Sogenannte Intercoms waren bislang vor allem Motorradfahrern bekannt. Inzwischen bieten sowohl renommierte Hersteller wie auch ambitionierte Startups spezielle Kommunikationssysteme für Mountainbiker an. Mit Aleck, Cardo und Sena wurden die drei neuesten der elektronischen Helfer zum Systemvergleich gebeten.
Drei Kommunikationssysteme im Test
Um Mountainbiker miteinander vernetzt zu halten - auch wenn sie räumlich voneinander getrennt sind - haben sich die Entwickler bei Aleck, Cardo und Sena eine elektronische Lösung ausgedacht. Alle drei Intercom-Systeme lassen sich via Bluetooth mit dem Handy koppeln. Ohne Smartphone kommt man bei der Einrichtung der Geräte nicht weit, denn für jedes braucht es eine eigene App mit einem extra Nutzerkonto. Über diese können dann Grundeinstellungen vorgenommen und Kommunikations-Gruppen erstellt werden. Falls freigegeben, können Gruppenmitglieder außerdem die Position anderer Nutzer auf einer Karte einsehen.
Wie bei allen modernen, kabellosen Elektronikgeräten, müssen auch die Kommunikationssysteme erstmal ans Kabel. Die integrierten Akkus laden via USB-C-Schnittstellen und stellen zwischen sechs (Sena) und 19 Stunden (Aleck) Akkulaufzeit zur Verfügung.
Für die Kommunikation zwischen den Geräten nutzen die Hersteller unterschiedliche Technologien. Aleck setzt als einziger auf das Mobilfunknetz. Einmal mit dem Handy gekoppelt, sind mit den Punks so beliebig viele Gesprächsteilnehmer und eine unbegrenzte Reichweite möglich. Dafür kann die Verbindung in abgelegenen Tälern und dichten Wäldern schon mal abreißen. Sobald wieder Netzempfang gegeben ist, verbinden sich die Punks automatisch wieder mit den Gesprächspartnern. Um das Mobilfunk-Problem zu vermeiden, bedienen sich Cardo und Sena eines sogenannten Mesh-Systems, das die Funk-Signale einzelner Geräte in einem gemeinsamen Netz zusammenschaltet. Auch diese Mesh-Netzwerke besitzen die Eigenschaft sich selbst zu “reparieren”. Mehrere Geräte auf derselben Frequenz sind automatisch sprechfähig. Je mehr Nutzer in einem Netz zusammengeschaltet sind, desto besser die Übertragungsqualität und die Reichweite.
Hören ohne Kopfhörer dank Kommunikationssystem
Wie das Gesprochene das Ohr erreicht, hat jeder Hersteller anders gelöst. Cardo setzt auf konventionelle Kopfhörer mit Kabel und Mikrofon. Die Intercom-Spezialisten legen dem Packtalk-Outdoor-Bundle sogar zwei verschiedene Sets bei: einmal klassische In-Ear-Kopfhörer und einmal Mikrofon und Kopfhörer zur Helmintegration. Diese können via Klettverschluss und Klebepads in einem Integralhelm verbaut werden. Während diese Option sich zum Beispiel für Ski-Helme anbietet, war in unserem Test mit Enduro-Integralhelmen nicht ausreichend Platz an den Ohren. Das Gerät selbst kann mit verschiedenen Halterungen entweder an den Helm geklebt werden oder mit einer Klemmung an den Gurten von Helm, Hose oder Rucksack befestigt werden. So oder so bleibt das Problem der Kabelführung.
Das Talkie von Sena lässt sich mittels einer starken Magnethalterung entweder an einem mitgelieferten Armband oder an einer Kordel um den Hals tragen. Lautsprecher und Mikrofon liegen so zwar am Körper, aber ein Stück weg von Mund und Ohren. Aleck löst das Problem durch die sogenannte Near-Ear-Technologie. Die Intercom-Geräte lassen sich beidseitig an den Gurten des Helmes befestigen und sitzen so direkt hinter den Ohren. Anders als bei den ebenfalls von uns getesteten Knochenschall-Kopfhörern Shokz Open Run Pro gelangt bei Aleck der Sound durch konventionelle Schallübertragung in den Gehörgang. Durch die Nähe zum Ohr ist jedoch nur eine verhältnismäßig geringe Lautstärke nötig. Die Ohrmuscheln bleiben frei und können parallel zum Sound aus den Kopfhörern auch Umgebungsgeräusche aufnehmen. Dies ist gleichzeitig der größte Unterschied der Aleck Punks zu “normalen” Bluetooth-Kopfhörern mit Hands-Free-Funktion.
Aleck Punks
Maximal minimalistisch erscheinen die Aleck Punks auf den ersten Blick. Im Vergleich zu den zwei anderen Intercom-Systemen sind sie deutlich kleiner und leichter. Da es sich um zwei separate Geräte handelt, müssen auch beide zunächst aufgeladen werden. Die übersichtliche Aleck-App führt gut durch den Setup-Prozess. Dass sich dieser schließlich doch als nicht ganz einfach herausstellt, liegt daran, dass die Punks über einen Knopf pro Seite verfügen, der aber jeweils mit unterschiedlichen Funktionen belegt ist. Welche gerade bedient wird, hängt davon ab, welche Seite, wie oft gedrückt wird. Zwar hält Aleck eine Auflistung der Funktionen bereit, anfangs braucht die Bedienung aber etwas Eingewöhnung. Erst recht, wenn die Geräte nicht am Helm befestigt sind, denn eine Beschriftung mit “Links” oder “Rechts” sucht man vergebens. Auch während der Fahrt ist die Bedienbarkeit das größte Manko der ansonsten überzeugenden Punks. Um nicht durcheinander zu kommen, müssen Biker die Tastenkombinationen quasi auswendig lernen.
Über die App kann zwischen zwei Modi gewechselt werden. Im “Push-To-Talk”-Setting können sich zwei Nutzer im Walkie-Talkie-Stil auf Knopfdruck unterhalten. Im “Party”-Modus bleibt das Gespräch dauerhaft aufrechterhalten. Dann können sich alle möglichen Freunde über die App zuschalten und unabhängig von der Distanz miteinander sprechen. Die Gesprächsqualität über das Mobilfunknetz war in unserem Test durchgehend gut. Das Problem der Funklöcher bleibt jedoch. Die Near-Ear-Kommunikation der Punks ist faszinierend. Trotz freier Ohren ist die Soundqualität überzeugend. Allerdings hören auch Außenstehende leise mit. Musik und Gespräche sind bei stiller Umgebung in einigen Metern Abstand vom Träger noch dezent zu hören. Für Sportarten ohne Helm scheiden die Punks als Intercom leider aus.
Cardo Packtalk Outdoor
Mit 249,95 Euro ist das Cardo Packtalk Outdoor deutlich teurer als die anderen getesteten Geräte. Für zwei Nutzer sind damit satte 500 Euro fällig. Schon beim Auspacken des Packtalk Outdoor wird dafür aber klar: Hier steckt viel drin. In der verschachtelten Verpackung liegen verschiedene Montage-Halter, Klebepads, Kabel, ein Adapter und zwei hochwertige Kopfhörer von JBL - gut für alle, die das System als Multisport-Gerät nutzen wollen. Mit vielen Teilen kommt jedoch auch Komplexität. Bis das richtige Setup aus Geräte-Positionierung und Kabelverlauf gefunden ist, muss etwas experimentiert werden. Auch in Sachen Bedienbarkeit bietet das Cardo Intercom mehr, als die Konkurrenz. Über mehrere Tasten mit Piktogrammen, eine LED-Anzeige und ein Drehrad lässt sich das System einfach handhaben. In einer einstellbaren Sprache informieren Sprachansagen zum Beispiel über die Verbindung zum Smartphone oder den Akkustand. Zusammen mit der übersichtlichen App leistet sich das Cardo Packtalk Outdoor so keine Schwächen beim Handling und lässt sich auch unterwegs einfach bedienen.
Die Kommunikation zwischen zwei Nutzern klappte in unserem Test problemfrei. In diesem Vergleich verfügt das Mesh-Netzwerk von Cardo jedoch über die geringste Reichweite. Bei Wiedereintritt in den Kommunikationsradius verbindet sich das System schnell und automatisch neu. Durch die Verwendung von In-Ear-Kopfhörern macht das Cardo einen nicht ganz so futuristischen Eindruck wie die Konkurrenz von Aleck. Dafür bieten die Kopfhörer unangefochten die beste Klangqualität und die höchste Maximallautstärke.
Die JBL-Kopfhörer bieten in Sachen Staub- und Wasserresistenz eine niedrigere Schutzklasse, als das Cardo-Gerät selbst.
Sena Talkie
Das hier getestete Talkie ist der neueste Wurf der Kommunikations-Experten und verfolgt einen anderen Ansatz. Es lässt sich problemlos überallhin mitnehmen und bei vielen unterschiedlichen Sportarten nutzen. In der Hand wirkt das Gerät kompakt und robust. Es ist spürbar schwerer als die Konkurrenz. Dafür ist die Bedienung an einem Gerät und mit drei Tasten deutlich intuitiver. Die unkomplizierte Nutzbarkeit macht von Anfang an Spaß und ist die vielleicht größte Stärke des Talkies als Intercom-Lösung im Vergleich zu Aleck und Cardo. Bei dieser merkt man, dass Sena seit vielen Jahren Intercoms für Motorradfahrer im Programm hat. Sie macht einen ausgereifteren Eindruck als die Anwendung von Aleck, und sie hat mehr Funktionen als bei Cardo. Von hier aus haben Nutzer auch Zugriff auf Anleitungen und UKW-Radio.
Vom Audio-Prinzip her ist das Sena Talkie eine Art tragbarer, intelligenter Lautsprecher. Der offensichtliche Nachteil: Jeder kann mithören. Zum Musikhören könnte das System - je nach Sensibilität für die ungestörte Ruhe der Natur - deshalb ausscheiden. Die Paarung zweier Geräte im Intercom-Modus ist einfach. Wie bei Cardo führen Sprachansagen durch den Prozess. Obwohl das Gerät und damit das Mikrofon weiter weg vom Kopf sitzt, werden Gespräche klar und deutlich übertragen. Die eingebaute Geräuschunterdrückung funktioniert gut. Auf neun unterschiedlichen Kanälen kann gefunkt werden. Die Anzahl der Nutzer ist damit quasi unbegrenzt. Deutlich begrenzt ist dagegen die maximale Reichweite zwischen zwei Geräten. Mit einem 400-Meter-Radius empfiehlt sich das Sena-System nur für den Einsatz in weniger weitläufigen Gebieten.
Marktübersicht der Fahr- und Standgeräusche
Laute Motorräder sind nicht nur in beliebten Ausflugsgebieten oft ein Ärgernis für die Anwohner. Wie laut Motorräder überhaupt sein dürfen und wie Motorradfahrer unnötigen Lärm vermeiden, lesen Sie hier.
Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen
Die Regelungen zur Geräuschentwicklung von Krafträdern sind in der UNECE-R 41 (aktuell gültig seit 2021: UNECE-R 41.05) definiert. Die dort festgelegten Geräuschgrenzwerte (L urban) für die konstanten und beschleunigten Vorbeifahrten sind abhängig vom sogenannten "Leistung-Masse-Verhältnis" (PMR). Die Grenzwerte sind also nicht für alle Krafträder einheitlich, sondern in drei Klassen eingeteilt:
- Klasse I: Bei sehr hoher Masse und/oder sehr geringer Leistung (PMR-Wert maximal 25) beträgt der Grenzwert 73 dB(A).
- Klasse II: Bei hoher Masse und/oder geringer Leistung (PMR-Wert zwischen 25 und 50) beträgt der Grenzwert 74 dB(A).
- Klasse III: Bei normaler oder geringer Masse und/oder mittlerer oder hoher Leistung (PMR-Wert über 50) beträgt der Grenzwert 77 dB(A).
80 Prozent der aktuellen Motorräder fallen in die Klasse III, für sie gilt also der Grenzwert 77 dB(A). Sie müssen zusätzliche Bestimmungen zu Geräuschemissionen (Additional Sound Emission Provisions, Abkürzung: ASEP) einhalten. Diese zusätzlichen Geräuschmessungen sollen aufdecken, wenn überwiegend hohe Geräuschemissionen mittels besonderer technischer Maßnahmen, z.B. gesteuerte Klappensysteme, in den für die Standardmessung relevanten Betriebspunkten "künstlich" reduziert werden. Bislang werden diese zusätzlichen Geräuschmessungen den Herstellern im Sinne einer Selbstzertifizierung überlassen.
Der Standgeräuschwert muss per se mit den tatsächlichen Fahrgeräuschen nicht korrelieren, sondern dient in Deutschland einzig und allein als Datenbasis für eine Ad-Hoc-Geräuschüberprüfung von auffälligen oder verdächtigen Fahrzeugen im Rahmen von Polizeikontrollen. Aber aufgepasst: In Österreich kann das Standgeräusch für bestimmte Straßenabschnitte, auf denen die Behörden die Zahl lauter Motorräder reduzieren wollen, relevant werden.
Einfache Tipps zum leisen Motorradfahren
Motorräder lassen sich leise und sozialverträglich bewegen. Hier die wichtigsten Tipps, um möglichst leise von A nach B zu kommen.
- Ein Motorrad auswählen, dem im Rahmen der Typgenehmigung ein möglichst geringes Fahrgeräusche attestiert wurde (siehe Tabellen).
- Originale Auspuffanlage und Endschalldämpfer nur austauschen, wenn die Umrüstanlage in allen Betriebszuständen maximal gleich laut oder besser noch leiser ist.
- Original- oder Austausch-Auspuffanlage nicht verändern. In nahezu allen Fällen einer Veränderung werden die Fahrgeräusche lauter sein als vorher. Außerdem erlischt die Betriebserlaubnis.
- Drehzahl grundsätzlich möglichst niedrig halten. Wenig Gas geben (so bleibt die Drosselklappe weitgehend geschlossen) und Gang so wählen, dass ausreichend Drehmoment passend zur jeweiligen Fahrsituation bereitsteht, aber eben auch nicht mehr.
- Innerorts entspannt mit weitgehend geschlossener Drosselklappe (wenig Gas) dahingleiten.
- Exzessive Beschleunigungen generell vermeiden, auch am Ortsausgang.
- Mitdenken, Freude schenken: Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Ruhe. Das gilt für den Motorradfahrer selbst natürlich auch.
Leise fahren hat noch einen weiteren Vorteil: Meist lässt sich dadurch Sprit sparen. Der Profi zieht den Fahrspaß ohnehin aus der Bewegung, nicht aus der Akustik-Show.
Vergleich der Kommunikationssysteme
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften der getesteten Kommunikationssysteme zusammen:
| Eigenschaft | Aleck Punks | Cardo Packtalk Outdoor | Sena Talkie |
|---|---|---|---|
| Preis | 149,90 Euro | 249,95 Euro | ca. 100 Euro (Prototyp) |
| Gewicht | 16 Gramm | 50 Gramm (ohne Kopfhörer) | 80 Gramm |
| Akkulaufzeit | 19 Stunden | 10 Stunden | 6 Stunden |
| Übertragung via | Mobilfunknetz | Mesh-Netzwerk | Mesh-Netzwerk |
| Maximale Nutzerzahl | Unbegrenzt | 15 | Unbegrenzt |
| Maximale Reichweite | Unbegrenzt | 1 Kilometer | 400 Meter |
| Audio-Wiedergabe | Near-Ear-Technologie | Kopfhörer mit Kabel | Lautsprecher |
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