Auf der Suche nach dem richtigen Fahrradlenker lohnt es sich, die verschiedenen Fahrradlenker-Typen näher zu betrachten. Denn die Auswahl des Fahrradlenker-Types hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Lenkverhalten des Fahrrades. Außerdem bestimmt sie maßgeblich die Sitzposition des Fahrers und damit auch den Komfort oder die Sportlichkeit eines Rades. Die Art des Lenkers sollte deshalb immer zum Einsatzbereich des Fahrrades passen.
Der Lenker ist Teil des Steuersystems und wird mit der Lenkerklemmung in der Mitte des Vorbaus fixiert. Dabei kann der Fahrradlenker ab der Lenkerklemmung unterschiedliche Formen aufweisen. Um zu verstehen, was die einzelnen Fahrradlenker-Typen auszeichnet, ist ein Blick auf die Eigenschaften eines Fahrradlenkers hilfreich.
Verschiedene Fahrradlenker-Typen
Es gibt eine Vielzahl von Lenkerformen. Manche davon haben einprägsame Namen wie Bullhornlenker, Rennlenker oder Schwalbenschwanzlenker. Hier sind einige der gängigsten Typen:
- Gerader Lenker: Der klassische Gerade-Lenker bietet die beste Kontrolle über das Fahrrad. Er zeichnet sich durch seine einfache und gerade Form aus, die den Fahrer dazu einlädt, eine aufrechte Sitzposition einzunehmen. Dieser Lenker eignet sich besonders für den Stadtverkehr und das Radfahren in gemäßigtem Tempo und ist leicht zu bedienen.
- Rennlenker: Der Rennlenker, auch bekannt als „Drop-Bar“, ist der Lenkertyp, der bei Rennrädern und sportlichen Fahrrädern am häufigsten anzutreffen ist. Er zeichnet sich durch seinen gebogenen und schmalen Griffbereich aus, der dem Fahrer verschiedene Handpositionen ermöglicht. Durch die nach vorne geneigte Position wird eine aerodynamische Haltung eingenommen, die vor allem auf längeren Strecken von Vorteil ist.
- Cruiser-Lenker: Der Cruiser-Lenker ist ein breiter und gebogener Lenker, der häufig bei Cruiser-Fahrrädern und City-Bikes zu finden ist. Er ermöglicht dem Fahrer, eine aufrechte und entspannte Position einzunehmen. Dieser Lenkertyp ist besonders bequem und bietet eine gute Kontrolle über das Fahrrad.
- Bullhorn-Lenker: Der Bullhorn-Lenker ist ein Lenker, der eine gewisse Ähnlichkeit mit den Hörnern eines Bullen hat. Er ist besonders beliebt bei Fixie-Fahrrädern und Singlespeed-Bikes. Dieser Lenkertyp ermöglicht dem Fahrer verschiedene Handpositionen und bietet eine aerodynamische Haltung.
- Butterfly-Lenker: Der Butterfly-Lenker ist ein ungewöhnlicher Lenkertyp, der vor allem bei Trekkingrädern anzutreffen ist. Er zeichnet sich durch seine zweigeteilte Form aus, die es dem Fahrer ermöglicht, verschiedene Handpositionen einzunehmen. Dieser Lenker eignet sich besonders für lange Touren, da er eine entspannte Sitzposition ermöglicht und die Handgelenke entlastet.
Gravel-Lenker: Der Nachwuchs bei den Dropbars
Gravel-Lenker sind so etwas wie der Nachwuchs bei den Dropbars. In diesem Artikel erklären wir Dir, was es mit Flare, Drop, Reach & Backsweep auf sich hat. Gravellenker (links) vs. Rennradlenker: Der Flare macht den Unterschied und bietet mehr Kontrolle im Gelände. So hast Du auch jede Menge Platz für leichtes, voluminöses Gepäck beim Bikepacking.
Beim klassischen Rennradfahren geht es um Tempo. Aerodynamik ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg und der Rennlenker sollte Fahrer und Fahrerin in eine möglichst windschnittige Position bringen. Alle Maße, die den Lenker etwas komfortabler machen, fügen sich diesem „Aero-Diktat“. Deshalb sind Rennlenker schmal, ragen weit nach vorn und der Unterlenker ist tief abgesenkt. Soweit die reine Rennradlehre.
Mit dem Gravelbike verlässt Du die asphaltierte Straße, das hohe Tempo eines Pelotons und nicht selten auch die Sicherheit einer abgesperrten Rennstrecke. Dann müssen Rad und Lenker auch andere Aspekte als nur Tempo und Aerodynamik optimal erfüllen: Neben geringem Windwiderstand bekommen Komfort, Kontrolle und Übersicht (im Verkehr oder für den Blick in die Natur) mehr Bedeutung. Dem trägt die Form des Gravel-Lenkers Rechnung.
Die wichtigsten Maße beim Gravel-Lenker
Damit Du Deinen neuen Lenker perfekt auswählen kannst, solltest Du wissen, welche Maße der gegenwärtig montierte Lenker hat. Ermittle bei der Gelegenheit auch direkt die Maße Deines Vorbaus. Da die Mischung aus Aerodynamik, Kontrolle, Komfort und Übersicht sehr unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen kann, sind die Lenker unter dem Schlagwort „Gravel“ so verschieden. Deine Lenkerwahl beginnt mit Deiner Ergonomie: Welche Größe und Statur hast Du? Je größer, breiter und schwerer Du bist, desto breiter wird auch Dein Lenker ausfallen.
Flare: Macht den Rennlenker zum Gravel-Lenker
Die meisten Gravel-Lenker sind in den Drops ausgestellt, sie werden also unten breiter. Dieses Maß wird „Drop Flare“ oder kürzer „Flare“ genannt und in Winkelgrad angegeben. Das Spektrum reicht von wenigen bis zu über 20 Grad. Drei Ideen stehen hinter dem Drop Flare:
- Erstens wird im Gelände viel in den Unterlenker gegriffen. Mehr Breite bedeutet gleichzeitig mehr Hebelarm und damit mehr Kontrolle - das kennt man vom Mountainbike.
- Zweitens bewegen sich bei aktiver Fahrweise im Unterlenker die Unterarme relativ stark. Ausgeprägter Drop Flare verhindert schmerzhafte Kollisionen mit dem Oberlenker.
- Außerdem sorgt mehr Flare für mehr Abstand zwischen Unterlenker, Händen sowie Knien und vermeidet so bei langsamer Fahrt und entsprechenden Lenkeinschlägen Kollisionen.
Für die ideale Breite Deines Gravel-Lenkers hast Du also drei mögliche Bezugspunkte: Oberlenkerbreite, Breite auf Höhe der Bremsschalthebel und die Unterlenkerbreite. Unser Tipp: Der Lenker sollte an Deiner bevorzugten Griffposition der Faustformel „Schulterbreite“ entsprechen und je nach Einsatzbereich unten mehr oder weniger stark ausgestellt sein. Bist Du im Wesentlichen mit hohem Tempo auf schlechten Straßen oder Schotterpisten unterwegs, hältst Du Dich beim Drop Flare zurück. Bewegst Du Dein Gravelbike eher im Gelände und auf Singletrails, hilft Dir ein größerer Flare.
Reach: Zwischen gestreckt und gedrungen
Der Reach misst, wie weit das Lenkerhorn vom Oberlenker nach vorn ragt und bestimmt damit die Position des Bremsschalthebels. Je größer der Reach des Lenkers, desto gestreckter die Haltung auf dem Rad. Natürlich spielt da auch noch der Vorbau mit: Ein großer Reach lässt sich ergonomisch mit einem kürzeren Vorbau ausgleichen; das funktioniert natürlich auch umgekehrt. Gravel-Lenker haben in der Regel einen kürzeren Reach als tempo-orientierte Rennlenker.
Drop: Komfortabel im Gelände
Der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterlenker wird Drop genannt. Beim klassischen Rennrad geht es hier um Tempo und der Drop fällt groß aus, damit die Racer sich richtig „klein“ machen können. Beim Gravelbike ist das weniger wichtig, deshalb fällt der Drop meist geringer aus. Außerdem wird gerade im Gelände am Unterlenker mit ein bis zwei Fingern am Bremshebel gefahren. Ein zu hoher Drop erschwert Dir also die so wichtige Kontrolle über die Bremse.
Zudem erschwert eine Fahrposition mit tiefem Drop die Sicht auf die Ideallinie und verringert Deine Beweglichkeit auf dem Bike. Ob Du einen Drop als komfortabel und gut fahrbar erlebst, hängt allerdings auch davon ab, welche Griffposition Du zur Nulllinie erklärst. Unser Tipp: Je mehr Du im Gelände fährst, desto eher sollte der Griff im Unterlenker als Standard gelten und der Drop lieber kleiner ausfallen. Der Drop steht zudem in einem Verhältnis zu Deiner Oberkörper- und Armlänge: Je größer diese bei Dir ausfallen, desto mehr Drop kannst Du bequem fahren.
Backsweep: Gut für die Handgelenke
Der Backsweep beschreibt die Biegung des Querlenkers nach hinten, also in Richtung Fahrer:in. Diese Rückbiegung empfinden viele beim Griff im Oberlenker als komfortabler im Vergleich zum geraden Oberlenker. Gleichzeitig ist das ein „Kniff“ im gesamten Lenkerdesign, denn der Reach des Lenkers verkürzt sich, ohne dass sich der Hornbogen des Lenkers in Form und Maßen ändert. Völlig logisch: Der Backsweep steht auch im Verhältnis zur Vorbaulänge. Je größer der Backsweep, desto länger muss der Vorbau sein, um die Bremsschalthebel an derselben Position zu behalten.
Rise: Wenn es aufrechter sein soll
Wenn wir bei dem Bild der „Stockwerke“ bleiben, dann haben manche Gravellenker, wie die Hover-Serie von Specialized oder die ErgoMax-Modelle von Ritchey, noch ein Extra zu bieten. Ihre Oberlenker weisen wie beim MTB-Lenker einen Rise auf, sie heben sich neben der Vorbauklemmung an. Betrachte dies als „drittes Geschoss“, das den Obergriff erhöht, ohne die Formgebung des Drops zu beeinflussen. Logisch, auch hier gibt es eine Wechselwirkung zur Vorbauhöhe, denn der Rise addiert sich zur Vorbauhöhe. Den höchsten Rise (30 mm) besitzt der Truck Stop getaufte Lenker von Surly. Das sind dann schon MTB-Dimensionen!
Unterlenker-Griff: Die Abkehr vom Runden
Bereits in den 80er Jahren kamen die ersten Rennlenker auf, deren Hörner statt eines konstanten Radius eine ergonomische Biegung aufwiesen. Bei Gravellenkern kommt dieser Formgebung eine besondere Bedeutung zu, da der Lenker eben in diesem Bereich festgehalten wird, sobald es in anspruchsvolleres Gelände geht oder die Fahrt an Tempo aufnimmt. „Formschlüssigkeit“ ist das Schlagwort aus der Ergonomie, das hier zählt: Je mehr Auflagefläche zwischen Hand und Lenker besteht, desto komfortabler greift es sich und desto besser auch die Kontrolle bei wilder Fahrt. Eine Doppel-S-Form im Knick, wie sie etwa an den VentureMax-Lenkern von Ritchey (Bild links) zu finden ist, hat sich für viele Fahrer:innen als besonders komfortabel erwiesen.
Flare out: Knie-Kontakt unerwünscht
Um den Spagat zwischen ergonomischer Bauform und fahrdynamischer Funktionalität eines Gravellenkers zu vollziehen, werden auch die Enden der Lenkerhörner nach außen gebogen. Dieses Maß nennt sich "Flare out" und wird, wie auch der Flare, in Winkelgrad angegeben. Diese ausgestellten Lenkerenden (wie etwa beim Service Course SL-70 XPLR Lenker von Zipp) sorgen dafür, dass Knie und Lenker beim Einlenken nicht frühzeitig kollidieren. Außerdem empfinden viele Fahrer:innen einen Flare out als komfortabel, ähnlich wie Backsweep am Mountainbike-Lenker.
Materialien von Fahrradlenkern
Die meisten Fahrradlenker bestehen aus Aluminium. Wer Wert darauf legt, dass sein Bike sehr leicht ist, für den könnte ein Lenker aus Carbon interessant sein, denn ein Carbon-Lenker ist deutlich leichter als einer aus Aluminium.
MTB-Lenker aus Carbon:
- Leichter oder kann noch steifer gebaut werden.
- Kann auch mit mehr Eigendämpfung entwickelt werden, um Vibrationen zu filtern, was zu weniger Ermüdung führt.
- Allerdings ist Carbon auch teurer als Aluminium.
MTB-Lenker aus Aluminium:
- Ermöglicht es, bei vertretbarem Gewicht sehr steife Lenker bauen, die zudem bei Stürzen oder intensiver Belastung unempfindlicher sind.
- Aluminium ist nahezu beliebig oft recycelbar und damit trotz der relativ hohen Energiekosten bei der Herstellung ein recht umweltfreundlicher Werkstoff.
- Aluminium-Lenker sind günstiger.
MTB-Lenker aus Stahl oder Titan:
- Lenker aus Stahl kommen wegen des relativ hohen Gewichts trotz ihrer hervorragenden Steifigkeits- und Komfortwerte eher im unteren Preissegment sowie im Tourenbereich zum Einsatz.
- Lenker aus Titan sind leicht, wunderschön, langlebig, begehrenswert und teuer.
Vorbaubauklemmung und Durchmesser beim MTB-Lenker
Mountainbike-Lenker gibt es üblicherweise in drei Klemmdurchmessern: 25,4 Millimeter, 31,8 Millimeter und 35 Millimeter. Der Trend zu immer breiteren Lenkern hat historisch zu einer Vergrößerung des Klemmmaßes geführt. Deswegen gibt es Lenker mit 25,4 Millimeter Vorbauklemmung meist nicht deutlich über 700 mm Breite hinaus.
Die Bedeutung von Ergonomie
Ein Fahrradlenker sollte Einsatzzweck des Rades und zum Fahrer passen. Wer also einen Lenker für sein Rennrad oder Mountainbike sucht, sollte sich bei dem entsprechenden Fahrradlenker-Typ umschauen. Wenn du einen Lenker für entspannte Fahrradtouren suchst, solltest du dir verschiedene Komfortlenker anschauen. Möchtest du dagegen flexibel bleiben, könnte ein Tourenlenker das richtige sein. Doch auch innerhalb eines Fahrradlenker-Types gibt verschiedene Varianten mit großen Unterschiede.Die betreffen nicht nur die Form oder in die Positionierung der Griffe, sondern auch beim Material.
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