Seit einigen Jahren gibt es Fahrräder mit Riemenantrieb. Sie fällt meist erst auf, wenn sie abspringt oder quietscht, die Antriebskette am Fahrrad. Oft wird sie dann wieder mühsam auf die Ritzel gehoben und geölt. Danach sind zwar die Hände meist schwarz, aber das Rad läuft wieder einwandfrei - bis zur nächsten Panne.
Seit etwa zehn Jahren gibt es eine Alternative zur Fahrradkette mit ihren vielen einzelnen Gliedern: Riemen. Wir erklären die Vor- und Nachteile der beiden Antriebsarten fürs Fahrrad.
Kettenantrieb
Die meisten Fahrräder, ganz gleich, ob Mountainbike, E-Bike, Rennrad, Trecking- oder Kinderfahrrad, setzen auf Ketten. Ketten sind fast überall verfügbar, je nach Einsatz günstig und lassen sich in der Länge variieren. Dafür müssen lediglich einige Kettenglieder entfernt oder hinzugefügt werden. Damit lässt sich eine Kette in jedem Fahrradrahmen verbauen, selbst wenn die Tretkurbel außerhalb des Rahmens und das hintere Ritzel innerhalb des Rahmens liegen.
Eine gut geschmierte, frische Kette mit einer Kettenschaltung erzielt wegen geringerer Reibungsverluste sogar einen besseren Wirkungsgrad als ein Riemen. Heißt: von der Beinkraft kommt mehr Power am Hinterrad an. Bei Schaltungsketten ermöglichen verschiedene Ritzel (hinten) und Kettenblätter (vorne) eine Veränderung des Übersetzungsverhältnisses.
Je nach Modell halten sich die Anforderungen an die Pflege in Grenzen: Ein, zwei Mal im Jahr ölen und gegebenenfalls nachspannen, fertig. Bei schlechter Pflege und Dauerfahrten bei Regen, Schnee und Matsch kann die Kette jedoch rosten. Sie fängt dann an zu quietschen und kann bei einem oder mehreren steifen Kettengliedern leicht von der Kette springen. Zudem längt sich jede Kette sukzessive und muss daher regelmäßig nachgestellt oder ersetzt werden.
Denn während der Bewegung nutzen sich die Verbindungsbolzen ab und das Spiel wird größer. Günstige Ketten kosten ab rund zehn Euro, spezielle Ketten mitunter mehr als 70 Euro. Dazu kommen je nach Rad neue Ritzel und Kettenblätter. Denn die verschleißen ebenfalls mit der Zeit.
Bei ausreichender Pflege und je nach Einsatz, Schalthäufigkeit sowie Antrittsstärke halten Ketten bis zu 10.000 Kilometer. Klingt viel? Ambitionierte Radfahrer fahren pro Jahr zwischen 4.000 und 7.000 Kilometer, müssen also spätestens nach zwei Jahren die Kette wechseln.
Riemenantrieb
Leicht, leise, fett- und ölfrei: Ein Riemen als Antrieb bietet einige Vorteile gegenüber der Fahrradkette. Egal ob in Sand, Schnee, Matsch oder Dauerregen. Der Riemen besitzt an der Innenseite aus Nylon gefertigte Zähne. Ölverschmierte Hosenbeine oder Öl auf der Felge oder den Bremsflächen gibt es nicht. An der Tretkurbel befindet sich eine große Riemenscheibe, am Hinterrad eine kleine Riemenscheibe. In der Nabe ist meist eine Nabenschaltung oder Getriebeschaltung verbaut. Die Zähne des Zahnriemens greifen mit den Zähnen der Zahnscheiben ineinander. Bei korrekter Spannung rutscht der Riemen nicht durch.
Ein Riemen kann sich nicht längen, da darin steife Carbonfasern oder Aramid-Fasern integriert sind. Da der Riemenantrieb zudem weniger anfällig gegen Regen und Schmutz ist, hält er bis zu dreimal länger als eine Kette, also bis zu 30.000 Kilometer. Weiterer Vorteil: geringerer Wartungsaufwand. Der Riemen muss nur während einer normalen Wartung auf Spannung überprüft werden. Pannen treten selten auf, und meist auch nur dann, wenn der Riemen seitlich einen Schlag abbekommt.
Aber der Riemen besitzt auch Nachteile gegenüber der Fahrradkette. So lassen sich Riemen in der Regel nicht teilen, sie passen daher nicht an alle Rahmen. Spezielle Räder mit Riemenantrieb setzen auf ein Rahmenschloss, durch das der Riemen eingeführt wird. Zudem müssen Riemenspannung und Riemenflucht exakt eingestellt sein, damit der Riemen nicht durchrutscht und Laufgeräusche produziert. Eine Reparatur unterwegs ist nicht möglich.
Die beim Riemenantrieb eingesetzten Getriebeschaltungen sind schwerer als Kettenschaltungen und verursachen einen größeren Reibungsverlust als ein Kettenantrieb. Daher bieten sich Riemenantriebe eher für Räder mit nur einem Gang an, wie Fixis, Singlespeed, Bahnräder oder BMX-Räder. Oder für elektrische Pedelecs mit einer Übersetzung, bei denen der Elektroantrieb beim Anfahren unterstützt.
Aber: Im Alltag auf ihren Treckingrädern oder E-Bikes werden diesen Nachteil nur die wenigsten Radfahrer spüren. Eigene Kraft, Reifendruck, Wind und die richtige Sitzposition sorgen für mehr Widerstand und Leistungsverlust. Auch der Preis von rund 50 Euro für einen Riemen hält sich im Rahmen.
Räder mit Riemen eignen sich ideal für Pendler und Alltagsfahrer, denen es weniger auf Performance ankommt und die dafür Sauberkeit, Laufruhe, Wartungsfreiheit, Langlebigkeit und Robustheit schätzen. Wer sich ein neues Fahrrad sucht, sollte ein Rad mit Riemenantrieb in Erwägung ziehen.
Kardanantrieb bei Fahrrädern
Selten, aber es gibt ihn: Kardanantrieb bei Fahrrädern. Statt einer Kette oder einem Riemen überträgt eine starre Welle die Kraft von der Tretkurbel aufs Hinterrad, ähnlich wie bei einem Motorrad oder Auto mit Hinterradantrieb. Wartung wie Schmieren oder Nachspannen entfällt, dazu hält der Kardantrieb deutlich länger als ein Riemen - nahezu ein Fahrradleben. Lediglich einmal im Jahr soll je nach Hersteller per Schmiernippel die Welle mit Fett versorgt werden. Dafür liegen Gewicht und Preis einer Kardanwelle höher.
Beim Fahrrad mit Kardan hat man als größten Vorteil einen „sauberen“ Antrieb, der nahezu wartungsfrei ist. Als Schaltung kommt nur eine Nabenschaltung in Frage. Meiner Erinnerung nach stehen dem die Nachteile; hohes Eigengewicht, mäßiger Wirkungsgrad durch Schlupf, Reibung und Verwindung gegenüber. Und - je nach Ausführung - komplizierterem Hinterradausbau. Wie immer bei seltenen Systemen wird es kompliziert, wenn mal was dran ist.
Die wenigen Fahrer von Beixo Fahrrädern (2), die ich kenne, nutzen ihr Rad schon seit Jahrzehnten. Und sind damit zufrieden. Muss man einfach mal abwarten, wie es sich im Alltag so schlägt. Gewicht und Wirkungsgrad sind bei E- Bikes jetzt nicht so das schlagende Argument - außerhalb dieser Szene schon eher. Wenn sich da was tut, wird es auch seine Anhänger finden. Geld für stylischen Kram scheint genug auf dem Markt vorhanden zu sein.
Räder, die nicht so viel Dreck erzeugen, wie jene mit freiliegenden Ketten und wenig Zuwendung verlangen, sind mir grundsätzlich hochwillkommen.
Vorteile des Kardanantriebs:
- Sauberkeit: Kein Schmutz oder Öl, das auf Kleidung oder Fahrradrahmen gelangt.
- Wartungsarm: Nahezu wartungsfrei, kein Schmieren oder Nachspannen erforderlich.
- Langlebigkeit: Hält in der Regel länger als Ketten oder Riemen.
Nachteile des Kardanantriebs:
- Gewicht: In der Regel schwerer als Ketten- oder Riemenantriebe.
- Wirkungsgrad: Kann einen geringeren Wirkungsgrad durch Reibung und Verwindung aufweisen.
- Komplexität: Reparaturen können komplizierter und teurer sein.
- Gänge: Nur mit Nabenschaltung möglich.
Tabelle: Vergleich der Antriebsarten
| Merkmal | Kettenantrieb | Riemenantrieb | Kardanantrieb |
|---|---|---|---|
| Wartung | Regelmäßig schmieren und spannen | Gering, Spannung prüfen | Sehr gering, gelegentlich fetten |
| Lebensdauer | Bis zu 10.000 km | Bis zu 30.000 km | Sehr lang, nahezu ein Fahrradleben |
| Sauberkeit | Schmutz und Öl | Sauber | Sehr sauber |
| Gewicht | Leicht | Mittel | Schwerer |
| Effizienz | Hoch | Etwas geringer | Kann geringer sein |
| Kosten | Gering bis mittel | Mittel | Höher |
Dieser schon über 100 Jahre alte sehr wirkungsvolle und wartungsfreie Antrieb, den man aus dem Automobilbau kennt, wurde jetzt auch wieder für e-Bikes entdeckt. Anstelle einer öligen und schmutzigen Kette wird die Tretkraft direkt auf die Hinterachse des Fahrrades übertragen und zwar durch bewegliche Antriebsstangen und nicht sichtbare Zahnradscheiben. Man spürt den sicheren Antrieb beim ersten Tritt in die Pedalen. Ansonsten fährt es wie jedes gewöhnliche Fahrrad. Darüber hinaus bietet der Kardanantrieb einen weiteren Vorteil: Er verringert die Belastung des Fahrers beim Treten des Rades. Dies ist besonders vorteilhaft für Menschen mit schwachem Knie- oder Fußmuskeltonus.
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