Fahrrad Profi Werkzeug Test: Welches Werkzeugset ist das Richtige für Sie?

Wer sein Rad regelmäßig nutzt und nicht für jede Kleinstreparatur auf den Fachhändler angewiesen sein möchte, wird schnell feststellen, dass selbst für kleinere Wartungsarbeiten oft spezielles Werkzeug nötig ist.

Egal ob man die Kassette wechseln, die Kette auf Verschleiß prüfen oder schlicht die Pedale wechseln möchte: All das ist entweder nur mit dem passenden Werkzeug möglich oder fällt zumindest deutlich leichter.

Auch ein guter Satz Inbus- und Torxschlüssel gehört in jede noch so kleine Fahrradwerkstatt. Das Schöne daran ist - hat man die passenden Utensilien zur Hand, können auch Schrauber-Neulinge viele kleinere Wartungsarbeiten oder Reparaturen selbst erledigen.

So kann sich die Investition in passendes Werkzeug für das Rad schnell auf finanziell lohnen.

In diesem Artikel werden aktuelle Werkzeugkoffer für’s Fahrrad in der Praxis getestet, um zu ermitteln, wie die Qualität der beinhalteten Werkzeuge ist, ob alle notwendigen Teile für die gängigen Reparaturen und Wartungen enthalten sind, und ob das Set den Preis wert ist.

Das muss rein - und das nicht

Doch was gehört in so einen Koffer? Ganz grob lassen sich Tools für Arbeiten am Bike in drei Kategorien unterteilen.

Da wären zunächst "klassische" Werkzeuge wie Hammer, Zange, Metallsäge, Meterstab und Co., wie sie in fast jedem Haushalt zu finden sind.

Die zweite Kategorie ist der Grundstock an speziellen Tools fürs Fahrrad.

Mit diesen sollten alle üblichen Schraubenköpfe am Bike bedienbar sein.

Dazu müssen sie das Wechseln von Schaltzug, Pedalen und Reifen ermöglichen sowie des Antriebsstrangs aus Kassette, Kette, Kurbel/Kettenblatt und (geschraubtem) Innenlager.

Die dritte Kategorie bilden Spezial-Tools, die seltener benötigt werden, dann aber alternativlos sind.

Dazu zählen etwa Konusaufschläger, Kralleneinschläger, Zentrierständer, Einpresswerkzeug und vieles mehr.

Viele dieser Tools sind - vor allem in hochwertiger Ausführung - teuer und lohnen daher nicht für jede(n).

Die Bike-Basisausstattung:

  • Torx T10, T25, T30
  • Inbus 1,5, 2, 2,5, 3, 4, 5, 6, 8, 10 mm
  • Bowdenzug-Zange
  • Kettenlehre
  • Kettenschlosszange
  • Kettennietdrücker
  • Kettenpeitsche oder Rotzelzange
  • Kassettenabnehmer
  • Kettemblattschrauben-Gegenhalter
  • Tretlagerwerkzeug 16 Zähne (u.a. Shimano Hollowtech II)
  • Tretlagerwerkzeug 12 Zähne (u.a. Sram DUB)
  • Sternkappen-Tool (für Shimano-Kurbeln)
  • Reifenheber
  • Speichenschlüssel 14G (= 3,45 mm), 15G (= 3,23 mm)
  • Pedalschlüssel 15 mm

Allgemeine Werkzeuge

Viele Werkzeuge, die zur "normalen" Ausstattung einer Werkstatt für Heim und Hobby gehören und die es in jedem Baumarkt gibt, zählen wir nicht als spezielle Bike-Tools.

Dennoch ist etwa ein Hammer nötig, um die Steuersatzkralle (mit zusätzlichem Spezialwerkzeug) einzuschlagen - oder verpresste Lager aus.

Maulschlüssel kommen teils an Hinterbauschrauben zum Einsatz, zudem an Bremsleitungen.

Was wurde getestet?

Neben der Qualität der einzelnen Teile sehen wir uns auch die Zusammenstellung an und nehmen das Preis-/Leistungsverhältnis unter die Lupe.

Zwar haben bis auf BBB alle einen Schlüssel oder einen Aufsatz für außenliegende Lager mit 16 Rillen (u. a. Shimano Hollowtech II) an Bord, aber keiner einen mit 12 Rillen, wie ihn die DUB-Lager von Sram verlangen - obwohl aktuell mehr hochwertige Bikes mit Sram-Kurbeln als mit Shimano-Pendants auf dem Markt sind.

Dafür sind oft Tools dabei, die Standards bedienen, die teils seit über 20 Jahren überholt sind: etwa Kurbelabzieher für Vierkant und Co.

Immerhin, wer ältere Bikes sein Eigen nennt, freut sich darüber, ebenso über den Aufsatz für Cartridge-Innenlager, wie sie einst bei Vierkant-, Isis- und Octalink- Kurbeln zum Einsatz kamen.

Qualität der Werkzeugkoffer

Wenn man sich nur die Aufbewahrungsbox isoliert anschaut, ist die Güte durchweg gelungen.

Zwar sind die Größenunterschiede beträchtlich, im Inneren sind die Werkzeuge aber meist sehr gut untergebracht.

Ausnahme hierbei: Der Rose-Koffer ist extrem dicht bepackt, zudem halten besonders der Inbus- und Torx-Satz nur mäßig in den Fächern.

Das Unior-Set glänzt hingegen mit einem an Pelican-Cases angelehnten und entsprechend hochwertigen Design.

Auch der Topeak-Koffer gefällt.

Kritikwürdig finden wir die beim BBB einzeln eingeschweißten Werkzeuge sowie den allgemein streng-chemischen Geruch aller Koffer, der sich auch nach mehrtägigem Lüften nur leicht besserte.

Qualität der Werkzeuge

Wer billig kauft, kauft zweimal - dieser Spruch ist in Sachen Werkzeug berühmt.

Die Qualität der Tools muss also stimmen, um viele Jahre lang Spaß daran zu haben.

Spitzenreiter ist in dieser Hinsicht einmal mehr das teure Topeak-Set, das nicht viel preisgünstigere Modell von Unior liegt aber nur ganz knapp dahinter.

Auch BBB, Birzman und PRO weisen überwiegend sehr gut verarbeitete Werkzeuge aus.

Einzig das gemessen am Inhalt sehr günstige Rose-Set hält das Niveau nicht ganz, die Qualität geht aber auch noch in Ordnung.

Handling im Praxistest

Schlussendlich mussten sich die Sets bei typischen Arbeiten am Bike in Sachen Handling beweisen.

Auf dem Programm standen etwa das Kürzen einer Kette, Lösen und wieder Festziehen der Kassette, diverse Inbus- und Torx-Schrauben lösen und wieder festziehen, mit der Bowdenzug-Zange eine Außenhülle kürzen und Speichennippel nachziehen.

Spitzenreiter ist auch hier der Topeak-Koffer.

Unior macht einen ähnlich guten Eindruck, wobei die Tools nicht ganz so perfekt gummiert sind.

Bei BBB, Birzman und PRO wechselt sich viel Licht mit etwas Schatten ab, Rose bildet auch beim Handling das Schlusslicht.

Empfehlungen

Am Ende kann man mit allen Sets mehr als gut schrauben.

Wer viel an seinem Bike arbeitet oder arbeiten möchte, der sollte wegen der hochwertigen Werkzeuge zu Unior oder Topeak greifen.

Der stolze Preis schmerzt zwar in beiden Fällen, dürfte sich über die Haltbarkeit der Tools jedoch amortisieren.

BBB, Birzman und PRO eignen sich als wertiger Grundstock für die Heimwerkstatt.

Der Rose ist zum Einstieg eine durchaus probate Wahl - zumal er dank des Drehmomentschlüssels den größten Preisvorteil bietet.

Alternativen

  • Preiswert: Decathlon Fahrrad-Werkzeugkoffer 900
  • Teuer: Abbey Tools Team Issue
  • Fahrrad-Werkzeugkoffer selber bauen

Multitools für unterwegs

Multitools sind wahre Alleskönner und bieten je nach Modell ein breites Spektrum an Funktionen.

Von der schnellen Pannenhilfe bis hin zu komplexeren Reparaturen, die auch in der heimischen Werkstatt durchgeführt werden können, ist alles möglich.

Doch bei der großen Auswahl an Multitools kann man schnell den Überblick verlieren.

Die richtige Ausstattung für Ihr Fahrrad

Die Wahl des Werkzeugs hängt stark vom Fahrradtyp und vom Einsatzbereich ab.

Rennradfahrer bevorzugen oft leichte und kompakte Werkzeuge, die problemlos in der Trikottasche Platz finden.

Auf längeren Touren sind dagegen Multitools mit vielen Funktionen gefragt.

Bei älteren oder preiswerteren Fahrrädern ist oft ein 15er Maul- oder Ringschlüssel notwendig, um die Laufräder zu demontieren.

Da viele Multitools diese Schlüssel nicht enthalten, sollte in diesen Fällen ein separater Maulschlüssel mitgeführt werden.

Moderne Anforderungen an Multitools

Mit der Weiterentwicklung der Fahrräder ändern sich auch die Anforderungen an die Werkzeuge.

Moderne Fahrräder verwenden zunehmend Torx-Schrauben, daher sollte ein zeitgemäßes Multitool mindestens T10 und T25 Torx-Schlüssel enthalten.

Von Vorteil wäre auch ein T30.

Ein kompletter Satz Inbusschlüssel von 2 mm bis 8 mm ist unerlässlich.

Zusätzliche Funktionen, die den Unterschied machen

Einige Multitools bieten Zusatzfunktionen, die in bestimmten Situationen sehr nützlich sein können.

So sind viele Modelle mit Speichenschlüsseln ausgestattet, die aber nur dann nützlich sind, wenn sie zu den montierten Speichennippeln passen.

Einige Werkzeuge ermöglichen sogar die Reparatur von Tubeless-Reifen, indem sie mit einer Reibahle und einer Nadel für Spikes ausgestattet sind.

Ein kleines Fach für Ersatznippel rundet die Funktionalität ab.

Ergonomie und Qualität sind entscheidend

Ein Multitool ist nur dann nützlich, wenn es gut in der Hand liegt und sich die Werkzeuge leicht ausklappen lassen.

Die Werkzeuge sollten lang genug sein, um auch schwer zugängliche Stellen zu erreichen.

Hochwertige Materialien beugen Verschleiß und Korrosion vor.

Außerdem sollte das Werkzeug auch bei hohen Drehmomenten stabil bleiben.

Pflege Ihres Multitools

Ein Multitool kostet Geld und verrichtet nur im perfekten Zustand seinen Job.

Dazu ist es nötig, das Tool regelmäßig zu reinigen und pflegen.

Die Schritte dazu sind einfach: Tool unter Wasser abspülen, mit einer Bürste säubern, trocknen lassen und dann alle Gelenke und Schraubverbindungen mit Universalöl behandeln.

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