Fahrrad mit kleinen Rädern: Vorteile und Nachteile

Kompakträder sind wendig, meist robust gebaut und damit belastbar und eignen sich wie kaum eine andere Gattung für alltägliche Wege. Ob zum Pendeln oder für die Freizeit, kompakte Fahrräder können eine praktische Alternative zu normal großen Fahrrädern sein.

Was sind Kompakträder?

Konstruktiv unterscheiden sich Kompakträder in vielen Punkten von anderen Fahrrädern: So rollen sie in der Regel auf 20 Zoll großen Rädern. Diese sind kleiner als bei Trekkingbikes, Rennrädern oder auch Mountainbikes.

Zugleich ist ihr Radstand, also der Abstand zwischen den Achsen, ähnlich lang wie bei einem 28er-Cityrad. Das i:SY-Modell besitzt beispielsweise einen Radstand von 1,10 Metern. Das City Flight von Stevens als Vergleichsrad kommt in Rahmenhöhe 58 ziemlich genau ebenfalls auf diesen Wert.

Kleine Räder, langer Radstand - auf diese Weise schaffe man es, „die eigentlich miteinander unvereinbaren Eigenschaften Geradeauslauf-Stabilität und Wendigkeit zu kombinieren“, sagt Marc Burger vom Hersteller i:SY.

„Kompakträder kombinieren Vorteile beider Welten und sind prädestiniert für den Stadtverkehr“, heißt es dort. Auch David Eisenberger vom Zweirad Industrie Verband (ZIV) betrachtet die Gattung als ideal zum Pendeln oder für den Weg zum Einkaufen.

Die kleinen Räder ermöglichen eine „agile Fahrdynamik“, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Das heißt, das Fahrverhalten lässt sich leichter kontrollieren als bei größeren Rädern.

Vorteile von Kompakträdern

Wendigkeit und Agilität: Kompakträder ermöglichen eine agile Fahrdynamik und lassen sich leichter kontrollieren als größere Räder. Aufgrund des geringeren Laufraddurchmessers ist zugleich der Schwerpunkt des Fahrrads niedriger. Das kommt der Laufruhe ebenfalls zugute - vor allem wenn man das Rad bepackt fährt.

Anpassbarkeit: Kleine Laufräder ermöglichen die Konstruktion kleiner Rahmen, die durch lange Sattelstützen und Vorbauten schnell auf unterschiedlichste Fahrerinnen-Größen adaptierbar sind. Ein und dasselbe Kompaktrad lässt sich in der Regel von Menschen mit Körpergrößen zwischen von 1,50 Meter bis 1,90 Meter fahren - und damit fürs familieninterne Bikesharing nutzen. Teilweise sind XXL-Versionen für Großgewachsene im Programm.

Robustheit und Belastbarkeit: Kompakträder sind meist robust gebaut und damit belastbar. Zahlreiche Modelle sind mit Gepäckträgern oder Körben an Heck und Front ausgerüstet.

Platzsparend: Die Kompakten passen besser in einen Hausflur oder auch in manchen Kofferraum eines Vans oder Kombis, was sie zu spontanen Radtouren qualifiziert, ohne dass man gleich einen Dachträger auf dem Pkw montieren müsste.

Bahnfahrt: Und die Mitnahme in der Bahn ist bequemer. Es gibt aber Ausnahmen: „In Bayern fährt man im Nahverkehr mit 20-Zoll-Rädern kostenfrei“, sagt Burger.

Nachteile und Kompromisse

Trotzdem sind Kompakträder keine Alleskönner, auch sie gehen Kompromisse ein:

  • Kleine Laufräder rollen weniger gut über Hindernisse als große.
  • Zudem ist die Auswahl an Ersatzteilen für 20-Zoll- oder auch kleinere Räder gegenüber Laufradgrößen von 26 oder 28 Zoll eingeschränkt.
  • Allerdings sind Kompakträder aufgrund ihrer robusten Konstruktionsweise nicht so leicht. Schon ohne Elektrifizierung kommen da mal schnell 15 Kilo zusammen.

Abgrenzung zum Faltrad

Eine deutliche Abgrenzung gibt es zum Faltrad: „Das Kompaktrad verzichtet auf den Faltmechanismus, das bringt eine Verwindungssteifigkeit, die man von einem Rad auf 20-Zoll-Reifen bis dato nicht kannte“, sagt Burger. Um das Fahrrad dennoch besser verstaubar zu machen, bauen die Hersteller den Fahrrädern Lenker und Pedale an, die man querstellen, abklappen oder einklappen kann.

Marktangebot und Preis

Das Marktangebot an Kompakträdern ist, verglichen mit Boomsegmenten wie E-Mountainbikes oder etablierten Evergreens wie Trekkingrädern, übersichtlich. Der ZIV führt sie in seiner Absatzstatistik unspezifisch in der Kategorie „Sonstige“, konkrete Verkaufszahlen nennt der Verband nicht.

Gleichwohl gibt es eine Tendenz: „In den letzten Jahren hat sich die Modellgruppe der Kompakträder immer deutlicher am Markt behaupten können“, sagt Sprecher Eisenberger. Einige Hersteller bauen Kompakträder, wobei die meisten unter ihnen das Segment mit E-Bikes bedienen: Patria, Orbea, Tern, Winora, Prophete, Cube, Riese & Müller oder auch kleinere oder unbekanntere Firmen wie Bernds oder Bike Friday. Federgabeln finden sich auch. Oft setzt man aber auf den Dämpfungskomfort der typischen Ballonreifen.

Preislich sind die Kompakten keine ganz billige Sache: Das Einstiegs-i:SY Lite S8 mit Achtgang-Nabenschaltung kostet 1399 Euro. Als E-Bikes sind die Kompakten ohnehin teurer. Angefangen vom einfacher ausgestatteten Prophete Urbanicer City E-Bike mit AEG-Motor für rund 2200 Euro über das Orbea Katu-e 30 (Bosch) für 2399 Euro, das Cube Compact Hybrid (Bosch) für 2549 Euro, das Winora Radius Tour (Yamaha) für 2999 Euro bis zum Tern HSD P9 (Bosch) für 3499 Euro oder dem Riese und Müller Tinker (Bosch) für 4199 Euro spielen sie in mehreren Preisligen mit.

Kompakt-E-Bikes im Test: Die Ergebnisse

Hier eine Übersicht einiger Kompakt-E-Bike-Modelle und deren Eigenschaften:

Hersteller Modell Motor Preis (ca.)
Prophete Urbanicer City E-Bike AEG 2200 €
Orbea Katu-e 30 Bosch 2399 €
Cube Compact Hybrid Bosch 2549 €
Winora Radius Tour Yamaha 2999 €
Tern HSD P9 Bosch 3499 €
Riese & Müller Tinker Bosch 4199 €

Dass Kompakträder in einer kleinen Marktnische fahren, ist mit Blick auf Absatz und auch die Verkehrswende verschenktes Potenzial - findet zumindest Marc Burger.

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