Fahrrad mit Hilfsmotor: Eine Reise in die Geschichte der motorisierten Zweiräder der 1950er Jahre

Immer mehr E-Bikes erobern unsere Straßen und Radwege. Wer jetzt denkt, dass E-Bikes eine Erfindung der Neuzeit sind, irrt. Doch eine neue Erfindung sind sie nicht. Schon vor über 100 Jahren gab’s Fahrräder mit Hilfsmotor.

Die Anfänge der Motorisierung: Von England nach Deutschland

Bereits im Jahre 1913 bot die englische Firma Wall Auto-Wheels in England eine motorisierte Fahrunterstützung an. Wie an dem Modell in der Ausstellung zu sehen ist, wurde ein Gestell mit drittem Rad und Motor an den hinteren Fahrradrahmen befestigt. Der 118 ccm Viertaktmotor soll das Motorschieberad auf eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h angetrieben haben.

Im Jahre 1923 wurde in der deutschen Rechtsprechung erstmalig von Fahrrad mit Hilfsmotor gesprochen. In der Ausstellung sind auch Motorfahrräder, wie sie damals hießen, der Marken Opel (1922), Cockerell (1924), ÖWA (1925), Express (1931) und Puch (1938) ausgestellt.

Der Boom der 1950er Jahre: Wirtschaftswunder und motorisierte Fahrräder

Nach dem 2. Weltkrieg erlebten die Fahrradhilfsmotoren und in den 1950er Jahren auch die Mopedindustrie einen Boom. Autos konnte sich kaum jemand leisten und so gab es viele Anbieter von Anbaumotoren und Mopeds.

Aus der Not heraus entstand ein Boom für Fahrrad-Hilfsmotoren.

Der "Flink" aus Varel

Der Fahrradhilfsmotor "Flink" wurde damals schnell über die Grenzen Deutschlands von der radelnder Welt mit Begeisterung begrüßt. Das Vareler Werk in Neuewege kam mit der Monatsproduktion von 1000 Hilfsmotoren der Nachfrage nicht hinterher.Selbst ausländische Beobachter hatten das Vareler Motorenwerk aufgesucht, um persönlich Lieferverträge mit der Werksleitung abzuschließen. Für die Produzenten war es ein erfreulicher Beweis für die Richtigung ihres Fertigungsprgrammes.Mit dem damaligen Preis-Leistungs-Verhältnis konnte der "Flink" Motor auch im Ausland gegen jede Konkurrenz bestehen.Im Oktober 1950 entstand ein neuer Entwurf auf der "Flink" Fabrikationsmarke. Sie wurde im oberen Bereich mit dem Vareler Stadtwappen ergänzt. Die Marke in den Farben Blau und Silber entsprach ebenso den Vareler Stadtfarben. Mit der lebhaften Marktbelieferung reiste somit das Vareler Stadtwappen durch die ganze Bundesrepublik und natürlich auch ins Ausland.

Rex: Vom Radfix zum Marktführer

Der Autor Walter Zeichner erzählt in "Vom Radfix zum Rex" die Geschichte des Rex-Motoren-Werks in München und Possenhofen, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Marktführer für Hilfsmotoren und später für Mopeds in Deutschland entwickelte.

1950 erwarb die Firma das Schloss Possenhofen am Starnberger See und wurde zur Produktionsstätte. Bis zu 900 Mitarbeiter beschäftigte die Firma.

Nachdem die Firma „Rex-Motoren-Werk München GmbH“ bereits mit ihren Hilfsmotoren für Fahrräder große Erfolge feiern durfte, arbeitete man zu Beginn der 1950er Jahre mit Elan an der Serienreife des von Max Seyffer, dem Gründer des Unternehmens, projektierten Motor-Fahrrads, dem späteren Moped. Das neue Rex-Motoren-Werk in München war zwar nunmehr mit hohem Aufwand in eine moderne Produktionsstätte für die Massenherstellung kleiner Zweitaktmotoren verwandelt worden, jedoch konnte es für den geplanten Einstieg in die Fertigung kompletter Fahrzeuge nicht weiter ausgebaut werden.

Kurt Bagusat, der inzwischen gemeinsam mit seinem Bruder Erich die Leitung des Rex-Motoren-Werks übernommen hatte, hatte seine Leidenschaft für den Pferdesport entdeckt und wurde im Zuge seiner Mitgliedschaft im Reitsportclub Possenhofen auf eine ganz besondere Immobilie aufmerksam: das Schloss Possenhofen, das noch heute vor allem mit Kaiserin Elisabeth von Österreich in Verbindung gebracht wird. Neben dem kleinen Schloss und der zugehörigen Kapelle gab es hier einen großen Wirtschaftsbau, zwar in schlechtem Zustand und teilweise schon genutzt, aber mit viel Platz und Potenzial. Seit Kriegsende beherbergte die Anlage ein staatliches Versehrtenkrankenhaus und bot darüber hinaus Flüchtlingsfamilien Obdach. Am 3. November 1950 gingen das Schloss und die zugehörigen Ländereien für einen relativ geringen Betrag an die Brüder Bagusat. Unter ihrer Regie wurde nun ein großer Teil des Erdgeschosses des „Hufeisenbaus“ in eine Produktionsstätte für Mopeds umgebaut, der Innenhof wurde als Lager- und Montagehalle überdacht und in einem Flachbau oberhalb der Versehrtenbaracken wurde die Lackiererei und die Galvanisierung eingerichtet. Am 30. Januar 1952 erfolgte dann die Gewerbeanmeldung und die Inbetriebnahme der Fahrzeug-Montage und -Fertigung. Bald schon verließen die ersten Mopeds, damals noch „Motor-Fahrräder“ oder „Mofas“ genannt - die Bezeichnung „Moped“ wurde erst Anfang 1953 eingeführt -, das Werk Possenhofen.

Paul Paffrath und die "Eilenriede 35"

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Paffrath in den 1950er Jahren einen Fahrradhilfsmotor namens "Eilenriede 35".

Anfang der 1950er Jahre entwickelte er zunächst die "Eilenriede 35", ein Viertakt-Fahrradhilfsmotor mit 35 ccm Hubraum. 1951 auf der "Internationalen Fahrrad- und Motorradausstellung" in Frankfurt am Main vorgestellt wurde, kam 1952 in die Läden. Die Patentanmeldung erfolgte bereits am 12.11.1949.

Infolge von Absatzschwierigkeiten, sollte die Feinbau Maschinen-G.m.b.H. aus Winterbach bei Stuttgart den Fahrradhilfsmotor in Lizenz unter dem Namen "Ideal" produzieren. 04.06.1954 teilte die Fa.

Unter dem Namen "Fantom" wurde später auch versucht, den Hilfsmotor auf dem skandinavischen Markt zu verkaufen. Dabei handelte es sich ebenfalls um einen Lizenzbau, diesemal von der Fa. "Der Fantom, der einzige 4-Takt-Fahrradmotor in Norwegen, hat 1,4 PS bei 4.800 U/min und ist damit außergewöhnlich stark - und das bei einem Gewicht von nur 6,5 kg. Lizenz gebaut wird, sind Ersatzteile immer verfügbar. Fantom hat eine Gangschaltung für Steigungen und Verkehr. Fantom hat einen eingebauten Scheinwerfer. auf winterlichen Straßen gut. Das Hinterrad ist frei für Gepäcktaschen und Gepäck.

Der Motor, kombiniert mit Tank und Lichtanlage, sitzt gefedert auf dem Vorderrad.

Das Vélosolex: Eine französische Ikone

Le Vélosolex ist bis heute Kult in Frankreich und ist eine Legende, die eng mit der Nachkriegsgeschichte des Landes verbunden ist. Bereits 1946, und damit mehr als ein halbes Jahrhundert vor den heutigen E-Bikes, wurde dieses motorisierte Fahrrad in Frankreich eingeführt. Der Vélosolex, das auch als Solex oder Micron bekannt ist, verfügt über einen kleinen Benzinmotor, der an der Vorderradnabe montiert ist. Der Motor ist über eine Reibrolle mit dem Rad verbunden. Im Laufe der Jahre wurde der Vélosolex zu einer beliebten Wahl für Pendler, Studenten und alle, die ein einfaches und effizientes Transportmittel suchten.

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde der Vélosolex in Frankreich zu einer kulturellen Ikone.

Jean Pauly sammelt seit über fünfzehn Jahren Vélosolex-Fahrzeuge. Der ehemalige deutsche Rechtsanwalt besitzt mehr als 40 Vélosolex-Räder zwischen seinem Ferienhaus in Penmarc’h und seinem Hauptwohnsitz in Deutschland. In einem von ihm selbst renovierten Schuppen in Saint-Guénolé beschloss er, sein privates Vélosolex-Museum einzurichten und so seine Leidenschaft öffentlich präsentieren zu könnten.

Trotz seiner Beliebtheit musste sich der Vélosolex der Konkurrenz anderer Verkehrsmittel stellen, und die Produktion des Fahrrads wurde Anfang des 21. Jahrhunderts eingestellt. Der Vélosolex ist jedoch nach wie vor ein wichtiger Teil der französischen Kultur und Geschichte und genießt bei Liebhabern und Sammlern nach wie vor hohes Ansehen.

Das Deutsche Fahrradmuseum

In einer alten Jugendstilvilla im Kurort Bad Brückenau wird die wohl umfangreichste Fahrradsammlung in Deutschland präsentiert. Anhand von über 230 ausgestellten Zweirädern, zeitgenössischer Plakate und Zubehörteilen wird die Geschichte des Fahrrades seit den Anfängen im 18.

Neben Fahrrädern bilden die Fahrrad-Hilfsmotoren und Mopeds einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung. Das Deutsche Fahrradmuseen zeigt eine sehr umfangreiche Sammlung zu diesem Themenbereich.

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