Jedem von uns fällt vermutlich schnell etwas ein, was das wichtigste Teil am Fahrrad ist. Aber Hand aufs Herz: Wahrscheinlich nicht an erster, zweiter oder dritter Stelle steht die Pumpe. Ja, es gibt Teile am Rad, ohne die wäre ein Fahrrad kein Fahrrad. Aber wenig ist so lange dabei - und seitdem kaum verändert - wie die Pumpe. Denn am frühen und am modernen Fahrrad ging und geht ohne Luft halt auch nichts. Das gilt besonders für die Minipumpen, die klein genug sind, um sie bei jeder Tour dabei haben zu können und trotzdem ordentliche Pumpleistung liefern.
Warum eine Minipumpe wichtig ist
Eine Minipumpe am Fahrrad kann Ihnen viel Ärger ersparen: Sinkt der Luftdruck in einem Reifen ab, können Sie sich mit Aufpumpen im günstigen Fall bis nach Hause retten. Oder noch besser: Sie haben Flickzeug oder einen Schlauch dabei. Die Qualität solcher Geräte zeigt sich jedoch erst im Notfall: Wie lange muss ich mit dem kleinen Ding pumpen, um mein Fahrrad wieder fahrbereit zu bekommen? Wie anstrengend ist das? Und schafft die kleine Pumpe es überhaupt, so viel Druck aufzubauen, wie ich für ein schnelles Fortkommen mit meinen Reifen benötige?
Arten von Fahrradpumpen
Es gibt im Markt einige unterschiedliche Ansätze, das Pumpen zu vereinfachen. Die Kleine für die Trikottasche? Die Dicke, die gerade noch in die Fahrradtasche passt? Mit welcher pumpe ich ewig, mit welcher bin ich ewig glücklich? Reifendurchmesser, Reifenbreite, Gewicht, Packmaß und Pumpkomfort sind die bestimmenden Auswahlkriterien. Wird die Pumpe regelmäßig benutzt oder kommt sie nur im Notfall zum Einsatz?
- Rahmenpumpen: Günstige Kompletträder verfügen häufig über eine Minipumpe. Die Modelle sitzen per fixer Halterung oder per Klettband meist direkt am Rahmen, sind leicht und handlich und kosten oft nicht allzu viel Geld. Im Gegenzug ist der Arbeitsaufwand wesentlich höher als bei einer Standpumpe. Je nach Dicke des Reifens benötigt man bis zu 100 Hübe - für Mountainbikes eignen sie sich deshalb kaum. Aber: Im Falle einer Reifenpanne oder für einfache Stadträder reicht eine Rahmenpumpe für 10 EUR ohne Weiteres aus.
- Minipumpen: Äußerst beliebt sind sogenannte Minipumpen, vor allem bei Tourenfahrern oder im Race-Bereich. Die Leichtgewichte unter ihnen wiegen 60 bis 110 Gramm, sind extrem klein und passen problemlos in die Trikottasche. Das Leistungspotenzial wiederum ist wie bei den Standpumpen äußerst unterschiedlich. Während einige Modelle in Tests über 200 Hübe benötigen, um einen Reifen auf 2 bar aufzupumpen, sind es bei anderen Exemplaren lediglich 60 bis 80. Wird die Minipumpe im Rucksack verstaut, empfiehlt es sich, zu einer etwas schwereren (bis zu 200 Gramm), dafür aber leistungsstärkeren Minipumpe zu greifen. Denn in der Regel fallen Handhabung und Ergonomie hier besser aus. Preislich wiederum bewegen sich die meisten Minipumpen grob zwischen 15 und 30 EUR.
- CO2-Kartuschenpumpen: Wenn es, wie etwa im Radrennsport, sehr schnell gehen soll, bietet sich darüber hinaus der Kauf einer Minipumpe mit CO2-Kartuschen an. Die Kartuschen nehmen die oft recht mühevolle Pumparbeit ab, außerdem sind sie schneller als händisch betriebene Pumpen und ermögliche eine leichte Kontrolle des Drucks. Der Nachteil wiederum: Die Kosten sind recht hoch, zudem sollten vorsorglich immer Ersatzkartuschen mitgeführt werden. Letzteres entfällt bei Kombi-Modellen, die sich sowohl mit Kartusche als auch manuell wie eine gewöhnliche Pumpe nutzen lassen.
Auswahlkriterien für Minipumpen
- Gewicht und Handling: Minipumpen sollen bei jeder Fahrt dabei sein und am Fahrrad nicht stören. Bei der Auswahl spielen Kriterien wie Maximaldruck, Volumen, Praxistauglichkeit und nicht zuletzt das Gewicht eine Rolle. Rennradfahrer und Mountainbiker wollen Gewicht sparen: Sie sind mit kleinen Geräten besser bedient. Doch nicht alle sind in der Lage, einen Rennradreifen auf 7 bar zu bringen.
- Pumpenkopf: Beim Pumpenkopf gibt es verschiedene Systeme. Am komfortabelsten, aber teils groß und schwer, sind Multi-Köpfe. Damit können alle Ventilarten ohne Umbau genutzt werden. Besonders prägnant ist der von SKS: gedreht, eingeschraubt. Für alle, die Autoventile (auch: amerikanisches oder Schrader-Ventil, kurz: AV) am Rad haben, ist das die falsche Wahl. Andere Hersteller nutzen Pumpenköpfe, die zwar mehrere Ventilarten zulassen, aber umgebaut werden müssen. Nur der Umbau ist teils etwas umständlich, weil sich die kleinen Bauteile oft nicht so leicht aus dem Kopf herausnehmen lassen oder man sie leicht verlieren kann. Deutlich einfacher ist es, wenn der Kopf nur in die Länge gezogen oder umgeschraubt werden muss, um die eine oder andere Ventilart nutzen zu können.
- Zusatzfunktionen: Hochwertige Minipumpen besitzen als Zusatztool oft einen Manometer, zudem kann man die Pumpleistung einstellen. Heißt: Sie pumpen entweder mit einem großen Volumen (ideal, wenn der benötigte Reifendruck nicht hoch ist) oder mit hohem Druck (etwa für Rennradreifen). Das macht entsprechende Pumpen flexibel und für mehrere Fahrradtypen einsetzbar.
Testkriterien
Alle Pumpen mussten einen 40 Millimeter breiten Reifen eines Gravelbikes von platt auf drei Bar bringen. Ein typisches Pannenszenario und übertragbar auf viele E-, City- und Tourenbikes, die mit vergleichbar dimensionierten Reifen unterwegs sind. Anschließend musste jede Pumpe zeigen, ob sie auch eine Rennradtour retten kann und mindestens 7 bar erreicht.
So haben wir getestet:
- Pumpleistung: Alle Probanden wurden deshalb einem Test unterzogen, bei dem ein Reifen der Dimension 50-584 von 1 auf 3 bar aufgepumpt werden muss. Die Leistung hängt von einem ausgeglichenen Maß aus Durchmesser und Hub der Pumpe ab. höherem Druck mehr Kraft. Wer Ausdauer hat, kann aber auch mit einer kleinen Pumpe kraftsparend pumpen. Im Test reicht die Zahl der Hübe von 86 (Topeak) bis 698 (Schwalbe). Welche Kraft man über die gesamte Strecke aufbringen musste, um die Reifen auf 3 bar zu bekommen, ist ebenfalls Teil der Wertung „Pumpleistung“.
- Ergonomie und Haptik: Bei der Ergonomie und Haptik achten wir auf Ecken und Kanten. Auch Durchmesser, Griffigkeit und Material der Oberfläche gehen mit in die Wertung ein. So bietet etwa blankes Alu bei Hitze und Kälte nicht den Komfort wie Kunststoff-, oder weiche Oberflächen, die älter aber manchmal klebrig werden können. Gut griffig ist auch die geriffelte Alupumpe von Lezyne. Ein großes Problem mancher Pumpen ist das Klemmrisiko für Finger oder Handballen.
- Handhabung und Transport: Die Handhabung bezieht sich auf die Maße der Pumpe, das Gewicht, was entscheidend für den Transport ist. Den Umgang und den universellen Einsatz deutlich vereinfachen soll das neue Clik-Valve getaufte Universal-Ventil von Schwalbe. Es soll alle üblichen Typen ersetzen können und es gibt Adapter für jeden Ventileinsatz, lässt sich also überall nachrüsten.
Getestete Miniluftpumpen
Diese Miniluftpumpen wurden getestet:
- BBB Cycling Doubleshot (UVP: 59,95 Euro)
- Contec Air Support Go Switch (UVP: 17,95 Euro)
- Crankbrothers Klic HV Gauge (Herstellerpreis: 49,99 Euro)
- Lezyne Pocket Drive Pro (UVP: 44,95 Euro)
- SKS Airflex Explorer (UVP 34,95 Euro)
- Topeak Turbo Morph Digital (UVP: 79,95 Euro)
Einzeltests der Pumpen
BBB Cycling Doubleshot
Für die Doubleshot gibt es keine Halterung zur Befestigung am Rahmen. Die habe ich auch nicht vermisst, denn die kleine und leichte Pumpe passt mit einer Transportlänge von nur zwölf Zentimetern neben dem Ersatzschlauch in meine kleine Satteltasche, aber auch in jede Trikot- oder Jackentasche. Mit ihren 84 Gramm stört sie weder dort noch an anderen Stellen.
Contec Air Support Go Switch
Die Air Support Go Switch hat einen Schalter zum Wechseln zwischen HV und HP - also zwischen einer hohen Volumenleistung und hohem Druckaufbau. Wobei »hohes Volumen« bei der kleinen Pumpe relativ ist: mit gemessenen 30 cm3 Volumen benötigte ich 255 Hübe, um den Testreifen in der Einstellung »HV« auf 3 bar aufzupumpen. Das ist unterer Durchschnitt. Überzeugen konnte mich die kleine Pumpe am Rennradreifen: Erst bei 7,1 bar habe ich aufgegeben - für mein Rad und mich sogar etwas mehr Druck, als ich benötige.
Crankbrothers Klic HV Gauge
Die Pumpe hat vorn keinen sichtbaren Pumpenkopf, erst nachdem man den Ring gedreht hat, wird ein magnetischer Anschluss für einen Schlauch freigelegt. Diesen findet man im Handgriff, wenn man das Ende des Griffs zu einem »T« aufklappt. Der Schlauch wird magnetisch gehalten. Zumindest im Prinzip, denn er muss mitsamt Gewinde über das Ventil gedreht werden.
Lezyne Pocket Drive Pro
Die Pocket Drive passt mit 15 Zentimetern Länge und einem Durchmesser von etwa 2,5 Zentimetern tatsächlich in die namensgebende Tasche von Jacke oder Trikot. Hersteller Lezyne liefert dennoch eine kleine Rahmenhalterung mit. Sie ist ebenso wie die meisten Bestandteile der Pumpe selbst aus Aluminium. Alles wirkt stabil und hochwertig.
SKS Airflex Explorer
Hersteller SKS bietet die Airflex in den Varianten »Explorer« für Mountainbikes und »Racer« für Rennräder an. Wir haben uns für die Explorer entschieden und damit für mehr Volumen, aber geringeren Druck.
Topeak Turbo Morph Digital
Mit einer Länge von 35 Zentimetern ist sie fast dreimal so lang wie das kleinste Modell im Testfeld und 318 Gramm auch nicht leicht. Dafür ist sie eine Art Mini-Standluftpumpe. Oben lässt sich ein Griff, unten ein Fuß ausklappen. Der 25 Zentimeter lange Schlauch reicht aus, um an ein in Richtung Boden gedrehtes Ventil heranzukommen. Zumal die Enden des Schlauchs sowohl an der Pumpe als auch am Kopf frei drehbar sind.
Der richtige Luftdruck
Der richtige Luftdruck ist abhängig von Fahrergewicht, Gepäck, Reifendurchmesser, -breite, Untergrund und Witterung. Minimal- und Maximaldrücke des Reifens sind auf der Seitenwand aufgedruckt und sollten nicht unter- oder überschritten werden. Für weniger Rollwiderstand auf Asphalt, höheren Durchschlagschutz und längere Reifenlebensdauer den Druck etwas erhöhen. Am Vorderrad, für mehr Komfort, Traktion und weniger Rollwiderstand im Gelände den Luftdruck etwas senken. Wer tubeless fährt, kann den Druck ebenfalls etwas senken.
Laut Reifen- und Schlauchhersteller Schwalbe ist ein Druckverlust von knapp 1 bar im Monat bei Butylschläuchen völlig normal. Der Luftdruck sollte daher spätestens alle drei Wochen, bei Tubeless-Systemen alle zwei Wochen und bei Latexschläuchen sogar vor jeder Fahrt überprüft werden.
Überblick über Ventilarten
Drei Ventilarten sind für Fahrräder relevant:
- Presta-Ventil (SV): Auch Rennrad-, französisches oder Sclaverand-Ventil genannt.
- Schrader-Ventil (AV): Auch Auto- oder Mountain-Bike-Ventil bekannt.
- Dunlop-Ventil (DV): Auch Normal-, Fahrrad- und Blitzventil genannt.
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