Fahrrad Riemenantrieb: Test und Erfahrungen

Kürzlich habe ich an dieser Stelle dargelegt, wie gerne ich mit meinem kompakten Lastenrad unterwegs bin. Es ist mein Alltagsrad. Ich fahre damit ins Büro, zum Einkaufen und hin und wieder die 15 Kilometer zur Kompostierungsanlage, um den Grünschnitt aus dem Garten wegzubringen. Kurz: Fast jeden Tag sitze ich auf diesem Bike und erziele entsprechende Kilometerleistungen. Dabei ist Wartung und Pflege für mich eher notwendiges Übel als echte Freude. Darum schwöre ich bei diesem Rad auf seine hochwertige Nabenschaltung und - fast ebenso wichtig - auf den Riemenantrieb. Korrekt zentriert und gespannt verrichtet er stoisch unbeeindruckt von Schmutz, Regenwasser und Temperaturschwankungen seinen Dienst. Ich muss ihn weder von einem dick mit Staub verkrusteten Ölfilm befreien, noch tiefergehend reinigen und auch nicht ständig nachfetten.

Riemenantrieb im Alltag und auf Reisen

Ich liebe den Riemen-Antrieb und möchte am Reiserad nicht mehr auf ihn verzichten. Er ist pflegeleicht, wartungsarm und widerstandsfähig, bei einer hohen Lebensdauer. Diese Vorteile überwiegen die im Vergleich zur Kette hohen Anschaffungskosten. Als ich aus Patagonien wiederkam, wurde in meinem Rahmen ein leichter Riss entdeckt. Ich nutzte diese Chance, um auf Riemenantrieb umzurüsten. Bei der Reparatur lies ich dann gleich ein Rahmenschloss einbauen und den Antrieb auf Gates Carbon Drive umbauen.

Seit 3.000 km fahre ich nun den Gates Riemen in Verbindung mit der Rohloff und bin schwer angetan. Das Beste ist natürlich die Wartungsarmut. Ab und zu etwas Wasser drauf und den Dreck abmachen - das reicht. Manchmal bürste ich den Riemen auch mal aus, aber das eher selten.

In der Freizeit bin ich oft mit meinem Mountainbike unterwegs. Natürlich hat das eine Kette. Da ist klar: Wenn ich nach Hause komme, steht Pflege auf dem Plan. Ich selbst gehöre dann unter die Dusche, aber auch das Rad muss geputzt werden - inklusive Kette, das ist ja Ehrensache. Aber hier preise ich das mit ins Hobby ein. Das gehört zur Mountainbike-Runde wie der Trail unterwegs und das alkoholfreie Weizenbier nach der Tour. Natürlich weiß ich, dass ich nicht nach jedem kurzen Weg das gesamte Rad pflegen muss. Aber hin und wieder wird es nötig - meistens dann, wenn es mir überhaupt nicht in den Kram passt. Dann heißt es alten Dreck abschrubben, Kettenglieder sauber polieren, neu einfetten, später dann das überschüssige Öl oder Fett abreiben. Auch meinen Riemen mache ich ab und zu sauber. Dabei reicht mir aber ein wenig Wasser und ein Lappen. Zeitaufwand: weniger als fünf Minuten. Gleichzeitig kann kein Schmiermittel meine Hosenbeine verdrecken. Denn der Riemen braucht kein Öl.

Vorteile des Riemenantriebs

  • Wartungsarmut: Der Riemenantrieb benötigt wenig Pflege.
  • Sauberkeit: Es wird kein Schmiermittel benötigt, wodurch Hosenbeine sauber bleiben.
  • Unempfindlichkeit: Der Riemen ist unempfindlich gegen Salzwasser und Feuchtigkeit.
  • Langlebigkeit: Ein Riemen hält im Schnitt etwa zweieinhalb Mal so lange durch wie eine Kette.
  • Geräuscharm: Der Riemenantrieb ist widerstandsarm und geräuscharm.

Ein weiterer Vorteil des Riemens: Er ist gänzlich unempfindlich gegen Salzwasser und Feuchtigkeit insgesamt. Es reicht nach einer langen Winterfahrt also, das Streusalz grob abzuspülen. Dass die Kette - vor allem in Kombination mit einer Kettenschaltung - effizienter läuft, also weniger Reibungsverluste hat als der Riemenantrieb, ficht mich nicht an. Denn das stimmt nur, wenn die Kette einwandfrei gewartet und geschmiert ist. Einmal richtig eingestellt, läuft mein Riemen hingegen fast immer gleich effizient.

Und dann ist da noch die Laufleistung. Eine Kette hält etwa 10.000 Kilometer. Oft sogar deutlich weniger lang, gerade wenn eine Kettenschaltung dazugehört. Da die Kette dann immer wieder schräg läuft, erreicht sie schnell ihr Lebensende. Der Riemen hält im Schnitt etwa zweieinhalb Mal so lange durch. Sagt zumindest Gates, der führende Hersteller. Ich habe diese Laufleistung noch lange nicht erreicht. Nach zwei Jahren stimmt jedenfalls die Riemenspannung (die man bequem per App prüfen kann), auch Verschleiß ist bis dato nicht zu erkennen.

Denn das Fahren damit finde ich wirklich ein Träumchen, sehr widerstandsarm, eher ein Gleiten. Da hakelt nichts, das einzige Geräusch ist ein leichtes Surren, und diesen geräuscharmen Betrieb finde ich den zweiten großen Vorteil.

Nachteile und Einschränkungen

Aller Vorteile zum Trotz konnten sich Bikes mit Riemenantrieb bisher nicht wirklich durchsetzen. Das hat mehrere Gründe. So sind die Anforderungen an den Rahmen deutlich höher als bei einem klassischen Kettenrad, denn der Riemenantrieb funktioniert nur, wenn die Zahnradscheiben und deren Achsen exakt parallel verlaufen und sich der Rahmen nicht verzieht. Er muss deshalb außerordentlich steif sein, was die Bikes teuer macht. Weiterhin ist es notwendig, dass der Riemen immer die richtige Spannung aufweist - und um das zu kontrollieren, braucht es Expertise.

Denn man muss wissen, dass ein Riemen nicht wartungsfrei ist. Er ist nur wartungsärmer als eine Kette. Richtig behandelt ist er von mir aus auch besonders stark in der Kraftübertragung. Aber wehe, wenn nicht! Genau genommen ist ein Carbon-Riemen nämlich sogar eine richtige Mimose. Man darf ihn nicht verdrehen, nicht knicken, nicht umgekehrt biegen. Transportieren sollte man ihn vorsichtig und richtig zusammengerollt. Sonst können die feinen Kohlefaserchen brechen und der Riemen gefährlich schnell reißen. Außerdem eignet sich ein Riemen sowieso nur für Getriebeschaltungen und Singlespeeder. Kettenschaltungsräder, das sagt ja schon der Name, können damit nichts anfangen.

Für einen Riemenantrieb sind Anschaffungs- und Ersatzteilkosten dagegen relativ hoch. Zudem ist eine Kette viel einfacher auszutauschen. Etwas Werkzeugeinsatz und Übung vorausgesetzt, klappt das mit wenig Zeitaufwand. Mit einem Kettenschloss geht das sogar fast wörtlich im Handumdrehen. Für den unteilbaren Riemen ist der Aufwand dagegen ungleich höher, ebenso die Fehleranfälligkeit. Denn es wird erstens eine Öffnung im Rahmen benötigt, die, wenn schlecht gemacht, immer eine Schwächung bedeutet oder viel zu weit vom Antriebsstrang entfernt sitzt. Im nicht seltenen „Sonderfall Platten“ muss der Riemen zweitens so gelockert werden, dass er schadlos vom Ritzel genommen werden kann und drittens später auch wieder richtig gespannt werden. Das ist viertens recht herausfordernd und fünftens eigentlich nicht ohne Hilfsmittel wie App oder Prüfwerkzeug möglich. Dabei muss sechstens penibel auch auf ein gerade ausgerichtetes Laufrad geachtet werden, damit der Riemen auch wirklich auf Linie, geräuscharm und effizient läuft.

Sicher muss eine Kette auch gespannt werden. Und, anders als der mit Carbonfasern verstärkte Riemen, längt sie sich auch, was bei Nichtbeachtung für die Haltbarkeit nicht gerade förderlich ist. Aber das ganze System muss bei weitem nicht so penibel maßhaltig sein.

Einen guten Vorteil hat der Riemen aber gebracht: Damit die Riemenlinie und Spannung immer stimmen, müssen die Kettenstreben zertifiziert steif sein. Sonst darf man ihn nicht benutzen. Und auch Rohloff legt für optimale Kraftübertragung hohe Maßstäbe an, schreibt sogar den Einsatz eines „Snubbers“ - diesem schaltwerkssähnlichen Anhängsel am Ausfallende - vor, der den Riemen nicht aus Versehen überspringen lässt. Da lob ich mir die Kette! Der Aufwand im Umgang ist doch um ein deutliches Maß geringer.

Riemenantrieb vs. Kette: Eine Kostenrechnung

290 Euro fallen für einen kompletten Tausch von Riemen, Kranz und Ritzel an. Im Vergleich dazu liegen die Kosten bei einer Kettenschaltung wie folgt: alle 5.000 km neue Kette und Ritzel. 60 Euro Kosten pauschal für Verschleißset Shimano XT 10fach Kette und Kassette. Alle 15.000 km neue Kettenblätter. 65 Euro Kosten pauschal für ein 3fach Shimano XT Set (22, 30, 40 Zähne). Insgesamt fallen auf 30.000 Kilometern 490 Euro an. Damit kosten tausend Kilometer 16 Euro (bei 20.000 km wären es 15,25 Euro pro tausend Kilometer).

Nur 1.500 km nach dem dieser Beitrag entstanden ist, ist mein Riemen kaputt gegangen. Nach meinem Loblied zuvor natürlich schon eine Ernüchterung. Die Gründe für diese massive Schädigung des Riemens waren eine Vorschädigung des Riemens, der durch einen Ast abgehebelt wurde (siehe oben). Nach Gates Bestimmungen war damit der Riemen bereits kaputt. Zudem stellte sich heraus, dass das Rohloff Steckritzel hinten locker war, weshalb ein Geradeauslaufen des Riemens erschwert wurde. Weiterhin hat sich der Riemen hinten zweimal auf das halbe Ritzel gelegt. Habe ich erst nach ein paar Kilometern mitbekommen.

Mittlerweile fahre ich seit mehr als 1.000 km einen neuen Riemen mit neuem Ritzel und neuem Tretkranz. Bislang habe ich keine Probleme mehr. Ich werde aber nach wie vor den Riemen nur wenig reinigen und ihm so wenig Aufmerksamkeit widmen wie möglich. Eine Kette bedarf wenig reinigende Aufmerksamkeit und wenn der Riemen eine solche Diva ist, dann ist er halt nichts für mich. Aber warten wir mal ab. Nach diesem Riemen werde ich aber zurück auf Kette wechseln.

Die Gründe dafür sind einfach, dass ich das Hinterrad mit Kette wesentlich leichter montieren konnte. Mittlerweile geht es eher schwer und man muss immer auf die richtige Riemenspannung achten. Das nervt, zumal ich auf Tour das einfach nur nach Gefühl machen kann. Außerdem macht aus meiner Sicht eine Kette mehr mit, als der Riemen. Auch wenn die Effizienz der Kette mit längerer Laufzeit abnimmt, hält sie doch mehr aus.

Für wen ist ein Riemenantrieb geeignet?

Da der Riemenantrieb wenig Pflege benötigt, eignet er sich für alle, die sich einen zuverlässigen, unkomplizierten und langlebigen Antrieb wünschen. Ein Riemenantrieb kann zum Beispiel für Pendler interessant sein, die mir ihrem Fahrrad mehrfach die Woche zur Arbeit fahren und nicht ständig die Kette ölen oder säubern wollen. Für sportliche Fahrer ist die Kette meist die bessere Wahl, da sie weniger wiegt als ein Riemenantrieb mit Nabenschaltung und sie einen höheren Wirkungsgrad hat.

Für einen Freizeit-Nutzer wie mich spielt ein Fahrrad mit Riemenantrieb seine Stärken voll aus. Außerdem ist der Riemen extrem wartungsarm, ich muss mich eigentlich um nichts kümmern. Ich brauche kein Schmiermittel und bei Kontakt mit dem weichen Riemen kann im Gegensatz zur Fahrradkette auch nichts kaputt gehen und ölig werden. Darüber freut sich auch meine Kleidung, die früher gerade bei langen Touren diverse Schäden und dauerhafte Verschmutzungen davon getragen hat.

Ein wichtiger Punkt ist allerdings, dass Umsteiger nicht nur Fans des Riemenantriebs werden müssen, sondern auch der Nabenschaltung oder Tretlagerschaltung, da der Riemen natürlich nicht mit Kettenschaltungen kompatibel ist. Also wer mehrere Übersetzungen mit unterschiedlich großen Kettenblättern braucht, um glücklich zu werden, für den ist ein Fahrrad mit Riemenantrieb natürlich nichts.

Nachrüstung eines Riemenantriebs

Um einen Riemenantrieb nachrüsten zu können, brauchst du ein Fahrrad mit Nabenschaltung, Tretlagerschaltung oder ein Singlespeed-Bike. Darüber hinaus muss der Fahrradrahmen ein Rahmenschloss haben, um den geschlossenen Riemen aufnehmen zu können. Hast du keinen passenden Rahmen , könnte der Split Belt von Veer für dich geeignet sein. Damit musst du deinen Rahmen nicht spalten oder dir extra ein neues Fahrrad mit Riemenantrieb zulegen.

Die Möglichkeit, einen Riemenantrieb nachzurüsten, hängt stark vom spezifischen Fahrradrahmen und dem Fahrradtyp ab. Nicht alle Fahrräder sind für die Nachrüstung mit einem Riemenantrieb geeignet. Ein kritischer Faktor ist die Notwendigkeit eines Rahmenschlosses oder einer Trennstelle im Rahmen, um den geschlossenen Riemen einsetzen zu können, da dieser nicht wie eine Kette geöffnet werden kann. Fahrräder mit einem geeigneten Rahmen, wie einige spezielle Modelle mit Nabenschaltung oder Singlespeed-Bikes, können potenziell für die Nachrüstung in Frage kommen. Allerdings sind viele herkömmliche Fahrräder mit Kettenantrieb und ohne vorgesehene Trennstelle im Rahmen nicht kompatibel.

Du kannst einen Riemenantrieb nur nachrüsten , wenn der Fahrradrahmen ein Rahmenschloss hat.

Kosten eines Fahrrads mit Riemenantrieb

Ein Fahrrad mit Riemenantrieb erhältst du für einen Preis ab circa 1000 Euro. Ein E-Bike mit Riemenantrieb gibt es für einen Preis ab circa 2000 Euro. Willst du dein Rad mit einem Riemenantrieb nachrüsten , musst du mit Materialkosten von 200 bis 400 Euro rechnen. Den Riemen erhältst du für circa 50 Euro, pro Riemenscheibe zahlst du etwa 60 bis 100 Euro. Eine Alternative ist der teilbare Riemen von Veer, für den kein Rahmenschloss notwendig ist. Hier kostet der komplette Riemenantrieb 349 Euro. Achte darauf, dass du einen Kurbelsatz mit dem passenden Lochkreisdurchmesser brauchst, um einen Riemenantrieb verwenden zu können. Hast du keinen, kostet dich ein passender Kurbelsatz zusätzlich 50 bis 250 Euro.

Pflege und Wartung

Prinzipiell musst du den Riemen nur reinigen, wenn er sichtbar verschmutzt ist. Mit der Zeit oder wenn du häufiger auf staubigen Wegen unterwegs bist, kann es passieren, dass der Riemen seltsame Geräusche macht. Für viele Radfahrer lohnt es sich, beim Kauf etwas mehr Geld zu investieren und dafür an Gewicht zu sparen. Je leichter das Fahrrad, umso schneller lässt es sich beschleunigen. Außerdem ist ein geringes Gewicht sehr praktisch, wenn du dein Fahrrad aus dem Fahrradkeller hochtragen musst.

Überlege dir vor dem Kauf, welche Ausstattungsmerkmale das Fahrrad haben soll. Für Alltagsfahrer und Pendler lohnt sich eine fest montierte Beleuchtung für das Rad. Je umfangreicher und hochwertiger die Ausstattung, desto höher der Preis. Kannst du auf zusätzliche Ausstattungsmerkmale verzichten oder ist dir das Gewicht weniger wichtig, kannst du hier etwas Geld sparen. Aber: Ein Fahrrad mit Riemenantrieb kostet in der Anschaffung mehr als ein Fahrrad mit Kettenschaltung.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Minimaler Verschleiß des Riemens und deutlich längere Lebensdauer Nur in Kombination mit einer Naben- oder Tretlagerschaltung möglich
Muss nicht gewartet werden Für die Montage wird meistens ein Rahmenschloss benötigt
Kettenöl oder -fett werden nicht benötigt
Geringes Gewicht
Sehr leise

Hersteller von Riemenantrieben

Platzhirsch auf dem Gebiet der Fahrradriemen ist der Hersteller Gates Carbon Drive. Aber auch die Contitech Power Transmission Group hat sich diesem Thema gewidmet wie auch Veer Cycle. Dieser Hersteller hat sich sogar dem Problem angenommen, dass man einen Riemen bisher nur fahren konnte, wenn der eigene Fahrradrahmen über ein Rahmenschloss verfügt. Als Lösung hat Veer Cycle einen teilbaren Riemen gebaut.

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