Kein Öl, kein Kettenrasseln und immer saubere Hosenbeine! Immer mehr Radfahrer greifen für Naben- oder Getriebe-Bikes gern zum wartungsarmen, leisen Gates-Antrieb.
Der Zahnriemen hat sich als zugfeste und stabile Transmission in der Praxis bewährt. Doch auch das robuste Zahnriemen-Konzept benötigt gute Arbeitsbedingungen. Wir zeigen, wie Sie Ihren Riemenantrieb optimal reinigen, pflegen und wie Sie erkennen, wenn der Verschleiß zu nagen beginnt.
Reinigung des Riemenantriebs
Die Pflege eines Fahrradriemenantriebs ist nicht besonders aufwendig, erfordert aber dennoch etwas Aufmerksamkeit und Know-how. Es ist wichtig, dass Sie wissen, wie Sie Ihren Riemenantrieb richtig pflegen, um seine Langlebigkeit zu gewährleisten.
Trockenreinigung (3 Schritte)
- Schritt 1: Trockenreinigung
Nach Regenfahrten genügt es, den angetrockneten Schmutzbelag trocken abzubürsten. Das Profil der Riemen-Zähne und schräg verlaufende Fräsungen der Stege an Ritzel und Kettenblättern drängen Schmutzpartikel bei der Fahrt automatisch aus dem System.
- Schritt 2: Blatt-Pflege
Befreien Sie die Zahnprofile beider Antriebsscheiben von Schmutz. Die Zwischenräume der Stege sind so gefräst, dass Schmutzpartikel in der Regel vom darübergleitenden Riemenzahn herausgedrückt werden. Dennoch können sich kompakte Steinchen oder Äste im System verkeilen.
- Schritt 3: Nut Freiräumen
Gehen Sie - vorsichtig - mit der Klinge eines kleinen Schraubendrehers durch die gesamte Länge der CDX-Nut. Stemmen Sie dabei eingedrungene Steinchen oder eingeklemmte Partikel behutsam heraus.
Nasswäsche (5 Schritte)
- Schritt 1: Reiniger gegen hartnäckigen Schmutz
Ist der Zahnriemen stark verschmutzt, sprühen Sie zunächst Fahrradreiniger (biologisch abbaubar!) auf den gesamten Antrieb. Lassen Sie ihn einige Minuten einwirken. So gelangt sie besser in alle Winkel und Kanten des Antriebs und weicht hartnäckigen Schmutzbelag wirkungsvoll ein. Gleichzeitig entfernen die Borsten bereits gröbere Ablagerungen.
- Schritt 3: Einschäumen
Gehen Sie mit einem Spülschwamm zentimeterweise den gesamten Riemen durch. Reiben Sie den Schaum auf Innen- und Außenseite gut ein. So werden auch fettige und salzige Rückstände von Straßenschmutz gelöst.
- Schritt 4: Zahnzwischenräume säubern
Eine alte Zahnbürste ist perfekt, um den Schmutz aus Zahnzwischenräumen und der Zentrier-Nut zu bekommen. Kurbeln Sie den Riemen langsam rückwärts und gehen Sie, wie beim Zähneputzen, Zahn für Zahn vor. Vergessen Sie auch Kettenblatt und Ritzel nicht.
- Schritt 5: Wasser & Schwamm
Waschen Sie abschließend mit viel Wasser Schmutz und Reinigerschaum gut ab. Spülen Sie mit reichlich klarem Wasser nach. Ein Gartenschlauch ist dafür ideal. Verzichten Sie jedoch auf Hochdruck-Reiniger. Der harte Strahl presst Wasser in Lagerspalte des Antriebs.
Prüfung und Einstellung des Riemenantriebs
Am Ende noch den Riemen-Antrieb prüfen und einstellen.
- Schritt 1: Profil-Schau - Muss der Riemen-Antrieb gewechselt werden?
Werfen Sie einmal im Jahr einen scharfen Blick auf das Profil der Zahnstege von Ritzel und Kettenblatt. Verschleiß zeigt sich daran, dass die Stege oben an Breite verlieren und mehr und mehr spitz zulaufen. Auch die rückwärtige Zahnflanke, an der die Riemenzähne ansetzen, baucht zunehmend aus - es entsteht ein Haifischflossen-Profil. Dann ist es Zeit, die Ritzel zu wechseln.
- Schritt 2: Linie peilen -
Prüfen Sie nach dem Putzen, ob der Riemen so exakt gerade wie im Bild über beide Antriebsscheiben verläuft. Es darf kein seitlicher Versatz oder ein Ablaufen an Ritzel und Kettenblatt erkennbar sein. Um die beiden Zahnscheiben sauber parallel auszurichten, kann man Anzahl und Dimension der Spacer-Ringe am Hinterrad verändern.
- Schritt 3: Freien Lauf überprüfen - Läuft alles leise und ungestört?
Kurbeln Sie abschließend Ihren Antrieb abwechselnd ohne Last vor- und rückwärts. In beiden Richtungen sollen Riemen, Ritzel und Kettenblatt leicht, leise und ungestört laufen. Achten Sie auf Geräusche: Schräg anlaufende Zahnkanten oder in der Nut verklemmte Partikel könnten die Ursache sein.
- Schritt 4: Riefenfrei - Läuft der Riemen-Antrieb sauber?
Bordscheiben verhindern beim nutlosen CDC-System das seitliche Ablaufen des Riemens. Unerwünschten Schräglauf erkennen Sie daran, dass der Riemen Riefen in die Bordscheibe fräst. Bleiben die Flanken unversehrt, ist das ein Zeichen für den sauberen Lauf Ihres Systems.
- Schritt 5: Faustregel - Der Riemen sollte etwa ein Zentimeter Spiel haben
Der waagerecht ausgerichtete CDX-Riemen soll sich im oberen Trum zwischen Kettenblatt und Ritzel mit moderater Kraft etwa einen Zentimeter eindrücken lassen - wie eine gewöhnliche Kette. Vergessen Sie jedoch besser die Gates-App zur akustischen Spannungspüfung: Sie arbeitet viel zu ungenau.
- Schritt 6: Spannung messen
Gates empfiehlt den hauseigenen "Eco-Tensioner". Er besteht aus einem Lineal und einem Prüfgewicht von etwa 1100 Gramm. Bei waagerecht ausgerichtetem Riemen liest man am Schnittpunkt von Lineal und Anzeigefeld die Riemenspannung ab.
- Schritt 7: Die richtige Riemenspannung
Für den nutlosen CDC-Riemen empfiehlt Gates eine Spannung in der unteren Hälfte des grünen Balkens. Der tolerantere CDX-Riemen (mit Sicherungsnut) verträgt eine geringere Spannung. Sie liegt idealerweise im oberen Bereich des grünen Felds.
Vor- und Nachteile des Riemenantriebs
Der Gates Carbon Drive hat in einigen Punkten klare Vorteile gegenüber einem Kettenantrieb. Die einfache Pflege kommt vor allem Pendlern und Alltagsfahrern, aber auch Gelegenheitsradlern, entgegen. Wer seinen Riemen hin und wieder pflegt und die Spannung überprüft, braucht sich auch keine Sorgen bezüglich Störgeräusche sowie klappernde Ketten machen. Auch die Haltbarkeit ist ein Argument, dass speziell für Vielfahrer interessant sein dürfte.
Allerdings können Schneematsch und Schmutz dem Gates Carbon Drive stark zusetzen, weshalb beim Wintereinsatz zu überlegen ist, ob ein Kettenantrieb nicht die bessere Option ist.
Schäden wie Risse sind beim Zahnriemen als Antriebsstrang schwer zu sehen, wodurch sich die Unfallgefahr bei einem gerissenen Riemen erhöht. Auch für Fahrradfahrer, die öfter ihr Hinterrad ausbauen, um das Fahrrad im Auto zu transportieren, ist ein Bike mit Kettenantrieb die bessere Alternative.
Eine falsche Riemenspannung ist eine häufige Ursache für einen gerissenen oder verschlissenen Antriebsriemen. Typische Merkmale für einen zu locker gespannten Riemen ist das Durchrutschen des Keilriemens oder bei zu straff gespannten Riemen werden sämtliche Lager belastet, was auch nicht gut ist.
Wartungstipps für längere Lebensdauer
Um ein Überspringen des Carbon Riemens zu verhindern, gibt es sogenannte Snubber. Der Übersprungschutz kann beispielsweise bei einer Shimano Alfine oder Shimano Nexus Nabenschaltung montiert werden. Der korrekte Spannungsbereich wird in Pfund, Kilogramm oder bei der App in Hertz angegeben.
Unverwundbar ist ein Riemen-Antrieb nicht: Im schlimmsten Fall kann auch ein Gates Belt Drive reißen. Doch das passiert nur, wenn man grundlegende Fehler macht. Wie sieht also der richtige Umgang mit dem Riemen-Antrieb aus?
12 Tipps für längere Lebensdauer des Riemens
- Prüfen Sie gelegentlich die Riemenlinie: Die Zahnscheiben vorn und hinten müssen parallel zueinander in einer Flucht stehen, der Riemen darauf absolut gerade verlaufen. Schräglauf verursacht zuerst Geräusche, dann Verschleiß.
- Behalten Sie den Verschleiß im Auge: Längs- und Querrisse im Gates-Riemen oder abgebrochene Zähne deuten das Ende der Lebensdauer an.
- Abrieb an der blauen oder schwarzen Riemen-Innenseite tritt beim Einfahrprozess (erste 50 bis 150 Kilometer) auf und ist kein Verschleiß.
- Kontrollieren Sie gelegentlich die Riemenspannung: Per Daumendruck darf sich der Gates-Riemen bei korrekter Spannung mittig etwa 10 mm aus der Waagerechten eindrücken lassen. Ursachen für zu geringe Spannung können eine lockere Riemenscheibe, Ritzel, Exzenter bzw. Slider-Achsstück oder eine falsch eingesetzte Hinterrad-Achse sein.
- Zu hohe Riemenspannung schädigt die Lager an Kurbelwelle und Achse.
- Bei zu geringer Spannung kann der Riemen Zähne überspringen. Das schädigt die inneren Carbonfasern.
- Einmal im Jahr und vor großen Touren sollten Sie die Riemenspannung mit einem Messgerät prüfen lassen (Fachwerkstatt).
- Bei Riemenquietschen hilft die Anwendung von Silikon-Spray.
- Setzen Sie das Hinterrad beim Einbau immer mit aufgelegtem, leicht gespanntem Gates-Riemen ins Ausfallende.
- Pinion-Fahrer sollten auf langen Touren das Lockring-Tool von Pinion (etwa 33 Euro) im Gepäck haben: Der Schraubring der Riemenscheibe an der Kurbelwelle kann sich unter Umständen von selbst lockern, was sich dann nur mit dem Tool beheben lässt.
- Entfernen Sie im Winter alle Streusalzreste.
- Befreien Sie die Zahnprofile beider Antriebsscheiben von Schmutz. Die Zwischenräume der Stege sind so gefräst, dass Schmutzpartikel in der Regel vom darübergleitenden Riemenzahn herausgedrückt werden. Dennoch können sich kompakte Steinchen oder Äste im System verkeilen.
9 Dinge, die Sie nie tun sollten
- Nie scharfe Mittel oder scharfkantiges Werkzeug zum Reinigen benutzen.
- Nie länger mit zu geringer oder hoher Riemenspannung fahren.
- Seitliche Stöße, Schläge oder Knicke am Gates-Riemen vermeiden.
- Fahren Sie nie mit verstopfter Centertrack-Nut (Schmutz, Schnee, Eis) oder zugefrorenen Riemenscheiben los.
- Fahren Sie nie mit schräg laufendem Gates-Riemen oder losen Riemenscheiben.
- Bei plötzlichen Geräuschen aus dem Antrieb: Sofort anhalten, Ursache ermitteln und beseitigen.
- Fahren Sie einen verschlissenen Riemen mit abgebrochenen Zähnen, Rissen oder Löchern nicht weiter.
- Kurbeln Sie einen abgefallenen Riemen im Rahmen nie seitlich auf Riemenscheibe und Ritzel.
- Ein Ersatzriemen darf nicht gequetscht, verdreht oder geknickt werden.
Riemenantrieb vs. Kette: Ein Vergleich
Sowohl die Kette als auch der Riemen haben beide ihre jeweiligen Vorteile. Gemäß Angaben des Herstellers Gates zeigt der Zahnriemenantrieb fast den gleichen Wirkungsgrad, wie eine Kette mit Nabenschaltung. Der Effizienzverlust ist sowohl bei einer nabengetriebenen Kette als auch beim nabengetriebenen Rahmen größtenteils durch die Reibung des Nabengetriebes gegeben. Noch dazu steigt bei höherer Spannung des Fahrrad-Antriebsriemens der Wirkungsgrad an.
Die Pflege einer Fahrradkette ist auf jeden Fall aufwändiger als die eines Gates Carbon Drive. An einem Kunststoff-Riemen kann sich logischerweise kein Rost bilden, was somit natürlich schon mal sehr gut ist. Ebenso fällt das Schmieren einer Fahrradkette weg - also gehören ölverschmierte Hosenbeine ebenfalls der Vergangenheit an.
Der Riemen hat in Bezug auf die Lebensdauer große Vorteile gegenüber einer Fahrradkette. Bei einer gut gepflegten Kette kann man von ca. 7.000 km ausgehen, bevor sie getauscht werden muss. Wenn es einen Kettenschutz gibt, ggf. sogar 10.000 km. Bem Gates Carbon Drive gilt eine grobe Schätzung der Haltbarkeit bzw. Laufleistung: Bei der CDX-Serie kann man von einer 2- bis 3-fachen Laufleistung im Vergleich zum herkömmlichen Kettenantrieb ausgehen. Bei der CDN- / CDC-Serie ist es immerhin die 1- bis 2-fache Haltbarkeit.
In folgender Tabelle sind die wichtigsten Vergleichspunkte zwischen Kette und Riemenantrieb zusammengefasst:
| Merkmal | Kettenantrieb | Riemenantrieb (Gates Carbon Drive) |
|---|---|---|
| Wartung | Regelmäßiges Reinigen und Schmieren erforderlich | Wartungsarm, kein Schmieren notwendig |
| Lebensdauer | Ca. 7.000 - 10.000 km | CDX-Serie: 2-3fache Lebensdauer einer Kette, CDN/CDC-Serie: 1-2fache Lebensdauer |
| Geräuschentwicklung | Kann laut sein (Kettengeräusche) | Leise |
| Sauberkeit | Verschmutzungen und Öl können Kleidung beschmutzen | Sauber, keine Ölverschmutzungen |
| Effizienz | Bei geringerer Trittleistung effizienter | Nahezu gleicher Wirkungsgrad wie Kette mit Nabenschaltung |
| Anfälligkeit für Witterungseinflüsse | Kann durch Schmutz, Schnee und Streusalz beeinträchtigt werden | Weniger anfällig, aber CDX/CDC-Systeme besser für Wintereinsatz geeignet |
| Kosten | Günstiger in der Anschaffung | Teurer in der Anschaffung |
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