Der Riemenantrieb am Fahrrad: Eine Alternative zur Kette

Für Stadtradler, Vielfahrer und Globetrotter ist der Riemenantrieb auf jeden Fall eine Überlegung wert. Wer schmutzfrei ankommen möchte, geringen Wartungsaufwand und eine hohe Lebensdauer schätzt, ist damit bestens bedient. Kaum verwunderlich also, dass die Nachfrage nach dem Carbongurt steigt.

Was ist ein Riemenantrieb?

Das Prinzip gleicht dem eines klassischen Kettenantriebs: Statt einer Kette mit unterschiedlichen Ritzeln hat man einen Riemen mit keilartigen Zähnen, der über zwei Riemenscheiben läuft. Dieser besteht aus extrem zugfesten und langlebigen Carbonfasern.

Führend am Markt ist die amerikanische Firma Gates, welche den Gates Carbon Drive herstellt. Den Spezialisten gelang es gegenüber anderen Herstellern Zahnriemen herzustellen, die auch unter Belastung keine Längenveränderung aufweisen. Ermöglicht wird dies durch eingearbeitete Carbon-Zugstränge.

Vor- und Nachteile eines Riemenantriebs

Vorteile:

  • Geringer Wartungsaufwand: Während ein Fahrrad mit Kettenantrieb regelmäßig gewartet werden muss, um Dreck von der Kette zu entfernen und neues Öl aufzutragen, ist der Riemenantrieb bedeutend wartungsärmer.
  • Hohe Lebensdauer: Generell hängt die Laufleistung eines Antriebes mit Faktoren wie Schmutz und Wetter und mit der richtigen Pflege zusammen.
  • Geringe Geräuschentwicklung: Beim Riemenantrieb gibt es keinen Kontakt einzelner Metallteile wie bei der traditionellen Fahrradkette. Immer wieder wird betont, dass Fahrrad-Riemenantriebe leise in ihrer Funktion sind. Bei richtig ausgerichtetem Riemen und Riemen-Zähnen in gutem Zustand trifft dies zu. Es gibt keine ausgeleierten Kettenglieder sowie Quietsch- oder Knackgeräusche.
  • Schutz der Kleidung: Ölen und Schmieren gehören beim Riemenantrieb der Vergangenheit an. Dadurch gibt es keine ölverschmierten Hosenbeine.
  • Allwettertauglichkeit: Durch den wasserfesten Aufbau ist der Antrieb gegen Rost sozusagen immun. Die einfache Pflege kommt vor allem Pendlern und Alltagsfahrern, aber auch Gelegenheitsradlern, entgegen.

Nachteile:

  • Empfindlicher: Der Riemen aus Carbonfasern ist äußerst belastbar. Wenn sich jedoch beispielsweise ein Ast verfängt, kann der Riemen etwas empfindlicher reagieren als eine Kette. Dass ein Riemen leichter reißt als eine Kette, ist bei Qualitätsprodukten und bei richtiger Verwendung kaum der Fall.
  • Kostenintensiver: In der Anschaffung ist ein Bike mit Riemenantrieb teurer.
  • Einbau: Ein Riemenantrieb lässt sich nicht auf jedes Rad spannen. Der Rahmen muss dazu über eine spezielle Öffnung verfügen und auch steif genug sein. Er ist zudem nur in Kombination mit einer Naben- oder Tretlagerschaltung möglich.
  • Spezifischer Rahmen notwendig: Aufgrund der Tatsache, dass man für einen Riemenantrieb einen speziellen Rahmen benötigt, ist das Um- bzw. Nachrüsten eines Riemenantriebs zwar möglich, aber es ist mit einem sehr hohen Aufwand verbunden.

Einsatzbereiche des Riemenantriebs

  • Für City- und Arbeitsweg-Radler: Völlig schmutzfrei in der Stadt und am Arbeitsplatz ankommen?
  • Weltenbummler: Die Allwettertauglichkeit des Riemenantriebs ist gerade für Globetrotter und Weltenbummler von Vorteil.

Bei einigen E-Mtbs, SUV E-Bikes, Urban Bikes und Trekking-Bikes kann man den Riemenantrieb optional auswählen. Durch die Belt-Drive-Technologie lässt sich der Rahmen zum Einfädeln eines Riemens an der rechten Sitzstrebe öffnen. Hier ist der Antrieb nach Wunsch auch im Nachhinein montierbar.

Wartung und Pflege des Riemenantriebs

Ganz pflegefrei ist der Riemenantrieb eines Fahrrads jedoch nicht. Bei Verschmutzungen sollte der Carbonriemen mit Wasser gereinigt werden. Der Riemen muss bei der Erstmontage, nach einigen Fahrkilometern sowie nach dem Ausbau des Hinterrades gespannt werden.

Wer seinen Riemen hin und wieder pflegt und die Spannung überprüft, braucht sich auch keine Sorgen bezüglich Störgeräusche sowie klappernde Ketten machen. Typische Merkmale für einen zu locker gespannten Riemen ist das Durchrutschen des Keilriemens oder bei zu straff gespannten Riemen werden sämtliche Lager belastet, was auch nicht gut ist.

Um ein Überspringen des Carbon Riemens zu verhindern, gibt es sogenannte Snubber. Der Übersprungschutz kann beispielsweise bei einer Shimano Alfine oder Shimano Nexus Nabenschaltung montiert werden. Der korrekte Spannungsbereich wird in Pfund, Kilogramm oder bei der App in Hertz angegeben.

Riemenspannung

Bei der Riemenspannung kann ich keine Probleme beim Ein- und Ausbau des Hinterrades feststellen. Einmal eingestellt (mittels verschiebbare OEM Platte), erreiche ich beim Einbau ohne Probleme wieder die richtige Spannung. Dafür drücke ich lediglich - wie bei der Kette auch - das Hinterrad beim Einbau etwas nach hinten. Das reicht völlig. Für eine eventuelle Nachjustage habe ich rechts und links Spannschrauben, die dann das Rad samt OEM Platte verstellen. Die richtige Spannung lässt sich einfach mit Druck auf den oberen Riemen feststellen: dieser sollte nicht mehr als 5 mm nachgeben.

Riemenantrieb vs. Kette: Ein Vergleich

Sowohl die Kette als auch der Riemen haben ihre Vorteile. Im Vergleich zu einer Kette mit Nabenschaltung bietet der Zahnriemenantrieb laut Gates nahezu denselben Wirkungsgrad, da der Effizienzverlust bei Nabengetriebe-Kette und Nabengetriebe-Riemen vorwiegend durch die Reibung des Nabengetriebes gegeben ist.

Zudem hat der Hochschulreport ergeben, dass bei höherer Spannung des Fahrrad-Antriebsriemens der Wirkungsgrad steigt. Allerdings sollte nach Angaben des amerikanischen Riemenherstellers keine zu hohe Spannungseinstellung vorgenommen werden.

Auf dem Papier hat der Riemen in puncto Haltbarkeit klare Vorteile gegenüber einer Kette. Eine gut gepflegte Kette hält rund 7.000 Kilometer. Mit Kettenschutz vielleicht auch 10.000 Kilometer. Für den Riemenantrieb hat der Hersteller Gates Carbon Drive hier eine grobe Einschätzung der Laufleistung wie folgt angegeben: Die CDX Serie hält ca. die 2-3-fache Laufleistung im Vergleich zum Konventionellen Kettenantrieb, bei der CDN/CDC Serie ist es ca. noch die 1-2-fache Haltbarkeit.

Beispielsweise kann sich am Riemen aus Kunststoff kein Rost bilden. Auch das Schmieren der Kette fällt weg. Bei geringerer Trittleistung zeigt sich die Kettenschaltung effizienter, wobei der Unterschied nur durch technische Messungen wahrzunehmen ist. In der Praxis merken Radfahrer in der Regel nichts von der höheren Reibung.

Schneematsch und Schmutz können dem Gates Carbon Drive stark zusetzen, weshalb beim Wintereinsatz zu überlegen ist, ob ein Kettenantrieb nicht die bessere Option ist. Schäden wie Risse sind beim Zahnriemen als Antriebsstrang schwer zu sehen, wodurch sich die Unfallgefahr bei einem gerissenen Riemen erhöht.

Auch für Fahrradfahrer, die öfter ihr Hinterrad ausbauen, um das Fahrrad im Auto zu transportieren, ist ein Bike mit Kettenantrieb die bessere Alternative.

Effizienz

Ja, der Gates-Riemen schluckt mehr von der Tretkraft als eine Kette. Die Gelenke einer Kette drehen sich mit weniger Reibung um die Ritzel ein als der steife Riemen. Der wird bei jeder Biegung in die Kurve gezwungen, das Material jedes Mal leicht gequetscht, und dehnt sich dann wieder aus. Diese innere Reibung erzeugt Wärme und ist vergleichbar mit dem Walken eines Reifens beim Abrollen.

Zudem läuft ein Riemen ja sicherheitshalber unter einer definierten Vorspannung. Plausible Messungen zeigen einen Wirkungsgrad von ca. 99 Prozent für die Kette und zwischen 98 und 98,5 Prozent für den Riemen, mit relativ geringem Verlust um die ein bis zwei Prozent zur Kette, abhängig vom Lastbereich - wenn Riemen und Kette neu und gepflegt sind.

Riemenantrieb vs. Kette: Kostenvergleich

290 Euro fallen für einen kompletten Tausch von Riemen, Kranz und Ritzel an. Im Vergleich dazu liegen die Kosten bei einer Kettenschaltung wie folgt: alle 5.000 km neue Kette und Ritzel. 60 Euro Kosten pauschal für Verschleißset Shimano XT 10fach Kette und Kassette. Alle 15.000 km neue Kettenblätter. 65 Euro Kosten pauschal für ein 3fach Shimano XT Set (22, 30, 40 Zähne). Insgesamt fallen auf 30.000 Kilometern 490 Euro an. Damit kosten tausend Kilometer 16 Euro (bei 20.000 km wären es 15,25 Euro pro tausend Kilometer).

Kosten für Service und Reparaturen

Die Aufwände für Reparaturleistungen richten sich nach der AW-Liste des ZIVs. Materialkosten für Ersatzteile werden separat berechnet. Der Paketpreis bezieht sich ausschließlich auf die Arbeitsaufwände. Reparaturen und Materialkosten für Ersatzteile werden separat berechnet.

Was kostet ein Kostenvoranschlag? Vom Checkup Service bis zum Premium Service bei jedem Paket wird dein Fahrrad oder E-Bike einmal komplett geprüft. Dabei erstellen unsere erfahrenen Mechaniker*innen ein Angebot. Die Arbeiten starten erst, wenn wir den Kostenvoranschlag mit dir abgestimmt haben.

Wann sollte das Fahrrad zum Service?

Das ist stark von der Benutzung und Fahrleistung abhängig. Grundsätzlich kann man sagen, dass bei einer Fahrleistung > 2000 km pro Jahr auch jährlich ein Service sinnvoll ist, damit du immer sicher unterwegs bist.

Solltest du mit deinem Fahrrad/E-Bike nicht so viel fahren, ist es auch ausreichend dein Rad jedes zweite Jahr oder bei einem konkreten Problem prüfen zu lassen.

Gates-Riemen-Systeme

Das Gates-System wird in drei Versionen angeboten: CDX (Carbon Drive Extreme), CDC (Carbon Drive Commuter) und CDN (Carbon Drive Network). Belastbarkeit Lebensdauer von Gates-RiemenVon den drei für intensivere Radnutzung relevanten Versionen ist CDX die mit der größten Belastbarkeit, Langlebigkeit und dem höchsten Preis. Sie bietet nach Gates-eigenen Messungen die dreifache Lebensdauer eines vergleichbaren Kettenantriebs. CDC mit zweieinhalbfacher und CDN mit eineinhalbfacher Ketten-Lebensdauer reihen sich dahinter ein.

Alle Gates-Riemen sind gleichartig aufgebaut und verfügen über die zentrierende Mittel-Nut namens Centertrack. Sie unterscheiden sich jedoch im Material: CDX verwendet Polyurethan, CDC und CDN Ethylen-Elastomer als Riemenmaterial. Die vorderen Riemenscheiben bestehen aus gehärtetem Alu (für reguläre Fahrradkurbeln) oder Stahl (Pinion- und Mittelmotor-kompatible Bikes), die hinteren aus Stahl oder Edelstahl.

Für E-Bikes gibt Gates das CDX-System auch für stärkste Mittelmotoren bis 90 Newtonmeter frei, die CDC-Variante dagegen nur für Low-Assist-Antriebe mit Drehmomenten bis 50 Nm. CDN ist nicht für E-Bikes freigegeben und auch an Fahrrädern nur für weniger intensiven Einsatz empfohlen.

Verschleiß am Gates-Riemen

Der Riemenantrieb funktioniert so lange tadellos, wie die Zähne des Riemens ohne Störungen formschlüssig in die Zwischenräume der Riemenscheiben greifen. Dann überträgt sich die Kraft von der Kurbel mit nur geringem Verlust optimal ans Hinterrad.

Das System jedoch deshalb nie zu reinigen und zu pflegen, nur weil das Transmissionsmedium aus Kunststoff statt aus Metall besteht, ist zu kurz gedacht. Schmutzpartikel schmuggeln sich immer zwischen Gates-Riemen und Scheiben und graben sich durch den Druck während der Kraftübertragung in die Oberflächen der Teile.

Da hier jedoch, anders als beim Kettenantrieb, eine relativ weiche Oberfläche (Riemen) auf eine sehr harte (Zahnscheiben) trifft, verliert zuerst der Riemen an Substanz. Sind aber einmal Tausende von Kilometern unter schmutzigen Bedingungen zusammengekommen, kann man meist eine deutliche Veränderung am Zahnprofil des Riemens erkennen: Es wird spitzer, schlanker oder unregelmäßig, wo sich die Stege der Riemenscheiben eingegraben haben.

Preis und Austausch eines Riemens

Eventuell tauchen Längsrisse im Riemenkörper auf, einzelne Zähne brechen ab oder aus. Dann ist es Zeit für einen Riemenwechsel. Je nach Zähnezahl und Gates-Riemen-Variante kann man, ganz grob, mit Kosten zwischen 100 und 180 Euro (nur der Riemen wird ersetzt) oder 250 bis 350 Euro (Riemen und beide Scheiben sind fällig) rechnen.

In jedem Fall muss man Ersatzteile von gleicher Zähnezahl und gleicher oder höherer Qualität nachkaufen. Je nach Belastung kann man etwa alle zwei bis drei Gates-Riemen-Leben auch mit einem verschlissenen Satz Sprockets rechnen. Bei deutlich kleineren Hinterachs-Ritzeln (Rohloff, Alfine) verschleißen diese entsprechend früher.

Der Verschleißgrad hängt jedoch immer stark von den Gegebenheiten ab, etwa, wie viel Kraft auf die Pedale kommt, wie schwer Rad und Fahrer sind, wie oft der Antrieb gereinigt wird, ob meist Asphalt- oder Offroad-Strecken gefahren werden.

Nachrüstung eines Riemenantriebs

Die Möglichkeit, einen Riemenantrieb nachzurüsten, hängt stark vom spezifischen Fahrradrahmen und dem Fahrradtyp ab. Nicht alle Fahrräder sind für die Nachrüstung mit einem Riemenantrieb geeignet. Ein kritischer Faktor ist die Notwendigkeit eines Rahmenschlosses oder einer Trennstelle im Rahmen, um den geschlossenen Riemen einsetzen zu können, da dieser nicht wie eine Kette geöffnet werden kann.

Fahrräder mit einem geeigneten Rahmen, wie einige spezielle Modelle mit Nabenschaltung oder Singlespeed-Bikes, können potenziell für die Nachrüstung in Frage kommen. Allerdings sind viele herkömmliche Fahrräder mit Kettenantrieb und ohne vorgesehene Trennstelle im Rahmen nicht kompatibel.

Ein Fahrrad mit Riemenantrieb erhältst du für einen Preis ab circa 1000 Euro. Ein E-Bike mit Riemenantrieb gibt es für einen Preis ab circa 2000 Euro. Willst du dein Rad mit einemn Riemenantrieb nachrüsten , musst du mit Materialkosten von 200 bis 400 Euro rechnen. Den Riemen erhältst du für circa 50 Euro, pro Riemenscheibe zahlst du etwa 60 bis 100 Euro. Eine Alternative ist der teilbare Riemen von Veer, für den kein Rahmenschloss notwendig ist. Hier kostet der komplette Riemenantrieb 349 Euro.

Achte darauf, dass du einen Kurbelsatz mit dem passenden Lochkreisdurchmesser brauchst, um einen Riemenantrieb verwenden zu können. Hast du keinen, kostet dich ein passender Kurbelsatz zusätzlich 50 bis 250 Euro.

Fazit

Da der Riemenantrieb wenig Pflege benötigt, eignet er sich für alle, die sich einen zuverlässigen, unkomplizierten und langlebigen Antrieb wünschen. Ein Riemenantrieb kann zum Beispiel für Pendler interessant sein, die mir ihrem Fahrrad mehrfach die Woche zur Arbeit fahren und nicht ständig die Kette ölen oder säubern wollen.

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