Fahrradlenker richtig ausrichten: Eine umfassende Anleitung

Wer regelmäßig Fahrrad fährt, kennt das Problem: Nach einer Weile zwickt es im Rücken, die Hände schlafen ein oder der Nacken ist komplett verspannt. Viele wissen nicht, dass die Ursache oft ein falsch eingestellter Fahrradlenker ist.

Ob Rennrad, Trekkingbike, Mountainbike oder E-Bike - die korrekte Einstellung deines Lenkers entscheidet maßgeblich über Komfort, Haltung und letztlich deine Gesundheit beim Radfahren. Die Höhe und Neigung deines Fahrradlenkers entscheiden maßgeblich darüber, wie bequem und gesund du auf dem Rad sitzt. Eine falsche Lenkerposition kann zu Belastungsschmerzen führen - die richtige dagegen sorgt für ein natürliches Fahrgefühl und reduziert die körperliche Anstrengung erheblich.

Symptome eines falsch eingestellten Fahrradlenkers

Diese Symptome treten nicht über Nacht auf - sie entwickeln sich schleichend. Wenn nach einer mehrstündigen Radtour am Wochenende der Rücken, das Handgelenk oder der Nacken schmerzt, ist oft die falsche Einstellung des Fahrradlenkers schuld.

Warum ist die richtige Lenkereinstellung wichtig?

Der Lenker bestimmt mit seiner Breite, Höhe, Neigung und Biegung maßgeblich, wie ein Radfahrer auf seinem Bike sitzt - stark vornübergebeugt, mit gemäßigter Körperkrümmung oder „kerzengerade“. Grundsätzlich variiert die optimale Lenkereinstellung nicht nur von Fahrradtyp zu Fahrradtyp, sondern auch von Fahrer zu Fahrer. Denn: Jeder Mensch verfügt über individuelle Körperproportionen, die eine individuelle Anpassung der gesamten Geometrie des Fahrrads inklusive Lenker erforderlich machen.

Daher sollte jeder Radfahrer technisch dazu in der Lage sein, seinen Fahrradlenker zu verstellen. Nicht nur nach dem Kauf eines neuen Fahrrads, sondern auch nach Reparaturen und Veränderungen der eigenen Körperphysiognomie (Gewichtszunahme, Rekonvaleszenz) ist eine Modifikation der Lenkereinstellung ein Muss für jeden Radfahrer, der schmerzfrei und möglichst effizient vorankommen möchte.

Fahrradtypen und ihre Lenkereinstellungen

Abhängig vom Einsatzgebiet und vom Fahrradtyp kommen in der heutigen „Fahrradwelt“ verschiedene Konstruktionsarten von Fahrradlenkern zum Einsatz.

  • Mountainbikes: Sind üblicherweise mit einem geraden und relativ breiten Lenker ausgestattet. Diese Lenkerform ermöglicht dem Fahrer ein stabiles Manövrieren in unruhigem, abschüssigem oder steil bergan führendem Gelände.
  • Rennräder: Besitzen zumeist einen markant gewölbten Rennlenker - den sogenannten Dropbar-Lenker. Diese Bauform erlaubt es dem Fahrer, während des Bikens eine flache, möglichst windschlüpfrige Position einzunehmen. Die Lenkerhöhe liegt meist deutlich unterhalb des Sattels. Beim Rennrad ist alles auf Aerodynamik und Geschwindigkeit ausgelegt.
  • Citybikes, Trekkingräder und Tourenräder: Verfügen in der Regel entweder über einen nach hinten gebogenen Komfortlenker oder über einen Multifunktionslenker - umgangssprachlich wegen seiner charakteristischen Form „Brezellenker“ genannt. Gerade bei Trekkingrädern und City-Bikes steht der Komfort ganz klar im Vordergrund. Beide Lenkerarten eignen sich ideal für ein entspanntes Radfahren mit aufrechter Haltung. Der Multifunktionslenker bietet zudem eine überdurchschnittlich große Grifffläche. Er gestattet dadurch einen situationsangepassten Wechsel der Körperhaltung des Fahrers auf dem Bike.

Wichtig: Wer an seinem Fahrrad die optimale Lenkerhöhe einstellen möchte, sollte immer das bevorzugte Einsatzgebiet und den Fahrradtyp berücksichtigen. Nicht jede Lenkerhöhe eignet sich für jeden Fahrradtyp und jedes Terrain.

Die richtige Körperhaltung

Die ideale Lenkereinstellung geht immer mit einer gesunden Körperhaltung auf dem Fahrrad einher. Das Becken kippt leicht nach vorne, der Rücken bildet ein moderates, natürliches Hohlkreuz. Die Rücken- und die Bauchmuskulatur sind angespannt - jedoch nicht zu sehr.

Man kann die optimale Lenkereinstellung übrigens leicht anhand eines Selbsttests überprüfen: Die Muskulatur am Rücken - insbesondere links und rechts der Wirbelsäule - sollte beim Treten sanft mitarbeiten. Ist dies nicht der Fall - d.h. der Rücken- und der Schulterbereich sind angespannt -, muss der Radfahrer den Fahrrad Lenker höherstellen oder tiefer stellen, damit die Einstellung passt. Die natürliche S-Form der Wirbelsäule sollte im Übrigen bei jedem Fahrradtyp immer als Merkmal vorhanden sein.

Werkzeug und Anpassung

Für die Änderung der Lenkerhöhe und der Lenkerneigung benötigen Radfahrer einen passenden Inbusschlüssel mit 4, 5 oder 6 mm Durchmesser. Damit man sich auf seinem Fahrrad wohlfühlt, müssen Höhe, Breite, Biegung und Neigung des Lenkers zur individuellen Körperanatomie und zu den eigenen Präferenzen passen.

Die Lenkerbreite sollte ungefähr der Schulterbreite + 2 x Handbreite entsprechen. Die Biegung sollte bereits beim Kauf des Fahrrads so gewählt werden, dass der Abstand zwischen Lenker und Sattel weder zu groß noch zu klein ist - in erster Linie eine Frage des persönlichen Empfindens. Bei der Neigung ist vor allem darauf zu achten, dass die Schalt- und Bremshebel schnell und komfortabel betätigt werden können.

Wichtig: Man sollte immer zunächst den Fahrradlenker höher stellen oder tiefer stellen und anschließend die Lenkerneigung individuell anpassen.

Anleitung zur Lenkereinstellung

Die folgende Anleitung gilt für Fahrräder, die einen Vorbau mit Innenklemmung besitzen. Dies ist die am weitesten verbreitete Vorbau-Form. Für Laien ist es relativ einfach, bei einem Vorbau mit Innenklemmung den Fahrrad Lenker zu verstellen. Bei Fahrrädern mit Ahead-Vorbau gestaltet sich das Fahrradlenker-Einstellen aufgrund der fest verbauten Spacer schwieriger. Im Zweifelsfall sollte man eine Fahrradwerkstatt um Hilfe bitten.

Vorbau mit Innenklemmung:

  1. Als Erstes die Schutzfolie am höchsten Punkt des Vorbaus entfernen.
  2. Danach kann die darunter liegende Schraube mit dem geeigneten Inbusschlüssel gelöst und der Lenker in die gewünschte Höhe gebracht werden.
  3. Zum Schluss wird die Schraube wieder festgezogen und die Schutzfolie angebracht.

Neigung des Lenkers verstellen:

  1. Zunächst die Schraube unterhalb des Vorbaugelenks aufschrauben.
  2. Der Inbusschlüssel verbleibt während der anschließenden Feinjustierung der Lenkerneigung in der Schraube und ermöglicht somit ein sofortiges Festziehen der Schraube, sobald die ideale Neigung gefunden ist.

Lenkeraustausch nach einem Sturz:

Nach einem heftigen Sturz reicht es meistens nicht aus, den Fahrradlenker höher zu stellen. Vielmehr muss der gesamte Lenker ausgetauscht werden. Dies ist komplikationsfrei möglich - auch für Hobbyschrauber.

  1. Zunächst müssen die Brems- und Schalthebel entfernt und anschließend der Vorbau mit dem Inbusschlüssel losgeschraubt werden.
  2. Danach wird der neue Vorbau in den Gabelschaft gesteckt und mit dem Inbusschlüssel fixiert, bis er festklemmt.
  3. Als Letztes erfolgt die erneute Anbringung der Schalt- und Bremshebel.

Warum den Fahrradlenker verstellen?

Weil ein falsch eingestellter Lenker zu vielfältigen Problemen führen kann. Zunächst einmal funktioniert die Kraftübertragung mit einem falsch eingestellten Lenker nicht optimal. Der Grund: Die Muskulatur arbeitet - ähnlich wie bei einem falsch eingestellten Sattel - nicht „punktgenau“.

Eine dauerhafte Fehlhaltung infolge eines zu hohen oder zu tiefen Lenkers bewirkt außerdem orthopädische Probleme wie entzündete Handgelenke, steifer Nacken oder Rückenschmerzen bis hin zum Bandscheibenvorfall.

Alternative: Tune Spurtreu Tool

Zum Glück vertreibt Tune das von Fahrradmechaniker Wolfgang Heer entwickelte Tool zur schnellen und exakten Einstellung des Geradeauslaufs.

Was ist das Tune Spurtreu Tool?

Die Idee ist eigentlich simpel: Eine gefräste Aluplatte wird auf das „T-Stück“ gesetzt, welches Lenker und Vorbau bilden und in der exakten Verlängerung des Vorbaus ist ein Laser angebracht.

Der Laser des Spurtreu gehört zur Klasse 2M. Damit wird ein Lichtpunkt erzeugt, der ausreichend genau und rund ist, um sich daran zu orientieren. Das Einschalten geschieht durch einen farblich markierten Schiebeschalter.

Der Sitz ist einwandfrei und durch das Eigengewicht des Tools sitzt die Platte von allein exakt und stabil auf. Fällt der Punkt auf dem Reifen neben dessen optische Mitte (viele Reifen haben da auch ein Nahtstelle) dreht man so lange am Lenker, bis Punkt und Reifenmitte übereinstimmen.

Ist die richtige Position gefunden, werden die Vorbauschrauben wieder festgezogen und der nächsten, schönen Tour steht nichts im Wege.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Spiegel nutzen: Setz dich vor einen Spiegel und achte auf deine Haltung. Sind die Arme leicht gebeugt? Sitzt du aufrecht und entspannt?
  • Teststrecken fahren: Fahre kurze Teststrecken nach jeder Einstellung: Schon wenige Millimeter machen einen Unterschied.
  • Handgelenke beachten: Achte auf deine Handgelenke: Ein neutraler Winkel (kein Abknicken) ist das Ziel.
  • Sattel und Lenker kombinieren: Kombiniere Sattel- & Lenkereinstellung: Beide beeinflussen sich gegenseitig.

Lenkertypen und ihre Vorteile

Lenkertyp Vorteile Geeignet für
Aufrechter Lenker Ideal für eine aufrechtere Sitzposition, hilfreich bei Rückenschmerzen Citybikes, Trekkingräder
Breiter Lenker Mehr Kontrolle, besonders bei MTBs und E-Bikes Mountainbikes, E-Bikes
Ergonomischer Lenker Reduziert Druckstellen an den Handflächen, beugt Taubheitsgefühlen vor Tourenräder, Langstreckenfahrer
Verstellbarer Lenker Erlaubt individuelle Anpassung der Neigung Trekkingräder, Komfortorientierte Fahrer
Multifunktionslenker Verändert die Griffposition, sorgt für Abwechslung auf langen Fahrten Tourenräder, Langstreckenfahrer

Es lohnt sich, den Fahrradlenker richtig einzustellen, denn mit einer schmerzfreien Sitzposition förderst Du Deine eigene Sicherheit. Ein zu hoch eingestellter Vorbau-Schaft kann zum Beispiel das Fahrrad beschädigen und Dich gefährden. Mit unseren Anleitungen und Hinweisen weißt Du ja jetzt, wie Du Deinen Fahrradlenker in den Griff bekommst.

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