Rund 300.000 Räder werden jährlich in Deutschland gestohlen. Gegen das Risiko eines Fahrraddiebstahls lässt sich mit mehreren Maßnahmen vorbeugen.
Dazu gehören ein starkes Schloss, ein festes Objekt wie etwa ein Fahrradständer, an dem der Rahmen des Bikes angeschlossen wird, und die Codierung. Übrigens: Nur etwa jeder zehnte Raddiebstahl wird aufgeklärt.
Was ist eine Fahrradcodierung?
Die Fahrradcodierung ist eine eindeutige Markierung am Fahrrad, man spricht dabei auch von einer EIN-Codierung (Eigentümer-Identifizierungs-Nummer). Die Codierung wird in Form eines Chips, einer Gravur oder eines speziellen, sehr schwer zu entfernenden Aufklebers vorgenommen.
Eine Fahrradcodierung kann Diebe abschrecken und dabei helfen, gestohlene Fahrräder ihren Eigentümer*innen zurückzugeben. Codierte Fahrräder sind als Diebesgut schwerer zu verkaufen. Die Codierung ist daher effektiver Diebstahlschutz.
Sie zeigt, wer Eigentümer:in des Fahrrads ist und macht es der Polizei leicht, aufgefundene Fahrräder ihren Besitzer:innen zuzuordnen. Oft ist er auch mit einer Warnung an potenzielle Diebe verbunden wie zum Beispiel "Finger weg - mein Rad ist codiert", die abschreckend wirkt.
Denn der Marktwert des Diebesguts sinkt durch die Codierung, sein Weiterverkauf wird so stark erschwert. Die Codierung des eigenen Fahrrads ist eine Maßnahme zur Diebstahlprävention.
Wie funktioniert die Codierung?
Der Code wird am Rahmen des Fahrrads eingraviert, eingeprägt oder aufgeklebt. Der Code besteht aus einer Ziffern- und Buchstabenkombination, die von der Polizei Bergisch-Gladbach in den 1990er-Jahren entwickelt und von der Polizei Friedberg in Hessen verfeinert wurde.
Der Code ist die „Eigentümer-Identifizierungs-Nummer“ (EIN-Code). Die Nummer setzt sich zusammen aus dem Autokennzeichen sowie der Gemeinde- und Straßenkennzahl des Wohnortes und wird ergänzt durch die Hausnummer und die Anfangsbuchstaben der Eigentümer*innen.
Der ADFC empfiehlt, den Code durch eine zweistellige Jahreszahl am Ende noch präziser zu machen. Die abschreckende Wirkung behält ein codiertes Rad bei, egal, ob der Code nun auf München oder Scharbeutz verweist.
Hier ein fiktives Beispiel für den EIN-Code: B012345678901AB20. Über diesen Code kann die örtliche Polizei schnell mutmaßliche Eigentümer*innen identifizieren und informieren.
Der Code beginnt mit dem Kfz-Kennzeichen, daher ist die örtliche Polizei eine mögliche Anlaufstelle.
Bestandteile des EIN-Codes
Die Bedeutung des Codes: Der Code ist eine Eigentümer-Identifizierungs-Nummer (EIN) aus Buchstaben und Zahlen, zusammengesetzt aus personenbezogenen, verschlüsselten Daten der Eigentümerin bzw. des Besitzers.
Er beginnt mit dem amtlichen Kfz-Kennzeichen, das seiner oder ihrer Adresse zugeordnet ist - egal ob der Fahrradbesitzer ein Auto angemeldet hat oder nicht, beispielsweise mit "M" für München.
Darauf folgen der Gemeindeschlüssel, die Schlüsselnummer der Straße, die Hausnummer und die Initialen des bzw. der Besitzenden. Optional kommt am Ende noch die zweistellige Jahreszahl.
Welche Methoden der Fahrradcodierung gibt es?
Es gibt mehrere Verfahren, die Codierung am Fahrrad anzubringen: Der Code kann eingraviert, eingeprägt oder aufgeklebt werden. Welches Verfahren am sinnvollsten ist, hängt vom Fahrradrahmen und seinem Material ab.
- Gravur: Hier wird die Sattelstange und/oder eine versteckte Stelle des Rahmens (z. B. die Unterseite des unteren Rohrs) mit dem EIN-Code graviert. Das passiert mit einem Gerät, mit welchem der Code ca. 0,1 bis 0,2 Millimeter tief in den Rahmen eingraviert wird.
- Prägung: Hier gilt für die Materialien dasselbe wie bei der Gravur. Anders ist jedoch das Verfahren: Der Code wird in ein sogenanntes Nadelprägegerät eingegeben. Die digitale Form des Codes wird dann mithilfe einer Schlagnadel auf das Fahrrad aufgebracht.
- Aufkleber: Die Klebecodierung ist vor allem zum Codieren von Fahrrädern geeignet, die aufgrund ihres Rahmenmaterials besser nicht graviert oder geprägt werden sollten (z. B Rahmen aus Carbon, Holz oder Bambus).
- Chip: Die Chip-Variante funktioniert wie eine mechanische Fahrradcodierung, dabei befindet sich der Code jedoch in einem elektronischen Chip, der entweder schon werksseitig im Rahmeninneren verbaut ist oder mithilfe einer Metallschelle am Rahmen befestigt wird.
Für die Prägung gibt es Geräte in Größe eines Akkuschraubers, die mit einer Schlagnadel den Code dauerhaft in den Rahmen "tätowieren". Diese dritte Methode eignet sich für neuere Rahmenformen wie zum Beispiel die von Pedelecs, E-Bikes, Lastenrädern und Anhängern.
Für die Rahmen von Karbon-, leichten Renn- und Kleinkinderrädern ist diese Methode aber nicht geeignet. Hier kommt die zweite Variante zum Einsatz, die Klebecodierung. Die speziellen Etiketten dafür sind witterungsbeständig und lassen sich nur schwer ablösen.
Und im Verdachtsfall achten Polizei oder Radhändler besonders auf diese Stelle, ob eine Codierung vielleicht doch entfernt oder überklebt wurde.
Eignung der Methoden je nach Rahmenmaterial
Aluminium- oder Stahlrahmen lassen sich in der Regel ohne Probleme gravieren oder prägen. Bei Fahrradrahmen mit Sonderformen wie bei einigen Elektrofahrrädern oder bei sehr kleinen Kinderfahrrädern kann es schwierig sein, die Gravurmaschine richtig anzusetzen.
In solchen Fällen empfiehlt der ADFC eine Klebecodierung oder die Prägepistole. Rahmen aus nichtmetallischen Werkstoffen wie Carbon dürfen auf keinen Fall graviert oder geprägt werden.
Auch Holz- oder Bambusrahmen sollten nicht graviert oder geprägt werden.
Vorteile und Nachteile der Fahrradcodierung
Vorteile
- Abschreckung: Eine Fahrradcodierung macht Dieben den Weiterverkauf schwerer. Die Fahrradcodierung wirkt auf Diebe abschreckend.
- Identifizierung: Polizei oder Fundbüro können anhand des Codes sofort die Person identifizieren, die ihn hat anbringen lassen. Sie zeigt, wer Eigentümer:in des Fahrrads ist und macht es der Polizei leicht, aufgefundene Fahrräder ihren Besitzer:innen zuzuordnen.
- Einfache Zuordnung: Der Code eines Rades kann von der Polizei oder einem Fundbüro schnell entschlüsselt und somit der Eigentümer leicht ermittelt werden.
- Erhöhte Aufklärungsquote: Die Aufklärungsquote hingegen steigt, weil aufgefundene und als gestohlen gemeldete Fahrräder ihren Besitzer*innen zugeordnet werden können.
Nachteile
- Kein vollständiger Schutz: Beachten Sie bitte, dass eine Fahrradkennzeichnung allein kein ausreichender Schutz vor Diebstahl ist!
- Kosten: Eine Codierung kostet 15 bis 20 Euro, für ADFC-Mitglieder ist sie oft vergünstigt.
- Nachfrage sinkt: Nach Angaben des Handelsverbands VSF bieten wegen sinkender Nachfrage immer weniger Fahrradfachgeschäfte die Gravur an, die Aufkleber gar nicht.
Wo kann ich mein Fahrrad codieren lassen und was kostet das?
Codierungen nehmen der Fahrradhandel und der ADFC vor Ort vor. Die Polizei empfiehlt die Fahrradcodierung nicht nur, sondern codiert teils auch selbst.
Überwiegend verwendet sie aber statt der Codierung eine Registrierung, die auf den Eintrag in eine Datenbank angewiesen ist. Die Kosten liegen bei etwa 15 bis 20 Euro.
Der ADFC codiert selbstverständlich auch die Fahrräder von Nicht-Mitgliedern. ADFC-Mitgliedern bieten der ADFC vor Ort und teils auch lokale ADFC-Fördermitglieder aber Vergünstigungen an.
Der ADFC bietet die Codierung regelmäßig in vielen seiner Niederlassungen an, auch für Nichtmitglieder. Die Standorte sind über sein Radtouren- und Veranstaltungsportal zu finden.
Eine Codierung kostet 15 bis 20 Euro, für ADFC-Mitglieder ist sie oft vergünstigt.
Was muss ich für eine Codierung mitbringen?
Folgendes sollten Eigentümer*innen zur Codierung ihres Fahrrads mitbringen:
- das eigene Fahrrad
- ein Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass)
- ein Eigentumsnachweis (Kaufvertrag, Rechnung, Quittung) für das Fahrrad. Bitte beachten: Ein Kassenbon alleine reicht nicht aus. Fehlt der Eigentumsnachweis, wird der ADFC auf eine sogenannte Eigentumserklärung bestehen. Diese überlässt er später der Polizei zur Überprüfungetwas Zeit, da die eigentliche Codierung des Fahrrads 15 bis 20 Minuten dauert
Was passiert bei Umzug oder Verkauf?
Durch die polizeiliche Meldepflicht ist mit einem codierten Rad auch ein Umzug kein Problem. Denn das Einwohnermeldeamt kann von der alten Adresse schnell auf die neue schließen.
Wer viel umzieht, kann überlegen, ob ein fester Zweiwohnsitz (beispielsweise bei Eltern) für die Codierung verwendet werden soll. Auch eine Namensänderung, beispielsweise durch Heirat, wird im Einwohnermeldeamt registriert und ist kein Hindernis, Fahrräder ihren mutmaßlichen Eigentümer:innen wieder zuzuordnen.
Hier ist die vom ADFC empfohlene Jahreszahl ebenfalls hilfreich. Codierte Fahrräder können problemlos verkauft werden, wenn Verkäufer:innen nachweisen können, dass es sich um ihr Fahrrad handelt.
Diesen Nachweis sollten Käufer:innen ohnehin immer fordern. Zudem sollten sie auf einen Kaufvertrag bestehen, in dem die Codierungsnummer eingetragen ist.
Der ADFC bietet hierfür einen Musterkaufvertrag sowie Tipps zum Gebrauchtradkauf an. Neue Eigentümer:innen können den Code beibehalten und sich mit dem Kaufvertrag als rechtmäßige Eigentümer ausweisen.
Sie können aber auch ihre persönliche Codierung zusätzlich anbringen lassen.
Vorteile gegenüber der Rahmennummer
Der ADFC empfiehlt, sowohl die Rahmennummer als auch die Codierung im Fahrradpass, in Kaufverträgen und - wenn das Fahrrad versichert ist - bei der Versicherung zu hinterlegen.
Viele aufgefundenen Fahrräder finden trotz Rahmennummer nicht zu ihren Eigentümer*innen zurück, weil diese ihre Räder nicht eindeutig beschreiben können und die Nummer nicht notiert haben.
Im bundesweit einheitlichen Fahrradpass können Rahmennummer, Codierungscode und besondere Merkmale sowie Fotos hinterlegt werden.
Der Pass hilft, Fahrräder eindeutig zu identifizieren und ist praktisch bei Diebstahlsanzeigen und für die Versicherung. Bei den Rahmennummern dagegen hat jeder Hersteller eine eigene Systematik - oder er nummeriert seine Produkte gar nicht.
Weil es keine gemeinsame Datenbank gibt, kann es aber auch zu Dopplungen kommen. Kein Wunder also, dass bei 90 Prozent der gefundenen Räder der Eigentümer bzw.
Zusätzliche Maßnahmen zum Diebstahlschutz
Die beste Chance, Fahrräder nach einem Diebstahl wiederzufinden ist, sie mit einem GPS-Tracker auszustatten. Dieser sollte an einer versteckten Stelle am Rahmen angebracht werden, um nicht aufzufallen.
Zusammen mit einem gut sichtbaren Code, der das Fahrrad als polizeilich registriert kennzeichnet, ergibt sich ein umfassender Schutz: Sollte das Rad trotz Kennzeichnung gestohlen werden, können Sie es per Smartphone-App verfolgen und bei einer Anzeige direkt den Standort mit angeben.
Im besten Fall helfen Sie damit sogar noch anderen Opfern eines Fahrraddiebstahls, wenn die Polizei weitere Räder bei den Dieben findet.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen.
Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.
Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.
Vorteile einer ADFC-Mitgliedschaft
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Außerdem erhalten Sie mit unserem ADFC-Magazin Radwelt Informationen zu allem, was Sie als Rad fahrenden Menschen politisch, technisch und im Alltag bewegt.
Nutzen Sie als ADFC-Mitglied außerdem vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Unternehmen sowie Versicherungen ausgehandelt haben.
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