Fahrrad Scheibenbremse Schleift: Ursachen und Lösungen

Wenn die Scheibenbremse beim Fahrrad schleift und quietscht, ist das lästig und vermindert die Bremswirkung. Oft ist auch ein Klingeln oder regelmäßiges Schleifgeräusch zu hören. Wie eine dauerhaft schleifende Scheibenbremse beim Fahrrad korrekt einzustellen ist und was die häufigsten Ursachen sind, zeigt dieser Artikel.

Werkzeug und Vorbereitung

Bei einer Reparatur sollten Werkzeuge und Hilfsmittel wie Inbus-Schlüssel, Taschenlampe, Tuch und auch Bremsreiniger zum Entfetten griffbereit sein.

Um die Bremse an deinem Fahrrad selbst überprüfen und reparieren zu können ist es hilfreich, wenn sich die Räder des Bikes frei drehen können. Solltest du keinen Montageständer besitzen, kannst du das Rad auf den Kopf stellen oder eine zweite Person bitten das Rad für dich anzuheben.

ACHTUNG: Halte deine Finger von der rotierenden Bremsscheibe fern! Achte darauf die Räder beim Einstellen der Bremse nicht oder nur langsam zu bewegen.

Häufige Ursachen und Lösungen

In der Regel gibt es fünf häufige Ursachen für quietschende Scheibenbremsen beim Fahrrad.

1. Feder am Schnellspanner falsch eingesetzt

Diese müssen immer mit der spitzen Federseite nach innen Richtung Radlager zeigen. Wenn das nicht der Fall ist: Feder am Schnellspanner richtig herum einsetzen.

2. Bremssattel schief verschraubt oder Bremsbeläge ungleich abgenutzt

Bei modernen Fahrrädern mit Zentrierung der Laufräder kann die Scheibenbremse auch quietschen, wenn der Bremssattel schief verschraubt ist oder die Bremsbeläge ungleich abgenutzt sind.

Lösung: Damit die Bremsscheibe wieder frei läuft, müssen zunächst die Schrauben des Bremssattels mit einem Inbus-Schlüssel gelöst und anschließend wieder festgezogen werden. Oft lässt sich die korrekte Ausrichtung ganz einfach herstellen, indem die Bremse kräftig betätigt wird, während der gelöste Bremssattel schrittweise angezogen wird.

Führt diese Methode nicht zum Erfolg, hilft der sogenannte Lichtspalt-Trick. Dazu am besten eine starke Lampe unter dem Bremssattel positionieren und den Sattel mithilfe des sichtbaren Lichtspalts ausrichten. Entscheidend ist dabei, dass der Abstand zwischen Bremsscheibe und Bremsbelägen auf beiden Seiten gleichmäßig ist.

3. Scheibenbremse hat Seitenschlag

Durch das Abstellen des Fahrrads im Fahrradständer kann sich die Scheibenbremse leicht verbiegen.

Lösung: Zunächst die Stelle am Laufrad suchen, an der die Bremsscheibe "ausschlägt". Diese Stelle auf die gegenüberliegende Seite des Laufrads drehen und mit einem entsprechendem Werkzeug oder Tuch fest mit Kraft dagegen drücken bis die Bremsscheibe gerade ist und ohne schleifen läuft. Falls das Problem nochmal auftritt, zum Beispiel wenn die Bremsscheibe durch langes Bergabfahren heiß läuft, besser eine neue Bremsscheibe kaufen. Kosten: rund 15 bis 30 Euro.

4. Verschmutzungen

Nach Fahrradtouren im schlammigen Gelände ist ein Fahrrad oft sehr stark verschmutzt. Auch das kann zu Problemen bei den Scheibenbremsen führen.

Lösung: Putzen und zum Schluss die Bremsscheibe entfetten. Zunächst sollten das Fahrrad und die Scheibenbremse gründlich mit Wasser gereinigt, dann mit einem fusselfreiem Tuch aus Baumwolle getrocknet werden. Zum Schluss in jeden Fall die Bremsscheibe mit einem speziellen Bremsenreiniger entfetten. Dabei sollte kein Schmutzfilm mehr übrig bleiben.

Häufig lassen sich Probleme durch verschmutzte Bremsscheiben und -beläge erst nach mehreren kräftigen Bremsvorgängen beheben. Es kann daher hilfreich sein, die Bremse gezielt "heiß" zu bremsen. Am besten sucht man sich dafür ein Gefälle und betätigt beim Bergabfahren die Bremse öfter.

5. Mechanische Probleme

Wenn nach Durchführung dieser Maßnahmen immer noch Probleme mit der Bremsscheibe beim Fahrrad bestehen, ist die Ursache oft komplexer und erfordert mehr Zeit und Know-how bei der Reparatur. Weitere Ursachen können zum Beispiel sein: abgenutzte Bremsbeläge, abgenutzte Bremsscheiben, falsch eingebaute Scheibenbremsen oder Luft im Hydrauliksystem.

Weitere Ursachen und Lösungen im Detail

Bremssattel ist falsch montiert

Wenn deine Scheibenbremse schleift und das Nachstellen nicht hilft, kann es auch daran liegen, dass der Bremssattel falsch montiert oder der Adapter falsch herum gedreht ist. Dadurch stimmt der Abstand zwischen Bremsscheibe und Bremssattel, auch Bremskörper genannt, nicht. Die richtige Montagerichtung ist auf dem Adapter angegeben, meist mit einem Pfeil nach oben.

Bremsbeläge sind ungleichmäßig abgenutzt

Wenn die Bremsbeläge ungleichmäßig abgenutzt sind, kann dies ebenfalls zum Schleifen der Scheibenbremse führen und ist ein Hinweis auf schwergängige Bremskolben (nächster Schritt). Abgefahrene Bremsbeläge können auch Schleifgeräusche verursachen.

Schwergängige Bremskolben

Wenn die Bremskolben schwergängig sind, drücken diese die Bremsbeläge ungleichmäßig an die Scheibe, was wiederum zu Schleifen führen kann. Manche Scheibenbremsen haben zwei, andere vier Kolben. Nachdem man die Bremsbeläge ausgebaut hat, können die Kolben mit einem Reifenheber aus Plastik zurückgedrückt werden.

Durch mehrmaliges Betätigen der Bremse kommen die Kolben wieder zum Vorschein. Man sollte sie aber nicht weiter als 2 bis 3 Millimeter herausdrücken, da sich sonst das Bremssystem öffnet und die gesamte Bremse entlüftet werden muss. Durch das Rein- und Rausdrücken werden die Kolben wieder gängig. Zusätzlich kann man jeweils einen Tropfen Bremsflüssigkeit auf die Kolben geben. Bevor man die Beläge dann wieder einbaut, sollte man aber mit Bremsenreiniger überschüssige Bremsflüssigkeit entfernen.

Achter im Laufrad

Wenn die Bremsscheibe deines Fahrrads sowohl am linken als auch am rechten Bremsbelag schleift, kann das bedeuten, dass die Bremsscheibe verbogen ist. Bevor du die Bremsscheibe verbiegst, solltest du aber unbedingt prüfen, ob das Rad selbst keinen Achter hat. Das kann sich nämlich auch auf die Bremsscheibe auswirken. Bevor man also zum Scheibenrichtwerkzeug greift, sollte man das Rad zentrieren.

Bremsscheibe ist verbogen

Hast du die anderen Fehlerquellen gecheckt und die Bremsscheibe schleift noch immer auf beiden Seiten, kannst du versuchen, sie mit einem Bremsscheibenrichtwerkzeug zu zentrieren. Feinfühlige, kleine Schritte sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Überprüfe immer wieder genau, an welcher Stelle und Seite die Scheibe schleift. Sonst läuft man Gefahr die Scheibe noch weiter zu verbiegen.

Scheibenbremse einstellen: Methoden

Oft kann man das Schleifen beheben, indem man die Scheibenbremse neu einstellt. Dazu richtet man den Bremssattel, auch Bremskörper genannt, zur Bremsscheibe aus. So, dass diese weder links noch rechts an den Bremsbelägen schleift. Dazu löst man zunächst die beiden Schrauben am Bremssattel, bis sich dieser verschieben lässt. Dazu benötigt man in der Regel einen 5er-Inbus.

Mit einem Trick kann man jetzt Sattel und Scheibe automatisch aufeinander ausrichten. Bringe dazu die betroffene Scheibe samt Rad zum Rotieren und betätige dann den zugehörigen Bremshebel. Halte diesen gedrückt und schraube währenddessen die Schrauben am Bremssattel fest. Wenn das Schleifen jetzt nicht behoben ist, muss man den Bremssattel manuell nach Augenmaß ausrichten.

Methode 1: Bremshebel ziehen und halten

Am schnellsten geht es, wenn du beide Befestigungsschrauben so weit löst, dass sich der Bremskörper frei bewegen kann. Dann ziehst du den Bremshebel und ziehst beide Schrauben immer abwechselnd ein Stück an, während du den Bremshebel weiter gedrückt hältst. So zentriert sich der Bremskörper im Idealfall selbst mittig über der Bremsscheibe. Sollte die Bremse danach immer noch schleifen, musst du die Einstellung händisch korrigieren.

Methode 2: Bremssattel optisch ausrichten

In der Regel funktioniert die erste Methode schon sehr gut. Manchmal bekommt man die Bremse aber nur schleiffrei, wenn man sie nochmal mit dem Auge ausrichtet. Hierzu löst man nur eine Schraube etwas weiter, dreht dann den Bremssattel per Hand, sodass der Spalt auf beiden Seiten möglichst gleich (parallel) ist. Wer es perfekt haben will, braucht hier etwas Geduld.

Methode 3: Bremskolben zurücksetzen

Solltest du mit beiden Methoden kein Glück haben bleibt dir noch eine dritte Option. Wenn sich die Bremskolben - die hinter den Bremsbelägen liegen - nicht gleichmäßig bewegen, fängt die Bremse schneller an zu schleifen und der Verschleiß ist ungleichmäßig.

Für das Zurücksetzen der Kolben müssen das Rad und die Bremsbeläge ausgebaut werden. Drücke die Bremskolben am besten mit einem Reifenheber oder einem großen Schlitzschraubendreher zurück. Achte besonders bei hochwertigen Bremsen mit Keramikkolben - erkennbar an der weißen Farbe - darauf, nur wenig Druck auszuüben. Drücke alle Bremskolben zurück bis sie wieder innen mit dem Bremssattel abschließen. Hast du die Bremsbeläge wieder montiert und das Rad eingebaut, starte mit der Einstellung wie bei der Methode 1 oben.

Quietschende Bremse und schlechte Bremsleistung

Wenn deine Bremse auch nach einem wiederholten Einbremsen quietschen oder nicht richtig bremsen sollte, solltest du die Bremsbeläge prüfen und ggf. reinigen. Es gibt grundsätzlich zwei Fälle von „Defekten“ bei Bremsbelägen.

Fall 1: Bremsbeläge sind verglast

Das „Verglasen“ lässt sich bei Bremsbelägen an einer glänzenden, Glas-ähnlichen Oberfläche erkennen. Je nach Intensität lässt sich die Oberfläche der Beläge aber noch mit Schleifpapier anrauen und der Bremsbelag lässt sich als Notlösung weiter benutzen. Alle Bremsenhersteller empfehlen jedoch einen verglasten Bremsbelag auszutauschen, da dieser nicht mehr die volle Bremsleistung bieten kann.

Fall 2: Bremsbeläge (und Scheibe!) sind kontaminiert

Bei einer Scheibenbremse reicht oft schon ein winziger Tropfen Öl oder Fett zur Kontamination. In den meisten Fällen ist Kettenöl der Verursacher. Es kann aber auch ein Defekt an der Hydraulik vorliegen. Prüfe daher genau, ob sich an den Anschlüssen oder innerhalb des Bremssattel Ölspuren befinden.

Die schlechte Nachricht: Die Bremsbeläge lassen sich leider nicht mehr weiterverwenden. Die gute Nachricht: Die Bremsscheibe kann in den meisten Fällen nach einer gründlichen Reinigung weiterverwendet werden.

Hinweis: Achte darauf nur wenig Kettenöl zu verwenden und richte Sprühöl immer nur in Richtung des Tretlagers nach vorne. Verölte Bremsbeläge und -scheiben lassen sich an ihrem schmierigen Gefühl erkennen. Tausche den Bremsbelag aus (siehe Methode 3) und reinige den Bremssattel und die Bremsscheibe. Hierzu kannst du entweder Bremsenreiniger, Reinigungsbenzin oder warmes Wasser mit Spülmittel verwenden. Kontaminierte Bremsbeläge können nicht gereinigt werden und müssen ausgetauscht werden.

Reinigung einer quietschenden Scheibenbremse

Die größte Erfolgschance auf eine ölfreie Bremse hast du, wenn du dir möglichst viel Zeit nimmst und auf mehrere der beschrieben Mittel und Produkte zurückgreifst. Nimm dir einen sauberen Schwamm oder ein Spültuch und heißes Wasser mit Spülmittel und reinige die Bremsscheibe damit oder lege sie gleich darin ein. Im Anschluss kannst du diese dann nochmal Entfetten (z.B. mit Bremsenreiniger) und Papiertüchern „abtrocknen“. Erst dann solltest du die neuen Bremsbeläge einbauen.

Tipp: Für eine anfänglich bessere Bremsleistung lohnt es sich, nach jeder Instandsetzung einer quietschenden Bremse auch die Bremsscheibe mit Schleifpapier anzurauen.

Wann zum Experten?

Da gut funktionierende Bremsen beim Fahrrad sicherheitsrelevant sind, sollten sie in jedem Fall immer richtig eingestellt sein. Wer das Problem nach der Anleitung nicht selbst lösen kann, sollte einen Experten in einer Fachwerkstatt zu Rate ziehen.

Ursachen für Geräusche beim Bremsen

Mehrere Gründe können dafür sorgen, dass sich eine Scheibenbremse akustisch bemerkbar macht. Der häufigste Grund ist Feuchtigkeit. In diesem Fall musst du dir keine Sorgen machen. Bei Regen oder niedrigeren Temperaturen quietscht so gut wie jede Scheibenbremse. Sollte deine Bremse auch im trockenen Zustand quietschen oder auf eine andere Art Probleme machen, liegt höchstwahrscheinlich einer der drei folgenden Fälle vor.

Was tun, wenn die Scheibenbremse schleift?

Wenn die Bremse bei deinem Fahrrad bzw. E-Bike auch ohne Betätigung des Bremshebel Geräusche macht, ist der Abstand zwischen Bremssattel bzw. -belag und Bremsscheibe zu gering. Überprüfe, ob der Bremssattel mittig ausgerichtet ist oder ob die Bremsscheibe einen Schlag hat. Vor einem hellen Hintergrund kannst du den Lichtspalt zwischen Bremsbelag und -scheibe am besten erkennen. Drehe das Rad, um zu überprüfen, wie und wo das Geräusch entsteht.

Wenn die Bremsscheibe an einem oder mehreren Punkten leicht schräg läuft und die Bremse in diesem Bereich schleift, ist die Lösung recht simpel: Einfach die Bremsscheibe in diesem Bereich mit (möglichst fettfreien Finger bzw. Handschuhen) zurückdrücken. Hier kannst du ruhig etwas sanfte Gewalt anwenden, wenn du merkst, dass sich eine Verbesserung einstellt. In seltenen Fällen ist die Bremsscheibe aber auch so verformt, dass sie sich nicht mehr zurückbiegen lässt. Dann ist nur ein Austausch möglich. Sollte die Scheibe gerade genug sein, kannst du mit der Einstellung der Bremse weitermachen.

Einbremsen neuer Bremsen

Falls dein Fahrrad oder dessen Bremsbeläge noch relativ neu sind und du Probleme mit quietschen oder vibrieren beim Bremsen hast, dann ist die Lösung häufig recht einfach. Das sogenannte „Einbremsen“ passiert zwar normalerweise von selbst, muss aber hin und wieder etwas forciert werden.

Viele Bremsenhersteller wie Shimano oder Magura sprechen hier von etwa 20 bis 30 stärkeren Bremsungen - beispielsweise bergab - bis die Bremsbeläge eingebremst sind. Im flachen Terrain funktioniert es, auch wenn du während des Tretens für maximal fünf Sekunden die Bremse ziehst, während du weiter in die Pedale trittst. Bei E-Bikes ist dies dank der Motorunterstützung einfach. Nach ein paar Bremsungen solltest du dann feststellen, dass die Bremsleistung zunimmt und Geräusche oder Vibrationen abnehmen.

Bremsbeläge und Bremsscheiben: Verschleiß prüfen

Wenn du mit deinem Fahrrad oder E-Bike schon einige Kilometer gefahren bist (und auch mal gebremst hast 😉), kann es sein, dass der Bremsbelag schlichtweg verschlissen ist. Sollte der Belag komplett verschlissen sein, macht sich dies beim Bremsen mit metallischen Schleifgeräuschen bemerkbar. In dem Fall bremst die Bremse jedoch schon länger nicht mehr richtig und auch die Scheibe wird in Mitleidenschaft gezogen (Metall auf Metall). Bei rechtzeitigem Austausch der Beläge wird die Scheibe geschont.

Es lohnt sich die Stärke der Bremsbeläge alle paar Monate zu kontrollieren, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Am besten kann man den Verschleißzustand im ausgebauten Zustand beurteilen, aber auch mit einem groben Blick von oben in den Bremssattel kann man den Verschleißzustand der Beläge erkennen. Die Haltbarkeit von Bremsbelägen ist - wie bei allen Bauteilen - stark von der Nutzung und Pflege abhängig.

Weitere Tipps

  • Schleift die Scheibe rhythmisch, obwohl das Laufrad mittig in den Ausfallenden sitzt, ist häufig ein Seitenschlag in der Scheibe die Ursache.
  • Falls die Scheibe ständig an den Belägen schleift, muss der Bremssattel neu zentriert werden.
  • Falls einer der Kolben klemmt, also sich nach dem Bremsen nicht mehr zurückzieht, kann man folgendes versuchen: Bremsbeläge entnehmen, den betroffenen Kolben mit der für das System erforderlichen Bremsflüssigkeit (je nach Hersteller Dot4/5.1 oder Mineralöl) seitlich benetzen und den Kolben sanft zurückdrücken und dann noch einmal versuchen.

Die Kurzform zur Zentrierung

Befestigungsschrauben lösen, Bremshebel ziehen (die Bremse zentriert sich dadurch selbständig), bei gezogenem Bremshebel die Befestigungsschrauben wieder festziehen - fertig.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0