Egal, ob in der Stadt oder auf einer ausgedehnten Tour: Wer schlecht sitzt, fährt schlecht. Erst der richtige Fahrradsattel macht das Radeln zum Genuss. Selbst die beeindruckendste Aussicht auf Ihrer Fahrradtour kann durch Schmerzen beim Fahren getrübt werden. Wenn Sie sogar Schmerzen im Steißbeinbereich verspüren, ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass Sie einen neuen Fahrradsattel benötigen.
Dies zeigt, dass Ihre derzeitige Sitzposition auf dem Fahrrad nicht vorteilhaft ist. Grundsätzlich gilt: Je aufrechter man sitzt, desto weicher und breiter kann der Sattel sein. Je nachdem, wo der Körperschwerpunkt auf dem Rad liegt, ändert sich die Sattelform.
Die Wichtigkeit des richtigen Fahrradsattels
Die Qualität jeder Fahrradfahrt steht und fällt mit der Sitzunterlage. Der falsche Sattel kann eine Reihe unterschiedlicher Beschwerden hervorrufen. Das kann sowohl am Sattel selbst als auch einer falschen Einstellung der Sitzhöhe liegen.
Obwohl weiche Sättel zunächst bequem scheinen, sind sie für längere Fahrten ungeeignet. Dadurch wird das darunter liegende Gewebe gereizt. Das Körpergewicht lastet dann nicht auf den Knochen, sondern auf Gewebe.
Mögliche Beschwerden durch falsche Sättel
- Durchblutungsstörungen im Genitalbereich: Symptome sind etwa Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Schritt. Männer und Frauen sind gleichermaßen gefährdet.
- Schmerzen im Steißbein: Das bedeutet, der Sattel ist zu weich. Die Sitzknochen sinken so tief in den Sattel, dass er auf das Steißbein drückt.
- Schmerzen an den Sitzknochen: Eine andere Erklärung für die Schmerzen könnte ein Sattel sein, der nicht zu Ihrem Körperbau passt.
Empfehlungen basierend auf dem F.A.Z. Kaufkompass Test
Wir präsentieren Ihnen unsere Empfehlungen, die auf dem Fahrradsattel-Test unseres Partners, dem F.A.Z. Kaufkompass, basieren. Anschließend gehen wir detailliert auf jede Empfehlung ein. Zudem informieren wir Sie ausführlich über die wichtigen Aspekte, auf die Sie beim Kauf eines Fahrradsattels achten sollten und erklären das Testverfahren.
Egal, auf welchem Sattel Sie thronen, einfahren müssen Sie ihn immer. Entweder, um sich an ihn zu gewöhnen oder, um ihn wirklich zu testen. Auch dann, wenn Sie länger nicht mehr auf dem Rad saßen. Generell gilt: Der Sattel sollte zu ihrer Beckenform und Körperhaltung passen.
Empfehlungen für Trekking- und Langstreckenradler
Guter Sitz ist besonders bei längeren Touren und auf Reiserädern wichtig. Allen Trekking-Fans und Langstreckenradlern empfehlen wir den SQlab 602 Ergolux Active 2.0. Dafür empfehlen wir den SQlab 602 Ergolux Active 2.0. Der Sattel ist schmal und wellt sich zum Heck. Das nimmt Druck vom Sitzknochen.
SQlab nimmt die Sitzknochenbreite als Grundlage der Sattelbreite und war damit Pionier. Bei unserem Fahrradsattel-Test wurde die Größe 14 in der Sitzposition des "sportlichen Trekkingfahrers" getestet. Der 602 Ergolux Active 2.0 hat ein Stufenheck und eine eingekerbte Sattelmitte.
Mit dem Finger kann man die Sattelpolster zwar leicht eindrücken, im Sitzen sinkt man jedoch nicht ein. Zwei „Komfort-Sticks“ dienen als Hilfe um das Polster auf das Körpergewicht einzustellen. Während der Fahrt bemerkt man das Stufenheck nicht. Falls doch, gewöhnen Sie sich mit der Zeit daran.
Von Beginn an war das Sitzgefühl sehr gut. Nach einigen Kilometern im Test ließ der Komfort langsam nach. Also kamen nach rund sechs Test-Kilometern die „Komfort-Sticks“ aus dem Sattel und siehe da: Der Sattel war deutlich bequemer.
Die Sticks machen den Sattel etwas härter. Ohne die Sticks wird der Sattel etwas weicher. Der Hersteller empfiehlt sie ab einem Körpergewicht von 80 Kilogramm. Weil die Sattelnase etwas abgesenkt ist, kam es im Test nicht zu Druckstellen im Damm- oder Schambereich. Beim Treten scheuerte es nirgends. Die Testfahrt mit dem SQlab 602 Ergolux Active 2.0 lief tadellos.
Preistipp für Touren: Selle Royal Scientia A2
Der Scientia von Selle Royal überzeugt mit starker Preis-Leistung. Er kostet weniger als der Testsieger und ist genauso gut für Touren geeignet. Dazu ist er bequem und kommt ebenfalls mit leicht erhöhtem Heck. Darin polstert Gel den Allerwertesten.
Er ist günstiger als der Testsieger und bietet vergleichbaren Komfort. Das macht ihn zu unserem Preistipp. Im Fahrradsattel-Test war er das schmalste Modell. Ähnlich wie der Testsieger kommt der Scientia A2 mit erhöhtem Heck und einem länglichen Entlastungskanal zwischen den Sitzpolstern.
Er wurde zusammen mit der Sporthochschule Köln entwickelt und dort bereits von über hundert Freiwilligen getestet. Während der Testfahrt fiel der Sattel als besonders bequem auf. Er passt ideal und macht sich kaum bemerkbar. Die 3D-Skingel-Technik von Selle Royal verhindert, dass die Sitzknochen zu tief einsinken, der Entlastungskanal tut sein Übriges.
Obwohl der Selle Royal Scientia A2 anfangs sehr schmal schien, überzeugte er im Test mit anhaltendem Komfort und intuitiver Passform nach wenigen Kilometern. Je nach Sitzknochen und Haltung auf dem Rad gibt es den Sattel in neun verschiedenen Varianten. Das macht ihn zu unserem Preistipp.
Empfehlung für Citybikes: Terry Anatomica Flex Gel
Auf Citybikes sitzt man aufrecht, bekanntestes Beispiel ist das Hollandrad. Der beste Sattel dafür ist der Terry Anatomica Flex Gel. Getestet wurde das Damen-Modell. Eine Ausführung für Männer ist ebenfalls erhältlich.
Schaum, Komfortgel und eine breite Sitzfläche sorgen für ein angenehmes Fahrgefühl auf mittleren Strecken. Der Terry Anatomica Flex Gel verfügt über das Cellasto-Dämpfungssystem. Es soll den Rücken entlasten. Der Hersteller hat es mit BASF in Deutschland entwickelt und produziert. Die Dämpfer absorbieren Stöße und entlasten den Rücken effektiv.
Auch wenn der Sattel anfangs hart wirkt, der Fahrkomfort ist deutlich höher als bei vergleichbaren Modellen. Gerade weiche Sattel sind schnell waberig und bieten wenig Halt. Das Modell von Terry Anatomica überzeugt im Test und sollte für Menschen aller Gewichtsklassen passen.
Stilvoll und bequem: Brooks Flyer S Classic
Wer einen guten Sattel möchte, kommt am britischen Traditionshersteller Brooks nicht vorbei. Seit 1866 werden die Sättel per Hand gefertigt. Brooks baut die Bentleys unter den Sätteln: teuer, handgemacht und stilvoll. Zwar müssen alle Sättel eingefahren werden, Ledersättel aber ganz besonders. Dafür passt die Tierhaut sich individuell an die Poform an.
Mit der Zeit geht das vorüber. Mindestens 100 Kilometer braucht es, bis der Sattel eingefahren ist. Dann sollte er bequem sein. Seit 1866 fertig Brooks die Sattel händisch in England. Zum Sattel bekommt man Lederfett sowie ein Werkzeug, um den Sattel regelmäßig nachzuspannen.
Wichtig ist, dass Sie den Sattel regelmäßig pflegen und ihn nicht im Regen stehen lassen. Das Leder saugt Wasser auf und die Sattelform verändert sich. Pluspunkt: Der Flyer S Classic taugt für Stadtfahrten und längere Touren.
Tipps zur Auswahl des richtigen Sattels
Die Wahl des richtigen Fahrradsattels ist entscheidend für Komfort und Leistung beim Radfahren. Hier sind einige wichtige Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten:
Die richtige Form und Breite
Schmal sollte sie sein, sodass sie ganz unter dem Po verschwindet. Hinten sollte der Sattel freilich breiter werden - aber nicht zu früh. Eine T-Form trumpft das Dreieck. Denn beim Strampeln muss genug Platz für die Oberschenkel bleiben. Auch die Sattelnase sollte schlank bleiben. So drückt nicht zu viel Gewicht auf Gewebe und Muskulatur. Wer dann noch mit Rucksack radelt, erhöht das Gewicht auf den Sitzknochen.
Mittlerweile bieten mehrere Hersteller in Deutschland Sättel an, die auf Grundlage von Sitzknochenvermessung gefertigt sind. Als Kunde kann man das direkt beim Fachhändler erledigen lassen. Es geht aber auch zu Hause.
Der Sattel sollte zu Ihrer Beckenform und Körperhaltung passen. Auf dem E-Bike in der Stadt brauchen Sie also einen anderen Sattel als für die Radtour mit dem Trekkingbike.
Dafür brauchen Sie eine Wellpappe, eine ebene Sitzfläche, ein Lineal und einen Stift. Legen Sie die Wellpappe auf die Sitzfläche (etwa eine Bank). Setzen Sie sich aufrecht auf die Pappe und stellen Sie ihre Zehenspitzen auf, sodass die Sitzknochen in die Pappe drücken.
Wenn möglich, greifen Sie unter die Sitzfläche und ziehen Sie sie nach unten, damit noch mehr Druck auf die Pappe entsteht und der Abdruck klarer wird. Mit dem Stift kennzeichnen Sie nun den tiefsten Punkt des Abdrucks und umranden ihn anschließend. Der Abstand zwischen den Punkten entspricht Ihrem Sitzknochenabstand.
Bei Frauen liegt der Sitzknochenabstand normalerweise zwischen 9 und 17 Zentimetern, bei Männern zwischen 6 und 16 Zentimetern. Der gemessene Wert entspricht der Mindestgröße des Sattels.
Ergonomische Besonderheiten
Sattelhersteller haben verschiedene Lösungen gegen Taubheit und Kribbeln gefunden. Aussparungen etwa verringern die Belastung auf den Damm und das Schambein. Gelkissen verringern den Druck im Schritt und verteilen die Belastung. Auch ein erhöhtes Heck, das höher als die Sattelspitze liegt, verhindert eine Überbelastung.
Einige Hersteller bieten Unisex und geschlechtsspezifische Sättel an. Meist fallen Herrensättel etwas größer aus als Damenmodelle. Dadurch sollen Prostata, Nerven und Arterien entlastet werden. So oder so, probieren Sie im Zweifel beide Modelle aus und nehmen Sie den, auf dem Sie am besten sitzen.
Material und Pflege
Handgefertigte Kernledersättel sind der Klassiker untern den Natursätteln. Die Tierhaut passt sich im Laufe der Zeit dem Körperbau des Fahrers an. Das dehnbare Leder ist so aufgehängt, dass es weiten kann. Allerdings muss man die Bespannung regelmäßig nachziehen.
Genau wie jede andere Haut muss Leder gepflegt werden. Einfetten und Nachspannen verlängern die Lebensdauer. Übermäßige Nässe schadet dem Material. Sie sollten ihr Rad also nicht im Regen stehen lassen oder verwenden Sie einen Sattelschutz.
Zum Nachspannen sollten Sie die Spannschraube mit einer halben Umdrehung festziehen. So gibt es der Hersteller an.
Anpassung und Eingewöhnung
Unsere Hintern müssen sich an einen neuen Sattel erst gewöhnen. Ob Sattel und Gesäß zusammenpassen, zeigt sich erst nach einigen Kilometern. Wenn es anfangs etwas schmerzt, ist das normal. Im Idealfall sollten Sie drei bis vier Probefahrten machen und dazwischen ein oder zwei Tage Pause einlegen. Sollten während einer Tour Schmerzen auftreten, ändern Sie die Satteleinstellung in kleinen Schritten.
Die Bedeutung der richtigen Sattelhöhe und Montage
Der beste Sattel nützt nichts wenn er falsch montiert und eingestellt wird. Auch die „Sattelhöhe“ ist ein wichtiges Kriterium damit beim Radfahren Freude aufkommt.
Fahrradsattel-Ratgeber Tipps
Hier sind einige zusätzliche Tipps, die Ihnen bei der Auswahl und Nutzung Ihres Fahrradsattels helfen können:
- Weiche Sättel: Bei einem weichen Sattel wird es schnell eng zwischen Schambeinkufen und Schambeinbogen, da die Sitzknochen tief in das Polster einsinken.
- Längere Touren: Wer längere Radtouren oder Radreisen unternimmt, sollte seinen Fahrradsattel schon längere Zeit getestet haben.
- Damensättel: Männer können auch Damensättel fahren, wenn sie die richtige Sattelbreite wählen. Die kürzere Sattelnase kann den Dammbereich entlasten.
- Stufensättel: Stufensättel eignen sich sowohl für Männer als auch für Frauen und können den Druck im Dammbereich reduzieren.
- Lochsättel: Lochsättel sind geeignet für Fahrer, die häufig Taubheitsgefühle bekommen, aber keine Probleme mit Druck im Dammbereich haben.
- Spaltensättel: Spaltensättel verhindern Taubheitsgefühle, aber der Fahrer darf nicht druckempfindlich an den Seiten des Dammbereiches sein.
- Ledersättel: Ledersättel passen sich an die Anatomie des Menschen an, benötigen aber eine lange Einfahrzeit und regelmäßige Pflege.
- Standardsättel: Standardsättel eignen sich für alle Arten von Fahrrädern und bieten guten Kontakt über den Sattel zum Rad.
- Medizinische Sättel: Medizinische Sättel sind nicht für den Radsport geeignet und am besten für Fahrräder mit aufrechter Sitzposition.
Schadstoffe in Fahrradsätteln
Zuletzt gab es Meldungen von gesundheitsschädlichen Substanzen in Kinderfahrradsätteln. Im Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens fahndeten Chemiker nach besonders gefährlichen Stoffen. Denn zuletzt wurden in Kinderfahrradsätteln hormonaktive Weichmacher und gefährliche Flammschutzmittel nachgewiesen.
"Problematisch ist, dass man beim Fahrradfahren häufig nur eine dünne Radlerhose anhat. Dann können potentielle Schadstoffe aus dem Sattel durch den Schweiß in den Körper gelangen. Das kann zu Gesundheitsschäden wie z.B. Krebs, Allergien, Organschäden führen und es kann eben auch die Fortpflanzung beeinträchtigen", erklärt Chemikerin Dr.
Während fünf Fahrradsättel hinsichtlich der untersuchten Schadstoffe aktuell nicht zu beanstanden waren, fanden sich im Material des Amazon-Sattels große Mengen des nach der EU-Chemikalienverordnung REACH verbotenen, fortpflanzungsgefährdenden Phthalats DEHP. Der Fahrradsattel hätte allein wegen des Phthalats nicht verkauft werden dürfen.
Fazit: Der günstigste Sattel von Amazon hat insgesamt im Labor und im Praxischeck am schlechtesten abgeschnitten. Die Fahrradsättel aus dem Fachhandel waren schadstoffmäßig alle in Ordnung. Es lohnt sich also, sich fachmännischen Rat zu holen.
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