Das Fahrrad ist ein Klassiker der umweltbewussten und sportlichen Fortbewegung. Die Fortschritte in der Fahrradindustrie haben sich enorm weiterentwickelt. Dabei kommt der Riemenantrieb für ein Fahrrad ins Spiel.
Doch was genau ist ein Bike mit Riemenantrieb? Und welche Vor- und Nachteile hat ein Riemenantrieb?
Was ist ein Fahrrad mit Riemenantrieb?
Für diese spezielle Art des Antriebs benötigt das Fahrrad einen Zahnriemen. Dabei handelt es sich um einen Treib- bzw. Keilriemen, der gezahnt ist. Ferner erfordert das Antriebssystem Zahnradscheiben, über welche der Zahnriemen laufen kann.
Tritt der Fahrer nun in die Pedale, wird die dadurch ausgeübte Kraft über den Riemen auf die Zahnradscheibe übertragen, wodurch sich wiederum das Hinterrad bewegt. Der Zahnriemen an einem Fahrrad besteht in der Regel aus einer Gummimischung, in die z. B. Carbonfasern oder verdrilltes Aramid integriert sein können. Für jedes Fahrrad ist eine individuelle Riemenlänge notwendig.
Zahnradscheiben bestanden früher aus Stahl oder Aluminium. An dem Riemen sind an der Innenseite aus Nylon gefertigte Zähne; an der Kurbel finden Sie eine größere Riemenscheibe. An der Hinterradnabe ist eine zweite Riemenscheibe zu finden, welche aber etwas kleiner ist. Zwischen den beiden Sprockets (Zahnscheiben) gespannt, greifen sowohl die Zähne des Zahnriemens als auch die der Zahnscheiben direkt ineinander.
Im Vergleich zu einem Fahrrad mit gezahntem Keilriemen funktioniert ein Rad mit Kette folgendermaßen: An der Hinterradnabe befinden sich mehrere Kettenräder, auch als Ritzel bekannt, welche zusammen das Ritzelpaket bilden. Weitere Kettenräder sind an der Tretkurbel angebracht. Die Fahrradkette läuft über diese Ritzel.
E-Bikes mit Riemenantrieb
E-Bikes gibt es inzwischen in verschiedensten Ausführungen, beispielsweise als E-Mountainbike oder E-Klapprad. Daher ist es nicht überraschend, dass Radfahrer mittlerweile auch Elektrofahrräder erwerben können, die mit einem Riemenantrieb ausgerüstet sind.
Der Elektromotor eines Pedelecs (der Name steht für „Pedal Electric Cycle“) hat eine Leistung von höchstens 250 Watt und unterstützt den Fahrer nur, wenn er in die Pedale tritt. Aus diesen Gründen benötigt der Fahrer eines Pedelecs weder einen Führerschein, noch ein Versicherungskennzeichen oder einen Helm. Es gibt für ihn auch keine Altersbeschränkung.
Bei einem E-Bike hingegen muss der Fahrer nicht treten, damit der Motor arbeitet. Sollte dessen Leistung 500 Watt nicht überschreiten und die Höchstgeschwindigkeit maximal 20 km/h betragen, wird das E-Bike als Kleinkraftrad eingestuft.
Vorteile des Riemenantriebs
Was macht ein Fahrrad mit Zahnriemen attraktiv? Sind die Vorzüge gegenüber dem Kettenantrieb wirklich so gewaltig? Hier sind einige Vorteile des Riemenantriebs:
- Minimaler Verschleiß und längere Lebensdauer: Der Zahnriemen muss im Gegensatz zur Kette nicht geschmiert werden, weshalb z. B. die typischen Verschleißerscheinungen der Fahrradkette entfallen. Im Durchschnitt halten Riemengetriebe viermal länger als Kettenantriebe, bevor sie ausgetauscht werden müssen (30.000 gegenüber 8.000 Kilometer). Außerdem gibt es weniger bewegliche Teile, sodass weniger Probleme auftreten. Dadurch sparst du auf lange Sicht Geld.
- Geringe Geräuschentwicklung: Zudem sind die Fahrräder leiser unterwegs. Beim Riemenantrieb gibt es keinen Kontakt einzelner Metallteile wie bei der traditionellen Fahrradkette. Zudem knarzen und quietschen Riemenantriebe nicht aufgrund mangelnder Wartung. Generell kann man schon sagen, dass Fahrrad-Riemenantriebe in ihrer Nutzung leise sind - zumindest, wenn Riemen richtig ausgerichtet ist und die Riemenzähne in einem guten Zustand sind. Beim Riemenantrieb gibt es keine ausgeleierten Kettenglieder oder unangenehme Quietsch- oder Knackgeräusche.
- Sauberkeit: Da am Riemenantrieb weder Kettenöl noch Kettenfett verwendet wird, ist er auch völlig schmutzfrei und kann z.B. problemlos mit einer Anzughose gefahren werden. An einem Kunststoff-Riemen kann sich logischerweise kein Rost bilden, was somit natürlich schon mal sehr gut ist. Ebenso fällt das Schmieren einer Fahrradkette weg - also gehören ölverschmierte Hosenbeine ebenfalls der Vergangenheit an.
- Geringe Wartung: Riemenantriebe benötigen kein Schmiermittel und müssen nicht eingestellt werden. Dadurch wird die Schmutzanhaftung verringert, wodurch eine regelmäßige Reinigung im Wesentlichen entfällt. Ein kurzes Abwischen von Schmutz und Staub genügt, um eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten. Ab und ab sollte am Riemen zumindest aber die Spannung überprüft werden; so braucht man sich auch keine Sorgen machen bzgl. irgendwelcher Störgeräusche oder auch klappernden Fahrradketten.
- Geringes Gewicht: Riemen sind sehr leicht, weil sie aus synthetischen Materialien mit superleichten und haltbaren Kohlefasern verstärkt sind. Darüber hinaus werden nur zwei Riemenscheiben eingesetzt, die auch bedeutend leichter sind.
- Schalten im Stillstand: Innenliegende Nabenschaltungen ermöglichen es Ihnen, zwischen den Gängen zu wechseln, ohne in die Pedale zu treten wie bei einem herkömmlichen Kettenantrieb.
Nachteile des Riemenantriebs
Diese Palette an Vorteilen wirkt ziemlich beeindruckend. Doch auch der Zahnriemen für das Fahrrad hat Nachteile. Hier sind einige Nachteile des Riemenantriebs:
- Anfangs teuer: Möchten Sie ein Fahrrad kaufen, das über einen Riemenantrieb verfügt, müssen Sie nicht selten mindestens Kosten in Höhe von 1.000 Euro einplanen. Riemengetriebe sind immer noch ein Nischenprodukt. Zurzeit werden noch relativ wenige Fahrräder mit Riemenantrieb hergestellt. Außerdem benötigen sie aufwendigere und teurere Komponenten. Die geringe Nachfrage bedeutet auch, dass das Angebot geringer ist und damit höhere Kosten für Verbraucher anfallen.
- Einstellung und Wartung: So muss z. B. die Spannung des Riemens von einem Experten exakt eingestellt werden, damit Zahnriemen und Zahnradscheibe auch bei wechselndem Fahrtempo ineinander greifen. Neben der richtigen Vorspannung ist es außerdem unabdingbar, dass die Zahnradscheiben absolut präzise eingebaut sind. Wichtig ist es, den Riemen nach der Erstmontage nach einigen gefahrenen Kilometern zu spannen; dies muss ebenso nach dem Ausbau des Hinterrades gemacht werden.
- Empfindlichkeit: Wenn sich jedoch beispielsweise ein Ast verfängt, kann der Riemen etwas empfindlicher reagieren als eine Kette.
- Begrenzte Kompatibilität: Ein Fahrrad mit Riemenantrieb erfordert entweder eine Nabenschaltung, eine Tretlagerschaltung oder gar keine Schaltung. Ein Riemenantrieb macht grundsätzlich an fast jedem Fahrrad Sinn, allerdings müssen die zuvor genannten Bedingungen erfüllt sein, um einen Umbau realisieren zu können. Riemen eignen sich nicht für Kettenschaltungen. Sie kann nur für eine Nabenschaltung und Single-Speed-Bikes verwendet werden. Zudem müssen Fahrradhersteller spezielle Rahmen konstruieren, die sich für Riemengetriebe eignen. Dazu stellen sie im hinteren Dreieck eine Teilung her. Das ist notwendig, weil der Riemenantrieb aus einem durchgängigen Stück gefertigt ist und nicht wie eine Kette zum Einbau geteilt werden kann.
- Teure Ersatzteile: Ein neuer Riemen kann bis zu 90 Euro kosten, während eine Kette ab neun Euro erhältlich ist. Ein neues Riemengetriebe kostet auch deutlich mehr als ein kompletter neuer Kettenantrieb. Ersatzteile sind schwer zu finden: Die meisten kleineren Fahrradgeschäfte bieten keinen Service für Riemengetriebe an und führen keine entsprechenden Ersatzteile. Das kann dazu führen, dass du eine Radtour abbrechen musst, weil keine Ersatzteile beschafft werden können.
- Begrenzte Übersetzung: Kettenantriebe bieten größere Übersetzungsbereiche als Riemenantriebe. Deshalb wird die Effizienz beim Riemenantrieb in bergigem Gelände verringert.
Nachrüstung eines Riemenantriebs
Einige Radler, deren Drahtesel einen Kettenantrieb hat, werden sich aber möglicherweise fragen, ob sich nachträglich ein Riemenantrieb einbauen lässt. Zunächst ist die richtige Art der Schaltung vonnöten. Ein Fahrrad mit Riemenantrieb erfordert entweder eine Nabenschaltung, eine Tretlagerschaltung oder gar keine Schaltung. Letztgenannte Räder werden auch als Singlespeed bezeichnet.
Außerdem muss der Rahmen des Fahrrads für den Riemenantrieb geeignet sein. Für diesen ist nämlich ein Rahmenschloss erforderlich, durch welches der Zahnriemen geführt wird. Der nachträgliche Einbau eines Riemenantriebs ist daher nicht bei allen Rädern machbar.
Wenn jedoch die nötigen Voraussetzungen wie z. B. ein geeigneter Rahmen vorhanden sein sollten, kann der Riemenantrieb am Fahrrad durch einen Umbau integriert werden. Die Nachrüstung eines Fahrrades mit einem Riemenantrieb ist grundsätzlich möglich, wobei einige Faktoren zu beachten sind. Zunächst ist zu prüfen, ob der Fahrradrahmen mit einem Rahmenschloss ausgestattet werden kann, um den geschlossenen Riemen aufziehen zu können. Bei Stahlrahmen ist dies deutlich einfacher als beispielsweise bei Aluminium- oder Carbonrahmen.
Ist der nachträgliche Einbau eines Rahmenschlosses nicht möglich, kannst du auch einen teilbaren Riemen verwenden. Damit entfällt das Öffnen des Rahmens mit einem Rahmenschloss. Dies gilt jedoch nicht für die Kettenblätter und Ritzel. Diese müssen in beiden Fällen durch Riemenscheiben ersetzt werden, da ein Riemen nur auf spezielle „Antriebsräder“ aufgezogen werden kann. Grundvoraussetzung ist übrigens auch eine Naben- oder Tretlagerschaltung oder ein Singlespeed-Hinterrad. In Kombination mit einer Kettenschaltung ist die Montage eines Riemens nicht möglich.
Bei senkrechten Ausfallenden des Fahrradrahmens ist zusätzlich die Montage eines Riemenspanners erforderlich, da der Riemen sonst nicht auf die erforderliche Spannung gebracht werden kann. Bei waagerechten Ausfallenden ist dies nicht notwendig, da das Hinterrad horizontal verschoben werden kann, um den Riemen zu spannen.
Was muss bei der Montage eines Riemenantriebs beachtet werden?
Eine sorgfältige Montage von Riemenantrieben ist unerlässlich, um eine optimale Leistung und eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.
- Die Ketten- bzw. Riemenlinie muss zwingend gerade sein, da eine reibungslose Funktion sonst nicht gewährleistet ist und der Riemen schneller verschleißen bzw. reißen kann.
- Der Riemen ist unter keinen Umständen zu knicken, da sonst irreparable Schäden entstehen können.
- Die Montage des Riemens kann nur in Kombination mit entsprechenden Riemenscheiben erfolgen.
- Der Antriebsriemen benötigt eine entsprechende Spannung, sodass entweder horizontale Ausfallende oder ein Riemenspanner notwendig sind.
Für wen ist ein Riemenantrieb geeignet?
Ein Riemenantrieb kann für viele Anwender sinnvoll sein. Ein wichtiger Faktor ist der geringe Verschleiß und die daraus resultierende deutlich längere Lebensdauer eines solchen Antriebs. Dies kann vor allem für Vielfahrer interessant sein, da ein regelmäßiger Austausch der Kette und der dazugehörigen Zahnräder entfällt.
Hinzu kommen der geräuscharme Lauf und die geringere Reibung des Riemens. Da am Riemenantrieb weder Kettenöl noch Kettenfett verwendet wird, ist er auch völlig schmutzfrei und kann z.B. problemlos mit einer Anzughose gefahren werden.
Damit eignet sich der Riemenantrieb gleichermaßen für sportliche Mountainbiker, Trekking-Fahrer, Commuter und alle, die einen wartungsfreien, leisen und effizienten Antrieb an ihrem Fahrrad wünschen.
Für Stadtradler, Vielfahrer und Globetrotter ist der Riemenantrieb auf jeden Fall eine Überlegung wert. Wer schmutzfrei ankommen möchte, geringen Wartungsaufwand und eine hohe Lebensdauer schätzt, ist damit bestens bedient.
Vor- und Nachteile im Überblick
Hier ist eine tabellarische Übersicht über die Vor- und Nachteile eines Riemenantriebs im Vergleich zu einem Kettenantrieb:
| Aspekt | Riemenantrieb | Kettenantrieb |
|---|---|---|
| Lebensdauer | Längere Lebensdauer | Kürzere Lebensdauer |
| Wartung | Wenig Wartung, kaum Reinigung notwendig | Regelmäßiges Ölen erforderlich |
| Sauberkeit | Kein Öl, sauber | Öl kann Schmutz anziehen |
| Geräuschentwicklung | Sehr leise | Kann Geräusche verursachen |
| Kosten | Meist teurer in der Anschaffung | Günstiger in der Anschaffung |
| Schaltverhalten | Weniger sportliches Schaltverhalten | Dynamischeres Fahrverhalten |
| Verschleiß | Verschleißt nicht so stark bei hohen Lasten | Verschleißt relativ schnell, besonders an E-Bikes |
| Service | Schneller, unkomplizierter Service im Schadensfall | Radausbau im Pannenfall möglicherweise kompliziert |
Bekannte Hersteller
Bekannte Hersteller von Zahnriemen sind die Gates Corporation und die Contitech Power Transmission Group. Der führende Hersteller im Bereich der Riemenantriebe ist die Firma Gates aus den USA; sie stellen den Gates Carbon Drive her. Ihre Zahnriemen, weisen - durch eingearbeitete Carbon-Zugstränge - auch unter Belastung keine Längenveränderung auf.
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