In den späten 80er und frühen 90er Jahren, als Mountainbikes oft noch ohne Federgabel und mit starren Reifen durchs Gelände fuhren, entwickelten findige Köpfe die Idee, eine Federung in den Vorbau zu integrieren. Mit verschiedenen Systemen waren bis zu 75 Millimeter Federweg möglich.
Beispielsweise dämpfte der legendäre Grivin Flexstem mit einem Elastomer Vibrationen aus dem Untergrund. Problem dabei: Reagieren konnte die Mini-Federung nur auf Hindernisse wie Wurzeln oder Steine, nicht jedoch auf Senken oder Rillen. Dazu fehlte ihm die Möglichkeit des Ausfederns oder anders gesagt, der Negativfederweg (SAG).
Noch dazu veränderte der Lenker an den nostalgischen Feder-Vorbauten seine Position permanent auf einer vertikalen Achse, was Auswirkungen auf die Geometrie hatte und das Fahrgefühl im besten Falle “gewöhnungsbedürftig” machte. Schon ausgeklügelter war da die Parallelogramm-Federung des Softride Suspension Stems, mit der sogar MTB-Weltmeistertitel eingefahren wurden.
Doch auch dieser Ansatz bewährte sich im Alltag mit einem bis zu vier Mal höheren Gewicht, als bei einem Standard-Vorbau, und mäßiger Lenkpräzision nicht wirklich. Als Federgabeln mit der Zeit immer besser wurden, verschwanden gefederte Vorbauten komplett vom Mountainbike-Markt.
Doch dann kam ein neuer Trend auf, der dem Ansatz neuen Wind in die Segel blies: das Gravelbike. Wieder fuhren sportliche Radfahrer mit Starrgabeln und schmalen Reifen durchs Gelände. Auf langen Fahrten über rauem Untergrund können eine ganze Menge Vibrationen an Händen und Armen des Fahrers ankommen.
Schlaglöcher und Kanten von Steinen oder Wurzeln fordern auf ungefederten Bikes schnell ihren Tribut: Ermüdung und Schmerzen können die Folge sein. Vecnum hat sich der Thematik angenommen und ein Produkt entwickelt, das zwar den Geist der nostalgischen Flex-Vorbauten aufgreift aber auf ein völlig neues Level heben will. Eine alte Idee mit moderner Technik zu erneuern kann eine vielversprechende Strategie sein.
Über Schotter und Trails soll der Vecnum freeQENCE die Beanspruchung des Körpers reduzieren und den Komfort erhöhen. Wir haben’s ausprobiert.
Vecnum freeQENCE: Der gefederte Parallelogramm-Vorbau im Detail
Was also können Biker vom immerhin 299 Euro teuren Vecnum freeQENCE erwarten? Bis zu 75 Prozent der Vibrationen soll der gefederte Vorbau von Vecnum bei Verwendung mit einer Starrgabel aus dem Gelände filtern. Als Ergebnis versprechen die Allgäuer weniger kribbelnde und taube Hände sowie mehr Sicherheit, Komfort und Fahrspaß in technischen Passagen.
Möglich machen das laut Hersteller insgesamt 30 Millimeter in den Vorbau integrierten Federweg, welche sich auf 20 Millimeter Positiv- und 10 Millimeter Negativfederweg aufteilen. Vecnum verspricht für die rein mechanische Federung eine lineare Kennlinie mit starker Endprogression.
Im freeQENCE stecken gleich vier Elastomere, welche mit den mittlerweile verpönten Weichmachern der 90er Nichts mehr gemein haben sollen. Die beste Federung ist ohne Einstellung auf das Fahrergewicht nutzlos. Deshalb kann eine patentierte Federanlenkung mittels Drei-Millimeter-Inbus stufenlos für Fahrer zwischen 50 und 120 Kilo angepasst werden.
Erhältlich ist der Flex-Vorbau in 90, 105 und 120 Millimeter Länge. Durch diese Baumaße ist der freeQENCE für den Gravel-Einsatz prädestiniert. Vecnum gibt das Teil jedoch für alle ungefederten Fahrräder frei und erlaubt auch klassische MTB-Lenker mit 31,8 Millimeter Klemmung.
Als Mountainbike-Magazin haben wir den gefederten Vorbau an einem Hardtail mit Starrgabel getestet - eine Bike-Gattung, die selten geworden ist, sich für Bikepacking-Abenteuer und Trainingsfahrten aber hervorragend eignet. Vecnum zeigt den freeQENCE in Marketing-Videos an Gravelbikes auch beim Ritt über Trails. Sogar Sprünge sollen damit möglich sein.
Details zum Vecnum freeQENCE Vorbau
- Preis: 299 Euro
- Gewicht: 284 g (90 mm, BIKE-Messung)
- Federweg: 30 mm (20 mm positiv / 10 mm negativ)
- Einstellbereich: 50 - 120 kg
- Lenkerklemmung: 31,8 mm
- Rise: 3°
- Verfügbare Längen: 90 / 105 / 120 mm
- Besonderheiten: gefederter Parallelogramm-Vorbau, nur für Bikes mit Starrgabel, Titan-Hardware, made in Germany
Die Besonderheit des gefederten Vecnum freeQENCE Vorbaus liegt in dessen Parallelogramm-Konstruktion. Im Prinzip handelt es sich um ein Viergelenk-System, welches im Gegensatz zu gefederten Eingelenk-Vorbauten, wie etwa dem Redshift ShockStop, keinen Einfluss auf die Fahrgeometrie haben soll.
Auch bei einer Federgabel taucht die Front des Bikes beim Einfedern ab. Der Parallelogramm-Vorbau nimmt jedoch vertikale Schläge auf, ohne die Geometrie zu verändern. Zusätzlich bewirkt die Mehrgelenks-Konstruktion, dass die Dämpfungs- und Federungseigenschaften nicht durch die Hebellänge beeinflusst wird.
So legt das Federsystem stets denselben vertikalen Hub zurück, egal wie viel Krafteinwirkung stattfindet. Anders als Vorbauten ohne Parallelogramm-System soll sich der Vecnum freeQENCE also immer gleich verhalten, egal wie breit der Lenker oder wie lang der Vorbau ist. Auch von der Griffposition will die Federung unabhängig sein.
Mit vier Lagern ist der Vecnum freeQENCE eine relativ aufwändige Konstruktion. Die kompakte Bauweise soll trotzdem eine hohe Verdrehsteifigkeit garantieren und Lenkbewegungen direkt umsetzen. Für minimale Toleranzen sollen hochwertige Einzelteile aus gefrästem 7075er Aluminium sowie Titanachsen und -schrauben, sorgen.
Um eine maximale Fertigungsqualität zu erreichen, produziert Vecnum den gefederten Vorbau vollständig im eigenen Haus in Deutschland. Im Vergleich zu einer Federgabel spart die Lösung natürlich Gewicht. Unser 90 Millimeter langer Test-Vorbau bringt es auf 284 Gramm und hat damit im Vergleich zu einem gewöhnlichen Vorbau einen Gewichtsnachteil von circa 150 Gramm.
Praxistest: Vecnum freeQENCE Flex-Vorbau
Anders, als bei anderen gefederten Vorbauten oder die gefederten RevGrips, muss am Vecnum freeQENCE vor der Montage am Bike nichts eingestellt werden. Die Elastomere sind innenliegend und von außen nicht sichtbar. Die hohe Qualität der Alu-Frästeile und Titanschrauben ist in der Hand sofort zu spüren.
Da der gefederte Vorbau nach unten etwas Bewegungsspielraum braucht, legt Vecnum eine Schablone bei, die, an den Gabelschaft angelegt, sicherstellt, dass sich das Teil frei bewegen kann. Zu Problemen kann das zum Beispiel bei breit bauenden Steuersatzdeckeln, wie etwa an Bikes mit einem integrierten Lenkanschlagsbegrenzer, führen.
Dann muss mindestens ein Spacer unter den Vorbau, der zudem eine nicht gerade kleine Klemmhöhe von mindestens 42 Millimetern benötigt. Wenn es blöd läuft, geht so der Platz am Gabelschaft aus oder das Cockpit kann nicht so tief gelegt werden, wie gewünscht. Davon abgesehen, klappt die Montage, wie bei jedem konventionellen Vorbau auch.
Bereits im Stand ist die Federung des Vorbaus optisch durch die Bewegung des Parallelogramms auszumachen. Vecnum empfiehlt den freeQENCE direkt auf einer ruppigen Strecke in der Werkseinstellung zu testen. Das ist auch gut so, denn im Grund-Setup ist der Feder-Effekt für einen Fahrer mit fahrfertig 84 Kilo Gewicht ab dem ersten Meter auf groben Schotter spürbar.
Ebenfalls nicht zu leugnen: die Endanschläge nach oben und unten. Wird das Vorderrad ruckartig angehoben oder durch den Fahrer durch den Mini-Federweg gedrückt, macht der freeQENCE deutlich, wann Schluss ist. Da Vecnum jedoch auch die Endanschläge gedämpft hat, fallen Durchschläge weder hart noch unangenehm aus.
Wir haben den Vecnum freeQENCE auch unter Laborbedingungen getestet und konnten bei einem simulierten Fahrergewicht von 80 Kilo und mit der Grundeinstellung von sechs Umdrehungen eine Auslenkung von 17,5 Millimetern (Federkraft: 44,83 N/mm) nach unten messen. In der härtesten Einstellung betrug die Auslenkung nur noch 8,6 Millimeter (Federkraft: 91,65 N/mm) . Eine zum Fahrergewicht passende Einstellung zu finden ist also essentiell. Schade, dass Vecnum keine Setup-Tabelle bereitstellt.
Richtig eingestellt ist die Federhärte des Vorbaus, wenn der maximale Federweg genutzt wird, ohne den Endanschlag zu erreichen. In unserem Praxis-Test ließen sich selbst in der härtesten Einstellung Durchschläge provozieren, im normalen Fahrbetrieb blieben sie jedoch größtenteils aus.
Übrigens entspricht das Fahrgefühl mit dem Vecnum in der härtesten Einstellung, die bis 120 Kilo funktionieren soll, in etwa der des Redshift Shockstop Vorbaus in der empfohlenen Einstellung für 61-84 Kilo. Das wird auch durch unsere Messungen im Labor bestätigt und macht deutlich, dass Redshift im Vergleich ein strafferes und Vecnum ein komfortableres Setup vorsieht. Beide Vorbauten sind für schwere Fahrer umfassend einstellbar. Fahrer unter 60 Kilo Körpergewicht könnten von den Effekten jedoch weniger stark profitieren.
Insgesamt lässt die Einstell-Schraube für die Federhärte des Vecnum Vorbaus 20 volle Umdrehungen zu. Ab Werk sind fünf Umdrehungen voreingestellt. Leider ist die Einstellung nicht gerastet und es ist nicht erkennbar, bei der wievielten Umdrehung sich die Schraube aktuell befindet. Beim Setup muss deshalb stets von der Maximal- oder Minimal-Einstellung ausgegangen werden. Geduld und Aufmerksamkeit sind gefragt. Ohnehin erfordert das Finden der optimalen Einstellung einige Testkilometer. Ist das bevorzugte Setup aber einmal gefunden, braucht der freeQENCE nur wenig Aufmerksamkeit. Die vier Hochleistungslager sind selbstschmierend.
In Sachen Fahrperformance kann der Vecnum freeQENCE ein echter Gamechanger für Starrgabel-Bikes sein. Er entschärft Schläge vom Untergrund deutlich und schützt die Arme des Fahrers so vor frühzeitiger Ermüdung. Da der gefederte Vorbau Vibrationen effektiv vom Piloten fernhält, fühlen sich die Hände auf langen Fahrten weniger beansprucht an. Rauscht das ungefederte Bike durch ein Schlagloch, helfen die zehn Millimeter Negativ-Federweg tatsächlich den Einschlag zu entschärfen.
Natürlich reicht der Mini-Hub nicht aus, um Löcher und Kanten vollständig zu glätten. Es ist eher, als runde die Federung das Fahrverhalten eines Starrgabel-Hardtails ab. Das gilt besonders in der Abfahrt. Hier gleicht das Fahrgefühl auf dem freeQENCE einer sehr kurzen, aber auch sehr sensiblen, sehr linearen Federgabel.
Optisch ist der wuchtig-breite Körper des Vecnum freeQENCE natürlich Geschmacksache. Die massive Bauweise kann in unserem Praxistest jedoch mit einer hohen Lenkpräzision und angenehmer Steifigkeit punkten. Zwar federt der Vorbau auch im Wiegetritt mit, die minimale Bewegung ist aber kaum auffällig. Das liegt daran, dass die Fahrposition dank Parallelogramm-Geometrie stets gleich bleibt.
Relativ zum Rahmen gesehen, befindet sich der Lenker dank Parallelogramm-Geometrie immer an exakt derselben Stelle. In Steilabfahrten hat das den Vorteil, dass die Front trotz Federung nicht abkippt und keine Überschlagsgefühle auftreten. Natürlich bleiben 20 Millimeter Positiv- und zehn Millimeter Negativ-Federweg sehr minimalistisch.
Für sportlich-schnelle Bikes, welche vor allem über Schotter, Waldwege und leichte Trails bewegt werden, hat der Vecnum freeQENCE aber sogar das Zeug zu einer ernst zu nehmenden, leichteren und sogar günstigeren Federgabel-Alternative. Der optimale Einsatzort für den gefederten Vorbau ist das Gravelbike - egal ob mit Drop- oder Flatbar. Bei letzterer Option verschwimmen dann auch die Grenzen zum Starrgabel-MTB.
Redshift Shockstop Pro: Eine Alternative für mehr Komfort?
Nicht ohne Grund haben sich Federgabeln an Mountainbikes durchgesetzt. Selbst für Gravelbikes gibt es inzwischen eine Auswahl an entsprechenden Weichmachern. Eine Federung filtert Vibrationen und Unebenheiten aus dem Boden, sodass der Fahrer in ruppigem Geläuf weniger ermüdet. Doch auf langen Touren über ruppige Pisten reicht auch eine Federgabel manchmal nicht aus, um die Ermüdung des Körpers zu verhindern.
Weniger beanspruchte Hände und Arme - egal ob mit Feder- oder Starrgabel - verspricht der gefederte Vorbau Redshift Shockstop Pro. Mittels eines Gelenks reagiert das Teil auf Schläge vom Untergrund und dämpft Vibrationen mit Hilfe eines Elastomer-Systems ab. Kann eine Federung im Vorbau im Jahr 2024 wirklich einen Performance-Vorteil bringen oder werden am Ende die Traumata der federnden Steuerzentralen der 90er-Jahre reaktiviert?
Optisch und funktionell waren Retro-Teile bisher meist, wie beispielsweise der Grivin Flexstem, leider Flops. Andererseits: Die Kunststoffe haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und auch in den neuesten Autokarosserien filtern Elastomerlager nach wie vor Fahrbahnunebenheiten oder Motorvibrationen aus dem System.
Vielleicht funktioniert das ja inzwischen auch in Fahrrädern? Speziell in City-, Gravel- und ungefederten Mountainbikes könnten die bis zu 20 Millimeter Federweg mehr Komfort bringen. BIKE gab dem modernen Redshift Schockstop Pro Vorbau eine Chance und bat zu einem ausführlichen Test in Labor und Praxis.
Was soll der Redshift Shockstop Pro können?
Der Redshift Shockstop Pro will mehr Komfort ans Cockpit von City-, Gravel- und Mountainbikes mit Starrgabel bringen. Der gefederte Vorbau soll mit Drop- und Flatbars gleichermaßen funktionieren. Allerdings reduzieren MTB-Lenker mit großem Backsweep die Wirkung. Erhältlich ist der Redshift nur mit 31,8er-Lenkerklemmung. Eine Reduzierung auf kleinere Durchmesser ist via Adapter möglich.
Fünf verschiedene Längen zwischen 80 und 120 Millimeter stehen zur Auswahl. Für Mountainbiker dürfte die Version mit sechs Millimetern Rise deutlich interessanter sein, als die 30-Millimeter-Ausführung. Das Besondere: Der Shockstop kann sowohl positiv, als auch negativ verwendet werden und empfiehlt sich so auch für sportliche Bikes. Erlaubt ist die Verwendung mit Starr- als auch Federgabeln gleichermaßen. Allerdings ist der Einsatz nur auf einfachen Trails freigegeben.
In der 289,99 Euro teuren und 220 Gramm (80 mm, BIKE-Messung) schweren Pro-Version kommt der Vorbau mit Titanschrauben und einem dezent-schwarzen Finish. Wem der Preis zu hoch ist, der findet mit der Standard-Version eine immerhin 70 Euro günstigere aber auch 15 Prozent schwerere Alternative.
Zahlen, Daten & Preise 2024: Details zum Redshift Shockstop Vorbau
- Preis: 289,99 Euro
- Gewicht: 220 g (bei 80 mm Länge, BIKE-Messung)
- Federweg: 20 mm
- Einstellbereich: <61 bis >98 kg via fünf Elastomer-Härten
- Lenkerklemmung: 31,8 mm
- Verfügbare Längen: 80 / 90 / 100 / 110 / 120 mm
- Besonderheiten: gefederter Vorbau, Pro-Version mit Titan-Hardware, mit positivem und negativem Rise montierbar
Anders als der Vecnum Freequence Vorbau arbeitet das Redshift-Modell nicht mit einem mehrgelenkigen Parallelogramm, sondern mit einem einzigen wahlweise von einem oder zwei Elastomeren gedämpften Gelenk. Bis zu 20 Millimeter Federweg sollen mit dem System möglich sein. Via austauschbarer Elastomere im Innern des Vorbaus kann die Dämpfung an das eigene Körpergewicht und persönliche Vorlieben angepasst werden.
Fünf verschiedene Härten sind im Lieferumfang enthalten. Was uns aufgefallen ist: Während das Setup an Gravelbikes in Schritten von zehn Kilo Körpergewicht möglich ist, haben Flatbar-Fahrer deutlich weniger Optionen. Bei Verwendung mit einem Dropbar bestimmt die Kombination zweier Elastomere die vertikale Steifigkeit des Vorbaus. Bei Flatbars und Fahrern unter 98 Kilo Körpergewicht reicht ein einzelnes Elastomer aus. Das für den Austausch nötige Spezialwerkzeug liegt mit in der Verpackung.
Test: Redshift Shockstop Pro Vorbau 2024
Getestet haben wir den Redshift Shockstop Pro Vorbau an einem Hardtail mit Starrgabel und 740 Millimeter breitem Flatbar. In der von uns gewählten, kürzesten 80-Millimeter-Version passt der Vorbau auch zu ungefederten MTBs. Zunächst müssen die Elastomere an Lenkerform und Fahrergewicht angepasst werden. Dank der Anleitung gelingt das in wenigen Minuten.
Mit der beiliegenden Abzieh-Hilfe lässt sich der Keil, welcher die Elastomere im Vorbau klemmt, leicht demontieren. Bei einem 82-Kilo-Fahrer fällt die Wahl auf ein einzelnes 60er-Elastomer. Die Montage am Bike klappt, wie bei einem konventionellen Vorbau, schnell und einfach.
Einmal verbaut stellt sich aber erst einmal Ernüchterung ein: Im Stand ist die Federungsbewegung kaum auszumachen. Auch auf den ersten Metern Schotterweg bleibt der Wow-Effekt aus. Im Zusammenspiel aus Reifen- und Lenkerflex scheint der Effekt des Shockstop vollkommen unterzugehen. Funktioniert das Teil überhaupt? Die erste Erkenntnis des Tests lautet: Der Vorbau ist nur ein Glied in der Komfort-Kette.
So lässt sich Komfort am Fahrrad zum Beispiel mit einer guten Reifen-Felgen-Kombination im Tubeless-Setup schon sehr effizient und preiswert beeinflussen. Auch der Wechsel zu besser gedämpften Griffen oder Lenkerband ist deutlich günstiger als ein gefederter Vorbau. Wenn aber an den anderen Stellen der Kette bereits der optimale Kompromiss aus Fahreigenschaften und Komfort gefunden ist, und trotzdem machen Produkte wie der Redshift Shockstop auch für Mountainbiker Sinn.
Der erste Ausflug auf einen flachen Wurzel-Trail bringt auch noch keine absolute Klarheit über die Vorteile des gefederten Vorbaus. Obwohl dieselbe Elastomer-Einstellung laut offizieller Gewichtstabelle von Redshift auch noch für 20 Kilo leichtere Fahrer empfohlen wird, ist die Federungswirkung nur minimal. Im ersten Eindruck fährt sich der Redshift Shockstop Pro wie ein gewöhnlicher Vorbau. Unsere Tests unter Laborbedingungen bestätigen das steife Ansprechverhalten des gefederten Vorbaus. In der empfohlenen Einstellung für einen 80 Kilo-Fahrer konnten wir lediglich eine Auslenkung von 5,51 Millimetern messen (Federkraft: 142,21 N/mm).
Der zurückhaltende Charakter des Redshift Shockstop Vorbaus hat auch positive Aspekte - nicht nur optisch! Trotz des Gelenks fühlt sich der Fahrer zu keiner Zeit vom Bike entkoppelt. Die Lenkpräzision ist auf einem guten, hohen Niveau. Auch unter starker Belastung im Wiegetritt bleibt der Redshift steif und sackt nicht weg. Bemängelten wir in einem ersten Test 2021 in Situationen, in denen das Vorderrad angehoben wird, noch einen harten Anschlag beim Ausfedern, war 2024 davon nichts mehr zu merken. Redshift hat nachgebessert und harte Durchschläge oder Bottom-Outs sind nicht zu befürchten.
Selbst bergab hat die straffe Federung Vorteile. Durch die Eingelenker-Konstruktion ändert sich die Cockpit-Geometrie, während der Vorbau durch seinen Federweg geht. Im schlimmsten Falle würde der Lenker nach unten abkippen und, wie bei den berüchtigten gefederten Vorbauten der 90er, ein Überschlags-Gefühl erzeugen. Da der Shockstop aber nur einem minimalen Bereich arbeitet, bleibt dieses Schreckensszenario zuverlässig aus. Auf den meisten Abfahrten, in die ein Starrgabel-Hardtail entführt wird, fällt die Geometrie-Veränderung überhaupt nicht auf. Erst in wirklich sehr steilem, ruppigen Gelände kann das bewegliche Cockpit das Sicherheitsempfinden leicht beeinflussen - der Effekt bleibt jedoch im Rahmen.
Ist der Redshift Shockstop Pro also nur ein schwerer Vorbau für viel Geld? Bei Weitem nicht! Wir drehten mehrere Vergleichsrunden mit klassisch-steifem und gefederten Vorbau. Fiel die Wirkung direkt nach dem Wechsel auf das gefederte Modell noch unscheinbar aus, zeigt sie sich nach gut 30 Minuten Fahrzeit durch abwechslungsreiches Gelände über Schotter und leichte Trails immer deutlicher.
Tatsächlich ermüden Arme und Hände mit dem Shockstop langsamer als mit einem konventionellen Vorbau. Auch, wenn die Front bei der Fahrt durch Schlaglöcher und groben Schwemm-Schotter immer noch wild zuckt: Auf lange Sicht kommt weniger Gerüttel beim Fahrer an. Das Versprechen, dass der Shokstop laut Hersteller Schläge um bis zu 70 Prozent reduzieren soll, scheint zu hoch gegriffen. Je länger die Tour, desto deutlicher aber der Vorteil.
Gerade in schnellen Holper-Abfahrten ist der besänftigende Effekt zu spüren. Es ist, als nehme das System Wurzeln, Steinen und kleinen Stufen die erste harte Kante. Eine Federgabel kann und will der gefederte Vorbau aber nicht ersetzen. Es sind jedoch weniger die groben Schläge, als vielmehr die feinen Vibrationen, welche der Redshift aus dem Boden filtert.
Im Stakkato einer Trailabfahrt nimmt der Fahrer vor allem akute Einschläge über das System von Starrgabel, Rahmen, Vorbau, Lenker und Griffe wahr. Über eine ganze MTB-Tour gesehen, sind es aber auch die vielen kleinen Vibrationen, welche den Körper mürbe machen können. Hier bietet der Redshift Shokstop ein kleines aber deutliches Plus an Komfort. In Summe hat ein ungefedertes Mountainbike auch mit dem gefedertem Vorbau kaum mehr wahrnehmbare Federungs-Reserven, Ermüdung stellt sich aber merklich später ein.
Vergleichstabelle: Vecnum freeQENCE vs. Redshift Shockstop Pro
| Merkmal | Vecnum freeQENCE | Redshift Shockstop Pro |
|---|---|---|
| Preis | 299 Euro | 289,99 Euro |
| Gewicht (90mm) | 284 g | Ca. 220 g (80mm) |
| Federweg | 30 mm (20 mm positiv / 10 mm negativ) | 20 mm |
| Federungssystem | Parallelogramm-Konstruktion | Elastomer-gedämpftes Gelenk |
| Einstellbereich | 50 - 120 kg | <61 bis >98 kg via Elastomer-Härten |
| Lenkerklemmung | 31,8 mm | 31,8 mm |
| Material | Aluminium, Titan-Hardware | Aluminium, Titan-Hardware (Pro-Version) |
| Geometriebeeinflussung | Keine Veränderung der Geometrie | Leichte Veränderung durch Eingelenker-Konstruktion |
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