Ein Fahrrad benötigt regelmäßige Wartung, auch bekannt als Fahrradinspektion. Diese Inspektion wird in der Fachwerkstatt anhand einer Checkliste durchgeführt, die von mehreren Verbänden und Vereinen gemeinsam entwickelt wurde. Wer sein Fahrrad selbst überprüfen möchte, kann dafür die gleiche Checkliste verwenden wie die Fachwerkstatt.
Die private Fahrradinspektion kann zwar in vielen Bereichen sicher korrekt durchgeführt werden, aber gerade wegen sicherheitsrelevanten Bauteilen sollte nicht auf den Besuch beim Zweiradmechaniker verzichtet werden. Um das eigene Fahrrad jedoch zwischendurch auch selbst mal zu prüfen, ist es immer gut zu wissen, wie eine Fahrradinspektion abläuft und durchgeführt wird.
Häufigkeit der Fahrradinspektion
Eine Fahrradinspektion wird beim Kauf eines neuen Bikes entweder nach ca. 300 km oder nach 3 bis 6 Monaten zum ersten Mal fällig. Anschließend sollte die Inspektion im eigenen Interesse mindestens einmal jährlich gemacht werden. Hier bietet sich das Frühjahr an, um dann mit einem frisch kontrollierten Fahrrad in die neue Saison zu starten. Wer ganzjährig unterwegs ist, ist mit zwei kleinen Inspektionen pro Jahr gut beraten.
Fahrradhersteller empfehlen für ihre E-Bikes häufig mindestens eine Inspektion pro Jahr, idealerweise vor oder zum Saisonstart im Frühjahr. In zurückgelegten Distanzen ausgedrückt: mindestens alle 4.000 Kilometer, besser zwischen 2.000 und 3.000 Kilometern. Der Verschleißgrad ist indes stark abhängig von den Witterungsverhältnissen. E-Bikes, die ganzjährig gefahren werden, auch bei Regen und Schnee, werden deutlich stärker strapaziert. In diesen Fällen raten Experten sogar zu einer zusätzlichen, zweiten E-Bike-Inspektion vor Wintereinbruch.
Es gibt eine Ausnahme zu diesem jährlichen beziehungsweise halbjährlichen Intervall: Die erste Inspektion nach dem E-Bike-Kauf sollte schon nach den ersten 500 Kilometern erfolgen. Eventuell ist diese sogar an eine etwaige Garantieleistung gebunden. Und oft ist die erste Inspektion auch im Kaufpreis enthalten. Während dieser ersten Inspektion checkt der Fachmann alle sicherheitsrelevanten Bauteile und Schrauben und stellt gegebenenfalls Schaltung, Bremsen und Antrieb nach.
Kosten einer Fahrradinspektion
Die kleine Fahrradinspektion kostet i.d.R. zwischen 40 bis 60 Euro (Stand Ende 2023). Der Preis unterscheidet sich zwischen Rennrad / MTB und einem City Bike, bei dem eine komplette Lichtanlage etc. vorhanden ist. Für eine große Inspektion sind zwischen 60 bis 80 Euro fällig. Die große Durchsicht beim E-Bike kostet zwischen 70 bis 100 Euro.
Beachte, dass bei einer Inspektion auch Verschleißteile wie die Kette oder Schaltzüge getauscht werden. Diese Kosten kommen dann hinzu sowie auch entsprechende Arbeitszeit. Generell sind Kosten für eine Fahrradinspektion immer ohne anfallendes Material zu betrachten.
Inspektionen für E-Bikes werden in spezialisierten Fachwerkstätten und auch in den meisten Fahrradläden durchgeführt. Im Idealfall wendest du dich direkt an den Fachhandel, bei dem du das E-Bike erworben hast. Das Modell dürfte den Fahrradmechanikern und -mechatronikern vertraut sein. Durch den E-Bike-Boom und die starke Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes sind viele Werkstätten und Geschäfte allerdings lange im Voraus ausgebucht. Am besten vereinbarst du rechtzeitig einen Inspektionstermin.
Die Kosten für eine professionelle E-Bike-Inspektion in einer Fachwerkstatt variieren und sind vor allem abhängig vom Leistungsumfang und von gegebenenfalls notwendigen Reparaturen sowie von der Beschaffung von Bauteilen, Komponenten und sonstigen Verschleißteilen. E-Bike-Inspektionen werden fast immer als Paketpreis angeboten: Rechne grundsätzlich mit reinen Inspektionskosten von mindestens 80 Euro, sehr wahrscheinlich wird der tatsächliche finanzielle Aufwand höher liegen, erfahrungsgemäß zwischen 100 und 150 Euro.
Umfang einer großen Fahrradinspektion
Die nachfolgend besprochenen Punkte zur Fahrradinspektion, entsprechen einer großen Inspektion. Kleine Reparaturen, die keine neuen Komponenten erfordern, erledigt ein guter Fahrradladen heutzutage direkt mit der Inspektion. Müssen neue Teile verbaut werden wie zum Beispiel ein neuer Fahrradreifen, Schlauch etc. halten gute Fachleute mit Kunden erst Rücksprache und schreiten dann zur Tat. Eine Fahrradinspektion ist also i.d.R.
Bei einer E-Bike-Inspektion werden die mechanischen und elektronischen Komponenten überprüft. Der Umfang der Kontrolle kann von Werkstatt zu Werkstatt variieren. Neben der Überprüfung von Antrieb, Laufrädern, Reifen und Lichtanlage ist der Bremsencheck unerlässlich. Bremsbeläge und Bremsscheiben sollten intensiv auf Verschleiß und Beschädigungen überprüft werden. Sind neue Bremsbeläge zu montieren, sollte der Fachmann dafür sorgen, dass die Beläge eingebremst sind.
Genauso wichtig wie der Bremsencheck ist beim E-Bike die Überprüfung von Motor, Akku und Display. Die geschulten Werkstätten lesen über spezielle Diagnosegeräte und Diagnosestecker Fehlercodes aus, nehmen notwendige Anpassungen und Software-Updates der elektronischen Antriebseinheit vor. Software-Updates stellen zudem sicher, dass Motor und Akku perfekt harmonieren, damit keine Reichweitenverluste entstehen. Zusätzlich werden interne und externe Sensoren geprüft.
Checkliste für die Fahrradinspektion
Hier ist eine detaillierte Checkliste, die bei einer großen Fahrradinspektion berücksichtigt werden sollte:
- Rahmen und Gabel:
- Es erfolgt eine sogenannte „Sichtprüfung“ bei der Rahmen und Gabel auf Korrosion, Risse und Verformungen überprüft werden. Hierbei können nur die offensichtlichen Fehler- und Problemquellen aufgedeckt werden.
- Nachdem die Materialkombination geprüft wurde, ist der Steuersatz auf Spiel zu prüfen und ggf. einzustellen.
- Lenker und Vorbau:
- Vorbauschaft wird gefettet und gereinigt.
- Lenkerklemmungen werden nachgezogen.
- Lenker, Griffe, Vorbau sind auf einen festen Halt zu prüfen sowie auf Verformung und Einstecktiefe.
- Wenn eine Fahrradklingel vorhanden ist, ist diese auf ihre Funktion und Befestigung zu testen.
- Sattel und Sattelstütze:
- Der allgemeine Zustand des Sattels und dessen Bezug und Material wird festgestellt.
- Die Verschraubungen sind zu prüfen.
- Die Sattelstütze wird frisch gefettet.
- Die Einstecktiefe der Sattelstütze wird gecheckt und ggf. korrigiert.
- Räder und Reifen:
- Vorder- und Hinterrad sind auf ihre Befestigung zu prüfen. Beide Räder müssen korrekt am Rahmen montiert sein.
- Schnellspanner und Achsgewinde sind zu fetten.
- Felgen auf Verformungen, Verschleiß und Beschädigung prüfen.
- Das Felgenband muss auf beiden Felgen kontrolliert werden.
- Die Speichenspannung ist zu checken und ggf. einzustellen.
- Es wird der allgemeine Reifenzustand überprüft und ob das Profil der Mäntel noch angemessen ist.
- Der Luftdruck ist zu prüfen und zu korrigieren.
- Tretlager und Pedale:
- Tretlagerspiel muss geprüft werden.
- Die Kurbelverschraubungen sind nachzuziehen und die Pedalen werden ebenfalls nachgezogen.
- Schaltung:
- Die Gangschaltung wird geprüft und so eingestellt, dass jede Kombination der verfügbaren Gänge ohne Schleifen möglich ist.
- Die Ritzel sind auf Verschleiß zu prüfen und neu zu schmieren.
- Ebenso wird die Kette auf offensichtlichen Verschleiß überprüft, gereinigt und geschmiert, sowie auf Spannung kontrolliert.
- Die Vernietungen sind auf Sicht zu kontrollieren.
- Umwerfer, Schaltwerk etc. sind auf Funktionstüchtigkeit zu prüfen und einzustellen.
- Bremsen:
- Vollständige Bremsanlage auf Funktion überprüfen.
- Bremshebel außerdem auf Befestigung prüfen.
- Bremsbelege und Bremsscheiben auf Verschleiß und Befestigung kontrollieren.
- Die Bowdenzüge und Bremsleitungen auf Schäden, Verschleiß und Knicke prüfen.
- Bei Hydraulikbremsen ist die Dichtigkeit und der Druckpunkt zu prüfen.
- Beleuchtung:
- Funktion der Fahrradbeleuchtung kontrollieren.
- Befestigung der Lampen und, wenn vorhanden, des Seitenläuferdynamos prüfen.
- Die Kabel checken und den Sitz der Kabelverlegung kontrollieren.
- Seitenläuferdynamo ausrichten.
- Federung:
- Funktionsweise und Druckpunkt der Federn überprüfen.
- Lagerspiel und Leichtgängigkeit kontrollieren.
- Anbauteile:
- Anbauteile wie Gepäckträger unterliegen einer Sichtprüfung bei der Verformungen gecheckt werden und die Befestigung kontrolliert wird.
- Radschützer (Schutzbleche) sind auf Mängel und Befestigung zu kontrollieren.
E-Bike-Inspektion: Besondere Aspekte
E-Bikes erfordern einen insgesamt höheren Wartungsaufwand als konventionelle Fahrräder - nicht nur wegen der verbauten Elektronik. Statistisch gesehen werden mit E-Bikes auch längere Strecken zurückgelegt, wodurch Antriebs- und Bremskomponenten schneller verschleißen und stärker in Mitleidenschaft gezogen werden. Da Elektrobikes außerdem mehr Gewicht auf die Waage bringen und oft als Transportmittel genutzt werden, wird insgesamt mehr Masse bewegt, was den Verschleiß zusätzlich erhöht.
Neben den oben genannten Punkten sind bei der E-Bike-Inspektion folgende Aspekte besonders wichtig:
- Antrieb (elektrisch):
- Akku: Prüfung auf äußere Beschädigung
- Verkabelung: Funktionsprüfung und Wartung von Steckern, Kabeln und Kontakten
- Steuerung: Funktionsprüfung der Unterstützung und Steuerung, ggf. Software-Updates
- Display: Sicht- und Funktionsprüfung
Regelmäßige E-Bike-Pflege in Eigenregie
Versierte Schrauber können mechanische Verschleißteile wie beim herkömmlichen Fahrrad selbst austauschen. Doch die Wartung von Motoren und Akkus solltest du in jedem Fall besser einem Experten überlassen. Die beste Wartung hilft nichts, wenn das E-Bike nicht gepflegt wird: Zum Reinigen von Motor sowie Antrieb empfehlen wir spezielle Fahrradpflegemittel aus dem Fachhandel, die wichtige Dichtungen und Kunststoffe am Fahrrad nicht angreifen. Besonders nach Schmutz- und Regenfahrten solltest du dein E-Bike mit Putztuch, Wasser und Reinigungsmittel von Schmutz befreien, um Korrosion zu verhindern.
Entferne hierfür den Akku und möglicherweise auch das Display. Ganz wichtig: Verwende zum Reinigen niemals einen Hochdruckreiniger, da andernfalls Wasser in die Lagerungen von Motor, Naben und anderen Komponenten eindringen und zu irreparablen Schäden führen kann.
So lagern Sie den E-Bike-Akku richtig
Die Akku-Pflege ist für eine effiziente Versorgung des E-Bikes mit Strom von großer Bedeutung. Um die Lebensdauer des Akkus zu verlängern, raten alle Experten dazu, Lithium-Ionen-Akkus niemals komplett zu entladen. Ebenso sollten extreme Hitze sowie Kälte vermieden und stets nur das Original-Ladegerät verwendet werden. Wird das E-Bike länger nicht gefahren, entnimm idealerweise den Akku und lagere ihn kühl und trocken.
Viele Hersteller geben dezidierte Hinweise zur Lagerung und Pflege ihrer Energiespeicher. Zum Beispiel empfiehlt Motorenhersteller Bosch bei längerer Lagerung:
- Lagere den Akku bei einem Ladezustand von 30 bis 60 Prozent.
- Lagere den Akku bei Raumtemperatur in einem trockenen Raum.
- Lagere den Akku nicht in der Nähe von brennbaren oder leicht entflammbaren Gegenständen.
- Lagere den Akku in einem Raum mit installiertem Rauchmelder.
Die ideale Temperatur zur Lagerung des E-Bike-Akkus liegt zwischen 10 und 20 Grad. Du solltest den Akku vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und ihn bei Zimmertemperatur aufladen, wenn das Außenthermometer Temperaturen um den Gefrierpunkt anzeigt.
Probefahrt nach der Inspektion
Im Anschluss an die Fahrradinspektion muss eine Probefahrt durch den Mechaniker erfolgen. Während dieser Fahrt wird mindestens die Beleuchtung, Bremsen, Schaltung, Federung und das Fahrverhalten überprüft. Außerdem wird auf Nebengeräusche am Fahrrad geachtet.
Hinweis: Zu wissen, was bei einer Fahrradinspektion alles gemacht werden muss, bedeutet nicht, dies auch selbst umsetzen zu können. Ausgebildete Zweiradmechaniker verfügen über regelmäßige Weiterbildungen in Sachen Technik, Sicherheit und Standards und können Inspektionen jederzeit fachgerecht durchführen.
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