Ein optimal eingestellter Fahrradlenker fördert die gesunde Sitzhaltung auf dem Fahrrad. Die richtige Position mit einem geraden Rücken verbessert das Fahrgefühl. Oft steht die Frage nach der idealen Lenkerhöhe im Raum. Sie ist von vielen Faktoren abhängig, zum Beispiel vom Typ des Fahrrads, der Körpergröße und der bequemsten Sitzposition.
Die richtige Lenkerhöhe finden
Du kannst die für dich passende Lenkerhöhe mit Hilfe der Sitzhaltung selbst überprüfen. Generell ist der Lenker richtig eingestellt, wenn das Becken des Fahrers beim Sitzen auf dem Rad nach vorne kippt. Zudem bildet gleichzeitig der Rücken ein leichtes Hohlkreuz. In dieser Position formt sich die Wirbelsäule zu ihrer natürlichen und gesunden S-Form.
- Wer es sportlich mag, stellt den Lenker im Vergleich zum Sattel deutlich tiefer ein.
- Beim Fahren nimmst du dann die typische Sitzposition von Rennradfahrern ein.
- Auch auf einem Trekkingrad ist das die optimale Sitzposition.
Für eine gemütliche Fahrt auf dem Fahrrad ist der Lenker meistens genauso hoch wie der Sattel oder der Lenker etwas niedriger ausgerichtet. Diese fast gerade Ausrichtung ist eher typisch für Bikes in der Freizeit oder Citybikes. Bei einem Mountainbike sind Lenkerhöhe und Sattelhöhe gleich hoch.
Beim Kauf eines neuen Rades empfehlen wir, den Fahrradlenker unterschiedlich auszurichten und damit jeweils Probe zu fahren. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt, mit deren Hilfe du die Lenkstange am Fahrrad ganz einfach selbst ausrichten kannst. Drehe mit dem Werkzeug die Schraube entgegen dem Uhrzeigersinn ein wenig heraus.
Prüfe nun bei einer Probefahrt auf deinem Bike die richtige Höhe der Lenkstange. Sportliche Fahrräder wie Trekkingbikes bieten zudem noch die Möglichkeit, den Vorbau-Winkel auszurichten. Durch die wählbare Neigung erweitern sich die Einstellungsoptionen.
Wichtiger Aspekt: Maximale Lenkerhöhe
Ein sehr wichtiger Aspekt ist die maximale Lenkerhöhe. Sie muss unbedingt beachtet werden. An der vorderen Stange befindet sich eine Markierung. Der Vorbau darf keinesfalls über diese Markierung hinaus aus dem Gabelschaft ragen.
Unter den Vorbauten für Lenker sind auch Typen erhältlich, bei dem sich die Höhe der Lenkstange im Gegensatz zu normalen Vorbauten nicht selbst verstellen lässt. Es handelt sich bei diesem Vorbau um einen Ahead-Vorbau. Er ist direkt auf dem Gabelschaft montiert und hat den Vorteil, dass er sehr leicht ist.
Um einen Fahrradlenker mit Ahead-Vorbau in der Höhe zu verstellen, kommen sogenannte Spacer zum Einsatz. Die Distanzringe werden zwischen Vorbau und Steuersatz gelegt und der Lenker dadurch erhöht. Dieser Arbeitsschritt ist jedoch nicht so einfach.
Abstand zwischen Sattel und Lenker
Neben der idealen Lenkerhöhe ist auch der Abstand zwischen Fahrradsattel und Lenkstange wichtig. Er sorgt beim Fahren für die richtige Sitzposition auf dem Rad. Mit Hilfe einer Faustformel bestimmst du den perfekten Abstand zwischen den beiden Fahrradteilen.
Halte den Unterarm von der Sattelspitze ausgehend in Richtung des Lenkers. Strecke zusätzlich die Hand aus. Berührt sie den Lenker ganz oder fast, ist der Abstand einwandfrei. Je kleiner die Entfernung ausfällt, desto aufrechter sitzt du auf deinem Rad.
Die Sitzhaltung wirkt sich definitiv auf das Fahrverhalten aus. Wähle deshalb immer eine Position, bei der du effektiv und zudem auch bequem und kraftsparend unterwegs bist. Ist das nicht der Fall, musst du den Lenker niedriger oder höher einstellen. Wer effizient und schmerzfrei unterwegs sein möchte, achtet auf die sorgfältige Auswahl der Komponenten und deren korrekte Einstellung, sonst drohen Überlastung und Schmerzen.
Lenkergeometrie und ihre Bedeutung
Die Lenkerbreite wird an der Vorbiegung i.d.R. von Mitte zu Mitte gemessen. Im Klemmbereich ist der Lenker dicker, das Maß beträgt in der Regel 31,8 Millimeter. Als Reach bezeichnet man die Vorbiegung des Lenkers. Der sogenannte Drop beziffert, wie tief der Lenkerbogen nach unten reicht.
Klar, Rennradlenker sehen sich alle ähnlich. In Sachen Sitzposition macht es aber einen großen Unterschied, ob der Lenker komfortable sieben oder gestreckte neun Zentimeter Vorbiegung aufweist ("Reach") oder ob man im Unterlenker moderate elf oder stramme 15 Zentimeter in die Tiefe greift ("Drop"). Zudem können die Bügel zwischen 36 und 50 Zentimetern breit sein.
Weitere Unterschiede: Rennradlenker gibt’s aus Aluminium, Carbon, Stahl oder Titan, sie können den Gegenwert eines Mittagessens oder eines kompletten Radurlaubs darstellen. Einstiegsmodelle reißen schon mal die 350-Gramm-Grenze, ein durchschnittliches Alu-Modell wiegt um 250 Gramm, Carbon-Leichtbauten specken teils auf deutlich unter 200 Gramm ab.
Zudem können Rohrquerschnitte und -durchmesser variieren, der Unterlenkerbogen kann klassisch rund oder anatomisch angepasst bzw. mit ergonomisch geweitetem Radius kommen. Lenker und Vorbau können eine untrennbare Einheit bilden, darüber hinaus gibt es Speziallenker mit bestimmten Schwerpunkten (etwa Aero- oder Gravel-Modelle).
Verschiedene Lenkerbogen
- Klassischer Lenkerbogen: Rund nach unten - so sahen Rennradlenker lange aus. Auch heute noch erfreut sich der klassische Rundbogen großer Beliebtheit - nicht nur an Retro-Rennern.
- Ergonomischer Lenkerbogen: Leicht geweiteter Radius, kürzerer Reach und Drop ergeben zusammen einen komfortablen Lenker - diese Kombination ist derzeit wohl am stärksten verbreitet.
- Anatomischer Lenkerbogen: Das gerade, manchmal auch zum Fahrer hin angewinkelte Stück im Unterlenkerbogen soll sich besser in die Hand schmiegen und Druckpunkte vermeiden.
Die richtige Sitzposition finden
Um die passende Sitzposition zu finden, sollten Sie ein wenig herum experimentieren. "Es gibt nicht die eine einzige, richtige Sitzposition", sagt Tanja Willersinn, Leiterin des Radlabors Freiburg und Expertin in Sachen Bikefitting. "Wirklich anatomisch vorgeschrieben ist nur die Sitzhöhe, die von der individuellen Innenbeinlänge abhängt."
Von diesem Wert ausgehend, kann man sich, je nach Gusto, renn- oder komfortorientiert aufs Rad setzen - oder irgendwo dazwischen. Und, mit fortschreitendem Alter, auch mal ganz anders als in der Vergangenheit. Das einfachste Handlungsfeld, um mit der Sitzposition zu experimentieren: die Lenker- und Vorbauabmessungen.
"Hat man dann einmal eine geeignete Sitzposition gefunden, sollte diese auf allen genutzten Rädern identisch eingestellt sein", rät Bikefitterin Willersinn. "Auf jedem Rad anders zu sitzen, kann zu Beschwerden und Leistungsabfall führen."
Ihr Tipp: Bei einem Neurad den Gabelschaft nicht radikal kürzen, sondern immer etwas Spielraum lassen, auch oberhalb des Vorbaus, um die Position zu einem späteren Zeitpunkt variieren zu können. Denn sonst gilt: Ab ist ab.
Vorbau und Fahrgefühl
Die Länge des Vorbaus beeinflusst nicht nur, wie entspannt oder gestreckt die Sitzposition ausfällt, sondern wirkt sich auch auf die Lenkung - und damit die Fahrcharakteristik - eines Rennrads aus. Dabei gilt: Durch einen kurzen Vorbau wird das Rennrad tendenziell wendiger, ein langer Vorbau sorgt für mehr Laufruhe.
Der Winkel des Vorbaus beeinflusst, wie hoch der Lenker "hängt" - und wirkt sich damit ebenfalls auf Sitzposition und Handling aus. Sehr stark verbreitet sind Vorbauten mit sechs Grad Neigung, erhältlich sind auch extremere Modelle mit bis zu 40 Grad.
Übrigens: Montiert man moderne Ahead-Vorbauten umgekehrt, bringen sie den Lenker einige Zentimeter weiter nach oben. Puristen werden die Optik "positiv" montierter Vorbauten monieren, aber wen stört’s, wenn man dadurch besser auf dem Rad sitzt? Klar ist: Die grundsätzliche Charakteristik einer Rahmengeometrie in puncto Agilität und Wendigkeit lässt sich durch Vorbau und Lenker nicht komplett wandeln oder umkehren.
Die richtige Vorbaulänge bestimmen
Tanja Willersinn, Expertin in Sachen Bikefitting, empfiehlt: "Fragen Sie sich, wie Sie auf dem Rennrad sitzen wollen: sportlich-gestreckt oder komfortabel? Sportliche Fahrer greifen eher zu längeren Vorbauten mit größerer Neigung nach unten. Wer bequemer sitzen will, montiert einen kürzeren Vorbau, gegebenenfalls mit Winkel nach oben. Eine allgemeingültige Faustformel zur Bestimmung der richtigen Vorbaulänge gibt es leider nicht. Deshalb: gut beraten lassen und/oder ausprobieren - etwa beim Radhändler oder mit dem geliehenen Vorbau von Vereinskollegen oder Freunden."
Einfluss des Lenkers auf das Fahrgefühl
Mit einem schmalen Lenker wirkt der Renner im Wiegetritt etwas lebendiger, Arme und Schultern werden zudem etwas stärker zusammengezogen - das bringt aerodynamische Vorteile, Rennfahrer passen im Peloton durch engere Lücken. Allerdings kann dadurch das Atmen schwerer fallen, weil der Brustkorb stärker zusammengezogen wird.
Ein breiter Lenker hingegen greift sich komfortabel, vereinfacht tiefes Atmen und sorgt für größere Ruhe beim Lenken und im Wiegetritt. Wen die etwas trägere Lenkung nicht stört, freut sich zudem beim Sprinten über einen größeren Hebel.
| Fahrertyp | Reach | Drop |
|---|---|---|
| Hobbyisten | klein (ca. 70 mm) | klein (ca. 110 mm) |
| Racer | groß (ca. 80 mm) | groß (ca. 140 mm) |
Lenkerbreite messen
"Messen Sie Ihre Schulterbreite", rät Bikefitterin Tanja Willersinn, "von einem Schultergelenksknochen zum anderen. Der ermittelte Wert in Zentimetern ist Ihre optimale Lenkerbreite." Wenn Sie besonders aerodynamisch oder komfortabel sitzen wollen, können Sie eine Größe schmaler oder breiter wählen. Tanja Willersinn rät aber: "Hobby-, Alltags- und Genussfahrer sollten den Lenker nicht schmaler als die Schulterbreite wählen. Das Handling wird zu unruhig, die Position eingeengt. Das ist eher etwas für fahrsichere, sehr leistungsorientierte Fahrer."
Lenkeraufsätze montieren
Achten Sie immer auf das passende Klemmmaß: Die Durchmesser von Lenker und Aufsatz müssen zueinanderpassen. Prüfen Sie unbedingt, ob der Hersteller seinen Lenker überhaupt für die Montage von Aufsätzen freigibt oder ob Einschränkungen bestehen. Möglicherweise erlischt andernfalls Ihre Gewährleistung.
Verwenden Sie bei der Montage einen Drehmomentschlüssel und berücksichtigen Sie das vom Hersteller angegebene Anzugsmoment. Vermeiden Sie Kratzer im Klemmbereich, gegebenenfalls durch dünne Unterlagen oder einen aufgeschnittenen Schlauch.
Vielfalt der Lenkerformen
Es gibt eine Vielzahl von Lenkerformen. Manche davon haben einprägsame Namen wie Bullhornlenker, Rennlenker oder Schwalbenschwanzlenker. Doch wie kann man, zum Beispiel, zwei optisch relativ ähnliche, leicht nach hinten gebogene Lenker klassifizieren und voneinander unterscheiden?
Man klassifiziert Lenker nach ihrer Breite, ihrer Biegung nach hinten (Kröpfung oder Backsweep genannt), in der Biegung nach oben bzw. unten (Upsweep bzw. Downsweep) und danach, ob sie insgesamt höher bauen (Riser) oder nicht (Flatbar).
Lenker: Steif oder mit Flex?
Zudem unterscheidet sich die Lenkerklemmung, das Material des Lenkers und natürlich sein Preis. Rennradler und Mountainbiker fahren zwar mehr und mehr mit Carbonlenkern, aber (noch) sind Trekking- und Tourenräder fast immer mit Alulenkern ausgestattet.
Preisgünstige Alulenker haben größere Rohrstärken und sind schwerer, während teurere Alulenker aus dünnerem, zwei- oder dreifach konifiziertem Rohr bestehen, manchmal sogar wärmebehandelt. Solche Lenker sind leicht, aber trotzdem ausreichend steif und sicher.
Lenkerbreite
Schon bei der Breite gibt es deutliche Unterschiede. Bullhorn- und Rennlenker sind in der Regel nur zirka 38 bis 44 Zentimeter breit (Mitte-Mitte) und sind vor allem für die Straße gedacht. Viele Pendler und Kurierfahrer fahren am liebsten mit relativ schmalen, geraden oder gebogenen Lenkern die etwa 50 bis 58 Zentimeter breit sind, so kommen sie gut an Autos vorbei.
Typische Trekkingräder haben häufig Lenker, die über 58 cm breit sind, damit man auch auf holprigen Wegen sicher unterwegs ist. Wegen der besseren Kontrolle werden auch Mountainbikes mit immer breiteren Lenkern ausgestattet; sie sind oft über 70, manchmal sogar bis zu 80 cm breit.
Lenker mit Kröpfung oder Rise
Die ersten, geraden Mountainbike-Lenker waren eine ergonomische Katastrophe. Heute haben fast alle Lenker zumindest eine leichte Kröpfung von 5 oder 6 Grad nach hinten, je nach Einsatzgebiet oft deutlich mehr. Während sportliche Fahrer tendenziell relativ gerade Lenker bevorzugen, mögen entspannt fahrende Radler eher einen Lenker mit mehr Biegung.
Dabei ist zu bedenken, dass die Lenkung im zweiten Fall nervöser wird, weil die Hände in etwa auf einer horizontalen Achse mit dem Steuersatz liegen. Bei einem "Flatbar" ändert sich nichts an der Höhe. Rennlenker erlauben dem Fahrer, bei Bedarf eine etwas anstrengende, aber aerodynamisch günstige Haltung einzunehmen. Als Kompromiss zwischen Komfort und Effizienz wählen Langstreckenfahrer häufig eine Lenkerposition, die ihre Hände in etwa auf Höhe des Sattels bringt.
Lenkerbiegung
Manche Lenker sind ein paar Grad nach oben bzw. nach unten gebogen. Eine Biegung nach oben bringt die Ellbogen weiter raus, eine Biegung nach unten ist eher entspannt. Je mehr Kröpfung ein Lenker hat, umso mehr ändert sich der Griffwinkel, wenn man den Lenker nach oben oder nach unten kippt.
Letztendlich muss jeder selber ausprobieren, mit welcher Form er am besten zurechtkommt. Planen Sie genügend Zeit ein: Mit ein paar Rädern, einem verstellbaren Vorbau und einem geduldigen Fachhändler sollte sich eine gute Lösung finden lassen.
Form und Ausrichtung des Lenkers
Die Form und Ausrichtung des Lenkers trägt zu einem nicht unerheblichen Teil dazu bei, wie komfortabel sich ein Bike fährt. Zudem hängen auch die effiziente, aerodynamische Fahrweise und ein sportiver Stil unmittelbar mit dem Lenker-Design zusammen. Prinzipiell solltest du deinen Lenker so wählen, dass du dich auf dem Rad auch bei längerem Fahren rundum wohl fühlst.
Deutlich zum Fahrer hin gebogene Lenker finden sich vor allem bei Alltags- und Cityrädern sowie bei vielen Touren-Bikes. Sie erlauben eine vergleichsweise entspannte Haltung. Diese horizontale Biegung wird bei Fahrradlenkern auch als Kröpfung oder Backsweep bezeichnet. Außerdem sind viele Lenker auch in vertikaler Richtung gebogen - die Griffe weisen also nach oben oder unten. Diese vertikale Biegung ist je nach Ausrichtung auch als Upsweep oder Downsweep bekannt.
Je geringer die Biegung eines Fahrradlenkers, desto mehr Kontrolle hat der Fahrer bei der Lenkung. Für sportliche Fahrweisen wie Mountainbiken und Rennradfahren ist das besonders wichtig. Und deshalb finden sich in diesen Bereichen auch fast ausschließlich gerade oder nur extrem leicht gekrümmte Lenker.
Neben der Form ist auch die Breite des Lenkers ein wichtiger Faktor. Je schmaler ein Lenker ist, desto geringer ist die Kontrolle beim Fahren. Deshalb sind zum Beispiel MTB-Lenker mit oft deutlich über 70 cm meist besonders breit gestaltet. Für City-Bikes hingegen ist es wichtig, dass die Räder nicht zu ausladend sind, um sich auf dem Radweg nicht ins Gehege zu kommen. Hier sind Breiten um die 50 bis 58 cm gängig. Rennlenker hingegen sind die schmalsten, schließlich soll windschlüpfrig gefahren werden.
Die Wahl des richtigen Lenkers
Die Hebel sind perfekt eingestellt, die Züge sauber verlegt und die Lieblingsgriffe montiert - das perfekte Cockpit, oder? Fast! Wer die Wahl des richtigen Lenkers vernachlässigt, lässt viel Fahrspaß liegen.
Was ist mitunter das Beste an einem „New Bike Day”? Die edlen Parts perfekt auf sich einzustellen! Erst wenn sich alles satt anfühlt, ist das Rad wirklich unseres. Und vieles spüren wir in unseren Händen. Am Bremshebel optimieren wir den Abstand zum Griff, die Position am Lenker und den Druckpunkt ganz nach Gusto. Schon der Trockentest zeigt, was sich gut anfühlt und was gar nicht geht. Auch bei den Griffen erkennt man sofort, welche gut in der Hand liegen.
Ist das Cockpit damit schon perfekt? Nicht ganz. Was ist eigentlich mit dem Lenker, dieser offensichtlich notwendigen, aber doch irgendwie leidenschaftslosen Verbindung zwischen Griffen, Vorbau und den Hebelchen dazwischen? Hier tunen? Oh ja! Und zwar längst nicht nur für ein paar Gramm Gewichtsersparnis.
Der Einfluss des Lenkers auf das gesamte Handling unseres Mountainbikes ist schwer in Zahlen zu fassen, aber im Gelände deutlich zu spüren. Im besten Fall überträgt er Lenkimpulse unmittelbar auf den Trail, gibt uns dabei Rückmeldung vom Untergrund und gleichzeitig Dämpfung in der Hand, versetzt uns in eine gute Körperhaltung und lässt uns den ganzen Bike-Tag schmerzfrei durchziehen. Ach ja, und schön anzusehen, leichtgewichtig und erschwinglich darf er auch sein. Alles klar, oder? Ähm … Wer sich an die Suche nach dem perfekten MTB-Lenker herantraut, braucht etwas Geduld, wird aber mit Fahrspaß belohnt.
Klar passt der Lenker, der jetzt gerade auf eurem Bike montiert ist - so lange, bis ihr einen ausprobiert, der besser passt. Es gibt einige deutliche Anzeichen dafür, dass ein Wechsel sinnvoll sein könnte. Dazu zählen taube Finger, schmerzende Handflächen oder Schultern, Armpump, das Bedürfnis, die Hände auszuschütteln, oder häufiges Umgreifen auf der Suche nach einer komfortablen Position. Dass ein Lenkerwechsel hilfreich wäre, ist aber nicht immer so offensichtlich, weil man sich an vieles gewöhnt. Doch habt ihr den richtigen Lenker in der Hand, werdet ihr den Unterschied merken!
Dieser gewisse Aufwand schreckt viele Rider bereits vom Testen ab - leider! Diese oberflächliche Checkliste kann für einige Rider zum Erfolg führen, viele andere liegen damit aber kapital daneben. Der häufigste Fehler, den wir und auch die von uns befragten Experten draußen auf dem Trail beobachten, sind zu breite Lenker. Vor allem kleinere Rider, die sich nicht ans Kürzen des Lenkers herantrauen, nehmen dadurch echte Handling-Nachteile in Kauf. Doch den Lenker abzusägen, kann wiederum andere Probleme mit sich bringen. Dazu weiter unten mehr.
Vorsicht ist außerdem bei dicken Lenkern mit 35 mm Klemmmaß am Vorbau geboten! Die sehen fett aus und machen optisch mehr her als die dünnere 31,8-mm-Alternative, könnte man zwar urteilen. Doch ein größerer Durchmesser bedeutet tendenziell mehr verbautes Material und damit mehr Steifigkeit. Das kann gut sein - oder aber auch zu viel des Guten.
Materialien
„Aber Carbon ist besser als Alu, oder?” Darauf ein klares „Jein”. Aufgrund ihres mehrlagigen Aufbaus, ihres ganz spezifischen Lay-Ups also, können Carbon-Parts wie Lenker je nach Konstruktion von butterweich über genau richtig bis hin zu knüppelhart so ziemlich alles sein - ähnlich wie Aluminium, das je nach Materialeinsatz und Wandstärke ebenso unterschiedliche Steifigkeitswerte bietet. Wie steif perfekte MTB-Parts tatsächlich sein sollten, haben wir schon in diesem Artikel besprochen. Einen eindeutigen Werkstoff-Sieger kann man bei Lenkern nicht benennen. Was wir aber wissen, ist, dass hochwertige Carbon-Lenker leichter, aber auch deutlich teurer sind als Metall-Alternativen. Testet daher lieber preiswert mit Alu und greift erst dann zur Kohlefaser, wenn ihr eine Vorstellung davon habt, welche Maße und Specs euer Wunschlenker haben sollte. „Schön breit, schön dick und möglichst aus Carbon” sind also gefährliche Ratgeber bei der Kaufentscheidung.
Sweep-Werte und Rise
Ein Lenker ist viel mehr als nur seine Breite, seine Dicke und sein Werkstoff. Zu seinen Eigenschaften gehört außerdem, in welchem Winkel seine Enden vertikal nach oben (Upsweep) und horizontal zum Fahrer hin abgewinkelt sind (Backsweep). Diese Werte werden in Grad angegeben und das Optimum ist stark von persönlicher Vorliebe abhängig. Viele Modelle bewegen sich aber bei ähnlichen Sweep-Maßen.
Heiß diskutiert wird aktuell der Rise von MTB-Lenkern, also der absolute Höhenunterschied von Klemmung zum Griffende. Wie auch beim Stack von MTB-Rahmen, also der Höhendifferenz zwischen Tretlager und dem oberen Ende des Steuerrohrs, ist auch bei Lenkern ein Trend zu mehr Rise zu erkennen. Je höher das Cockpit, desto aufrechter ist die Position auf dem Rad und desto weiter verschiebt sich der Körperschwerpunkt in Richtung Hinterrad.
Das entlastet zum einen strapazierte Handflächen, zum anderen kann mehr Rise Sicherheit auf steilen Abfahrten bringen, weil er uns tendenziell hinter statt über dem Lenker aka dem Abgrund platziert. Der Pro-Downhiller Dakotah Norton machte im Worldcup von sich reden, als er einen Lenker mit gewaltigen 75 mm Rise montierte und sein Cockpit dadurch sichtbar erhöhte - was ihm in der Szene den Spitznamen „Stackotah” einbrachte.
Mehr Rise bringt vor allem in steilen Trail-Passagen zusätzliche Sicherheit. Wird es flacher, kann dieser Vorteil in einen Nachteil umschlagen. Denn ein sehr hoher Lenker bringt auch die Gefahr mit sich, nötigen Druck und damit Reifengrip am Vorderrad einzubüßen. Das macht sich vor allem auf flacheren Trail-Sektionen und in offenen Kurven bemerkbar.
Ja, eine breite, bullige Position der Hände am Lenker vermittelt zunächst Stabilität. Doch wer zu breit greift, verlässt den Bereich der optimalen Kraftentfaltung, belastet seine Handgelenke auf ergonomisch kritische Weise und riskiert sogar, dass sich Hände und Knie auf engen, technischen Trails in die Quere kommen. Außerdem verlangt ein längerer Lenker mehr Bewegung am Griff, um den gewünschten Lenkimpuls am Vorderrad zu erzeugen. Das Resultat ist, je nach eigener Empfindung und Fahrstil, ein angenehm stabiles oder aber ein unangenehm träges Lenkgefühl.
Die richtige Breite finden
Ein zentraler Schritt auf dem Weg zum perfekten Lenker ist, die für sich richtige Breite herauszufinden. Das braucht ein paar simple Tests, die aber kein Geld kosten, sondern nur einen vorhandenen Lenker und etwas Entschlossenheit erfordern. Ballert ihr am liebsten schnell und hart in der Falllinie, dann denkt euch ein paar Millimeter für mehr Stabilität dazu. Tänzelt ihr lieber verspielt durch enge Waldtrails, dann startet ein bisschen kürzer für extra Agilität.
Versetzt die Hebel eurer aktuellen Cockpit-Einstellung mitsamt den Griffen exakt um den Wert nach innen, den ihr als Kürzung des Lenkers simulieren wollt. Wenn eure Lock-On-Griffe das nicht mitmachen, ersetzt sie für die Testphase durch ein anderes, vielleicht schon abgenutztes Paar, das ihr an den Enden kappt, sodass ihr sie beliebig weit nach innen schieben könnt.
Lenker kürzen
Okay, Test abgeschlossen und 750 mm Breite fühlten sich am besten an? Das ist eine geniale Erkenntnis! Einfach abschneiden wäre ein einfacher Job für jeden, der eine Metallsäge und eine Schneidehilfe im Werkzeugkoffer liegen hat - oder sogar einen Rohrschneider. Doch eine Kürzung des Lenkers verändert auch dessen Flex - das wird umso deutlicher spürbar, je weiter man von der ursprünglichen Länge abweicht.
Labortests von MERIDA mit Lenkern verschiedener Brands haben gezeigt, dass die Steifigkeit mit jeder Kürzung um 20 mm recht gleichmäßig um jeweils 10 % zunimmt. Das gilt für Alu ebenso wie für Carbon. Das ist ungefähr vergleichbar mit einem Sprung auf ein Bett ohne Matratze (übrigens nicht Teil der Testergebnisse von MERIDA). Aus genau diesem Grund sind Lenkerkürzungen um mehr als 20 mm bereits kritisch.
Mit Strichmarkierungen suggerieren manche Hersteller zwar, dass ihre Lenkstangen auch deutlich kürzer abgeschnitten werden können, doch das treibt deren Steifigkeit auf dem Trail in die Höhe. Um nicht nur die Länge, sondern auch das Fahrgefühl und den Flex eines Lenkers perfekt zu erwischen, ist es ratsam, ihn möglichst nahe an der Breite zu kaufen, in der er nach dem Zuschnitt auch tatsächlich gefahren wird.
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