Die Geschichte von Gary Fisher und die Anfänge des Mountainbikes

Das Mountainbike, oder auch Geländefahrrad, ist ein Allrounder. Konzipiert für den Einsatz auf unbefestigten Wegen ist es aber längst nicht nur dort unterwegs. Es ist völlig egal, ob man auf einer asphaltierten Straße unterwegs ist, auf einem Schotterweg oder mitten über eine Wiese fährt. Für das Mountainbike gibt es kein Gelände, welches es nicht bezwingen kann. Zudem ist man sehr bequem unterwegs, ein weiterer Grund, warum sich viele für ein Mountainbike entscheiden. Man sitzt deutlich aufrechter als auf einem Rennrad und doch ergonomisch günstiger als auf einem normalen Stadtfahrrad. Ob ein Touren-Hardtail oder All-Mountain-Fully: Die Facetten der Geländegänger sind vielschichtig und für Einsteiger oft unübersichtlich.

Als Geburtsstunde des Mountainbikes wird heute allgemein das Jahr 1973 angesehen. Eine Gruppe von Radsportlern um Gary Fisher, Joe Breeze und Charles Kelly nutzten die Schotterpisten des Mount Tamalpais in Marin County (Kalifornien) um mit ihren Rädern den Berg hinab zu rasen. Damals noch mit schweren Cruisern des Herstellers Schwinn, die alles andere als Sportfahrräder waren. Die Cruiser waren allerdings sehr schwere Fahrräder, die den Berg zwar gut hinunter, aber schlecht wieder hinauf zu fahren waren. Aus diesem Grund wurden sie von Gary Fisher, Joe Breeze und Charles Kelly nur für Abfahrten genutzt wurden.

Die ersten Rennen und technischen Modifikationen

Die ersten regelmäßigen Mountainbike-Rennen gab es dann 1976 und sie wurden von den drei Pionieren der Mountainbike Geschichte am Mount Tamalpais ausgerichtet. Der Kurs war anspruchsvoll und stellte hohe Anforderungen an Fahrer und Material. Die Rücktrittsbremse war so hohen Belastungen ausgesetzt, dass das Fett qualmend aus der Nabe trat. Nach jeder Abfahrt mussten die Bremsen neu geschmiert werden (Englisch: to repack). Diese Rennen gaben die Anregung für technische Modifikationen um sie attraktiver gestalten und bestreiten zu können.

Mit ihrer Begeisterung für diese neue Art des Bikens stehen die drei Freunde nicht alleine da: Im Jahr 1976 trifft man sich zu ersten sportlichen Wettkämpfen. Die rund 3 km lange Strecke rund um den Mount Tamalpais ist eine Herausforderung für Fahrer und Material. Die Rücktrittbremse ist solch hohen Belastungen ausgesetzt, dass das Fett qualmend aus den Naben tritt. Nach jeder Abfahrt müssen die Bremsen neu geschmiert werden (Englisch: to repack). Liebevoll wird der Kurs in „Repack“ umgetauft.

Der Wille, bei jedem Rennen als Schnellster ins Ziel zu kommen, ist zugleich der entscheidende Ansporn, die Räder stetig weiterzuentwickeln. Vom Rennrad wird die Gangschaltung übernommen, vom Motorrad der massive Lenker mit Bremshebeln. Es folgt der Einbau von Daumenschaltung und Trommelbremsen. Vom alten Schwinn Cruiser ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Das erste "echte" Mountainbike

Im Jahr 1977 hat Joe Breeze für Charles Kelly das erste „echte“ Mountainbike hergestellt. Hinsichtlich der Rahmengeometrie orientierte er sich noch stark an den Cruisern. Das Thema Gewichtsreduzierung nahm langsam Formen an. Die Rahmengeometrie war zunächst noch an den Schwinn Cruisern angelehnt, er verwendete jedoch dünnwandige Chrom-Molybdän-Rohre. Für eine bessere Stabilität brachte er Versteifungsrohre an, das Ergebnis waren Bikes die äußert robust und deutlich leichter als seine Vorgänger waren.

Breeze weiß: Um das neue Rad noch geländetauglicher zu machen, muss er das Gewicht deutlich reduzieren. Bei der grundsätzlichen Rahmengeometrie orientiert er sich am Vorbild der Schwinn Cruiser, verwendet dabei jedoch dünnwandige Chrom-Molybdän-Rohre. Für eine bessere Stabilität bringt er Versteifungsrohre an. Das Ergebnis ist ein voller Erfolg. Das Bike ist äußerst robust und mit seinen etwa 17kg deutlich leichter als seine Vorgänger.

Ritcheys Rahmen unterschieden sich von den bisherigen Modellen durch eine tourentauglichere Geometrie, die sich auch für das Bergauf-Fahren eignete. Ein Kunde, der eins der Räder im Verkaufsraum entdeckte, bezeichnete das Bike als „Mountainbike“. Der Name war geboren. Tom Ritchey vertrieb die von ihm gebauten Räder fortan unter dem Markennamen „Ritchey-Mountainbike“.

Als Tim Ritchey zwei Jahre später zu der Gruppe der Mountainbike Pioniere stößt, gelingt es ihm, das Gewicht noch einmal um rund 1,5kg zu reduzieren. Ein weiterer Meilenstein der Mountainbike-Geschichte ist gelegt.

Gary Fisher und Charles Kelly übernahmen den Aufbau der von Ritchey gefertigten Rahmen zu vollständigen Mountainbikes und den Vertrieb dieser Fahrräder. Fisher war der erste, der eine moderne Gangschaltung an eines der alten Bikes baute. Er führte Daumenschaltung und den Schnellspanner am Sattel ein, welches eine große Hilfe für die Fahrer auf den Abfahrtstrecken darstellten. Tom Ritchey mit den zweiten (nach Joe Breezes „Breezer“) speziell für Mountainbikes gebauten Rahmen aus Stahlrohren.

Die Verbreitung des Mountainbikes

Zunächst hielt sich die Begeisterung für das Mountainbiken noch in Grenzen. Es gab nur wenige die sich dafür begeistern konnten. Das änderte sich aber in den 80er Jahren, weltweit wurden die Mountainbikes populär.

Und wer weiß, wie die Fahrradwelt heute aussähe, wenn es Charles Kelly nicht gegeben hätte. Er ist es, der die ersten Rennen organisiert, er ist es aber auch, der die neue Idee über die Grenzen des 5000-Seelen-Ortes Fairfax hinausträgt. Voller Enthusiasmus berichtet er in mehreren Artikeln, unter anderem im bekannten Outside Magazine, über die Bike-Szene rund um den Mount Tamalpais. Er beschreibt die Erfolge und Rückschläge bei der Weiterentwicklung der Räder; er lässt die einmalige Atmosphäre der „Repack“-Rennen greifbar werden; er bringt die Philosophie einer völlig neuen Outdoor-Sportart zu Papier. Und der Funke springt über: Immer mehr Leser beginnen sich für diese Idee zu interessieren, die schon bald überregional bekannt ist.

Von der Resonanz überwältigt ruft Kelly 1981 eine eigene Zeitschrift ins Leben: Mit dem Fat Tire Flyer Magazine ist das erste Mountainbike-Magazin der Welt geboren.

Um die Geländegänger weiter zu verbessern, wurde mit neuen Materialien experimentiert. Die Ausstattungskomponenten wurden ebenfalls weiter entwickelt, vor allem von den japanischen Herstellern Shimano und SunTour mit Rasterschaltung, Lenker-Schalthebeln, ovalen Biospace-Kettenblättern und Cantilever-Bremsen.

Derweil tüfteln die Mountainbike-Pioniere um Gary Fisher an weiteren technischen Innovationen, um ihre Bikes stetig zu verbessern. Dabei verlieren die Freunde nie die generellen Entwicklungen in der Fahrrad-Welt aus dem Blick. Mit großem Interesse verfolgen sie z.B. den Erfolg des BMX-Rads. Gibt es hier womöglich Ideen, die sich auch auf das Mountainbike übertragen lassen? Schon bald werden sie fündig: Komponenten aus Aluminium.

Schnell rüstet die Gruppe ihre Bikes um: Statt der alten Stahlfelgen nutzen sie nun Felgen aus Aluminium. Was für ein Unterschied! Auf einen Schlag sparen sie so knapp 3 kg beim Gewicht ihrer Räder ein - Welten im Radsport. Das Ergebnis begeistert alle: Als sie mit ihren umgebauten Bikes durch die wunderschöne Naturlandschaft Kaliforniens brausen, erleben sie ein völlig neues Fahrgefühl. Jeder Berg scheint jetzt bezwingbar zu sein!

Das Mountainbike nahm in der globalen Industrie einen so großen Stellenwert ein, dass etablierte Fahrrad-Hersteller den neuen Fahrrad-Typ in ihre Produktion aufnahmen. Anfang der 1990er Jahre begannen die Hersteller ihre Fertigung nach Japan und kurze Zeit später nach Taiwan auszulagern.

Vieles wurde erreicht in den letzten Jahren, doch eines fehlt noch: ein Name für das neue Bike! Am Ende ist es Gary Fisher, der den Namen Mountainbike ins Leben ruft - und das eher zufällig, denn ursprünglich ist dies nur als Modellbezeichnung gedacht. Doch schnell wird klar, dass es keinen passenderen Namen geben könnte, um mit einem einzigen Wort eine ganze Philosophie zum Ausdruck zu bringen. So wird aus einer Modellbezeichnung der Name einer neuen Fahrradgattung.

Wie aber ist es um die weitere Verbreitung der Mountainbike-Idee bestellt? Die Grundlagen sind schließlich gelegt: 1977 hatte Joe Breeze das erste „echte“ Mountainbike konstruiert und auch Tim Ritchey entwirft seit dem Ende der 70er Jahre immer neue Räder. Vor allem das „Ritchey Mountainbike“ wird dabei zum wahren Verkaufsschlager. Doch dies sollte erst der Anfang sein.

Es ist die Firma Specialized Bicycle Imports, die als erste das riesige Potential erkennt, das in den Mountainbikes schlummert. Im Jahr 1980 kauft sie vier der von Gary Fisher und Charles Kelly vertriebenen neuen Räder und bringt schon ein Jahr später den Specialized Stumpjumper auf den Markt. Auch wenn dieses Bike technisch noch weit vom Standard der heutigen Mountainbikes entfernt ist, so stellt es doch die Geburtsstunde der weltweit ersten Mountainbike-Großserie dar.

Eines ist nun klar: Die Mountainbike-Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten. Weltweit begeistern sich immer mehr Menschen für diese neue Sportart. Es ist dieses einzigartige Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das die Menschen dazu anregt, es den Freunden aus Kalifornien gleichzutun.

Immer mehr Fahrrad-Hersteller werden auf das Mountainbike und die gewaltige Nachfrage aufmerksam. Shimano und Suntour, zwei japanischen Fahrradteile-Giganten, produzieren erstmals Komponenten speziell für das Mountainbike. Sie übernehmen dabei nicht nur die altbewährten Einzelteile, sondern entwickeln diese stetig weiter: Verbesserte Bremsen (Cantilever-Bremsen), Schaltungen (Lenker-Schalthebel, Rasterschaltung) sowie immer schmutzbeständigere Naben und Tretlager kommen auf den Markt.

Diese innovativen und hochbelastbaren Komponenten sind es, die den letzten Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Mountainbikes darstellen. Zahlreiche Fahrrad-Hersteller (z.B. Cannondale, Specialized oder Trek) gehen nun mit eigenen Mountainbikes in die Massenproduktion. Die technische Entwicklung ist rasant und hält bis heute an: Immer leichtere Rahmen (aus Aluminium, Titan und Carbon) und neue Federungen (z.B. Hardtail- und Fully-Bikes) machen das Mountainbike zum dem, was es heute ist: ein einzigartiges Sportgerät, was weltweit Millionen Menschen begeistert.

Die wichtigsten Daten im Überblick

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Mountainbikes:

  • 1973: Idee des Mountainbikes wird geboren
  • 1976: Erstes „Repack“-Rennen findet statt
  • 1977: Erstes „echtes“ Mountainbike wird konstruiert
  • 1979: Tim Ritchey schließt sich der Gruppe um Fisher, Breeze und Kelly an
  • ca. 1980: Name Mountainbike wird ins Leben gerufen
  • 1980: Stahlfelgen werden durch Aluminiumfelgen ersetzt
  • 1981: Gründung des ersten Mountainbike-Magazins der Welt
  • 1981: Erste Großserien-Produktion eines Mountainbikes (Specialized Stumpjumper)
  • 1990: Bei den ersten Meisterschaften in Durango.
  • 1996: Bei den Olympischen Spielen in Atlanta wird Mountainbiking (Cross-Country) erstmals als olympische Disziplin ausgetragen.

Was Gary Fisher, Joe Breeze und Charles Kelly im Jahr 1973 am Mount Tamalpais wohl nie für möglich gehalten hätten, ist nun Realität: Das Mountainbike hat die Welt erobert. Doch wie immer hat der Erfolg auch seine Schattenseiten. Es ist die Freundschaft der Gruppe, die beim Höhenflug des Mountainbikes auf der Strecke bleibt: Nach großen Streitigkeiten geht 1984 jeder seiner Wege.

Heute ist Gary Fisher eine Marke von Trek und bietet eine breite Palette von Mountainbikes an, die sich durch ihre hohe Qualität und ihre innovativen Technologien auszeichnen.

Typische Merkmale eines Mountainbikes

Die typischen Merkmale eines Mountainbikes sind breite, meist grobstollige Reifen. Damit soll dem unebenen Boden Rechnung getragen werden. Die ursprünglichen 26-Zoll Laufräder wurden aber zunehmend durch 27,5-Zoll und 29-Zoll verdrängt. Trotz des großen Raddurchmessers sind die Rahmengrößen verhältnismäßig niedrig. Dabei wird berücksichtigt. dass Mountainbiker kaum lange Strecken zurücklegen, aber gerade für die Bergauf-Strecken sehr viel Kraft benötigen. Typisch sind vor allem Kettenschaltungen, die mit meist 21 bis 30 Gängen versehen sind. Damit können die Fahrer auf die unterschiedlichen Steigungen differenzierter reagieren. Vereinzelt sind Nabenschaltungen mit breiter Entfaltung anzutreffen.

Der Rahmen wird aus Gewichtsgründen gerne aus Aluminium gefertigt. Mittlerweile nimmt das Mountainbike Einfluss auf moderne Fahrräder aller Art. Viele Bauteile, die ursprünglich für den Mountainbike-Sport entwickelt oder dort weiterentwickelt wurden finden sich in Fahrradgattungen aller Art wieder. Insbesondere V-Bremsen, Scheibenbremsen, Federgabeln, Hinterbaufederungen und Nabenschaltungen. Die aus dem Motocross bekannten Federgabeln setzten sich zuerst bei den extremen Downhillfahrern durch.

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