Fahrrad mit Hilfsmotor in der DDR: Eine historische Betrachtung

Der Grundstein einer langen Ära mit vielen Höhen und Tiefen wurde gelegt. Am 13. lässt der junge Ingenieur seine neue Maschinenfabrik bauen. Die Fabrik wird umbenannt in „Zschopauer Maschinenfabrik J.S. Rasmussen“.

Die frühen Jahre: DKW und der Fahrrad-Hilfsmotor

Wie viele andere Fabriken auch, musste im Ersten Weltkrieg für die Rüstung produziert werden. Dabei wurde neben der Herstellung von Granatzündern versucht, dem Dampfautomobil zum Durchbruch zu verhelfen. Ein nächster Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens: Der Bau von Zweitakt-Spielzeugmotoren. Auf der Leipziger Messe werden die Motoren erstmals vorgestellt.

Ein 1 PS Fahrrad-Hilfsmotor wird entwickelt und damit stand das Kürzel DKW für „Das kleine Wunder“. Die Fabrik erhielt den Namen: Zschopauer Motorenwerke J.S. Rasmussen. Mit den Sesselrad-Modellen Golem und Lomos wurden die ersten Vorläufer der Motorroller gebaut, was aber kein großes Geschäft für die Zschopauer war.

Die eigentliche Motorradproduktion in Zschopau beginnt. Das erste Motorrad, genant „Reichsfahrtmodell“, mit einem 148 ccm Zweitaktmotor und echten 2,5 PS verlässt das Werk. Das DKW-Stahlmodell SM war richtungsweisend für die Entwicklung des Motorradbaus. Das 50.000ste DKW Motorrad wurde gebaut. Erstmalig im Motorradbau wird ein Montage-Fließband eingeführt. Die Rennsportabteilung wird gegründet.

Expansionen durch Firmenaufkäufe hat es schon damals gegeben, und so übernimmt DKW das gesamte Aktienpaket der Audi-Werke AG Zwickau. Der Höhepunkt der Motorradproduktion mit 60.000 Stück ist erreicht. In den umliegenden Orten von Zschopau entstehen zahlreiche Zweigwerke. Die Weltwirtschaftskrise trifft auch DKW hart. Der Motorradabsatz geht drastisch zurück, aber durch die breite Produktpalette, die unter anderem immer noch von Kfz-Zubehör bis hin zu Kühlschränken reicht, können größere Verluste aufgefangen werden.

Am 01.01. wird die AUTO UNION gegründet, bestehend aus den Unternehmen: Audi, Horch, Wanderer und DKW. Das Firmenzeichen 4 ineinander verschlungene Ringe finden bei Audi noch heute Anwendung. Erwerb der Allein-Lizenz des von Prof. Auch in Anbetracht des Zweiten Weltkrieges muss für die Rüstung produziert werden.

Zu diesem Zeitpunkt sind 34,6% aller im Deutschen Reich zugelassenen Motorräder DKW, der Erfolg ist zurückzuführen auf die Unverwüstlichkeit, geringen Anschaffungspreis, niedrige Unterhaltungskosten, Zuverlässigkeit und eine ansprechende Optik. Das nationalsozialistische Regime verursacht Devisenmangel, DKW bekommt nur ein begrenztes Kontingent an Motorradreifen zugewiesen und so werden weniger Motorräder produziert, als verkauft werden könnten. Die Produktion von „zivilen Luxusfahrzeugen“ wird eingestellt.

Die Produktion des meistverkauften DKW Modells RT 100 wird zugunsten der neu entwickelten RT 125 und NZ 350 eingestellt. In diesem Jahr ersetzen stationäre Motoren und Löschaggregate für die Wehrmacht die stetig abnehmende Fertigung von Motorrädern. Das Werk übersteht den Krieg unzerstört. Sowjetische Truppen besetzen Zschopau und das Werk.

Die IFA-Zeit und der Wiederaufbau

Trotz auswegloser Situation gibt es Leute die an die Wiederaufnahme einer Motorradproduktion glauben. Und man atmet auf, als ein Umzug in die miserablen Gebäude des ebenfalls demontierten Zweigwerkes Wilischtal möglich wird. Die IFA wird gegründet und die Währungsreform findet statt, was ein heftiger Schlag für den noch jungen Betrieb war, denn von nun an war der Einkauf von Material und Werkzeug in den Westzonen nicht mehr möglich.

Der 05.08. ist ein Freudentag für die damals 445 Arbeiter und Angestellten von IFA-DKW. Das erste Modell der IFA-DKW RT 125 wird wieder gebaut, die erste Maschine nach dem Krieg, die erste Maschine nach totaler Demontage. Aufgrund ministerieller Weisung verschwinden die Buchstaben DKW aus dem Firmennamen. Der erste Zweitakt-Zweizylinder-Boxer mit Kardanantrieb, die BK 350 läuft vom Band. Die Produktionsbedingungen verbessern sich zusehends.

Mit der Inbetriebnahme einer vollautomatischen Taktstraße zur Bearbeitung von Motorgehäusehälften konnte die verbesserte RT 125/1 produziert werden. Ein Kettenschutz, in welchem die Kette voll gekapselt und vor Schmutz und Schmiermittelverlust geschützt ist, wird patentiert. Auf der 125er Rennmaschine werden 5 Klassensiege errungen. Der Grundstein für die wohl populärste Geländesportveranstaltung wird gelegt.

Die Modellpalette wird nun um Modelle, wie ES 250, ES 175 und die wiederum verbesserte RT 125/2 erweitert. Die Modellpflege brachte die weiterentwickelte MZ * 125/3 und MZ * 15/4 MZ * 125/3 und MZ * 15/4 hervor. Die Produktion der RT 125 und MZ * 125/3 läuft aus und wird durch die ES 125/150 ersetzt. In den 12 Produktionsjahren wurden 310.800 Modelle gefertigt.

Die Fertigungsanlagen erfahren eine umfangreiche Modernisierung, unter anderem werden eine automatische Phosphatieranlage eingebaut, eine Fließstraße mit elektrostatischer Lackierung sowie Infrarot-Trockenöfen.

MZ: Erfolge und Herausforderungen

Präsentation eines MZ-Wankelmotors *. Fertigung des 500.000ste MZ-Motorrad *, 1. MZ * erreicht eine Jahresproduktion von 63.700 Motorrädern. Der Export-Anteil beträgt 50%. Auf der Leipziger Herbstmesse erhält MZ * für die TS 250 eine der vielbegehrten Goldmedaillen für Spitzenexponate.

Trotz des kalten Krieges, ist das Geschäft mit dem Versandhaus Neckermann erfolgreich. Die Modellpalette umfasst zahlreiche Spezialausführungen, zeitweilig gibt es 65 Modellvarianten. Nach dem dritten Produktionsjahr werden verbesserte TS-Modelle produziert. Zu den MZ *-Export-Ländern gehören auch Länder wie Ägypten, Iran und Irak. Ganz gleich ob in den Bergen Kurdistans oder in den Wüsten im Westen des Landes, überall zwischen Euphrat und Tigris machen sich MZ * Motorräder einen guten Namen.

Die ETZ 250 mit 21 PS schließt die TS Reihe ab, bis dahin war die ES 150 das meistproduzierte Motorrad. Mehr als 300 Maschinen verlassen täglich die Fertigung, aber aufgrund von Materialmangel sind die Kapazitäten noch immer nicht voll ausgelastet. 3.200 Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz.

Das Ende der DDR und die Privatisierung

Die Deutsche Einheit, Einführung der DM … schwere Zeiten für MZ *. Die Treuhandanstalt privatisiert die volkseigenen Betriebe, so auch MZ *. Aus dem VEB Motorradwerk Zschopau wurde die MZ GmbH *. Der drastische Produktionsrückgang zog Massenentlassungen nach sich. Es gab nur noch 1.950 Mitarbeiter.

Die Betriebsleitung wehrt sich gegen das Sanierungskonzept der Treuhand, das eine Motorradproduktion mit nur noch 250 Beschäftigten vorsah. Am 18.12. lässt sich das Aus für MZ * nicht aufhalten. Am 01.07. wird die Motorrad- und Zweiradwerk GmbH, kurz MuZ unter Petr-Karel-Korous gegründet. Bereits im Herbst wird eine neue Modellpalette vorgestellt. Es gab zeitweilig 250 Mitarbeiter.

MuZ und die Zeit nach der Wende

Der Elektroroller Charly sowie die Skorpion-Reihe werden der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Verwaltung zieht nach Hohndorf um und von nun an wird im neuen Motorradwerk gefertigt. Auszeichnung für erfolgreiches Marketing. Das erneute Ende droht! Der malaiische Konzern Hong Leong übernimmt MuZ nach dem Konkurs.

Seit 1993 nimmt MuZ am Supermoto Cup teil. 1996 kommt Elli Bindrum auf Platz 3 der Gesamtwertung. Wieder 2 erste Plätze am A1 Ring für MuZ. Die Skorpion-Modellpalette wird ergänzt durch die Enduro Baghira und das Funbike Mastiff ebenso basierend auf dem 660 ccm Motor von Yamaha. Der Roller Moskito und die MuZ 125 Sport Star ergänzen das Programm.

Auf der Intermot wird der erste selbstentwickelte Viertakt-Motor mit 125 ccm vorgestellt. MuZ steigt in Zusammenarbeit mit Swiss-Auto in die Königsklasse des Motorradrennsports, den Grand Prix der 500er Klasse, ein. Das erste von MZ * komplett eigenentwickelte und gebaute Motorrad, die MZ * RT 125, wird der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Hong Leong erhöht das Kapital, so dass eine Erweiterung der 125er Modellpalette die nötige Rückendeckung erhält. Im Februar präsentiert MZ auf der Motorradmesse in Leipzig die Studie einer GP- Rennmaschine. Zur Förderung des Sportfahrernachwuchs wird ein „Youngster Cup“ mit seinem ersten Rennen in St. Wendel ins Leben gerufen. Im August wird von Hong Leong Ind.

Ab dem 1. Januar wird R. Vasuthewan als Geschäftsführer von Hong Leong Ind. eingesetzt. Die MZ * 1000S beweist ihre hohe Zuverlässigkeit beim Einsatz im 24h Rennen zur German Speedweek in Oschersleben. Am 2.Januar beginnt Dr. Zudem startet die Produktion der 1000SF (Super Fighter), eines „Naked Bikes“ und später im April ebenfalls die Produktion einer Tourenmaschine 1000ST (Super Traveller).

Im August erfolgte die Produktion der 10.000sten MZ 125 SM und SX. Am Ende des Jahres geht R. Vasuthewan in den Ruhestand. Der neue Geschäftsführer macht klar, dass nur die Verkaufszahlen über die Zukunft entscheiden. Dr. Im November wird bekanntgegeben, dass weitere Entlassungen folgen werden. Nur etwa 40- 50 Beschäftigte verleiben im Unternehmen.

Bernd Böttger und seine Flucht mit dem "Mini-U-Boot"

Bernd Böttger, ein Erfinder aus Sebnitz bei Dresden, entwickelte in den 1960er Jahren ein "Mini-U-Boot" mit einem Hühnerschreck-Motor, um aus der DDR zu fliehen. Seine abenteuerliche Flucht über die Ostsee im September 1968 erregte großes Aufsehen und machte ihn in Westdeutschland bekannt.

Böttger experimentierte mit einem MAW-Hilfsmotor, dem populärsten Fahrrad-Hilfsmotor der DDR, um sein U-Boot anzutreiben. Er modifizierte den Motor, um ihn wasserdicht zu machen und mit einem Schnorchel für die Luftzufuhr zu versehen. Nach mehreren Tests in Seen und der Ostsee unternahm er schließlich seine Flucht, die ihn zu einem dänischen Feuerschiff führte.

Motorsportliche Erfolge mit DKW Hilfsmotoren

Schon mit den ersten Hilfsmotoren wurde Motorsport betrieben. Mit einem solchen Fahrrad mit DKW Hilfsmotor gewann der Berliner Max Hucke die ADAC-Reichsfahrt im Jahr 1921. Zum Abschluß gab es noch ein Bergrennen auf den Königsstuhl mit bis zu 12 Prozent Steigung, das Hucke mit der schnellsten Zeit absolvierte.

In einem Artikel für eine Fahrzeug-Fachzeitschrift berichtete der Konstrukteur Hermann Weber 1940 von seinem ersten Entwurf für eine DKW-Rennmaschine mit Hartholz-Rahmen und fügte eine Skizze von 1922 bei. Dem Fahrzeug-Restaurator und Sammler sächsischen technikhistorischen Kulturgutes, von Zeichnungen, Prospekten und Unterlagen jeglicher Art - Frieder Bach - fiel der Artikel in die Hände. Das von ihm geschaffene Unikat ist im Museum für sächsische Fahrzeuge in Chemnitz zu sehen.

Im Jahr 1922 wurden vermutlich vier Exemplare eines ersten “Werksrenners” gebaut, die dem Reichsfahrtmodell ähnlich waren. Neben getunten Motoren hatten sie einen kürzeren Radstand und eine “käferhafte Gesäßverlängerung”, die als aerodynamischer Windabzugskasten Vorteile in Sachen CW-Wert bringen sollte. Fahrer wie Alfred Urban, Walter Ebstein, Willy Thiele und Joseph Simson erzielten darauf Erfolge, wie Steffen Ottinger in seinem Buch zu berichten weis. Auch der Konstrukteur Weber selber und der Einfahrmeister Hans Sprung waren bei den unzähligen Wettbewerben dabei.

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