Viele Menschen nutzen das Fahrrad das ganze Jahr über, auch im Winter. Damit das Radfahren bei Schnee und Glätte sicher ist, gibt es einiges zu beachten. Hier sind 10 Tipps, um sicher durch den Winter zu kommen:
1. Ungeräumte Radwege melden
Dem Gesetz zufolge muss Schnee auf Radstreifen komplett beseitigt werden. Radwege neben verkehrswichtigen Straßen sollen zeitnah zur Fahrbahn geräumt werden. Der Schnee darf nicht auf Radwege und deren Zufahrten geschoben werden.
2. Auf die Fahrbahn ausweichen
Bis ein Radweg geräumt ist, radelt man auf der Fahrbahn meist sicherer. Auch benutzungspflichtige Radwege müssen nicht befahren werden, wenn sie nicht frei von Schnee und Eis sind.
Keine Benutzungspflicht bei mangelhafter Winterräumung: Der Bundesgerichtshof urteilte 2003: »[Es] ist weiter zu bedenken, dass Radfahrer, sofern zwar nicht der Radweg, wohl aber die daneben oder in der Nähe verlaufende Fahrbahn geräumt oder gestreut ist, die Fahrbahn benutzen dürfen.«
3. Luftdruck reduzieren
Bei Glätte sorgt geringerer Luftdruck im Reifen für mehr Haftung. Die Auflagefläche erhöht sich und das Fahrrad ist einfacher zu kontrollieren. Im Winter darf der Reifendruck beim Fahrrad auch ein bisschen geringer ausfallen. Lass also bei Bedarf ein bisschen Luft raus, das erhöht die Haft und verringert die Rutschgefahr.
4. Spikes-Reifen verwenden
Maximale Kontrolle bei Eis und Schnee erhält man durch Reifen mit Spikes. Die Metallstifte befinden sich meist seitlich im Mantel und greifen erst, wenn der entsprechende Luftdruck hergestellt wird. Für Fahrräder gibt es keine Winterreifenpflicht.
Die Metallstifte geben beim Fahren auf vereisten Flächen oder auf festgefahrenem Schnee Sicherheit.
5. Langsam fahren
Alle Verkehrsteilnehmer sollten bei Schnee und Glätte die Geschwindigkeit reduzieren. Beschleunigen will gut überlegt sein - Glätte oder Eisbrocken können überraschend auftauchen. Lieber etwas früher losfahren und entspannt ankommen!
6. Bremsen in der Kurve vermeiden
In vereisten Kurven sollte nach Möglichkeit weder gebremst noch stark beschleunigt werden. Stattdessen sollte die Geschwindigkeit vorher reduziert und, wenn überhaupt, leicht in die Pedale getreten werden.
7. Sattel tiefer stellen
Wer sich sehr unsicher und wackelig fühlt, kann den Sattel etwas tiefer stellen. So haben die Füße schneller den Kontakt zum Boden. Ein tiefer gestellter Sattel eignet sich vor allem für kurze Strecken.
8. Gute Beleuchtung nutzen, ohne zu blenden
Front- und Rückleuchte sind Pflicht. Bitte nicht am falschen Ende sparen - ein guter Frontscheinwerfer kostet mindestens 20 Euro. Der Lichtkegel gehört auf den Boden einige Meter vor dem Fahrrad. Ist der Scheinwerfer höher eingestellt, blendet er andere. Schräg nach unten gerichtet sorgt er außerdem dafür, Unebenheiten und Eisbrocken rechtzeitig zu erkennen.
Dein Vorder- und Rücklicht muss funktionieren, eh klar. Aber auch für die Reflektoren gibt es Vorschriften. Vorne brauchst du einen großen weißen Frontreflektor, hinten einen großen roten Reflektor. An den Pedalen müssen ebenso nach vorne und nach hinten Reflektoren angebracht sein. Bei den Rädern kannst du entweder einen durchgehenden Reflexstreifen auf der Flanke anbringen oder du nutzt zwei gelbe Speichenreflektoren pro Rad.
9. Beide Bremsen nutzen
Zwei voneinander unabhängige Bremsen sind Vorschrift. Das gleichzeitige vorsichtige Bremsen an beiden Rädern ist der schnellste und sicherste Weg, zum Stehen zu kommen. Sollte bei überraschendem Glatteis gar kein Bremsen mehr möglich sein: Ruhe bewahren und ausrollen lassen.
10. Vorausschauend und rücksichtsvoll fahren
Bitte Verständnis für andere Verkehrsteilnehmende haben: Möglicherweise sind andere ebenfalls eingeschränkt und unsicher. Es hilft auch, mit längeren Bremswegen anderer Verkehrsteilnehmender zu rechnen. Vor allem, wenn auf die Fahrbahn zwischen Kfz ausgewichen wird, heißt es deshalb: Abstand halten. Jetzt heißt es, verstärkt auf Fußgängerinnen und Fußgänger achten, vor allem auf Kinder und ältere Menschen.
Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen.
Weitere Tipps für das Fahrradfahren im Winter
- Schutzbleche und Kettenöl: Schützen Sie Ihr Fahrrad vor Streusalz, Schnee und Dreck. Mit Schutzblechen schaufelst du dir weniger Schmutz auf Rahmen, Kette und deine eigene Hinterseite. Putz dein Fahrrad gerade im Winter regelmäßig und behandle die Lager mit Kettenöl. Es wirkt wasserabweisend und schützt vor Rost.
- Reifen: Behandle dein Fahrrad wie dein Auto: Wechsle die Reifen. Winterreifen fürs Fahrrad bieten eine bessere Haftung und sind resistenter gegen Split. Deine Fahrradwerkstatt kann dich hier gut beraten, welche Reifen zu deinem Rad passen. Kauf dir zusätzlich Spikes, wenn du schon aus Erfahrung weißt, dass zum Beispiel dein Radweg in die Arbeit im Winter vereist ist.
- Sichtbarkeit: Die Polizei liebt es, Radler:innen aufzuhalten, die ohne Licht unterwegs sind - und sie hat recht. Vielleicht hast du die Nachtvision einer Eule, für deine Unversehrtheit ist aber entscheidend, dass dich die anderen gut sehen. Radeln ohne Licht kostet ein Bußgeld von 20 Euro. Wenn du andere dabei gefährdest, sind es 25 Euro, wenn du etwas kaputtmachst 35 Euro.
- Kleidung: Zieh gute Kleidung an. Mit einer atmungsaktiven Regenkleidung oder gleich einem kompletten Regenanzug zum Drüberziehen kann dir selbst der November Rain nichts anhaben. Überschuhe sorgen dafür, dass das Pfützenwasser nicht in die Socken kommt. Such dir helle Farben aus und pepp sie in der Dunkelheit mit Reflektoren auf.
- E-Bike: E-Bikes sind ideal, um sich im Winter nicht von einer längeren Wegstrecke abschrecken zu lassen. Das ist vor allem für Pendler:innen perfekt. Und von denen gibt es in Deutschland laut Bundesagentur für Arbeit rund 13,7 Millionen. Stiegen sie mehr aufs E-Bike als ins Auto, könnten sie wirklich den Verkehr und damit das Klima entlasten.
Die richtige Kleidung für das Radfahren im Winter
Die Kälte alleine ist für den Radler kein Problem, die zügige Fortbewegung in kalter Luft führt jedoch zum sogenannten Windchill-Effekt, der die Haut und damit den Körper bei Wind oder auf dem Rad deutlich stärker kühlt als bei Windstille. Der Windchill beschreibt die Differenz zwischen der Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Bezug zur Windgeschwindigkeit.
Ideal ist deshalb eine feuchtigkeitsableitende Schicht auf der Haut, darüber je nach Temperatur eine oder zwei Isolationsschichten und zuletzt eine wind- und regendichte Lage. Bei trockenem Wetter kann auf die Regendichtigkeit verzichtet werden.
Effektive Handschuhe für den Winter, sind durch eine Membran winddicht, weisen eine ausreichende Isolationsschicht auf und halten die Wärme durch flauschiges Innengewebe nah an der Haut.
Der ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.
Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.
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