In der Welt der Fahrräder und E-Bikes erfreuen sich Automatikschaltungen zunehmender Beliebtheit. Sie versprechen mehr Komfort und ein intuitiveres Fahrerlebnis. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von Fahrrädern mit Automatik, von Testberichten bis hin zu den auf dem Markt verfügbaren Systemen.
Rockrider E-ACTV 900 von Decathlon im Test
Der Rockrider E-ACTV 900 von Decathlon, erhältlich für 2700 Euro, mischt den Markt kräftig auf. Dieses E-Bike verfügt über einen Mittelmotor mit automatisch schaltendem Planetengetriebe, einen großen Akku und preiswerte, aber gute Anbauteile. Der Motor, ein Owuru von E2 Drives, leistet 65 bis maximal 120 Nm und verfügt über ein integriertes, stufenlos schaltendes CVT-Getriebe mit einer Gangbandbreite von 265 Prozent.
Im Alltag überzeugt das Decathlon-E-Bike durch einen leisen Betrieb und gut dosierbaren Vortrieb. Das CVT-Getriebe schaltet sanft und unmerklich, was ein angenehmes Fahrgefühl ermöglicht. Allerdings zeigt das Rockrider im Talschuss Schwächen und benötigt Führung. Die Gabel ist für das anvisierte Terrain in Ordnung, aber für Wald- und Wiesen-Touren gibt es bessere E-Bikes.
Insgesamt gehen die Fahrleistungen für innerstädtischen Einsatz und leichte Touren voll in Ordnung. Der Motor ist kräftig, der Akku für Stadt und Tour prima gewählt. Die Ausstattung ist für den Preis durchdacht, wenn auch an einzelnen Stellen wie der Bremse einfach gehalten. In der Summe seiner Teile ist das Decathlon-Rad schlussendlich aber einmal mehr ein echter Preisbrecher und in unseren Augen nicht nur für Einsteiger eine gute Option.
Specialized Turbo Como 5.0 IGH im Test
Das Specialized Turbo Como 5.0 IGH ist ein Pendler- und Touren-Pedelec, das in der Top-Version 4800 Euro kostet. Es verfügt über ein Automatikgetriebe, das die Übersetzungen wechselt, und ein Radargerät, das vor Überholern warnt. Das Turbo Como ist ein klassisches "Damenrad" für beide Geschlechter mit einem sehr tiefen Einstieg.
Das Fehlen der Schalt-Paddles erklärt sich durch das IGH im Namen des Pedelecs. Das Kürzel steht nämlich für Internal Gear Hub, die automatisch arbeitende stufenlose Getriebenabenschaltung von enviolo. Die übernimmt, kombiniert mit einem Karbonriemen statt der üblichen Kette, die Gangabstimmung selbstständig in Abhängigkeit von Tempo, Trittfrequenz und -stärke und sogar vom Neigungsgrad des Bikes. Das ist für eingefleischte Kettenschalter erst einmal gewöhnungsbedürftig, stellt sich beim Stop-and-Go auf dem städtischen Radweg aber als angenehm heraus. Durch einen Knopf am Bedienknubbel lässt sich die Übersetzung der jeweiligen Fahrsituation anpassen, und das gleich in sieben Stufen zwischen "fastest" und "lowest".
Das Fahren mit dem Turbo Como 5.0 IGH ist sehr komfortabel. Dafür sorgen die Rockshox-Vordergabel mit 80 Millimetern Federweg und die Sattelstütze, die bis zu 40 Millimeter wegfedern kann. Außerdem filtern schon die sehr leise laufenden und voluminösen Pathfinder-Sport-Reflect-Reifen ziemlich viele Straßenunebenheiten weg.
Unterm Strich hinterlässt das Turbo Como durchaus positive Eindrücke, wenn es denn richtig eingesetzt wird. Das Pedelec verwöhnt mit hohem Fahrkomfort, Stabilität und einer Automatik, die fast an die Fähigkeiten einer guten Kettenschaltung herankommt. Der Riemenantrieb ist praktisch wartungsfrei, die App lässt vielfältige Einstellmöglichkeiten zu, und sowohl die Kraft des Specialized-Motors, als auch die Akku-Kapazität passen gut zu einem klassischen Pendler- und Tourenbike.
Wie schneiden Fahrräder mit Automatikschaltung in Tests ab?
Vergleichstests, in denen ausschließlich Kompletträder mit Automatikschaltung getestet werden, gibt es bisher nicht. Doch in Produkt-Bestenlisten werden alle bislang getesteten Modelle, sortierbar nach Noten, Preis oder Beliebtheit, gelistet. Der Klassenspiegel lässt sich sehen, auf dem Markt tummeln sich kaum Problemräder.
Die Automatix von SRAM als einzige mechanische Automatiknabe zeichnet sich durch schnelle und saubere Schaltvorgänge aus, lässt aber eine klare Ausrichtung auf den Flachland-Einsatz erkennen. Bei Steigungen ist eine Unterbrechung der Trittkraft nötig. Unter den Pedelecs gilt der Verbund aus Bosch-Aggregat und stufenloser NuVinci-Nabe mit Harmony-Schaltglied als Dreamteam; zum einen wegen der geschmeidigen Schaltvorgänge, zum anderen, weil NuVinci-Naben dem kräftigen Bosch-Motor genug Robustheit entgegenzusetzen haben. Ein weiterer Vorteil ist, dass zwischen manuellem Schalten und Automatik gewählt werden kann. Die manuelle Option empfiehlt sich vor allem bergauf.
Welche Automatikschaltungen gibt es derzeit auf dem Markt?
Das Angebot an Automatikschaltungen beschränkt sich ausschließlich auf Nabenausführungen, Kettenschaltungen bleiben außen vor. Der Markt kennt zwei grundlegende Patente: mechanische Schaltungen, bei denen eine Fliehkraftkupplung in der Nabe abhängig von der Geschwindigkeit den Gang wechselt, und elektromechanische, bei denen ein kleiner Motor den Schaltzug bedient.
Die Gruppe der rein mechanischen Schaltungen bedient derzeit ausschließlich SRAM, dessen Automatix-Nabengetriebe nur zwei Gänge vorsieht und vornehmlich darauf abzielt, Singlespeed-Räder oder Beachcruiser durch eine zusätzliche, kleinere Übersetzung für ein leichteres Anfahren zu ergänzen. In der Sparte der Pedelecs mit Mittelmotor-Antrieb hat NuVinci die Nase vorn. Bei den als Harmony-Variante vertriebenen Naben N330 und N380 übernimmt ein kleines elektromechanisches Bauteil das Schalten, die Kommandos kommen von der Antriebseinheit bzw. dem Steuercomputer. Auch Shimano mischt auf dem Markt der Automatikschaltungen kräftig mit.
Bosch eShift: Automatikschaltung für E-Mountainbikes
Bosch erweitert sein Smart System um eine Automatikschaltung für E-Mountainbikes namens eShift. Bosch stellt mit der eShift-Funktion die Software bereit, TRP liefert die nötige Hardware in Form der neuen elektrischen E.A.S.I. A12-Schaltgruppe. Die 12-fach-Gruppe zieht ihren Strom direkt aus dem Hauptakku und hat eine Bandbreite von 520 %. Damit kann sie locker mit der Konkurrenz von SRAM und Shimano mithalten, die ebenfalls auf 520 % Übersetzungsbandbreite oder weniger setzen.
In Kombination mit der Software stehen einem dann verschiedene Schaltfunktionen zur Wahl wie Schalten ohne Pedalieren oder vollautomatisches Schalten. Beim vollautomatischen Schalten wird der Gang durch einen Schaltalgorithmus an die jeweilige Fahrsituation angepasst. Hält man den mittleren Button der Bosch Mini Remote gedrückt, lässt sich die Trittfrequenz zwischen 40 und 120 Umdrehungen in 5er-Schritten definieren. Für den Gangwechsel dreht der Motor das Kettenblatt selbständig an - das Hoch- und Runterschalten erfolgt damit automatisch.
Auf Trails kommt die Automatikfunktion von Bosch eShift dann jedoch schnell an ihre Grenzen. Steuert man auf einen steilen Gegenanstieg zu, reicht dem Schaltalgorithmus oft die Zeit nicht aus, um rechtzeitig in einen passenden Gang zu schalten. Autoshift eignet sich vor allem für gemütliche Touren in moderatem Gelände. So kann man sich voll und ganz auf das Fahren konzentrieren und muss keine Gedanken ans Schalten verschwenden.
E-Bikes mit Riemenantrieb und Automatik
E-Bikes mit Riemenantrieb und Automatik stehen für wartungsarmen Komfort, moderne Technik und ein intuitives Fahrerlebnis. Wer Wert auf einfache Bedienung, sauberen Antrieb und zuverlässige Unterstützung legt, findet in dieser Kombination eine überzeugende Lösung. Automatiksysteme übernehmen das Schalten automatisch und passen sich dem Fahrverhalten an. Ein Riemenantrieb ersetzt dabei die klassische Kette und punktet durch Langlebigkeit, leisen Lauf und minimale Wartung.
Ein Riemen besteht aus Carbonfasern. Er dehnt sich nicht, läuft ohne Fett und hält deutlich länger als eine herkömmliche Fahrradkette. Ein Riemenantrieb hat keine offenen Zahnräder. Dadurch verringert sich der Verschleiß an Ritzel und Kettenblatt. Ketten verursachen mehr Geräusche und verschleißen schneller.
Automatiksysteme erleichtern das Fahren besonders im Stop-and-Go-Verkehr. Auch an Steigungen oder bei häufigen Tempowechseln bleibt das Fahrgefühl gleichmäßig. Diese Kombination sorgt für hohen Fahrspaß und maximale Benutzerfreundlichkeit. Gerade bei Alltagsstrecken zeigt sich der Komfortunterschied deutlich. Wer Komfort sucht, findet in einem E-Bike mit Automatik eine willkommene Alternative zur Gangschaltung oder klassischen Nabenschaltung. Auch auf Touren oder in hügeligem Gelände entfaltet die Technik ihre Stärken.
Mehrere Marken kombinieren Riemenantrieb und Automatik in Serienmodellen. Riese und Müller zählt zu den bekanntesten Anbietern. Auch Kalkhoff bietet wartungsarme Lösungen mit hochwertigen Komponenten. Hercules, Diamant oder Wanderer führen ebenfalls E-Bikes mit automatischer Schaltung und Carbonriemen.
Enviolo vs. Pinion: Automatiksysteme im Vergleich
Die Enviolo Automatiq ist eine stufenlose Nabenschaltung, die vollautomatische Gangwechsel ermöglicht. Diese Automatik basieren auf Tretfrequenz, Geschwindigkeit und Drehmoment und sind in jedem Terrain möglich. Sie ist besonders benutzerfreundlich, da keine manuellen Gangwechsel erforderlich sind. Der Fahrer gibt die gewünschte Trittfrequenz über die App vor, und die Schaltung passt sich automatisch an.
Die Pinion MGU E1.12 besteht aus einem leistungsstarken E-Motor mit einem integrierten Schaltgetriebe, das als Block in der Rahmenmitte sitzt. Diese Konstruktion ermöglicht es, die Gänge intern und geschützt zu wechseln, was Defekte und Wartungsaufwand reduziert. Dabei muss das Hochschalten manuell über den Triggerhebel erfolgen, aber das Herunterschalten erfolgt automatisch. Steuerung erfolgt über Tretfrequenz, Drehmoment und Geschwindigkeit.
Beide Automatik-Systeme haben in den Tests im Trekking- und Stadteinsatz hervorragende Leistungen gezeigt und bieten durch ihre gekapselten Designs und verschleißarmen Riemenantriebe einen sorgenfreien Betrieb. Die Enviolo Automatiq ist besonders benutzerfreundlich und wartungsarm, eignet sich jedoch besser für Fahrer, die keine manuellen Eingriffe wünschen und steile Anstiege bewältigen wollen. Ihr Hauptnachteil ist, dass sie ohne Batteriestrom nicht funktioniert. Die Pinion MGU E1.12 bietet hingegen eine hohe Leistung und ist für anspruchsvolles Gelände ideal. Ihr Vorteil ist, dass sie auch ohne Batteriestrom schalten kann, was sie zuverlässiger in verschiedenen Situationen macht.
Zusammenfassung
Fahrräder mit Automatikschaltung bieten eine komfortable und intuitive Fahrerfahrung. Es gibt verschiedene Systeme auf dem Markt, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Die Wahl des richtigen Systems hängt von den individuellen Bedürfnissen und dem Einsatzzweck ab.
| System | Typ | Vorteile | Nachteile | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|---|
| SRAM Automatix | Mechanisch | Schnelle Schaltvorgänge | Eingeschränkter Einsatz in hügeligem Gelände | Flachland |
| NuVinci Harmony | Elektromechanisch | Geschmeidige Schaltvorgänge, Robustheit | - | Pedelecs |
| Bosch eShift | Elektromechanisch | Integration in Bosch Smart System | Begrenzte Trail-Tauglichkeit | E-Mountainbikes |
| Enviolo Automatiq | Stufenlos | Benutzerfreundlich, Wartungsarm | Funktioniert nicht ohne Batteriestrom | Trekking, Stadt |
| Pinion MGU E1.12 | Integriertes Schaltgetriebe | Hohe Leistung, Funktioniert auch ohne Batteriestrom | Manuelles Hochschalten erforderlich | Trekking, Stadt, E-MTB |
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