Smarte Gadgets für mehr Sicherheit beim Radfahren: Rückfahrkamera, Radar und mehr im Test

Die Nachfrage nach Fahrrädern sowie E-Bikes boomt. Immer mehr Menschen nehmen für den Weg zur Arbeit oder Bildungseinrichtung ein Zweirad. Laut Statista ist die Zahl an Fahrrädern mit rund 81 Millionen Exemplaren in Deutschland so hoch wie nie zuvor. Die Nachfrage nach Pedelecs steigt ebenfalls. Inzwischen liegt der Anteil von E-Bikes am gesamten Fahrradabsatz in Deutschland 2023 erstmals über 50 Prozent.

Verglichen mit einem Auto sind Radfahrerinnen und Radfahrer besonders verwundbar im Straßenverkehr. Während die Insassen eines PKW von Blech und Airbags sowie Gurten geschützt sind, hält man auf dem Zweirad im wahrsten Sinne des Wortes selbst den Kopf hin - wenn auch idealerweise mit einem smarten Fahrradhelm. Neben einer generellen Umsicht und der Beachtung der Straßenverkehrsordnung (StVO) sollten Radfahrer sich nur mit einem Fahrrad oder E-Bike auf die Straßen wagen, das als verkehrssicher gilt - also die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) einhält.

Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer ist das A & O. Beim Abbiegen haben viele Autofahrer das Problem, dass sie im toten Winkel schlecht ein Fahrrad erkennen. Besonders LKW-Fahrer übersehen ein Zweirad schnell, gerade bei schlechter Sicht.

Für mehr Verkehrssicherheit sorgen beim Fahrrad StVZO-konforme Leuchten bestehend aus einem weißen Frontlicht und rotem Rücklicht sowie Reflektoren. Vorn ist zudem ein weißer Reflektor vorgeschrieben, der aber auch im Licht integriert sein kann. Das Gleiche gilt für den roten Rückstrahler hinten. Für mehr Sichtbarkeit von der Seite sind gelbe Reflektoren in den Pedalen sowie zwei gelbe Rückstrahler in den Speichen oder weißes reflektierendes Material am Rad vorgeschrieben. Eine „helltönende Klingel“ ist ebenfalls Pflicht - allerdings sind laute Hupen sowie Radlaufglocken nicht erlaubt. Zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsen gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Allein damit ist es aber nicht getan. Wir zeigen in diesem Ratgeber smarte Gadgets und Hilfsmittel für Zweiräder, um auf der Straße noch sicherer zu fahren. Dazu gehören unter anderem Fahrradhelme mit Blinker, Rücklichter mit Annäherungsradar und Dashcam sowie ein mobiler Airbag - und noch mehr.

Rücklichter mit Radar und Dashcam

Der tote Winkel hinter dem Radfahrer ist ein wunder Punkt. Mangels Rückspiegel bleibt der Bereich hinter dem Rad nicht einsehbar. Fährt ein Fahrzeug schnell heran, merkt das die Person auf dem Zweirad möglicherweise nicht rechtzeitig. Eine Abhilfe versprechen hier smarte Rücklichter von Garmin mit Annäherungsradar und Kamera.

Beim Garmin Varia RTL515 und RTL516 handelt es sich um ein akkubetriebenes Rücklicht, das zusätzlich über ein Annäherungsradar verfügt. Dieses erkennt näher kommende Fahrzeuge aus einer Entfernung von bis zu 140 Metern. Gekoppelt mit dem Smartphone über die Varia-App zeigt das Display Autos hinter dem Fahrrad an. Die Rücklichter sind zudem kompatibel zu bestimmten Fahrradcomputern von Garmin. Wer auf ein zusätzliches Licht verzichten kann, bekommt mit dem Garmin Varia RVR 315 ausschließlich ein Annäherungsradar.

Die Rücklichter Garmin Varia RCT715 und RCT716 gehen einen Schritt weiter. Zusätzlich zum Annäherungsradar befindet sich in der Rückleuchte eine Dashcam, die den Bereich hinter dem Fahrrad filmt. Wir haben die Garmin Varia RCT716 getestet. Geladen wird das Rücklicht mit Radar und Dashcam per USB-C. Das dauert über einen PC etwa 5 Stunden, per Netzteil klappt es in ungefähr 3 Stunden.

Zur Befestigung dient eine Halterung für die Sattelstütze am Rad. Akku sowie microSD-Karte sind bereits im Rücklicht integriert. Die Speicherkarte kann ausgetauscht werden. Geeignet sind Speicherkarten mit 8 bis 128 GB der Geschwindigkeitsklasse 10 oder höher. Bei der Montage ist Folgendes zu beachten: Das Rücklicht muss mit 90 Grad senkrecht zum Boden ausgerichtet sein. Über einen Klick-Mechanismus kann man das Rücklicht jederzeit von der Sattelstange lösen und mitnehmen. Die Akkulaufzeit beträgt 4 bis 10 Stunden. Bei einer Akku-Restlaufzeit von nur noch einer Stunde blinkt eine rote LED.

Die Kopplung mit dem Smartphone erfolgt über Bluetooth mit der App Varia. Diese erzeugt zusätzlich ein lokales WLAN zwischen Handy und Rücklicht, um Software-Updates zu installieren oder Videos anzusehen und herunterzuladen. Alternativ ist das Garmin Varia RCT716 kompatibel zu den Fahrradcomputern Garmin Edge 1030, 830 und 530. Die Kopplung daran erfolgt ebenfalls über Bluetooth.

Die App zeigt auf dem Display an, wenn sich Fahrzeuge von hinten nähern. In diesem Fall erfolgt eine Warnung. Eine genaue Position gibt die App aber nicht an. So kommt es unter Umständen zu einem „Fehlalarm“, wenn etwa ein anderes Fahrrad auf dem Gehweg seitlich vom Rad fährt. Standardmäßig ist die Dashcam deaktiviert. Schaltet man diese an, filmt sie permanent Videoclips mit einer Länge von 2 Minuten. Die Länge ist anpassbar, ein Loop ist automatisch aktiviert. Dieser erstellt immer neue Clips, bis der Speicher voll ist. Danach überschreibt die Dashcam die letzte Aufnahme. Optional ist es möglich, dass die Kamera nur dann filmt, wenn sich ein Fahrzeug nähert. Diese Option empfehlen wir aus Gründen des Datenschutzes.

Der Einsatz einer Dashcam ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Im Falle eines Unfalls sind die Aufnahmen unter bestimmten Voraussetzungen zulässig vor Gericht. Der Einsatz birgt aber ein gewisses Konfliktpotenzial in Bezug auf den Datenschutz. Die Aufnahmen dürfen etwa nicht ohne Anlass und auch nicht permanent erfolgen. Mehr zu der Rechtslage erklären wir in der Top 10: Die besten Dashcams fürs Auto im Test - Nextbase, Garmin, Viofo & Co. Wer auch den Bereich vor dem Rad filmen möchte, kann sich mit einer Dashcam für Motorräder behilflich sein. Mehr dazu erklären wir im Beitrag Smartes Zubehör fürs Motorrad: Airbag-Weste, Luftdruckmesser, Navi, Kettenöler & Co. Eine weitere Möglichkeit zum Filmen des Geschehens vor dem Rad sind Action-Cams mit Halterungen fürs Fahrrad. Hier müssen die Nutzer dann selbst Sorge tragen, dass die Aufnahmen regelmäßig und zeitnah gelöscht werden.

BikeCamHD der Firma dnt

Eine neue Rückkamera ist die BikeCamHD der Firma dnt. Diese besteht aus einer leicht an der Sattelstange montierbaren, spritzwassergeschützten Kamera, die über WLAN drahtlos mit dem Smartphone des Nutzers kommuniziert. Wer etwa in Gruppen oder mit Hängern im Straßenverkehr unterwegs ist, hat so die Möglichkeit, einen großen Radius stressfrei im Blick zu haben und somit gefährliche Situationen zu vermeiden. Die mobile Rückkamera besitzt einen eingebauten WiFi-Hotspot. Über eine App wird das Bild der Kamera per WLAN-Technologie einfach zu einem vorhandenen iOS/Android-Smartphone übertragen. Montiert man das Mobiltelefon an der Lenkstange, so hat man draht- und problemlos den rückwärtigen Bereich im Blick -und sieht doch nach vorne.

Die mobile Kamera wird über interne Li-Ionen Akkus betrieben, die wahlweise auch direkt beim Fahren über den Dynamo am Rad geladen werden können. Dadurch ist die dauerhafte Stromversorgung sogar über lange Strecken gewährleistet. Ein integrierter Spannungswandler ermöglicht es, diese auch bei einem 24 Volt E-Bike anzuschliessen und mit Strom zu versorgen.

Prophete Fahrrad-Dashcam 4K von Aldi

Im Aldi-Onlineshop ist die Fahrrad Dashcam 4K von Prophete derzeit für 89,99 Euro erhältlich. Die Kamera richtet sich an Radfahrer, die Wert zusätzliche Sicherheit legen, und überzeugt durch die Kombination aus Ultra-HD-Auflösung und langer Aufnahmezeit.

Die Fahrrad Dashcam bietet eine Videoaufnahme in echter 4K-Auflösung mit bis zu sechzig Bildern pro Sekunde. Sie zeichnet bis zu viereinhalb Stunden am Stück auf und verfügt über eine Front- sowie Rückfahrkamera. Fotos gelingen mit etwa zwanzig Megapixeln in HD-Qualität. Die Steuerung erfolgt per SUB CAM Pro App (iOS/Android). Das Gehäuse misst etwa zehn mal fünf Zentimeter und ist robust verarbeitet.

Wer häufig im Straßenverkehr unterwegs ist oder längere Touren unternimmt, profitiert von der lückenlosen Dokumentation durch diese Kamera. Besonders Pendler sowie sportlich Aktive erhalten so Beweismaterial bei Zwischenfällen oder Unfällen - das spart Zeit bei der Klärung von Streitfällen.

Rückspiegel für das Fahrrad

Wem ein System wie die Garmin Varia zu teuer ist, kann auch zu einem klassischen, aber bewährtem Mittel greifen: dem Rückspiegel. Bereits ab 9 Euro gibt es bei Amazon Spiegel, die man am Lenker befestigen kann.

Sichere Fahrrad-Beleuchtung

Ganz simpel, aber essenziell: Die richtige Beleuchtung beim Fahrrad sorgt für eine gute Sichtbarkeit. Lange Zeit waren nur Lampen mit Dynamo erlaubt. Erst seit 2017 sind auch Leuchten mit Akku zulässig. Mehr zu dem Thema erklären wir im Ratgeber Hell, günstig, sicher: Das beste Fahrradlicht mit Akku oder Batterie ab 10 Euro.

Sind Blinker am Fahrrad erlaubt?

Wer jetzt sein Fahrrad mit einem Blinker nachrüsten will, um keine Handzeichen mehr geben zu müssen, sollte Folgendes beachten: Blinker sind bei einem Fahrrad in Deutschland nur bei mehrspurigen Fahrrädern erlaubt, also etwa bei einem Lastenrad. Eine Ausnahme sind Blinker im smarten Helm oder an der Bekleidung.

Smarte Fahrradhelme mit Rücklicht, Blinker und Notruf

Zwar besteht in Deutschland keine Helmpflicht beim Fahrradfahren, aber zur eigenen Sicherheit können wir einen Schutz für den Kopf nur empfehlen. Worauf man im Allgemeinen bei der Auswahl achten sollte, zeigen wir im Beitrag E-Bike, MTB, Rennrad: Den richtigen Fahrradhelm finden, kaufen & pflegen.

Eine erhöhte Sichtbarkeit bei Dunkelheit und damit mehr Sicherheit bieten Fahrradhelme mit Beleuchtung. Im smarten Helm Sena R1 Evo findet sich ein akkubetriebenes Rücklicht. Zudem ist es möglich, den Helm mit dem Smartphone zu koppeln, um ihn dann als Freisprecheinrichtung zu nutzen. Der Lumos Street verfügt ebenfalls über Beleuchtung.

Der Livall Evo 21 verfügt neben einem Rücklicht über einen Blinker. Während ein Blinker ja bei einem Zweirad nicht erlaubt ist, trifft das nicht auf den Helm zu, da dieser am Körper getragen wird. Dank eines Umgebungslichtsensors leuchten die 38 LEDs automatisch, sobald die Dämmerung einsetzt. Zusätzlich gibt es eine Fernbedienung, die man am Lenker des Fahrrads, E-Bikes oder E-Scooters montiert. Damit aktiviert man für knapp zehn Sekunden einen Blinker.

Eine Notruffunktion ist beim Livall Evo 21 ebenfalls vorhanden. Hierzu koppelt man den Helm mit dem Smartphone. Einen Rucksack von Fischer mit Blinkerfunktion bekommt man bereits ab 38 Euro bei Amazon. Jeweils ein Pfeil nach rechts oder links auf dem Rucksack zeigt, in welche Richtung der Radfahrer abbiegen möchte. Auf Wunsch zeigt die Leuchte einen Bremsvorgang an oder wenn man gerade aus über die Kreuzung fahren möchte. Zur Bedienung kommt eine Fernsteuerung zum Einsatz, die man am Lenker befestigt.

Wer nicht gleich einen ganzen Rucksack kaufen will, bekommt ab 17 Euro eine Blinkweste, die man drüberziehen kann. Hier sind LED-Leuchten samt Akku oder Batterie in der Kleidung integriert. Über eine Fernsteuerung, die man am Lenker befestigt, kann man beim Abbiegen damit per Tastendruck blinken.

Airbag für das Fahrrad

Einen ungewöhnlichen Weg geht der Fahrrad-Airbag Hövding 3. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine Art von Halskrause, in der ein Airbag integriert ist. Er trägt sich beim Fahren angenehm und ruiniert keine Frisur. Registriert diese einen Sturz, löst sie den Airbag aus. Allerdings ist das Produkt recht teuer.

Für anspruchsvolle Trails und Abfahrten können wir ihn den Airbag nicht empfehlen. Denn es könnte passieren, dass er an der falschen Stelle auslöst, was in unserem Test auch passiert ist. Nach einem Unfall sollte man den Hövding 3 schnell lösen, da er den Hals zusammendrückt und das Atmen erschwert. Im Fall einer Bewusstlosigkeit nach einem Sturz könnte das sogar gefährlich werden.

Der ADAC hat das Airbag-System ebenfalls getestet und es funktioniert prinzipiell bei einem Crashtest. Jedoch bei einigen Unfallszenarien ist der Schutz nicht so effektiv wie bei einem Fahrradhelm, etwa bei einem Zusammenstoß mit einer Tür oder einem Spiegel eines Lkw.

Allerdings hat der schwedische Hersteller Ende 2023 Insolvenz beantragt. Der Grund dafür war ein Verkaufsverbot der schwedischen Verbraucherschutzbehörde gegen das Produkt. Zwar hatte das Unternehmen Einspruch dagegen eingelegt und Recht bekommen, sodass der Hövding 3 wieder verkauft werden durfte. Allerdings war der wirtschaftliche Schaden so groß, dass der Hersteller in die Insolvenz gehen musste.

Das bedeutet, dass Käufer beim Hersteller keine Garantieansprüche mehr geltend machen können. Laut ADAC müssen allerdings Händler, die das Produkt verkaufen, zwei Jahre für Sachmängel haften. Falls es zu einem Defekt kommt und das Produkt nicht umgetauscht werden kann, bekommen Käufer ihr Geld zurück. Angesichts dieser Situation, des hohen Preises und Lücken beim Schutz bei einigen Unfallszenarien raten wir eher zu einem smarten Helm.

Handyhalterung für das Fahrrad

Die Nutzung eines Handys während der Fahrt ist nicht erlaubt. Aber innerhalb einer Halterung als Navi ist das möglich. Damit bietet sich das Smartphone als Navigationshilfe an oder als Anzeige für die Rückfahrkamera mit Radar von Garmin. Neben einfachen Befestigungen sind Varianten mit integrierter Powerbank oder Schutz vor Wasser bei Regen besonders praktisch.

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