Vor- und Nachteile der Nabenschaltung beim Fahrrad

Die Gangschaltung gehört zu den wichtigsten Bauteilen eines Fahrrads, denn sie macht das Vorankommen angenehmer, effizienter und schneller. Nur bei den wenigsten Modellen wird auf eine Schaltung verzichtet - etwa bei Fahrrädern für kleine Kinder, weil der Umgang mit ihr für sie noch zu kompliziert ist. Am häufigsten verbaut werden Kettenschaltungen.

Lange Zeit schien es, als wäre die Kettenschaltung das Nonplusultra. Doch es gibt gute Gründe für ein Fahrrad mit Nabenschaltung. In den 1970er-Jahren setzte sich die vielgängige Kettenschaltung zunehmend gegen die bis dahin übliche Nabenschaltung mit meist nur drei Gängen durch. Seit einiger Zeit gewinnt die Nabenschaltung wieder an Bedeutung. Gründe dafür gibt es viele - allen voran der, dass sich die Nabenschaltung auch technisch stark weiterentwickelt hat. Inzwischen gibt es Modelle standardmäßig mit drei bis elf Gängen.

Einfluss der Übersetzung aufs Fahren

Aus technischer Sicht ist dafür die sogenannte Übersetzung verantwortlich. Oder, wenn es gar nicht so schnell sein soll, dass man eine bestimmte Geschwindigkeit mit geringerem Kraftaufwand erreichen und halten kann. Wer einen hohen Gang einlegt, fährt mit einer großen Übersetzung. Das heißt, dass sich bei einer vollen Pedalumdrehung die Hinterachse mehrfach dreht. Klar, dass man schnell vorankommt, dies erfordert aber viel Kraft beim Treten. Bei einem niedrigen Gang ist die Übersetzung klein.

Zügiges Radfahren klappt so eher nicht, man strampelt mit hoher Trittfrequenz. Dafür fällt das Treten leicht. Beim Fahren im Gegenwind, beim Anfahren und vor allem an Steigungen ist das wichtig. Nur der Kettenschaltung vorbehalten ist die Untersetzung: Bei einer vollen Pedalumdrehung dreht sich die Hinterachse nicht einmal ganz um sich.

Funktionsweise der Nabenschaltung

Hier befindet sich das komplette Schaltgetriebe in der Hinterradnabe. Die beweglichen Getriebeteile sind damit gut geschützt. Zeitgemäße Nabenschaltungen arbeiten mit einem Planetengetriebe in der Radnabe. Dabei drehen sich äußere Zahnräder - die Planetenräder - um innere, fest mit der Achse verbundenen Zahnräder - die Sonnenräder. Der am Schalthebel ausgewählte Gang bestimmt, welche Konstellation aktiviert wird. Damit lassen sich bis zu elf Gänge realisieren, bei einigen Fabrikaten sogar noch mehr.

Wie fährt sich eine Nabenschaltung?

Auf jeden Fall äußerst komfortabel. Geschaltet wird mit einem einzigen Schalthebel, denn es werden nicht wie bei einer Kettenschaltung der Zahnkranz vorne und hinten gewechselt. Und man kann die Gänge auch im Stand verändern. Es reicht also, beim Warten an der roten Ampel gemächlich in den ersten Gang fürs Losfahren herunterzuschalten. Dafür können die Gänge nicht unter Volllast gewechselt werden. Das bedeutet, dass man zum Schalten mit dem Treten kurz innehalten muss - nichts für Biker, die Wert auf maximale Performance legen.

Wer ein Fahrrad mit Nabenschaltung kauft, hat zudem die Wahl, zwischen einem Rad mit freilaufender Hinterachse oder einer Rücktrittbremse. Bei Letzterer bremst das Hinterrad, sobald man rückwärts in die Pedale tritt.

Vorteile einer Nabenschaltung

Abgesehen von den fahrerischen Vorzügen einer Nabenschaltung punktet sie vor allem mit ihrem geringen Wartungs- und Pflegebedarf. Durch ihre geschützte Lage in der Nabe des Hinterrads ist sie nicht nur vor äußeren mechanischen Einflüssen gut abgeschirmt, sondern verschmutzt auch nicht. Bisweilen wird das Schaltsystem als wartungsfrei bezeichnet, wartungsarm ist es auf jeden Fall. Denn wer hin und wieder das Öl der Schaltnabe wechselt, darf von extrem geringem Verschleiß ausgehen. Auf jeden Fall stehen der geringe Wartungsaufwand in keinem Verhältnis zur großen Aufmerksamkeit, die man der Kettenschaltung widmen muss.

Die Nabenschaltung ist besonders bei Citybikes beliebt und bietet dem Fahrer einige Vorteile. Schaltkomfort: Bei der Kettenschaltung müssen Sie in der Regel verschiedene Hebel am Lenker zum Schalten bedienen. Anders bei der Nabenschaltung: Einen Gangwechsel nehmen Sie komfortabel über einen Drehgriff im Lenker vor.

  • Wartung: Die Nabenschaltung ist wartungsarm.
  • Riemenantrieb möglich: Da eine Nabenschaltung mit nur einem Kettenblatt auskommt, bietet sich auch die Möglichkeit eines Riemenantriebs, der einige Vorteile mit sich bringt.
  • Schalten im Stand ist möglich
  • Simple Schaltlogik
  • Möglichkeit einer Rücktrittbremse

Nachteile einer Nabenschaltung

Wie jede Technik hat die Nabenschaltung aber nicht nur Vorteile. Kraftumsetzung: Bei einer Nabenschaltung müssen Sie mehr Kraft aufbringen, besonders beim Anfahren. Drosselung: Die Nabenschaltung verkraftet keine starken Motoren. E-Bikes mit Nabenschaltung sind deshalb häufig auf 50 Nm gedrosselt. Mittelmotor: Bei dieser Bauart lasten Tretkraft des Fahrers und Motorkraft geballt auf der Nabenschaltung - und das würde diese überfordern und brechen lassen.

  • Etwas schwächerer Wirkungsgrad gegenüber gut gewarteten Kettenschaltungen
  • Höheres Gewicht
  • Reparaturen nur für Fachleute möglich
  • Schalten unter Last bei den meisten Modellen nicht möglich
  • Größere Gangsprünge

Naben- vs. Kettenschaltung: Welcher Schaltungstyp ist der richtige?

Vielfahrende und Pendelnde, die zum Beispiel das Fahrrad täglich für den Weg zum Arbeitsplatz nutzen, sollten sich die Nabenschaltung näher ansehen. Ihr geringer Verschleiß und ihre hohe Widerstandsfähigkeit sind im Alltag ein echter Gewinn. Aber auch Personen, die vor allem unkompliziert und sorglos radeln wollen, sind mit der Nabenschaltung gut beraten.

Das gilt auch für alle, die gerne Mountainbike oder Gravelbike fahren oder überhaupt in bergigen Regionen unterwegs sind: Aufgrund der größeren Spreizung der Gänge und der vielen möglichen Übersetzungsverhältnisse ist hier die Kettenschaltung die erste Wahl. Dass es auch E-Bikes mit Nabenschaltung gibt, hat einen besonderen Reiz: Hier werden die Nachteile von höherem Gewicht und geringerer Effizienz durch das höhere Gesamtgewicht des E-Bikes und die kräftigen E-Motoren relativiert - elektrisch zu fahren, wird damit noch entspannter.

Ist eine Kettenschaltung besser als eine Nabenschaltung? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Vielmehr kommt es darauf an, ob zum Beispiel ein leichtes Rennrad oder robustes Mountainbike genutzt wird. Die Entscheidung für eine der beiden Varianten hängt auch von den Bedürfnissen und Ansprüchen an eine Gangschaltung ab. Vor dem Kauf ist es daher ratsam, sich über die Kombination von Fahren und Schalten klar zu werden.

Tretlagerschaltung als Alternative

Als weitere Variante einer Fahrradschaltung sei noch die Tretlagerschaltung erwähnt. Sie ist im Vergleich zur Ketten- und Nabenschaltung weit weniger verbreitet. Auch, weil sie sehr teuer in der Anschaffung ist. Am bekanntesten dürfte das Pinion-Getriebe des gleichnamigen Herstellers sein. Fahrräder mit diesem Bauteil haben Einstiegspreise ab 2500 Euro.

Neben dem hohen Preis ist auch das vergleichsweise hohe Gewicht einer Tretlagerschaltung ein Manko. Vor allem, wenn man ein Fahrrad aus dem hochpreisigen Segment besitzt, bei dem man für die Reduktion von Gewicht bezahlt. Noch eine Besonderheit ist, dass sich die meisten Tretlagergehäuse aufgrund ihrer Bauart nicht am Standardrahmen montieren, also nicht nachrüsten lassen. Doch diese Schaltung hat auch Vorteile: Das Getriebe ist geschützt im Gehäuse am Fahrradrahmen oder an der Tretkurbel untergebracht. Durch ihre robuste Bauweise ist sie nahezu wartungsfrei und sehr unempfindlich.

Da die Konstruktion sehr komplex und hochwertig ist, ist dieser Schalttyp bei Kennern und Tüftlern beliebt. Entwickelt wurde sie vor allem für Fahrräder, die sehr hohen Belastungen ausgesetzt sind. Auch werden Tretlagerschaltungen geschätzt für ihren geschmeidigen Schaltkomfort und ihre aufgeräumte Optik.

Enviolo: Stufenlose Nabenschaltung

Jüngeren Datums ist Enviolo, bekannt geworden unter dem Namen NuVinci, eine stufenlose Nabenschaltung. Sie hat den großen Vorteil, dass es bei ihr keine Gangsprünge gibt, die bei herkömmlichen Nabenschaltungen recht groß ausfallen können.

Die stufenlose Enviolo-Nabe nutzt ein anderes Prinzip: Zwar handelt es sich auch hier um ein Planetengetriebe, allerdings sind diese Planeten den Himmelskörpern noch ähnlicher, denn es handelt sich um Kugeln. Sie sind auf schwenkbaren Achsen gelagert und übertragen die eingehende Kraft vom Ritzel auf den Nabenkörper. Werden die Kugeln geschwenkt, vergrößert oder verkleinert sich ihr wirksamer Radius, was sich in einer Über- oder Untersetzung äußert. Ein Spezialöl, das sich an den Kontaktpunkten verhärtet, sorgt für schlupffreie Übertragung.

Mit der stufenlosen Nabenschaltung von enviolo bedarf diese Frage aber auch keiner Antwort mehr, denn diese Gangschaltung funktioniert komplett ohne vordefinierte Gänge. Sie arbeitet stufenlos und kann über unendlich viele Schritte angepasst werden. Auch die Kombination mit einem Riemenantrieb ist möglich, der wartungsärmer als eine Kette ist.

Durch die einzigartige Technik im Inneren der Nabe kann die enviolo-Gangschaltung auch unter Last und sogar im Stand problemlos bedient werden. Im Alltag bedeutet dies nie wieder an der Ampel oder an der Steigung im falschen Gang anfahren zu müssen. Einfach die Übersetzung im Stand korrigieren und ohne ein Knacken oder Rattern losfahren!

Vor- und Nachteile im Überblick

Hier ist eine Übersicht über die Vor- und Nachteile von Nabenschaltungen, die Ihnen bei der Entscheidung helfen kann:

Vorteile Nachteile
Wartungsarm Etwas schwächerer Wirkungsgrad
Zuverlässig Höheres Gewicht
Simple Schaltlogik Reparaturen nur für Fachleute
Schalten im Stand möglich Größere Gangsprünge
Rücktrittbremse möglich Schalten unter Last meist nicht möglich

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