist. Weil die Kette in einer Flucht läuft und es keine Querbelastungen bei Gangwechseln gibt, haben Kettenblatt, Antriebsritzel und Kette eine deutlich längere Lebensdauer als bei einer Kettenschaltung. Muss die Kette dann doch einmal getauscht werden, eignet sich jede stabile 8-fach Kette, die es überall auf der Welt zu kaufen gibt. Weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, die Gänge auch im Stand zu wechseln.

Die von Rohloff beworbene Zuverlässigkeit und Wartungsarmut, kann ich mit leichten Einschränkungen, siehe unten, bestätigen. Auf meiner einjährigen Weltreise habe ich allein mehr als 18.000 km zurückgelegt und in dieser Zeit lediglich dreimal die Kette gewechselt (bevor sie durch Längung Kettenblatt und Ritzel angriffen hätte) und einmal das Ritzel gewendet. Darüber hinaus reichte es, gelegentlich die Kette über den Exzenter zu spannen, zu reinigen und zu ölen. So lief die Kette immer rund und stockte nicht ein einziges Mal.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass ich während meiner Weltreise einen außerplanmäßigen Stopp wegen der Speedhub einlegen musste. Im April 2014, nach knapp 23.000 km Gesamtlaufleistung und 5 Jahren (!), stellte ich im Süden von Japan plötzlich fest, dass die Speichenaufhängung der Speedhub an einer Stelle gebrochen war. Die Felge war entsprechend verzogen. Die knapp 900 Kilometer bis nach Osaka legte ich noch mit den angesprochenen Speichenaufhängung zurück, was für die Stabilitätsreserven des Gesamtkonzepts sprechen dürfte. Der extrem hilfsbereite Rohloff Importeur in Osaka, Fumiyoshi Sugiki von MC International Japan, der das Gehäuse austauschte, organisierte mir auch gleich einen Radhändler, der anschließend die Felge neu aufbaute. Ich musste lediglich den Felgenaufbau und die Speichen zahlen; den Rest der Kosten trug Rohloff.

Der super Funktion der Rohloff Schaltung steht der potentielle Nachteil der Komplexität des Systems gegenüber. Gleichzeitig muss ich sagen, dass in meinem konkreten Fall die Ursache des Speichenausbruchs schwer zu bestimmen ist. Natürlich sollte die Speichenaufhängung nicht brechen; gleichzeitig habe ich gerade die Hinterradfelge teilweise extremer Belastung ausgesetzt (Schotterpiste mit voller Zuladung, etc.) und ich kann nicht sagen, wie sich demgegenüber ein anderes Schalt- und Nabensystem geschlagen hätte. In meinem Fall hat mich die schnelle und unbürokratische Hilfe vom Rohloff-Kundenservice jedenfalls begeistert.

Laufräder

Obgleich mein XXL-Stahlrahmen recht groß ist, hatte ich mich für die 26 Zoll Laufräder „Rigida Andra 30“ (660g pro Felge) entschieden, da sie mit einem doppelten Felgenboden ausgestattet sind.

Die Felgen haben sich von der teilweise erheblichen Beanspruchung mit Schottenpisten und einer Zuladung von +40 kg Gepäck völlig unbeeindruckt gezeigt. Nicht zu unterschätzen ist auch das kleinere Packmaß, gegenüber größeren Felgen das gerade bei gelegentlichen Reisen mit dem Bus oder dem Flugzeug ein paar Mal wichtig wurde. So schreiben einige Fluggesellschaften extrem kleine Packmaße vor, die man mit einem größeren Rad kaum einhalten kann.

Reifen

Gerade regelmäßig auftretende „Platten“ können bei einem voll bepackten Rad ein Ärgernis sein. Zum einen kommt ein platter Reifen gemäß Murphy‘s Gesetz immer zur Unzeit (es regnet gerade so schön …)! Außerdem ist der Austausch gerade beim Reiserad auch recht umständlich, weil man zunächst das gesamte Gepäck vom Rad nehmen, dann den Reifen flicken (oder einen neuen Schlauch einziehen) und am Ende das ganze Gepäck wieder aufladen muss.

Das Prädikat „unplattbar“ kann man einem Reifen, der auf 18.000 km 11 Platten bekommt wohl eher nicht geben. Andererseits waren alle 11 Platten auf meiner Weltreise auf massive Nägel, Ventilabrisse oder Fremdkörper zwischen Schlauch und Mantel zurückzuführen, gegen die kein Mantel einen zuverlässigen Schutz bietet. Kleine Glasscherben, spitze Steine, etc. konnten dem Mantel jedenfalls nichts anhaben. Den „Marathon Extreme“ gibt es inzwischen nicht mehr; ich fahre daher bei voller Zuladung inzwischen den „Marathon Mondial“ in der etwas breiteren 2,15 Zoll Variante.

Lichtanlage

Jahrelang bin ich mit verschiedenen Batterielampen gereist und habe es immer wieder erlebt, dass z.B. in Asien die Sonne hinter den Bergen verschwand und gerade dann die Batterien der Frontleuchte leer waren. Mit diesem Rad sollte dies anders werden.

Sowohl Scheinwerfer als auch Nabeldynamo haben mich vom ersten Tag an begeistert, da ich bei Dunkelheit jetzt immer eine extrem hell ausgeleuchtete Straße vor mir habe. Der beim Treten nicht spürbare, sehr gut abgedichtete Nabendynamo liefert, über das E-Werk, auch tagsüber den Strom für externe Geräte, wie z.B.

Bremsen

Ohne Zweifel haben hydraulische Scheibenbremsen, gerade bei Nässe, einen deutlich besseren Grip als Felgenbremsen. Der Nachteil sind die Scheiben und hydraulischen Leistungen, die gerade beim Transport beschädigt werden können und deren Reparatur dann aufwändig ist. Mein Stahlrahmen hatte nach 9 Jahren Einsatz ein paar ordentlichen Dellen; das hätten Bremsscheiben nicht überlebt! Daher habe ich mich für die wartungsarme und gleichzeitig extrem einfach zu reparierende V-Brake-Felgenbremse Avid Single-Digit-7 entschieden. Qualitativ entspricht die Bremse in etwa der Shimano Deore V-Brake. Sie ist recht günstig, zuverlässig und arbeitet kraftvoll.

Weitere Komponenten

  • Ritchey Vorbau Comp
  • Kurbelgarnitur, Sugino, XD-110

Zusammenfassung

Rückblickend, nach über 9 Jahren und knapp 50.000 gefahrenen Kilometern, bin ich mit der Auswahl meines Rades sehr zufrieden, denn mein Rad hat mir, insbesondere auf meiner einjährigen Weltreise, sehr treue Dienste geleistet. Lediglich bei den Reifen tendieren ich inzwischen, insbesondere bei weniger Zuladung, zu breiteren Modellen bis 2,4 Zoll. Bei meiner aktuellen „großen Inspektion“ meines Rades habe ich daher an der technischen Ausstattung nichts geändert.

Solltest Du auf der Suche nach einem Reiserad sein, empfehle ich jedenfalls verschiedene Räder Probe fahren, bevor Du Dich zum Kauf entscheidest.

Vergleich von Reiserad-Modellen

Im Folgenden werden einige Reiserad-Modelle verglichen, um eine Übersicht über die verschiedenen Optionen und deren Vor- und Nachteile zu geben.

Idworx Rohler BLT

Das Idworx Rohler BLT zeichnet sich durch seine kompromisslose Haltbarkeit und durchdachte Detaillösungen aus. Der Preis von mindestens 6500 Euro ist jedoch recht hoch.

Details:

  • Preis: 6528 Euro
  • Rahmengrößen: 46/ 51/ 54 cm
  • Gewicht Testrad: 15,6 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 160 kg
  • Rahmen: Aluminium, geschweißt
  • Gabel: Aluminium
  • Antriebsgruppe: Rohloff Speedhub 14-Gang
  • Übersetzung: 43 / 17 Zähne, 514 %
  • Bremsen/ø: Shimano Deore XT, 203/180mm
  • Reifen: Schwalbe G-One Bite TLE 57-622
  • Lichtanlage: Nabendynamo SON, Scheinwerfer SON Edelux

Vor- und Nachteile:

  • Plus: Kompromisslose Haltbarkeit; durchdachte Detaillösungen; Lenkungsdämpfer; gute Lastverteilung
  • Minus: Keine

Patria Kosmos

Das Patria Kosmos bietet weitgehende Individualisierungsmöglichkeiten und viele Optionen zum Gepäcktransport. Allerdings sind die Rohrdimensionen für maximale Zuladung sehr schlank und das Fahrverhalten kann leicht unruhig sein. Der Preis für das luxuriöse Exemplar im Weltreise-Trimm beträgt fast 5300 Euro.

Details:

  • Preis: 5284 Euro
  • Rahmengrößen: S, M, L, XL
  • Gewicht Testrad: 16,5 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 180 kg (Rahmen)
  • Rahmen: Stahl, gemufft, gelötet
  • Gabel: Stahl, geschweißt/gelötet
  • Antriebsgruppe: Shimano Deore XT
  • Übersetzung: 48/ 36/ 26 Zähne, 11-34 Z., 574 %
  • Bremsen/ø: Shimano Deore XT, 203/ 180mm
  • Reifen: Schwalbe G-One Bite TLE, 54-584
  • Lichtanlage: Nabendynamo SON, Scheinwerfer SON Edelux

Vor- und Nachteile:

  • Plus: Weitgehende Individualisierung möglich; viele Möglichkeiten zum Gepäcktransport
  • Minus: Rohrdimension für maximale Zuladung sehr schlank; leicht unruhiges Fahrverhalten

Tout Terrain Tanami Xplore II

Das Tout Terrain Tanami Xplore II zeichnet sich durch einen perfekt integrierten Heck-Gepäckträger und durchdachte Detaillösungen aus. Es ist jedoch etwas schwer und die Position ist sehr aufrecht. Der Preis beträgt ca. 6500 Euro.

Details:

  • Preis: ca. 6500 Euro
  • Rahmengrößen: M, L, XL
  • Gewicht Testrad: 17,9 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 160 kg (Rahmen)
  • Rahmen: Stahl, geschweißt
  • Gabel: Stahl, geschweißt/ gelötet
  • Antriebsgruppe: Pinion P 18 Getriebe
  • Übersetzung: 636 %
  • Bremsen/ø: Magura MT5/ 200/180 mm
  • Reifen: Continental Double Fighter 50-622
  • Lichtanlage: Nabendynamo SON, Scheinwerfer SON Edelux

Vor- und Nachteile:

  • Plus: Perfekt integrierter Heck-Gepäckträger; durchdachte Detaillösungen
  • Minus: Etwas schwer; sehr aufrechte Position

Weitere Überlegungen

Bei der Auswahl eines Reiserads sollten auch folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Werkzeug und Ersatzteile: Es ist wichtig, das richtige Werkzeug und die notwendigen Ersatzteile mitzunehmen, um kleinere Reparaturen unterwegs selbst durchführen zu können.
  • Reifenwahl: Die Wahl der richtigen Reifen hängt von den geplanten Strecken ab. Für unwegsames Gelände sind breitere Reifen mit gutem Profil empfehlenswert.
  • Rahmenmaterial: Stahlrahmen sind robust und lassen sich im Notfall leichter schweißen. Aluminiumrahmen sind leichter, aber weniger einfach zu reparieren.
  • Schaltung: Nabenschaltungen sind wartungsarm und zuverlässig, aber teuer. Kettenschaltungen sind günstiger, aber wartungsintensiver.

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