Am Fahrrad den Schlauch oder Reifen zu wechseln, dürfte wohl zu den häufigsten Tätigkeiten eines Fahrradfahrers zählen. So gut das Material und die Qualität eines Fahrradreifens und Fahrradschlauches heutzutage auch sein mag, spätestens wenn der Zahn der Zeit über Jahre am Material genagt hat, das Profil des Reifens abgefahren ist oder dieser durch Risse aufgrund zu niedrigen Luftdrucks porös geworden ist, wird eine Erneuerung nötig sein.
Auch wenn das Material eines Fahrradreifens heutzutage durch hohe Qualität überzeugt, wirst du schon allein durch den natürlichen Verschleiß bei regelmäßiger und langjähriger Nutzung nicht um eine Erneuerung herumkommen. Spätestens bei einem abgefahrenen Profil sollte der Reifen getauscht werden. Auch wenn du oft mit zu niedrigem Luftdruck fährst, bilden sich an der Reifenflanke mit der Zeit Risse. Diese können irgendwann den Reifen unter Belastung regelrecht platzen lassen. Auch Hitze, Kälte und UV-Licht setzen einem Reifen auf Dauer zu.
Und gegen einen aufgrund von Durchstichen beschädigten Schlauch ist natürlich niemand gewappnet. Eine Reifenpanne entsteht also schnell. In dem Fall musst du einen Flicken an der schadhaften Stelle anbringen oder den Schlauch ersetzen.
Durch das Aufkommen der Reifen mit Pannenschutzeinlage (z.B. von Schwalbe) hat man als Fahrradfahrer zum Glück schon mal deutlich weniger mit geplatzten und gerissenen Schläuchen zu tun, aber auch der beste Pannenschutz kann bei ungünstigen Durchstichen nicht immer einen beschädigten Schlauch verhindern. Das Risiko wird aber deutlich minimiert.
Moderne Pannenschutzreifen für Fahrräder kosten zwar ein wenig mehr als Reifen ohne Schutz, aber oft hat sich dieser Mehrpreis nach der ersten verhüteten Panne schon gerechnet. Zumal wohl niemand gerne mitten im Wald mit einem Platten liegenbleiben möchte. Ein Pannenschutzreifen bietet also deutlich mehr Komfort und Sicherheit.
In der Regel fahren die meisten mit Ihrem Fahrrad dann in eine Fahrradwerkstatt und lassen Reifen und Schlauch vom Fachmann wechseln. Bist du bisher für den Wechsel der Reifen bzw. die Reifenmontage immer in eine Werkstatt gefahren und hast dein Fahrrad dem Fachmann übergeben? Mit unserer Anleitung und wenig Werkzeug kannst du dies in Zukunft problemlos selbst bewerkstelligen.
Nachfolgend erklären wir Ihnen, anhand einer bebilderten Schritt-für Schritt-Anleitung, wie Sie beim Wechsel bzw. der Erneuerung eines Fahrradschlauchs und/oder eines Fahrradreifens vorgehen sollten. Nachfolgend erklären wir dir, was du bei der Reifenmontage beachten solltest.
Inhaltsverzeichnis:
- Verschiedene Reifentypen
- Laufrad ausbauen
- Reifen vom Laufrad abnehmen
- Reifen am Laufrad anbringen
- Reifendrucktabelle für das Fahrrad
Verschiedene Reifentypen
Bevor du das Projekt Reifenmontage beginnst, solltest du dich eingehend damit auseinandersetzen, um welche Art von Reifen es sich bei deinem Fahrrad handelt. Denn es bestehen gravierende Unterschiede bei den Reifen. So gibt es:
- Standard- oder Drahtreifen: Die Reifenluft befindet sich im Fahrradschlauch, und der Reifen ist auf eine Standardfelge aufgezogen.
- Tubeless- oder Tubeless-Ready-Reifen: Diese Reifen haben keinen Schlauch und sind auf eine spezielle schlauchlose Felge aufgezogen.
- Schlauchreifen: Der Schlauch ist innenliegend zusammengenäht oder -geklebt und die Karkasse an die Felge geklebt.
Die folgenden Anweisungen beziehen sich auf Standard-Drahtreifen-Systeme. Wenn dein Fahrrad über andere Reifentypen verfügt, solltest du dich an einen Fachhändler wenden.
Laufrad ausbauen
Zunächst bauen Sie das entsprechende Laufrad aus. Stellen Sie das Fahrrad dazu am besten auf den Kopf bzw. auf den Sattel und Lenker. Um Schrammen am Fahrrad zu vermeiden, legen Sie alte Putzlappen unter.
Folge zunächst einmal den Anweisungen zum Aushängen der Bremse in unserem Beitrag Fahrradbremsen prüfen und einstellen. Arbeite im Anschluss die einzelnen Schritte zum Ausbau des Laufrads im Beitrag Laufrad beim Fahrrad einbauen und überprüfen durch.
Entweder lösen Sie das Laufrad mit einem eventuell vorhandenen Schnellspanner oder die Schraubmuttern mit einem Gabel-/Ringschlüssel (meist ein SW15). Handelt es sich um das hintere Laufrad, wo auch die Schaltung sitzt, müssen Sie beim Abnehmen des Hinterrades das Schaltwerk nach hinten wegdrücken. Schalten Sie vorher die Gänge auf das kleinste Ritzel zurück. So können Sie es leichter aushängen.
Hat Ihr Fahrrad Felgenbremsen, schauen Sie, ob Sie das Laufrad durch die Bremsen hindurchgezogen bekommen. Andernfalls lösen Sie die Felgenbremsen und ziehen dann das Rad durch die Bremsbeläge.
Reifen vom Laufrad abnehmen
Ziehe den Reifen mit den Händen oder einem Reifenheber von der Felge. Verwende keine scharfen Gegenstände wie beispielsweise Schraubendreher, um den Reifen abzunehmen.
- Lasse die gesamte Luft aus dem Schlauch ab.
- Drücke die Reifenwülste in das Felgenbett. Wiederhole diesen Vorgang, um das ganze Laufrad herum.
- Wenn du einen Reifenheber verwendest, hebe einen Reifenwulst an und entnimm ihn aus der Felge. Beginne auf der gegenüberliegenden Seite des Ventils.
- Arbeite dich auf diese Weise rund um das Laufrad, bis ein Wulst vollständig frei ist.
- Greife in den Reifen und nimm den Schlauch heraus.
- Ziehe den zweiten Wulst aus der Felge.
Haben Sie das Laufrad aus der Gabel bzw. dem Fahrradrahmen genommen, lassen Sie die Luft über das Ventil aus dem Reifen bzw. Schlauch. Beginnen Sie auf der gegenüberliegenden Seite des Ventils damit, den Reifen mittels des Reifenhebers von der Felge zu hebeln. Kontrollieren Sie jetzt das Felgenband auf Schäden und tauschen Sie es gegebenenfalls aus.
Sollte der Mantel samt Schlauch gewechselt werden, empfiehlt es sich bei dieser Gelegenheit auch gleich das Felgenband zu wechseln. Ein günstiges Felgenband kostet ca. 2-3 Euro. Diese kleine Investition lohnt sich auf jeden Fall, da nur ein komplett heiles Felgenband den Schlauch schützen kann. Besonders wenn das Felgenband schon Risse oder Scheuerstellen hat oder verzogen ist, sollte unbedingt ein neues eingelegt werden.
Reifen am Laufrad anbringen
- Befolge zur Überprüfung von Felge, Felgenband und Reifen die Inspektionsanweisungen im Beitrag Laufrad beim Fahrrad einbauen und überprüfen. Kontrolliere auch die Innenseite des Reifens.
- Wenn du den Schlauch oder den Reifen ersetzen willst, setze dich im Vorfeld mit der benötigten Größe auseinander. Dazu solltest du die Hinweise auf der Reifenflanke beachten oder dich bei einem versierten Fahrradtechniker erkundigen.
- Pumpe den Schlauch auf, bis er allmählich Form annimmt.
- Setze den Schlauch in den Reifen ein.
- Schiebe das Ventil durch die Felgenöffnung.
- Bringe den ersten Wulst nur mit den Händen in der Felge an. Beginne am Ventil.
- Drücke Reifen und Schlauch nach innen, bis der Schlauch sich innerhalb der Felge befindet.
- Schiebe nun den zweiten Wulst nur mit den Händen in die Felge. Beginne am Ventil. Achte darauf, dass der Schlauch nicht zwischen Felge und Reifen eingeklemmt wird.
- Schiebe den Ventilfuß so in den Reifen, dass er nicht zwischen einem Reifenwulst und der Felge eingeklemmt wird.
- Pumpe den Reifen etwa zur Hälfte auf und prüfe dann, ob der Reifenwulst korrekt in der Felge sitzt.
- Lasse die Luft wieder ab. Dadurch wird verhindert, dass der Schlauch eingeklemmt wird.
- Pumpe die Reifen entsprechend der Druckangaben an der Reifenflanke auf. Achte jedoch darauf, den Reifen nicht zu stark aufzupumpen.
Sie können Reifen, Schlauch und Felgenband natürlich einzeln kaufen, wenn Sie Ihr Fahrrad aber komplett "überholen" wollen, bietet sich unter Umständen ein Reifen-Komplett-Set an. Hier erhalten Sie 2 Reifen, 2 passende Schläuche und 2 Felgenbänder.
Anschließend gilt es den neuen Fahrradmantel auf das Laufrad zu ziehen. Dieses gelingt am einfachsten mit einem geeigneten Schmiermittel, z.B. mit dem Schwalbe Montagefluid Easy Fit. So rutscht der Rand des Reifens sicher in seine Position. Dieser Punkt scheint auf den ersten Blick recht belanglos, hilft aber ungemein, den Reifen später in die richtige Position auf der Felge zu bringen.
Bevor Sie aber beginnen, den neuen Fahrradreifen auf die Felge aufzuziehen, müssen Sie noch die Laufrichtung des Reifens beachten. Das Reifenprofil ist entsprechend der Laufrichtung ausgerichtet. Das heißt, nur in diese Richtung wird das Profil optimal "greifen" und während der Fahrt den nötigen Grip und Stabilität gewährleisten. Auf der Reifenflanke ist ein Pfeil mit einer Bezeichnung (z.B. Rotation) aufgedruckt.
Stülpen Sie den Reifen (ohne den neuen Schlauch) mit einer (!) Seite komplett über die Felge. Setzen Sie das Fahrradventil vom Schlauch in die Ventilöffnung ein und sichern es ein wenig mit der (eventuell vorhandenen) Befestigungsschraube. Bitte die Schraube noch nicht komplett am Ventil anziehen, sondern nur locker festschrauben.
Anschließend wird der Schlauch mit einer Fahrradpumpe ein wenig (!) mit Luft gefüllt. Schieben Sie den Fahrradreifen soweit es geht per Hand über das Felgenhorn. Bei neuen Reifen wird man dann an den Punkt kommen, wo sich der Reifen per Hand nicht weiter auf die Felge aufschieben lässt. Mit einem geeigneten Hebelwerkzeug (z.B. das erwähnte Reifenheber-Set von XLC) kann man relativ einfach den "Rest" vom Reifen über das Felgenhorn auf die Felge hebeln. Oft klappt dieses ganz gut mit nur einem Reifenheber, falls nicht, nutzen Sie zwei Reifenheber dazu, die Sie je rechts und links ansetzen. Somit wird verhindert, dass der Reifen wieder von der Felge rutscht.
Abschließend sollte der neu aufgezogene Fahrradreifen auf dem Laufrad per Hand noch ein wenig bewegt/gewalkt werden, damit er sich gut auf die Felge setzt. Danach sollten Sie den Schlauch entsprechend der Angabe auf dem Mantel mit Luft befüllen.
Ganz zum Schluss sollten Sie noch einmal genau betrachten ob der Mantel auch richtig auf der Felge sitzt. Dieses erkennen Sie an der geriffelten Fläche am Übergang zur Felge. Das runderneuerte Laufrad mit Reifen und Schlauch kann nun wieder am Fahrradrahmen bzw. in der Gabel montiert werden.
Reifendrucktabelle für das Fahrrad
Um Rissen im Reifen aufgrund zu niedrigen Luftdrucks vorzubeugen oder platzende Reifen wegen zu hohen Drucks zu verhindern und allgemein für möglichst hohen Fahrkomfort, solltest Du Dich eingehend mit dem richtigen Reifendruck für Dein Fahrrad auseinandersetzen und wissen, wie Du diesen überprüfen kannst.
Eine Faustregel darüber, welcher Luftdruck im Fahrradreifen optimal ist, gibt es allerdings nicht. Viel mehr hängt der richtige Druck vom Gewicht des Radfahrers und der Belastung der Reifen durch den Fahruntergrund ab. Der Druck wird dabei nicht vom Gewicht des Fahrrads beeinflusst - wie es beim Auto der Fall ist. Auch spielen für den Luftdruck im Reifen individuelle Vorlieben, wie der geringere Rollwiderstand oder auch der Federungskomfort, eine Rolle. So wird beispielsweise bei höherem Luftdruck der Rollwiderstand geringer.
Auf jedem Reifen ist angegeben welcher Druckbereich für den Reifen zulässig ist. Diese Angabe findet man auf der Mantelseite.
Reifendrucktabelle:
| PSI | ATM | kPa |
|---|---|---|
| 35 | 2.38 | 238 |
| 40 | 2.72 | 272 |
| 45 | 3.06 | 306 |
| 50 | 3.40 | 340 |
| 55 | 3.74 | 374 |
| 60 | 4.08 | 408 |
| 65 | 4.42 | 442 |
| 70 | 4.76 | 476 |
| 75 | 5.10 | 510 |
| 80 | 5.44 | 544 |
| 85 | 5.78 | 578 |
| 90 | 6.12 | 612 |
| 95 | 6.46 | 646 |
| 100 | 6.80 | 680 |
| 105 | 7.15 | 715 |
| 110 | 7.48 | 748 |
| 115 | 7.83 | 783 |
| 120 | 8.17 | 817 |
Diese Angaben sind ohne Gewähr
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