Gebrauchtes Fahrrad kaufen: Tipps und worauf Sie achten sollten

Fahrradfahren ist längst im Alltag angekommen: Laut dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr haben über 80 Prozent der Menschen in Deutschland ein Fahrrad, in 30 Prozent der Haushalte sind drei oder mehr Fahrräder vorhanden. Insgesamt macht das etwa 78 Millionen Fahrräder, die immer öfter zum Einsatz kommen. Es muss also nicht immer ein neuer Drahtesel sein. Angebote für gebrauchte Räder gibt es wie Sand am Meer.

Gebrauchtes Fahrrad vom Händler oder von privat?

Am einfachsten ist der Kauf eines gebrauchten Fahrrads beim Fachhändler: Hier werden die angebotenen Fahrräder in der Regel vor dem Verkauf nochmal überprüft und es gibt Beratung. Falls noch ein Teil ausgetauscht werden muss, etwa Sattel oder Beleuchtung, lässt sich das einfach dazukaufen. Unkompliziert ist hier auch das Probefahren. Alles in allem kann das aber dazu führen, dass der Preis beim Händler höher ist.

Zahlreiche Angebote von privat gibt es auf verschiedenen Online-Plattformen. Allerdings ist bei Angeboten im Internet nicht immer die Möglichkeit gegeben, das Fahrrad zur Probe zu fahren, beispielsweise wenn die Anbieter zu weit weg wohnen. Gerade der Kauf von Privatpersonen kann auch mit Risiken verbunden sein: Die Herkunft des Fahrrads ist schlechter nachprüfbar und auch mögliche Defekte müssen selbst erkannt werden.

Wie man den Preis eines Gebrauchtrads ermitteln kann

Steht eine Kaufentscheidung an, müssen einige Grundinformationen mit dem Besitzer abgeklärt werden. Dazu gehören das Alter des Fahrrads, wie viele Kilometer es ungefähr gefahren ist, wann der letzte Service gemacht wurde sowie die Anzahl der Vorbesitzer*innen. Im Idealfall gibt es noch Kaufbelege und Nachweise für Reparaturen.

Nach diesen Eckdaten lässt sich der Preis grob berechnen: Schon direkt nach dem Kauf verliert das Rad etwa 20 Prozent vom Kaufpreis. Nach zwei Jahren ist es nur noch die Hälfte wert. Danach gilt die Faustregel: Alle vier Jahre halbiert sich der Wert. Wie genau diese Faustregel ist, weiß René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC): "Letztlich kommt es auf die Art des Fahrrades und die Nachfrage nach diesem Typ an." Auch der Zustand des Rads spiele eine Rolle.

Begehrte Räder wie Gravelbikes werden eher mehr kosten als die Formel vorschlägt, ein Citybike eher weniger.

Wichtig: Technik-Check und Probefahrt

Am wichtigsten ist es, vor dem Kauf eine Probefahrt zu machen und dabei das Fahrrad selbst technisch zu überprüfen. Die Kosten für eine Überprüfung beim Fachhändler variieren je nach Umfang und fangen bei circa 60 Euro an. Für E-Bikes liegen sie deutlich darüber. Neben dem generellen Fahrgefühl sind folgende Aspekte bei der Probefahrt besonders wichtig:

  • Vorder- und Hinterrad laufen in einer Linie.
  • Rahmen oder Lenker sollten nicht stark verbogen oder verbeult sein.
  • Schaltung funktioniert ohne zu haken.
  • Bremsen sind funktionstüchtig: Die Reifen blockieren unmittelbar nach Betätigen der Bremse. Dabei sollten sich die Bremsgriffe nicht ganz durchdrücken lassen. Auch der Bremsbelag sollte zumindest über einen Millimeter dick sein.
  • Tretlager haben keine Reibungsverluste.
  • Kette, Ritzel und Bleche sollten weder verrostet noch stark verdreckt sein, um eine zuverlässige Laufleistung überprüfen zu können.
  • Alle Lichter und Federungen sollten zuverlässig funktionieren.

Kleine Schäden wie zum Beispiel Kratzer am Rahmen sind in Ordnung, nicht aber große Risse oder starker Rost an den Schweißnähten.

Ersatzteile machen ein gebrauchtes Fahrrad schnell teuer

"Grundsätzlich lässt sich alles am Fahrrad reparieren oder austauschen", sagt René Filippek vom ADFC, aber: "Selbst wenn vergleichsweise günstige Teile ausgetauscht werden können, wie Bremsbeläge, Kette oder Sattel, kommt man mit Arbeitslohn schnell auf Beträge, die womöglich über den Kaufpreis hinausgehen, gerade bei sehr günstigen Gebrauchträdern." Sein Tipp: Ein Gebrauchtrad sollte höchstens ein oder zwei Defekte aufweisen, die direkt zu erkennen sind.

Achtung vor gestohlenen Rädern und Betrug

Stimmt technisch soweit alles, sollte noch geklärt werden, ob es sich bei dem Rad vielleicht um Diebesgut handelt. Ob ein Rad als gestohlen gemeldet wurde, kann die Polizei anhand der eingravierten Rahmennummer nachvollziehen. Diese kann online in diversen Diebstahldatenbanken recherchiert werden.

Am wichtigsten ist der schriftliche Kaufvertrag. Es sollten die Rahmennummer, der Zustand des Rads, der Kaufpreis, Name und Adresse des Verkäufers dokumentiert werden.

Tipp: Am besten alle vorhandenen Originaldokumente mitnehmen wie Garantiekarte, Gebrauchsanweisung, Reparatur- und Serviceheft. Wer ein Fahrrad erworben hat, sollte es auch bei der Polizei registrieren lassen. Denn nur so lässt sich nach einem Diebstahl nachweisen, wem das Rad tatsächlich gehört.

Checkliste: Vor dem Gebraucht-Rad-Kauf

Wenn Sie diese Punkte bei der Besichtigung beachten, können Sie den technischen Zustand des Fahrrads besser beurteilen.

  • Laufen Vorderrad und Hinterrad in einer Linie?
  • Halten und funktionieren die Bremsen?
  • Fühlt sich das Fahrrad sicher an?
  • Dreht sich das Tretlager ohne Reibungsverluste?
  • Lässt sich das Rad locker schieben, oder schleift etwas?
  • Ist es verrostet oder stark verkratzt?
  • Sind die Bremsbeläge noch ausreichend vorhanden?
  • Sind Ritzel und Reifen schon verschlissen?
  • Wie sieht der Rahmen aus? Haben die Schweißnähte kleine Risse?

Probefahrt: Darauf müssen Sie achten

Bei der Probefahrt sollten Sie auf jeden Fall die Bremsen und die Schaltung ausgiebig testen. Prüfen Sie, ob Sie alle Gänge sauber einlegen können und nichts hakt. Wie ist die Federung? Funktioniert das Licht vorn und hinten? Ist das Fahrrad verkehrssicher?

Vertrauenswürdige Verkäufer erkennen

Bevor man sich ein gebrauchtes Fahrrad kauft, nimmt man zunächst - wenn möglich - den Vorbesitzer und das Fahrrad in Augenschein. Ist es gründlich geputzt oder nur halbherzig gesäubert? Die Antwort auf diese Frage gibt schon einen ersten Hinweis, wie gut der Besitzer sein Rad gepflegt hat. Ein vertrauenswürdiger Anbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel. Einen ersten Eindruck bekommt man, wenn folgende Fragen geklärt sind.

  • Wie alt ist das Rad?
  • Wie viele Kilometer wurde es gefahren?
  • Wie oft wurde ein Service gemacht?
  • Welche Teile sind erneuert, welche seit Anbeginn unverändert?
  • Ist das Rad im Freien oder wettergeschützt aufbewahrt worden?

Erfragen Sie auch die Anzahl der Vorbesitzer und das Kaufdatum. Eine Originalrechnung ist sehr hilfreich, um Kaufdatum und Anzahl der Halter abzugleichen (falls die Adresse des Käufers auf der Rechnung steht).

Vorsicht beim Onlinekauf: Immer mehr Fake-Shops

Verbraucherschützer warnen vor einer starken Zunahme von betrügerischen Online-Shops, die Fahrräder und Zubehör anbieten, aber nicht liefern. Einige Tipps, um Fake-Shops zu erkennen: Neben dem unschlagbar günstigen Preis ist ein weiteres Indiz für möglichen Betrug die Vorkasse als einzige verfügbare Zahlungsoption. Es könnte sich dennoch um Betrug handeln. Fake-Shops haben häufig kein Impressum. Und wenn es eins gibt: Prüfen Sie die Adresse (zum Beispiel per Google Maps) und ob sich der Händler wirklich an der angegebenen Adresse befindet. Oder rufen Sie die im Impressum angegebene Telefonnummer an. Führt diese ins Leere, gilt: besser nicht kaufen.

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