Fahrrad mit Beiwagen: Eine faszinierende Geschichte und moderne Anwendungen

Beiwagen fürs Rad üben eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Das merkt man schnell, wenn ein solches Gespann auf Fotos oder sogar im Verkehr auftaucht. Ein Seitenwagen fürs Rad ist eher selten und obwohl ich mich für alles rund ums Rad begeistere, habe ich über die Jahre nur wenige gesehen. Dabei müssen sie schon früh in der Geschichte aufgetaucht sein.

Historische Wurzeln und persönliche Erfahrungen

Es gibt viele Bilder von Fahrrad-Seitenwagen vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Und in den letzten Jahrzehnten, habe ich auch immer wieder Eigenbauten gesehen und sogar kleine Serienfertigungen, auch hier unmittelbar bei mir an der Küste. Als ich jetzt „Scandinavian Side Bike“ aus Dänemark gefunden habe, musste ich einfach zuschlagen. Die Beiwagen des Familienbetriebes aus der Nähe von Kopenhagen haben mich in Sachen Design und Technik schnell überzeugt.

Ich hatte versucht, einen Beiwagen zu konstruieren, der ohne Gelenk auskommt. Die Querkräfte, die auf das Fahrrad wirken, muss man aber begrenzen. In Hinblick auf das Gesamtgewicht und zum Beispiel durch die Konstruktion mit Hilfe einer Scharnierfunktion. Kleine Laufräder sind vielleicht weniger empfindlich für die seitlichen Kräfte. Eine zusätzliche Führungsstange, zum Beispiel am Unterrohr - neben der Befestigung am Hinterrad - ist gut, aber nicht unbedingt notwendig. Zumindest nicht bei geringer Zuladung.

Und wenn man einen Erwachsenen im Beiwagen chauffieren können will, sollten Rahmen und Sozius wahrscheinlich von vornherein als eine Rahmenkonstruktion entwickelt werden. So haben es auch die Brüder Krapf gemacht, deren legendäres Gespann selbst im Internet nur noch mit Vorwissen zu finden ist.

Vielfalt und Inspirationen

Weil Beiwagen fürs Rad sicher nie einen kommerziellen Siegeszug hinlegen werden, dürfte die Vielfalt in Einzelanfertigungen und kleinen Serien zu finden sein. Ich habe mir selbst auch einen kleinen Vorrat an geeigneten Materialien für ein schönes Winterprojekt hier bereit gelegt. Inspirationen habe ich unter anderem bei Pinterest zusammen getragen.

Vor einiger Zeit habe ich sogar einen kleinen Hersteller hier bei mir um die Ecke ausfindig gemacht, der seine Beiwagen überwiegend in Esens an der Nordseeküste konstruierte, fertigstellte und in einem kleinen Ladengeschäft verkaufte. Das ist schon einige Jahre her und die damalige Firma Velotrade scheint es so nicht mehr zu geben. Ich bin durch ein Fernsehbericht über die autofreie Insel Wangerooge auf die Gespanne aufmerksam geworden, die irgendwo im Hintergrund bewegt wurden.

Ob diese Modelle nicht nur für den Kindertransport, sondern auch für Hunde genutzt wurden, habe ich mich damals nicht gefragt. Dies scheint ein Haupteinsatzzweck vieler Käufer des dänischen Herstellers „Scandinavian Side Bike“ zu sein. Ich werde jetzt einmal schauen, wie praktisch so ein Beiwagen auf Touren mit Kids, für den Einkauf oder vielleicht mit dem einen oder anderen Fotohund ist. Ich frage mich auch: wie und wo lässt sich das Teil gut verstauen, wie oft und für welchen Zweck baut man es an?

Moderne Beispiele: Smike, Bad Bike und Mod Easy Sidecar

Der Beiwagen von Velotrade macht das eigene Fahrrad zur Rikscha. Hergestellt und vertrieben wird die Lösung so wohl nicht mehr. Mit dem Smike aus der Schweiz transportiert man die Oma oder den Bierkasten im stabilen Seitenwagen. Will man allein fahren, verwandelt man es mit wenigen Handgriffen in ein Tourenrad.

Bad Bike baut ein Rad mit Beiwagen. Ein E-Bike mit Beiwagen - das sieht deutlich cooler aus als ein Lastenrad oder ein Anhänger. Vor allem dann, wenn das Gespann in Militär-Oliv geordert wird. Der italienische Hersteller Bad Bike ist auf Fatbikes - also Räder mit breiten Reifen - und stylischen Rahmen spezialisiert. Solche Räder sind etwas für Kunden, die einen Hingucker suchen, mit dem sie auffallen.

Neben dem Standardmodell im typischen Cruiser-Look, wartet Bad Bike mit einer Besonderheit auf: Einem Rad mit Beiwagen. Es wirkt wie die Miniaturausgabe eines Motorrad-Gespanns - im matten Oliv erinnert es an die Modelle aus dem Zweiten Weltkrieg. Neben dem Platz auf dem Sattel, hat das Bike also einen Beiwagen, in dem Lasten, ein kleines Kind oder ein Hund mitgenommen werden kann. Ein Erwachsener passt nicht in das Wägelchen und wäre auch zu schwer.

Wie bei all diese Miniserien wird für den Antrieb ein Motor in der Hinterradnabe benutzt. Der Nachteil an dem chinesischen Bafang-Motor ist das vergleichsweise geringe Drehmoment von nur 40 Newtonmetern. Das ist kein Motor, der für ein schweres Lastenrad prädestiniert ist. In Märkten wie den USA funktionieren solche Konzepte besser, dort sind die gesetzlichen Regelungen anders als in den EU-Staaten. Es darf etwa ein 750-Watt-Motor eingebaut werden.

Doch auch mit 250 Watt Leistung und 40 Newtonmeter Drehmoment wird sich das Rad bewegen lassen. Nur in Gegenden mit längeren und starken Steigungen wird dem Motor die Puste ausgehen. Der Hauptnachteil an dem schicken Konzept ist nicht das fehlende Drehmoment, sondern die Breite. Hier fährt der "Anhänger" nicht hinter, sondern neben dem Rad. Entsprechend eng wird es dann auf dem Radweg. In Deutschland werden auch gern Metallbügel vor Straßenübergängen quer zum Radweg gebaut, um die Radler herunterzubremsen. Solche Hindernisse dürfte man gar nicht passieren können.

Der Beiwagen ist nicht starr verbunden, sondern federt in der Aufhängung am Rad - man kann sich also weiterhin etwas in die Kurve legen. Von den Videoaufnahmen aus geurteilt, lässt sich der Seitenwagen montieren und demontieren. Das ist aber mit mehr Aufwand verbunden als bei der Kupplung eines Radanhängers. Die 250-Watt-Version kostet 3599 Euro.

Vergleicht man das Schweizer Fahrrad mit dem Beiwagen mit einem Pferd, dann ist das Smike der Haflinger im Stall. Es ist robust, zuverlässig, zieht souverän seinen Beiwagen, hat eine solide 7-Gang-Nabenschaltung und ist frei von jeglichem Schnick Schnack. Gerade am Anfang macht es das Gespann seinem Fahrer nicht leicht, es zu mögen. Sobald der Beiwagen angedockt ist, zieht dieser das Rad konsequent nach rechts, selbst ohne Mitfahrer. Es braucht drei, vier Versuche bis man das umsetzen kann, was der Beiwagen verlangt: Gewicht nach links verlagern, damit das Rad geradeaus fährt.

Das ist fremd. Aber nach ein, zwei Tagen hat man sich an die Fahrtechnik gewöhnt. Über das Gegenlenken denkt man dann nicht mehr nach, und das Smike-fahren macht Spaß, vor allem mit der Elektro-Version. Ist der Motor eingeschaltet, braust das Rad, bei leichtem Druck aufs Pedal und gleichzeitigem Dreh aus dem Handgelenk, sofort los. Die 25 km/h schafft es in der Ebene zügig und ohne große Kraftanstrengung. Man tritt locker in die Pedale, um die Geschwindigkeit zu halten und plaudert unterdessen mit dem Beifahrer.

Ohne Motor ist das anders. Besonders beim Anfahren spürt man das zusätzliche Gewicht von Beiwagen und Mitfahrer in den Oberschenkeln. "Leichte Menschen können schwere Passagiere manchmal kaum um die Kurve hieven", sagt Smike-Händler Bernhard Kunath. Deshalb sollte das Gewicht bei Fahrer und Beifahrer einigermaßen ausgeglichen sein. Für bergige Touren braucht der Rikscha-Fahrer Kondition, sonst muss er schieben.

Buchautor Thomas Bauer war von diesem Fahrrad begeistert und ist mit dem Smike 3600 Kilometer von Laos, über Kambodscha, Thailand und Malaysia bis nach Singapur gefahren - über Sandpisten und durch Schlaglöcher. "Das Smike rauschte da einfach durch", sagt er. Bauer ist sportlich, aber kein Pedalist. Aber seine Idee, mit einer Rikscha durch Südostasien zu fahren, gefiel der Smike-Erfinderin Rita Suter. Schließlich hat die Schweizerin die Idee für die Rikscha selbst von einer Mexiko- Reise mitgebracht. Sie wollte für Europa ein Fahrradgespann konstruieren, das für Lasten wie für Mitfahrer geeignet ist.

Suter rüstete Globetrotter Bauer mit einem Smike aus. Der packte Zelt und Rucksack in den Beiwagen, schnallte noch einen kleinen Rucksack auf den Gepäckträger und fuhr los. Schmale Wege musste er allerdings meiden. Dafür ist die Rikscha zu breit. Von der Kurbel bis zur Radnabe des Beiwagens misst sie einen Meter. Damit ist sie selbst für deutsche Fahrradwege ein ziemlicher Koloss. Ein Radfahrstreifen muss hierzulande mindestens 1,5 m breit sein.

Ein großer Vorteil der Rikscha ist ihre Neigetechnik. Vollbeladen und bei hohen Geschwindigkeiten hat der Fahrer richtig Arbeit. Um das Rad um die Rechtskurve zu bringen, muss er sich weit über den Beiwagen legen, immer Richtung Schoß seines Mitfahrer. Die zusätzlichen Kräfte, die der Doppelrohrrahmen in den Kurven aufnehmen muss ohne sich zu verwinden, sind recht ansehnlich. 75 Kilogramm dürfen in den Beiwagen geladen werden.

Um die Kräfte optimal zu verteilen, wurden für die Ankopplung des Beiwagens zwei Punkte gewählt, die möglichst weit auseinander liegen. Der Beiwagen wird vor dem Tretlager und auf Höhe der Hinterradnabe montiert. Die Rikscha ist ein Nischenprodukt, das vor allem dafür geeignet ist, mit Freunden oder Verwandten, die nicht mehr selbst Rad fahren können, Ausflüge ins Grüne zu unternehmen. "Man kann damit aber auch Lasten oder seine Kinder transportieren", sagt Kunath.

Motorräder mit Sozius im Beiwagen sieht man immer wieder. Mit dem Mod Easy Sidecar 3 aus den USA könnte auch bald ein E-Bike mit Beiwagen auf unseren Straßen zu sehen sein. Als Beifahrer kann sogar ein leichter Erwachsener mit maximal 69 kg mitfahren. Ins Auge fällt das E-Bike nicht nur durch den Beiwagen, sondern auch durch das von einem Motorrad inspirierte Vintage-Design. Am auffälligsten ist das einem Motorrad nachempfundene Oberrohr. Das schwarze Modell hat rote Akzente an den Reifen. Alternativ gibt es eine Variante in Army Green.

Ins Auge fällt der stylische Selle Royal Gelsattel in Lederoptik. Das selbst Bike wiegt 35 kg und kann mit maximal 135 kg beladen werden. Der Beiwagen hat ein Leergewicht von 19 kg und darf mit maximal 68 kg beladen werden. Seine Maße betragen 110 x 72 x 54 cm. MOD bietet dafür einen Kindersitz und der Wagen ist „Pet ready“. Dafür gibt es eine Vorrichtung, an der man die Hundeleine befestigen kann. Angetrieben von einem 750 W Motor mit 69 Nm fährt das Gespann mit Aluminiumrahmen bis zu 45 km/h. Damit das Beiwagen-E-Bike in der EU unterwegs sein düfte, müsste es daher eine angepasste Version geben.

Der Fahrer kann aus fünf Unterstützungsstufen wählen. Der integrierte Drehmomentsensor sorgt für ein natürliches Fahrgefühl. Mit dem 720 Wh Samsung Powerpack Akku sollen Reichweiten zwischen 75 und 160 km erreichbar sein. Zum Laden kann der Akku entnommen werden. Bei den Bremsen handelt es sich um 180 mm hydraulische Scheibenbremsen. Gröbere Stöße und Unebenheiten werden von der integrierten Federung abgefangen.

Ein Knackpunkt beim Mod Easy Sidecar ist sicherlich die Gesamtbreite. Mit Beiwagen misst das Gespann stolze 130 cm. Sich damit durch den engen Stadtverkehr schlängeln? Eher schwierig. Die Fahrt auf dem Fahrradweg wäre allerdings in Deutschland kein Problem. Natürlich lässt sich das Bike auch „solo“ ohne Beiwagen fahren. Dafür wird der Beiwagen abgekoppelt und darf zuhause in der Garage bleiben.

Das Mod Easy Sidecar ist standardmäßig mit einem stabilen Ständer, Schutzblechen, einer Klingel und einem Display ausgestattet. Am Rahmen sind Vorrichtungen angebracht, um eine Wasserflasche, ein Schloss oder eine Pumpe anzubringen. Natürlich ist das E-Bike auch mit Beleuchtung ausgestattet. Das MOD Easy ist von der Geometrie als „One size fits all“ konzipiert und passt für Menschen zwischen 158 und 206 cm. Sitz und Lenker lassen sich an den Fahrer anpassen.

Bestellbar ist das E-Bike über die Webseite des Herstellers MOD. Den Preis geben die Amerikaner mit gut 3900 Euro an. Das MOD Easy Sidecar ist nicht das erste uns bekannte E-Bike mit Beiwagen. Vor einiger Zeit hatte bereits Bad Bike aus Italien mit dem Beach Vintage Side Fat ein solches E-Bike gezeigt. Trotzdem dürfte das Konzept ein Nischenprodukt bleiben.

Produkteigenschaften im Überblick

Kategorie Zwei-Rad Roller
Anwendbare Leute Unisex
Faltbar Ja
Höchstgeschwindigkeit 21-30km/h, 30-50 Km/h, 25-30 km/h
Akku-Kapazität < 10Ah
Strecke pro Gebühr 30-40km
Aufladenzeit 4-5 Stunden

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