Der Winter stellt Radfahrer vor besondere Herausforderungen: Kälte, Schnee und häufig Regen machen das Fahren unangenehm. Eiseskälte, Schneematsch und gefrierende Nässe erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Doch auch im Winter ist die jahreszeitlich bedingte feuchte Witterung gut für die Natur. Für uns Radfahrende ist es jedoch eine große Herausforderung. Während professionelle Pedaleure in südliche Gefilde flüchten, bleibt uns Normalos nur das ungemütliche Wetter vor der Haustür.
Wetterbedingungen und ihre Auswirkungen
Egal, ob du nur ein paar Kilometer pendeln musst oder am Wochenende auf dem Rad entspannen willst. Gerade im Winter ist die Wetterbeobachtung das A & O. Bleiben die Temperaturen über 0° C oder gehen sie darunter. Ist das Wetter wechselhaft oder stabil ungemütlich?
- Radfahren bei trockenen 0 - 5° C: Sei wachsam! Ist es überwiegend trocken auf der Straße, kann es hinter jeder Kurve oder auf Brücken plötzlich glatt werden und Pfützen an derart neuralgischen Stellen gefroren oder der Untergrund mit Reif belegt sein. Kommst du ohne Spikes auf eine Eisplatte, keine Panikbremsung machen, keine Kurve einleiten und aufrecht auf dem Rad sitzenbleiben, ruckartige Körperverlagerung meiden und das Rad langsam ausrollen lassen. Auf Schotter kannst du halbwegs sicher Radfahren.
- Radfahren bei feuchten 0 - 5° C: Ist es bei diesen Temperaturen feucht, eignet sich Schotter als Untergrund noch besser als Asphalt: Der ist griffiger und der Regen wird nicht so gleichmäßig durch die Reifenrotation hochgeschleudert wie auf Asphalt. Du musst geeignete Regenkleidung und wärmendes darunter tragen.
- Radfahren bei trockenen Minusgraden: Fährst du von vorneherein bei Temperaturen unter null, kannst du dich gleich darauf einrichten: Luftdruck etwas ablassen und Geschwindigkeit anpassen. Gas geben kannst du nur, wenn alles trocken ist und du einen großen Bereich vor dir einsehen kannst. Bei der Ausrüstung empfehlen wir Vielfahrern ggf. auf Spikes umzurüsten.
- Radfahren im Schnee: Macht lediglich auf festgefahrener Schneedecke mit montierten Spikes oder grobstolligen Mountainbike-Pneus Spaß, ist aber anstrengend und erfordert eine geübte Radbeherrschung. Alle anderen Reifen sind raus.
Must-have: Wetterfeste und wasserdichte Ausrüstung
Im Winter wie im Sommer schwitzt du auf dem Rad. D.h. auf längeren Ausfahrten muss auch im Winter der Schweiß die Möglichkeit haben, abzuziehen. Du ziehst dich nach dem Zwiebelprinzip mit sportgeeigneter Kleidung am besten mit Membranen an. Im Zweifel lieber erst einmal zu viel warme Sachen - ausziehen kann man immer was. Nimm dir für Regentouren ein zweites Paar Handschuhe und eine Wechselmütze unter den Helm mit.
Für kurze Fahrten kannst du ruhig komplett wasserdichte Überbekleidung tragen, deine Transpiration wird auf Kurzstrecken eher moderat und die Kleidung drunter nicht durchgeschwitzt sein.
Die richtige Kleidung
- Regenjacke oder Poncho: Bei der Regenbekleidung solltest du keine Kompromisse eingehen. Atmungsaktive Regenkleidung ist das A&O, denn am Ende schwitzt du ja auch. Möglichst farbig, damit man dich beim grauen Regentag nicht übersieht, wähle eine Regenjacke mit Kapuze. Auch ein Poncho ist eine alternative Lösung, der schützt nicht nur den Oberkörper.
- Regenhose: Beim Radfahren sind besonders die Beine den Wasserspritzern durch die aufspritzenden Fontänen ausgesetzt. Mit atmungsaktiven und wasserdichten Regenhosen fährst du auch bei Dauerregen komfortabel.
- Überschuhe: Nicht sexy, aber funktional! Überschuhe schützen den Schuh vor eindringendem Wasser. Die Hosenbeine deiner Regenhose stülpst du aber am besten so weit wie möglich über den Schaft der Überschuhe. Steckst du die Hose in die Überzieher, läuft dir früher oder später das Wasser von oben in die Schuhe rein. Überschuhe gibt es aus Neopren und Polyester.
- Regenhülle / Smartphone Case: Deine Lenkertasche und dein Smartphone schützt du mit entsprechenden Hüllen oder Smartphone Cases. Die transparenten Kunststoffüberzüge halten den Regen draußen und die Funktion drinnen.
- Wasserdichte Packsäcke: Es ist immer gut, ein paar wasserdichte Packsäcke im Gepäck zu haben. Zur Not tun es auch Müllsäcke oder Plastiktüten. Es geht lediglich darum, dass du deine Ersatzkleider, Ladegeräte, etc. wasserdicht verpacken kannst.
Weitere wichtige Ausrüstung
- Fahrradreifen: Die ganz glatten Reifen, wie man sie häufig auf den Urban Bikes, Renn- oder Fitnessrädern findet, sind bei Regen eher ungeeignet. Profilierte Reifen wie z.B. Tourenreifen haben ein ausgewogenes Profil, das auch im Regen entsprechenden Grip bietet.
- Fahrradschuhe mit griffiger Sohle und Gore Tex-Membran: Bei der Regentour ist es wichtig, einen festen Grip auf dem Pedal zu haben. Wer Klickpedale fährt, braucht sich darum nicht kümmern. Flatpedals haben Pins am Pedalkörper, die sich gerade so weit in die Schuhsohle bohren, dass man rutschfest pedalieren kann. Wasserabweisendes bzw. wasserdichtes Obermaterial wie Gore-Tex wirkt Wunder und hält die Füße weitgehend trocken.
- Kettenöl für Nässe: Regen und Feuchtigkeit schwemmt das Kettenöl aus der Kette und wäscht den Schmutz rein. Das schadet der Kette, nutzt den Antriebsstrang erheblich ab und erhöht dessen Abrollwiderstand. Ergo: Kette vor und nach der Regenschlacht gut schmieren!
- Steckschutzbleche: Für Fahrräder und E-Bikes wie Mountainbikes, Renn- oder Fitnessräder ohne Schutzbleche gibt's Nachrüst-Sets, auch zum Anstecken wie z.B. von SKS oder Hebie. Ass-Savers dagegen sind einfache Kunststoffsteckschützer, die nur unter den Sattel geklemmt werden.
- Der richtige Helm im Winter: Der passende Helm sollte - außer dass er passt - zwei weitere wichtige Kriterien erfüllen: gute Sichtbarkeit und die Zugluft auf ein Minimum beschränken. Folglich sind für den urbanen Bereich Helme mit zusätzlicher Beleuchtung ein echter Segen.
Goldene Regeln für die perfekte Fahrtechnik bei Regen!
- Passe den Luftdruck der Reifen an! Im Nassen senkst du den Luftdruck etwas, um den Grip zu erhöhen.
- Trage Schuhe mit rutschfester Sohle! Prüfe vor der Tour, dass deine Schuhe auch bei Nässe ausreichenden Grip auf dem Pedal bieten.
- Kleide dich möglichst grell! Um im grauen Dunst eines Regentages rechtzeitig als Radfahrer erkannt zu werden, kleide dich möglichst grell.
- Eine Brille schützt die Augen vor Schmutz und Graupel! Aufspritzendes Regenwasser, herumfliegender Dreck oder Steinchen, Graupel- oder Hagelschauer können deine Sicht trüben und vor allem direkt ins Auge fliegen.
- Fahre umsichtig! Im Regen mutieren Kopfsteinpflaster, Fahrbahnmarkierungen, Straßenbahnschienen, Laub oder auch Hundekot plötzlich zur Schmierseifenrutschbahn. Solche Abschnitte solltest du idealerweise meiden oder, wenn deine Route keine andere Möglichkeit bietet, mit verminderter Geschwindigkeit möglichst kerzengerade darüber fahren.
- Die richtige Kurventechnik im Regen! Fährst du in eine Kurve, achte darauf, dass du auch hier die Geschwindigkeit reduzierst und dich so wenig wie möglich und so viel wie gerade nötig in die Kurve legst. Schlage die Lenkung etwas weiter ein als im Trockenen, dann fährst du aufrechter. Wenn du dein Bike zu sehr in Schräglage bringst, rutscht dir gegebenenfalls das Vorderrad weg.
- So kannst du einen Sturz verhindern! Du solltest unbedingt sehr aufmerksam fahren. Wenn du das berücksichtigst, kannst du im Ernstfall, wenn das Vorderrad (oder Hinterrad) wegrutscht, den drohenden Exodus abfangen, in dem du blitzartig das Bein vom Pedal auf die Straße setzt.
- Benutze Schotter- und gesplitterte Wege! Auf gut geschotterten oder gesplitteten Wegen läuft einerseits das Wasser von der Oberfläche besser ab und bietet andererseits durch die griffige Oberflächenstruktur besseren Halt.
- Bremse frühzeitig und vorsichtig! Bedenke, dass sich beim Bremsen im Regen der Bremsweg verlängert.
- Nicht absichtlich durch Pfützen fahren! Läuft es blöd, liegt in der Pfütze ein Stein, den man natürlich nicht sehen kann: der Abflug ist vorprogrammiert. Außerdem verschmutzt dein Rad unnötig und durch das auftretende Spritzwasser bekommt deine Bremse zusätzlich Feuchtigkeit ab.
- Halte mehr Abstand als sonst! Gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmer solltest du etwas mehr Abstand halten als im Trockenen.
- Lass dein Bike nicht im Regen stehen! Gib nach einer Regenfahrt deinem Rad die Chance abzutrocknen. Permanente Feuchtigkeit greift nicht nur Metalloberflächen an, sondern schlüpft in alle Öffnungen.
- Steig um auf Bus und Bahn! Auch wenn du aufgrund schlechten Wetters, deine Tourenplanung anpassen musst, kann es praktisch sein, mitsamt des Fahrrads in den Zug zu steigen und eine Teilstrecke mit dem Zug zurückzulegen.
- Du darfst auch mal das Auto benutzen. Wer ein Auto zur Verfügung hat, darf auch bei heftigem Regen mal darauf zurückgreifen.
Weitere Tipps für das Radfahren im Regen
- Regenrock und Rainlegs: Wer es ein wenig einfacher haben möchte, kann auf Regenrock oder die sogenannten Rainlegs zurückgreifen. Der Vorteil liegt im unkomplizierten An- und Ausziehen. Nachteil: Regenrock und Rainlegs bieten keinen Rundumschutz. Bei Starkregen ist ihnen die Regenhose in Sachen Nässeschutz eindeutig überlegen.
- Rund um den Kopf: Bei Regen sorgt eine Schutzbrille für bessere Sicht und trockne Augen. Alternativ kann man zum Fahrradhelm mit Visier greifen. Ein wasserdichter Überzug für den Fahrradhelm hält die Haare trocken.
- Schuhwerk: Nasse Füße sind ungemütlich und fördern Erkältungen. Deshalb empfehlen wir bei Regen wasserdichte Überziehschuhe, damit die Füße und Schuhe trocken bleiben.
- Weitere Kleidung: Gerade, wenn es kalt ist, kann Regen abschreckend wirken. Wer bei kühlen Temperaturen mit wasserdichten Handschuhe radelt, behält warme und trockene Hände. Auch ein Schlauchtuch schütz vor kaltem und verregnetem Fahrtwind.
- Transport: Laptop, Unterlagen, Bürokleidung oder Brotzeit - all das passt in einen Fahrradrucksack. Aktuelle Modelle sind in der Regel wasserdicht. Wer lieber mit Satteltaschen fährt, sollte darauf achten, dass diese unbedingt wasserfest sind und einen wasserundurchlässigen Verschluss haben.
- Fahrrad: Wer regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit, in die Schule zur Uni o. ä. fährt, sollte über Schutzbleche nachdenken. Die schützen Kleidung, Rucksack und Fahrer*in vor durch die Reifen aufspritzendem Wasser.
- Regen-Gadgets: Mittlerweile gibt es alle möglichen neuen Erfindungen fürs Fahrrad, die Radlerin und Radler bei Regen helfen sollen. Z.B. ein Regenschirm, der am Fahrrad angebracht wird und schützt.
5 Gründe, warum Radfahren im Regen Spaß machen kann
- Weil man mal wieder Kind sein kann: Wenn ihr schon nass seid, dann könnt ihr die Furcht vor dem Wasser auch gleich ganz stecken lassen und Spaß haben: Vergesst die Gummistiefel! Ihr sitzt auf einem Fahrrad, dass viel mehr Wasser verdrängen kann, wenn es durch eine Pfütze rollt!
- Weil „Singing in the rain“ immer funktioniert: Während das Fahrrad durch den Regen rollt, steigt die Laune ungemein, wenn man vor sich hinsummt, pfeift oder singt.
- Weil die Aussicht auf eine Dusche Zuhause die Laune steigen lässt: Klingt eventuell komisch, wenn man bis auf die Unterhose triefnass ist, ist aber so.
- Weil man am Stau vorbei radelt: Die Radwege sind so schön frei, wenn es regnet. Wer mitbekommen hat, dass Menschen nicht aus Zucker sind, kann das mit viel Platz in vollen Zügen genießen.
- Weil die richtige Kleidung trocken halten kann: Doch wenn ihr vorher einen Blick in den Wetterbericht werft und dann vorbereitet aufs Fahrrad steigt, könnt ihr bei einsetzendem Regen einfach reagieren.
10 Tipps zum Radfahren im Regen
- Reifenspannung anpassen: Bei nassem Wetter ist es hilfreich, wenn Sie 1 bis 1,5 bar weniger in Ihre Reifen haben als üblich. Dadurch erhalten Sie mehr Grip, da sich der Reifen besser an die Fahrbahnoberfläche anpasst.
- Seien Sie Auffällig: Ihre Umgebung ist bei Regen meistens grau in grau, darum ist Ihre Sichtbarkeit beim Radfahren im regen sehr wichtig, also haben Sie zu jeder Tageszeit Ihr Licht an!
- Vorsichtig Bremsen: Zwei Faktoren verlängern beim Fahrrad fahren im regen Ihren Bremsweg: Die nasse Straßenoberfläche und Ihre nassen Felgen.
- Fahren Sie um Pfützen: Pfützen lassen sich beim Radfahren im Regen leider nicht immer vermeiden. Sicher ist also sicher: Pfützen und stehendes Gewässer umfahren!
- Radeln Sie Vorsichtig: Umsichtiges und vorausschauendes Verhalten ist besonders wichtig, wenn Sie Fahrrad fahren bei Regen. Fahren Sie ruhig und passen Sie Ihre Schnellheit und nehmen Sie Kurven vorsichtig.
- Vermeiden Sie eine Rutschpartie: Wenn weiße Streifen auf der Straße vorhanden sind, versuchen Sie, diese zu vermeiden, da sie bei Regen sehr rutschig sind. Aber auch Gullydeckel sind im regen oft rutschig.
- Regenkleidung: Funktionsbekleidung in Signalfarben hilft ebenfalls dabei, bei jeder Witterung aufzufallen, was Ihre Sicherheit zusätzlich erhöht auch können Sie zum Beispiel eine Warnweste über Ihre Regenkleidung tragen.
- Planen Sie Ihre Fahrt: Prüfen Sie vor Ihrer Fahrt die Wetterverhältnissen und die Wettervorhersage. Es gibt genügend Apps, die das Wetter und die Regenaktivität ziemlich genau vorhersagen können (Zeitpunkt und Ort).
- Schutzbleche: Gute Schutzbleche an Vorder- und Hinterrad verhindern, dass Spritzwasser Sie und die Person hinter oder neben Ihnen nass und schmutzig macht.
- Anschließend saubermachen: Nach dem Radfahren im Regen ist es wichtig, anschließend auch Ihr Fahrrad zu pflegen. Indem Sie Ihr Fahrrad reinigen und trocknen, verlängern Sie die Lebensdauer Ihres Spezialfahrrads.
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