Fahrrad Schutzblech 26 Zoll Test: Der ultimative Ratgeber

Der zurückliegende Sommer war wahrlich nichts für Rennradler. Es regnete nicht nur gefühlt die ganze Zeit - auch statistisch waren die Monate Juni, Juli und August die regenreichsten seit zehn Jahren. Wer ausgiebige Touren unternahm und nach einem vielversprechenden Frühjahr weiter fleißig Kilometer sammelte, der war entweder hart im Nehmen oder verfügte am Rad über: Schutzbleche. Nun steht die Hochsaison fürs Radeln bei unwirtlichem Wetter an - höchste Zeit für unseren Test von je vier Modellen zur Fest- und Schnellmontage.

Warum sind Schutzbleche wichtig?

Damit es auf öffentlichen Straßen fahren darf, muss ein Fahrrad nach Vorgaben der Stvzo (Straßenverkehrsordnung) so einiges an Bauteilen vorweisen. Die schützenden Bleche gehören jedoch nicht dazu. (Ausnahmen können Pedelecs und S-Pedelecs sein). Das hat einen einfachen Grund, die StVzO gibt dabei nur sicherheitsrelevante Dinge vor. Schutzbleche montiert man für sich selbst, als Schutz.

Sie absorbieren Schmutz und Wasser und schützen den Fahrradfahrer vor Verschmutzung und den Fahrradrahmen vor z.B. Steinschlägen und ebenfalls vor Verschmutzungen. Bei feuchtem Wetter, Regen oder auf unbefestigten Wegen wird Dreck und Schmutz über das Reifenprofil aufgenommen und über die Rotation der Räder dank der Gravitationskräfte wieder abgegeben. Schnell wird klar, Dreck und Schmutz fliegt genau vor dem Fahrer in die Luft. Getroffen werden ebenfalls die Füße, der Rahmen und unter Umständen die Tretkurbel.

Am Hinterrad ist es ebenfalls die senkrechte Achse zur Lauffläche, ebenfalls entgegengesetzt zur Fahrtrichtung. Ein gutes Schutzblech verhindert die Verschmutzung des Fahrers, als auch die Verschmutzung des Fahrradrahmens. Gerade beim Vorderrad ist es wichtig, dass kleine Steine und Dreck nicht gegen den Fahrradfahrer und den Rahmen geschleudert werden.

Kriterien für ein gutes Schutzblech

Das wichtigste Kriterium ist und bleibt der Schutz vor Spritzwasser - und zwar vor dem, das von den Reifen aufgewirbelt wird. Deshalb ist nur ein langes Schutzblech ein guter Schmutzschutz. Wenig überraschend schneiden deshalb die festmontierten Modelle besser ab, weil sie länger sind als Steckbleche und dank stabiler Befestigung auch auf ruppigem Terrain an Ort und Stelle bleiben.

Wichtig für beide Arten von Schutzblechen ist, dass sie sich einfach montieren lassen - mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Steckbleche, die erst nach 20 Minuten Gefummel startklar sind, bleiben erfahrungsgemäß in der Garage. Das Anbringen fest montierter Bleche erfordert mehr Zeit - kann einen aber auch zur Weißglut treiben, wenn Montageteile und Befestigungspunkte nicht zusammenpassen.

Materialien und Bauweise

Kaum Unterschiede gibt es hinsichtlich des Materials: Kunststoff ist Trumpf. Einzig Specialized verwendet bei seinem Testsieger-Set wärmebehandeltes Aluminium. Carbon-Modelle wie die Flexi-Carbon für 170 Euro, die wir in TOUR 11/2019 testeten, sind teuer und sehr selten.

Dass Schutzbleche von vielen Rennradlern nach wie vor kritisch beäugt werden, wundert SKS-Entwicklungsleiter Kordes nicht. “Der Rennradfahrer möchte sein meist teures Rad auf ein Minimum reduziert haben. Das Schutzblech darf deshalb eigentlich gar nicht auffallen”, sagt er und ergänzt augenzwinkernd: “Ein Porsche-Fahrer montiert ja auch keinen Dachträger an sein Auto.” Das stimmt wohl. Fürs Porsche-Fahren braucht man aber auch nicht bei Wind und Wetter im Freien zu trainieren.

Die richtige Größe und Breite

Damit ein Schutzblech auch optimal seiner Funktion nachkommen kann, sollte es breiter sein als der Mantel bzw. das Rad über dem es montiert ist. Ein ca. 55 mm Schutzblech sollte man bis maximal 50 mm Fahrradreifen einsetzen. Mit einem leichten U-Profil kann das Schutzblech dicht an der Lauffläche montiert werden. Durch das U-Profil stehen die Seiten über und legen sich wie ein Schutz am Mantel entlang. Ist das Schutzblech zu schmal oder gar schmaler als der Reifen, können Wasser und Verunreinigungen am Blech vorbei. Es gilt also darauf zu achten, dass das Blech auf jeder Seite 2-3 mm breiter ist als der Reifen bzw.

Als Faustformel für die passende Breite eines Schutzbleches empfiehlt sich an beiden Rändern je ein halber Zentimeter Überstand. Für 28-Millimeter-Pneus sollte das Schutzblech demnach rund 38 Millimeter breit sein. Gleichzeitig müssen Sie darauf achten, dass die Schmutzfänger noch durch die Streben beziehungsweise Gabel passen.

Die Schutzbleche sollten mindestens einen Zentimeter Abstand vom Reifen haben, vor allem bei grobstolligem Profil, damit aufgewirbelte oder im Profil steckende Steine sich nicht verklemmen können.

Festmontage vs. Schnellmontage

Steckbleche sind in der Regel schnell montiert und leicht, eignen sich aber eher für gelegentlichen Einsatz bei Nässe. Wer unabhängig von der Wettervorhersage Rad fahren will, sollte zu fest montierten Blechen greifen. Mit den Besten bleiben Rücken und Füße auch bei längeren Regenfahrten trocken. Die Montage kann allerdings zur Geduldsprobe werden. Wichtig vor dem Kauf: Befestigungspunkte am Rad checken!

Kategorie 1: Schutzbleche mit fester Montage

Unsere vier Modelle bieten allesamt einen guten Nässeschutz. Die Montage ist allerdings etwas aufwendig und erfordert Geschick.

Alle fest zu montierenden Schutzbleche aus unserem Test schützen gut bis sehr gut vor Nässe. Am besten gelingt das den Specialized Dry-Tech Fender - kein Schutzblech-Set umschließt die Laufräder auf größerem Umfang als das der US-Amerikaner. Dadurch schützt man nicht nur die eigenen Füße und den Rücken zuverlässig, beim Windschattenfahren behält auch der Hintermann den nötigen Durchblick.

Die robusten Aluminium-Bleche sind mit 80 Euro aber auch die mit Abstand teuersten Modelle im Test. Das in drei Größen erhältliche Set bietet Platz für bis zu 55 Millimeter breite Reifen - damit eignet es sich auch für Gravelbikes. Knapp dahinter reihen sich die ebenfalls in drei Varianten erhältlichen Bontrager NCS ein. Mit mehr als 600 Gramm sind diese zwar das schwerste Set im Test, doch darauf sollte man bei Schutzblechen nicht allzu großen Wert legen, sie bleiben ja in der Regel nicht dauerhaft am Rad.

Die schlechteste Gesamtnote bei den festen Schutzblechen geht an die Procraft Rainbow. Sie haben uns bei der Montage am meisten Geduld abverlangt. Zwar mussten wir auch bei den Schmutzfängern von Bontrager und SKS zum Bolzenschneider greifen, um die Streben zu kürzen, bei Procraft erwiesen sie sich allerdings als besonders widerspenstig. Außerdem sind die Kanten der Schützer kaum gerundet, der Kunststoff ist insgesamt sehr weich. Hier punkten die tadellos verarbeiteten SKS Bluemels Shiny 35. In Sachen Sicherheit bieten die Schützer von Procraft und SKS einen Auslösemechanismus: Verfängt sich ein Zweig zwischen Schutzblech und Rad, entkoppeln sich die Streben, damit das Rad nicht blockiert. Den Schmutzfängern der beiden US-amerikanischen Hersteller fehlt diese Lösung.

Getestete Modelle mit fester Montage:

  • Bontrager: NCS
    • 50-60 Euro
    • 25, 35, 45 Millimeter
    • 617 Gramm
    • Fazit: Die glänzenden Kunststoff-Bleche lassen sich relativ schnell montieren, die Streben können einfach angepasst werden. Schwerstes Set im Test.
  • Procraft: Rainbow
    • 36 Euro
    • 35, 45, 50 Millimeter
    • 454 Gramm
    • Fazit: Bei der Montage ist auch wegen der knapp gehaltenen Anleitung Geduld gefragt. Ist das glänzende Kunststoff-Set dann aber am Rad angebracht, erfüllt es seinen Zweck und schützt vor Spritzwasser.
  • SKS: Bluemels Shiny 35 Black Set
    • 26 Euro
    • 28 Millimeter
    • 474 Gramm
    • Fazit: Tadellos verarbeitet, mit Sicherheits-Clip zum Lösen der Streben. Kritikpunkt: Die Strebenlänge am hinteren Schützer war bei der Montage am Testrad weitgehend ausgereizt.
  • Specialized: Dry-Tech Fender
    • 80 Euro
    • 35, 42, 55 Millimeter
    • 595 Gramm
    • Fazit: Der Testsieger schmiegt sich weit um den Reifen und bietet einen exzellenten Spritzschutz. hochwertig verarbeitet. Vergleichsweise schwer und relativ teuer.

Kategorie 2: Rennrad-Schutzbleche zur schnellen Montage

Nicht alle Schutzblech-Modelle schützen ausreichend vor Nässe und Schmutz. Die Anbringung ist dagegen unkompliziert und schnell erledigt.

Im Gegensatz zu den festmontierten Schutzblechen muss man bei den Schnellmontage-Modellen kleinere Abstriche beim Nässeschutz in Kauf nehmen. Am besten schneiden hier die SKS Speedrocker ab, die Reifen bis zu 42 Millimeter umschließen und laut Herstellerangaben speziell für Gravelbikes entwickelt wurden. Auch die BBB SlimGuard halten einen trocken - allerdings mit Einschränkungen. Der Grund: Die Schmutzfänger passen ausschließlich an Felgenbremsen-Räder mit einfachem Bremsbolzen, sind nur für Reifen bis maximal 28 Millimeter geeignet und benötigen genügend Freiraum zwischen Sitzrohr und Reifen.

Bei unserem Testmodell, einem älteren Scott Foil, war das nicht der Fall. Aus diesem Grund mussten wir auf das steckbare Teilstück zwischen Sitzstreben und Sitzrohr verzichten - und wurden entsprechend an den Füßen nass. Nur bedingt empfehlenswert sind die - nur einzeln erhältlichen - Gravelhugger von Mudhugger. Das hintere Blech schützt aufgrund der Befestigung an den Sitzstreben nur Po und Rücken. Füße und Antrieb bekommen ordentlich Spritzwasser und Dreck ab - außer man ist zum Improvisieren bereit und verlängert das Schutzblech selbst.

Die Befestigung mit Gummiringen und Kabelbindern ist simpel, dafür geht sie am schnellsten. Besser gefiel uns die Befestigung der Crud Roadracer MK3. Dank eines äußerst stabilen und klebbaren Klettverschlusssystems lässt sich das Schutzblech-Set an nahezu jeder Rahmenform anbringen und mühelos ausrichten. Leider wirkt der Kunststoff billig und ist vergleichsweise weich. Mit 248 Gramm sind die Roadracer dafür das leichteste Set im Test.

Getestete Modelle mit schneller Montage:

  • BBB: SlimGuard
    • 50 Euro
    • 28 Millimeter
    • 365 Gramm
    • Fazit: Die schmalsten Schutzbleche im Test lassen sich nur an Bremsbolzen und Schnellspannachse anbringen. Bei Aero-Rennern muss man auf das Steckblech zwischen Sitzstrebe und Sitzrohr wegen des fehlenden Freiraums verzichten.
  • Crud: Roadracer MK3
    • 40 Euro
    • 38 Millimeter
    • 248 Gramm
    • Fazit: Das lange vordere Schutzblech schützt gut vor Nässe, das assymetrische hintere hält den Antrieb relativ trocken und sauber. Abzüge gibt es wegen des Materials, der Kunststoff wirkt billig und ist vergleichsweise weich.
  • Mudhugger: Gravelhugger Front & Rear
    • 56 Euro
    • 50 Millimeter
    • 262 Gramm
    • Fazit: Bis zu 50 Millimeter breite Schlappen haben unter den Kunststoff-Blechen Platz; wenig Nässeschutz, vor allem hinten, weil das Schutzblech nur bis zu den Sitzstreben reicht. Sehr einfach zu montieren.
  • SKS: Speedrocker
    • 50 Euro
    • 42 Millimeter
    • 415 Gramm
    • Fazit: Empfehlung vor allem für Gravelbikes. Vielfältig einstellbar, guter Spritzschutz. Vergleichsweise schwer.

Montage-Tipps für Rennrad-Schutzbleche

Keine Eile, bitte: Die Montage fester Schutzbleche am Rennrad braucht Zeit, weil oft individuelle Anpassungen erforderlich sind. Aber auch der Anbau von Steckblechen zur gelegentlichen Nutzung will vorbereitet sein.

  • Befestigungspunkte überprüfen: Vor dem Kauf von passenden Schutzblechen sollten Sie Ihr Rennrad hinsichtlich möglicher Befestigungspunkte unter die Lupe nehmen. Vor allem Gravelbikes verfügen inzwischen zwar über entsprechende Montageösen, die aber nicht zwingend an der richtigen Stelle sitzen.
  • Schutzfolie verwenden: Bei vielen Schmutzfängern zur Schnellmontage zählt eine Schutzfolie zum Lieferumfang. Diese sollten Sie zwischen Schutzblech und Rahmen/Gabel anbringen, um den Lack zu schonen.
  • Passendes Werkzeug: Insbesondere bei Festmontage-Schutzblechen sollten Sie daran denken, dass die Streben möglicherweise mit einem Bolzenschneider oder einer kleinen Eisensäge gekürzt werden müssen.
  • Vorsicht bei der Anpassung: Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie die Streben erst kürzen, nachdem die Schutzbleche endgültig montiert sind und Sie den Reifenfreigang überprüft haben. Andernfalls lassen sich diese möglicherweise nicht mehr am Rahmen befestigen. Um sich an den scharfen Enden nicht zu schneiden, können Sie diese mit Kunststoffkappen abdecken.

Weitere Tipps:

  • Schellen zum Nachrüsten: Befinden sich an Ihrem Rennrad keine Befestigungsösen, können Sie den Rahmen mit speziellen Schellen nachrüsten. Messen Sie vor dem Kauf unbedingt die Rohrdurchmesser.
  • Spritzschutz verlängern: Um den Nässeschutz am Vorderrad zusätzlich zu erhöhen, können Sie sich selbst einen Spritzlappen basteln. Hierfür eignet sich beispielsweise ein alter Reifen. Markieren Sie die notwendigen Löcher, falten Sie den Reifen an der markierten Stelle über Kreuz und schneiden Sie die Ecke ab. Abschließend befestigen Sie den Lappen mit Kabelbindern am Schutzblech. Der Schützer sollte rund zehn Zentimeter über dem Boden enden.

Alternativen und verwandte Produkte

Neben den hier genannten Schutzblechen gibt es auch Mudguards für Mountainbikes, die speziell für den Einsatz im Gelände entwickelt wurden. Diese schützen das Gesicht und die Augen vor Schmutz und Matsch und sind oft aus recyceltem Kunststoff gefertigt.

Die mit Abstand wichtigste Anforderung an einen Mudguard ist das Sauberhalten von Gesicht und Augen. Wer bleibt schon gerne stehen und pult Dreckpartikel aus dem Auge oder möchte seine Brille alle paar Meter putzen? Was fast genauso nervt, wie Matsch im Auge, ist ein lautes Rad. Darum sollten die Mudguards weder klappern noch irgendwelche anderen Geräusche von sich geben. Ein fester Sitz des Mudguards sollte aber nicht mit einer langen und aufwendigen Montage verbunden sein. Denn wir möchten die Mudguards an einem regnerischen Tag auf dem Parkplatz zügig an das Rad bauen, ohne erst den Werkzeugkoffer aus dem Auto kramen zu müssen. Damit eure Federgabel trotz der schlammigen Bedingungen etwas geschützt wird, sollte der Mudguard zudem möglichst keinen Dreck an eure Dichtungen lassen.

Auch das Material spielt eine große Rolle. Es sollte so flexibel sein, dass der Mudguard bei einem Crash nicht gleich bricht, aber steif genug, dass er sich bei einer Ausfahrt nicht verbiegt, dadurch den Mantel berührt und zu schlagen beginnt. Damit hören die Anforderungen an das Material aber nicht auf. Der Kunststoff kann bei so einem einfachen Teil ohne größere Mehraufwand aus recycelten Plastik sein.

Erstmal die gute Nachricht: Alle Mudguards sind kompatibel mit den drei Laufradgrößen 26, 27,5 und 29 Zoll. Die maximale Reifenbreite der Mudguards ist mit mindestens 3 Zoll zudem ausreichend für die meisten gängigen Mäntel, die eine Breite von 2,4 oder 2,6 Zoll aufweisen.

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