Fahrrad Lenkergriffe wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Ein kleines Detail, das große Wirkung zeigt: Die Fahrradgriffe. Oft unterschätzt, aber entscheidend für Fahrkomfort, Kontrolle und Sicherheit. Gerade bei längeren Radtouren oder täglichem Pendeln spürt man schnell, wenn die Griffe nicht (mehr) passen.

Mit der Zeit nutzen sich Fahrradgriffe ab. Das Material wird rutschig oder spröde, was den Halt beeinträchtigen kann. Durch Witterungseinflüsse und Handschweiß können Griffe im Lauf der Zeit aber auch klebrig werden, was ebenfalls oft als störend empfunden wird.

Warum Fahrradgriffe austauschen?

Wie du siehst, gibt es viele gute Gründe, warum man Fahrradgriffe austauschen sollte. Zumal das Wechseln und Montieren von ergonomischen Griffen kein Hexenwerk ist und eine großartige Möglichkeit bietet, den Komfort und die Sicherheit deines Fahrrads sichtlich zu steigern, besonders auf längeren Fahrten.

Komfort spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, denn Fahrradgriffe sind deine direkte Verbindung zum Lenker, also der Steuerzentrale deines Bikes. Insbesondere bei längeren Touren können schlecht passende oder alte Griffe Schmerzen in den Händen, Handgelenken, Armen, Schultern und im Rücken verursachen.

Das Entscheidende jedoch ist, dass abgenutzte Griffe weniger Kontrolle über das Fahrrad bieten und so das Unfallrisiko erhöhen. Außerdem können durch erhöhte Reibung Blasen oder Schwielen an den Händen entstehen.

Neben ergonomischen Gründen spielt auch die Abnutzung eine große Rolle. Griffe bestehen meist aus Gummi oder Schaumstoff - Materialien, die mit der Zeit spröde werden oder sich verformen. Rutschige Oberflächen, Risse oder klebrige Stellen sind deutliche Anzeichen, dass es Zeit für einen Wechsel ist.

Auch UV-Strahlung und Witterung setzen den Griffmaterialien zu. Besonders bei regelmäßigem Outdoor-Einsatz altern die Griffe sichtbar schneller. Ein Austausch sorgt also nicht nur für ein besseres Fahrgefühl, sondern auch für mehr Hygiene und Ästhetik. Denn nichts stört mehr als klebrige oder bröselige Griffe, die bei jedem Wetter unangenehm in der Hand liegen.

Die Wahl der richtigen Griffe

„Die Griffe sollten außerdem zu dem Einsatzbereich passen, für den du sie vorgesehen hast“, so der Ergonomie-Experte. „Es versteht sich von selbst, dass an einen Griff, der ursprünglich für längere Fahrradtouren vorgesehen ist, andere Ansprüche gestellt werden, als an einen, der zum Beispiel im Downhill eingesetzt wird.“ Daher bietet Ergon speziell für jeden Einsatzbereich entwickelte Griff-Modelle an. Solch extrem gegenteilige Ausformungen des gleichen Produkts findet man zum Beispiel an der GP-Serie für Radtouren, der GD-Familie für den Downhill-Sport und der GA- bzw. GE-Serie für sehr technisches Mountainbiken.

Es gibt aber auch Griffe, die für bestimmte Lenkerformen optimiert sind, so sind zum Beispiel die Ergon-GC1-Griffe speziell für nach hinten gebogene Lenker konzipiert. „Bei Lenkern mit nach hinten ausgeprägter Biegung kommt es bei herkömmlichen Griffen zu einem Abknicken des Handgelenks“, verrät Simon. Die Folge könnten Beschwerden und Schmerzen verschiedenster Art sein. Der GC1 ist jedoch anatomisch und ergonomisch ideal für diesen Lenkertyp geformt und korrigiert Fehlstellungen der Hände.

Du solltest dir im Vorfeld auch überlegen, aus welchem Material deine Griffe sein sollten, denn die Haptik spielt ebenfalls eine große Rolle. Ergon-Griffe sind zum Beispiel aus hochwertigstem, spielzeug-zertifiziertem Gummi - Made in Germany - gefertigt, oder aber auch aus in Portugal biologisch angebautem Biokork.

Unterschiede zwischen Gummi-, Schaumstoff- und Schraubgriffen

Nicht jeder Griff passt zu jedem Rad - weder technisch noch ergonomisch. Die Wahl des richtigen Griffs entscheidet darüber, wie angenehm du dein Bike auf längeren Touren oder im Alltag steuern kannst.

  • Gummigriffe sind die Klassiker - günstig, leicht zu montieren und in unzähligen Designs erhältlich. Sie bieten bei trockenem Wetter guten Grip, verlieren aber bei Nässe oder mit schweißnassen Händen schnell an Haftung. Zudem neigen sie bei intensiver Nutzung zum Verkleben oder zur Rissbildung.
  • Schaumstoffgriffe punkten mit einem extrem geringen Gewicht und hoher Dämpfung. Sie sind vor allem bei Rennrädern oder Leichtbau-MTBs beliebt. Der Nachteil: Sie nutzen sich schneller ab und können sich bei Feuchtigkeit ebenfalls verdrehen - daher sind sie eher für Gelegenheitsfahrer oder den Renneinsatz geeignet.
  • Schraubgriffe/ Ergonomische Griffe setzen auf ein stabileres Konzept: Ein fester Sitz durch Klemmschrauben verhindert jedes Verrutschen, selbst bei Nässe oder im Gelände. Besonders bei Mountainbikern und E Bikern sind sie die erste Wahl.

Die Anforderungen an den Griff variieren je nach Fahrradtyp stark - und genau deshalb ist die richtige Wahl entscheidend:

  • Alltagsrad: Hier zählt Komfort. Ergonomische Gummigriffe mit Handauflage entlasten die Handgelenke und verhindern Druckstellen. Rutschfeste Materialien sind bei Regenfahrten besonders wichtig.
  • MTB (Mountainbike): Bei Offroad-Fahrten brauchst du festen Halt und Kontrolle. Schraubgriffe mit Profilstruktur, gegebenenfalls mit Dämpfungskern, sind ideal. Sie halten auch bei starker Beanspruchung perfekt und lassen sich präzise einstellen.
  • E Bike: Das zusätzliche Gewicht eines E Bikes verlangt nach stabilen Griffen, die den Druck abfangen. Hier bewähren sich Schraubgriffe mit ergonomischen Ausformungen, die zusätzlich die Körperhaltung positiv beeinflussen können.
  • Rennrad & Gravel Bike: Klassisches Lenkerband ist hier Standard.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Wechseln der Fahrradgriffe

Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du das einfach selbst erledigen kannst.

Benötigte Werkzeuge:

  • Seifenwasser, Alkohol oder Bremsenreiniger (zum Lösen der Griffe)
  • Innensechskant-Schlüssel (Größe 3 oder 4 für Schraubgriffe)
  • Schraubendreher (flach)
  • Tuch zum Reinigen

Demontage der alten Griffe

Die Vorgehensweise, wie du die Fahrradgriffe von deinem Fahrrad demontierst, richtet sich nach der jeweiligen Griff-Art. Alltags- und Citybikes sind häufig mit einfachen Standard-Griffen aus Gummi ausgestattet, die sich ganz einfach auf den Lenker aufstecken lassen.

Demontage von Steckgriffen:

  1. Hebe mit dem Schraubenzieher den Griff ganz leicht an.
  2. Sprühe nun etwas Wasser oder Seifenlauge in den Spalt. Nun lässt sich der Griff leichter abziehen. Diese Methode hat den Vorteil, dass du die Griffe auch nach der Demontage noch weiterverwenden kannst, um sie zum Beispiel auf einen anderen Lenker aufzuziehen.
  3. Alternativ kannst du die Gummi-Griffe auch mit einem Cuttermesser oder eine Schere vom Lenker losschneiden - beispielsweise, wenn sie beschädigt sind, oder du keine weitere Verwendung für sie hast. Allerdings solltest du hierbei vorsichtig arbeiten und nicht zu tief schneiden: Bei Carbon oder Aluminium kann es sonst schnell zu Beschädigungen am Lenker kommen.

Demontage von Schraubgriffen:

Mountainbikes haben meist verschraubbare Griffe. Diese variieren nicht nur in ihrer Dicke und lassen sich leicht montieren, sondern sind auch bei starker Belastung extrem verdrehsicher.

Ist der Lenker deines Fahrrads mit Schraubgriffen versehen, kannst du so viel an ihnen ziehen, wie du willst. Bevor du die Fahrradgriffe vom Lenker entfernen kannst, musst du diesen zunächst aufschrauben. Bei dieser Methode brauchst du also nur den passenden Inbusschlüssel für die Klemmschraube.

Montage der neuen Griffe

Wie auch schon bei der Demontage der alten Griffe, hängt auch das Anbringen der neuen Komponenten mit der Griffart zusammen. Vor dem Aufziehen der neuen Griffe solltest du einen Schritt aber nicht vergessen: Die Reinigung der Lenkerstange.

Reinigung der Lenkerstange

Bevor du die neuen Griffe montierst, solltest du diese wie auch den selbst Lenker unbedingt von Staub und Schmutz befreien. Eine gründliche Reinigung ist essentiell, um eine einfache Montage und den optimalen Sitz der neuen Griffe zu gewährleisten. Befinden sich kleine Steine oder Staub auf der Stange, kann dies dazu führen, dass die Griffe bei Belastung verrutschen. Zudem kann es durch die mechanische Reibung zu Kratzern im Material kommen.

Schmutzreste auf dem Lenkerrohr kannst du ganz einfach mit Seifenlauge oder einem speziellen Reinigungsspray entfernen. Auch Roststellen lassen sich meist problemlos auf diese Weise beseitigen. Ist die Lenkerstange gereinigt, kann es mit der Montage der Handgriffe weitergehen.

Montage von Steckgriffen

Steckgriffe gibt es zum Beispiel aus Gummi oder Kork und sind meistens günstiger als Schraubgriffe.

  1. Die Griffe gleiten nun besser über die Lenkerstange.
  2. Vor der ersten Tour solltest du das Bike einige Stunden, am besten sogar über Nacht, stehen lassen. So kann alles gut durchtrocknen und die Griffe sind fest mit dem Lenker verbunden.

Auch Haarspray oder Bremsenreiniger helfen bei der Montage. Hierfür sprühst du die Substanz in den Griff und kannst diesen anschließend problemlos über den Lenker stülpen.

Montage von Schraubgriffen

Ist dein Fahrrad mit Schraubgriffen ausgestattet, fällt die Montage der Fahrradgriffe noch leichter aus als bei der Steck-Variante. Alles, was du für das Anbringen der Griffe benötigst, ist ein Inbusschlüssel (Innensechskantschlüssel).

  1. Stecke den Griff auf den Lenker und ziehe die Schrauben fest.
  2. Achte beim Festziehen auf ein gutes Mittelmaß: Inbus-Schrauben drehen schnell durch. Drehe die Schrauben daher nicht zu fest, aber auch nicht zu leicht - sonst droht der Griff bei Belastung zu verrutschen.
  3. Vergiss nach dem Festschrauben nicht, die Endkappen wieder auf den Lenker zu montieren.

Eventuell stellst du nach der Montage der Lenkergriffe fest, dass diese zu lang sind und du die Brems- und Schalthebel verschieben musst. Auch hierbei eignet sich ein Inbus, mit dem sich die Hebel mit nur wenigen Griffen versetzen lassen.

Feineinstellung und Probefahrt

Nachdem du deine Griffe nun erfolgreich gewechselt hast, solltest du unbedingt auch eine kurze Probefahrt durchführen. Möglicherweise kannst du anschließend noch etwas nachjustieren, damit die Griffe bei deiner nächsten Tour festsitzen.

Ergonomische Griffe haben meist einen Flügel für eine größere Auflagefläche, die für eine natürliche Handstellung sorgt und Druckspitzen verhindert. Der Griffflügel stützt den Handballen und hält das Handgelenk in einer annähernd geraden Position - hierbei ist das Handgelenk weder abgeknickt noch überstreckt.

Aus dieser neutralen Grundstellung kannst du den Griff je nach persönlichen Vorlieben rund 10 Grad nach unten oder bis zu 20 Grad nach oben drehen. Ist die gewünschte Position gefunden, richte auch die Schalt- und Bremshebel nach dem neuen Griff aus und fixiere alles mit dem vom Hersteller vorgegebenen Drehmoment.

Achtung: Wenn du keinen Drehmomentschlüssel zur Hand hast, übertreibe es nicht mit dem Anziehen der Schrauben, um ein Beschädigen zu vermeiden. Vorsicht vor allem bei Carbon-Lenkern!

Gehe auf eine kurze Probefahrt, um sicherzustellen, dass die neuen Griffe fest, angenehm und in der richtigen Position sind. Achte darauf, dass nichts wackelt oder verrutscht.

Zusätzliche Tipps

  • Grifftyp beachten: Wenn du oft Offroad fährst, sind ergonomische oder dämpfende Griffe ideal. Für Pendler eignen sich schlankere Designs besser.
  • Griffpflege: Reinige die Griffe regelmäßig mit einem feuchten Tuch, besonders nach einer matschigen Tour. Saubere Griffe = längere Lebensdauer.
  • Endkappen prüfen: Vergiss nicht, nach der Montage alle Endkappen sicher zu befestigen.

Gratuliere, du bist jetzt offiziell ein Griff-Experte! Das Wechseln der Fahrradgriffe ist eine simple DIY-Aufgabe, die dein Fahrerlebnis entscheidend verbessern kann.

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