Wer in Münster seinen Drahtesel wieder flott machen will, ohne teure Reparaturen bezahlen zu müssen, hat in Münster durchaus die Chance dazu. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich selbst die Hände schmutzig zu machen.
Selbsthilfewerkstätten in Münster
Eine Reparatur in der Werkstatt von Fahrradgeschäften ist oft teuer. Und selber reparieren ohne eigenes Werkzeug und Erfahrung. Doch, diese Möglichkeiten gibt es.
Leezenküche des ADFC Münster
„Unsere Werkstatt steht allen offen“, sagt etwa Hermann Holzapfel von der Leezenküche in Münster, ein Angebot des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), „eine Mitgliedschaft ist keine Bedingung.“ Immer mittwochs steht das Team für die Sorgen und Nöte von Leezenbesitzerinnen und -besitzern für drei Stunden zur Verfügung. Dann wird an den Rädern alles Mögliche geschraubt, geölt oder eingestellt. Die erwartete Gegenleistung: ein Obolus für die Spendenbox. Die Leezenküche an der Dortmunder Straße gibt es seit gut 15 Jahren. Längst hat sie sich zu so etwas wie einem sozialen Treffpunkt entwickelt, meint Holzapfel.
„Zu uns kommen oft Studenten aus dem Viertel oder auch andere Leute, die nicht viel Geld haben. Hier wird dann zusammen geklönt und Kaffee getrunken.“ Eines macht Fahrrad-Fachmann aber unmissverständlich klar: „Wir erwarten die Bereitschaft mit anzupacken. Leute, die ihr Rad einfach nur abgeben wollen und dann bei der Arbeit nur zugucken, die sehen wir hier nicht gerne.“ Wer dagegen wenig Erfahrung im Schrauben hat oder ungeübt ist, aber mit Hand anlegt, dem wird gerne geholfen. Diese Vorbedingung gilt auch für die anderen Angebote zur Selbstreparatur.
Standort: Dortmunder Straße 19, 48155 Münster. Die Werkstatt hat einen eigenen Zugang über die weiße Doppeltür von der Leerer Straße.
Wann? Jeden Dienstag von 16:30 Uhr bis 19:30 Uhr und ab sofort auch an zwei zusätzlichen Tagen im Monat, immer am 1. und 4. Donnerstag von 16.30 bis 19.30 Uhr.
Kosten? Keine. Wenn es dir möglich ist, bitten wir dich allerdings, am Ende ein paar Euro in unsere Spendenbox zu werfen. Wir kaufen von dem Geld Werkzeug und Verbrauchsmaterial für die Werkstatt und leisten einen Beitrag zu den allgemeinen Kosten der ADFC-Geschäftsstelle, in der sich die Leezenküche befindet (Heizung, Licht, Versicherung, Reinigung usw.).
Weitere Selbsthilfewerkstätten
„Wir erwarten, dass mitgemacht wird“, heißt es etwa beim Jugendinformations- und -bildungszentrum Jib, das zusammen mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Uni Münster eine Fahrradwerkstatt im Keller unter dem Gleis 22 betreibt. Dort stehen vier parallele Arbeitsplätze an vier Tagen in der Woche zur Verfügung. Für einen Unkostenbeitrag von drei Euro kann hier an der Möhre nach Herzenslust gewerkelt werden. „Bei uns gibt es gängige Einzelteile - neu und gebraucht - für gängige Räder.“
Gelegenheit zur Selbstreparatur bietet ebenso die Leezenwerkstatt des cuba. "Die Arbeit leisten zwei ehrenamtliche Schrauber für uns, die sich hinterher über eine Spende freuen", erklärt Andreas Weber, Leiter des cuba-Kulturbüros. Erst im April habe die Werkstatt ihr Einjähriges gefeiert.
Zum Schluss soll ein beispielhaftes Angebot nicht verschwiegen werden, das die Internationale Fahrradwerkstatt, eine Einrichtung des Vereins IntegrationsForum Münster, auf dem Gelände der Oxford-Kaserne in Gievenbeck eingerichtet hat. Dort können nicht nur Leezen repariert werden, sondern vor allem geflüchtete Menschen gespendete und reparierte Räder bekommen.
Fahrradreparaturkurse in Münster
Du möchtest lernen, wie du dein Fahrrad selbst reparieren und pflegen kannst? Dann bist du hier genau richtig! Im Jugendinformations- und -bildungszentrum Münster veranstalten wir einen praktischen Workshop zum Thema Fahrradreparatur.
Inhalte des Workshops:
- Kette: Einstellen, fetten und was tun, wenn die Kette abspringt.
- Reifen: Luftdruck einstellen, Flicken und Wechseln.
- Licht: Kurzer Check und einfache Lösungen, um das Licht einzustellen.
- Bremse: Einstellen und prüfen.
- Kleine Inspektion: Schrauben checken, Lager prüfen
- Welches Werkzeug brauche ich zu Hause?
- Allgemeiner Umgang: Wo stelle ich mein Fahrrad hin?
Der Workshop richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die Lust haben, ihr Fahrrad besser kennenzulernen und selbst Hand anzulegen.
Tipps zur Fahrradreparatur und -pflege
Ein häufiges Problem, dem Fahrradfahrer begegnen, ist ein gerissenes Lampenkabel. Es gibt natürlich verschiedene Methoden, ein Lampenkabel zu „flicken”. Spezielle Klemmen und Verbinder wären eine Möglichkeit. Deutlich schöner finde ich die direkte Verbindung ohne extra Bauteile. Das hat auch den Vorteil, dass man anschließend keine störenden Elemente entlang des Kabelstrangs hat.
Anleitung zur Reparatur eines Lampenkabels:
- Demontage: Stelle dein Fahrrad sicher hin oder nutze einen Montageständer. Falls notwendig, entferne Abdeckungen oder das Gehäuse der Lampe. Lege die beiden Enden des Lampenkabels frei. Achte darauf, die Teile nicht zu beschädigen.
- Kabelenden abschneiden: Schneide die beschädigten Enden mit einem Seitenschneider ab, um saubere Drahtenden freizulegen.
- Drahtenden abisolieren: Entferne die Isolierung von den freigelegten Drahtenden, sodass etwa 4 bis 6 cm blanker Draht zum Löten verfügbar ist.
- Drähte/Litzen vorbereiten: Draht: Ganz leicht verzinnen, Litze: Verdrillen
- Schrumpfschlauch aufschieben: Schiebe jetzt den Schrumpfschlauch in ausreichender Länge auf ein Drahtende. Wenn du später beide Drähte ebenfalls noch mal mit einem Schrumpfschlauch ummanteln willst, musst du diesen hier ebenfalls schon aufschieben.
- Drähte kreuzen und wickeln: Kreuze die beiden Drähte etwa mittig und wickele den freien Draht anschließend eng um den anderen Draht.
- Zwischentest: Teste jetzt einmal, ob das Licht funktioniert.
- Löten: Mit dem Lötkolben und Lötzinn verzinnst du nun den freiliegenden Draht. Trage das Lötzinn gleichmäßig auf, bis die Verbindung gut bedeckt ist. Achte darauf, dass keine überschüssigen Tropfen entstehen.
- Zwischentest: Teste lieber noch einmal, ob das Licht weiterhin funktioniert.
- Isolierung: Jetzt kannst du den Schrumpfschlauch über die gelötete Verbindung schieben und mit einem Feuerzeug schrumpfen. Alternativ kannst du Isolierband verwenden.
Verkehrssicherheit und der ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.
Was bringt eine ADFC-Mitgliedschaft?
Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür - auch Dank Ihrer Mitgliedschaft - nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben.
Verkehrssicherheit: Was muss ich beachten?
Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben.
Worauf sollte ich als Radfahrer achten?
Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.
Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.
Pedelecs und E-Bikes: Was ist der Unterschied?
Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle.
ADFC-Radurlaubsplaner
Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich.
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