Die Shimano Alfine 8 ist eine Nabenschaltung, die sich für den Einsatz an Rädern für den alltäglichen Gebrauch empfiehlt.
Was ist die Shimano Alfine 8?
Am Beginn der modernen Schaltnaben-Renaissance stand Shimanos Nexus Inter-8. Diese neue 8-fach Nabe war sportlich ausgelegt, einfach bedienbar, langlebig, wartungsarm - und dennoch preisgünstig. Daraus haben die Japaner drei Jahre später eine edlere Version abgeleitet: Auftritt Alfine, der erstmals eine eigene „Gruppe“ spendiert wurde - also Schalthebel, Kurbeln, später Nabendynamo und Scheibenbremsen, in abgestimmtem Design und in vergleichbarer Leistungsklasse.
Das schicke Erscheinungsbild der Alfine-Gruppe hat erheblich dazu beigetragen, dass sich einstmals brave, wartungsarme Nabenschalt-Räder zu begehrenswerten Lifestyle-Objekten mausern konnten.
Die Alfine 8 nutzt weitgehend dasselbe Getriebe wie die Nexus, ist jedoch deutlich moderner verpackt: Sie steckt in einem glänzenden Alugehäuse und besitzt eine Scheibenbrems-Aufnahme.
Ihre Gangsprünge liegen unregelmäßig zwischen rund 14 und 18 Prozent. Diese Lücken sind nicht so sehr störend, doch zwischen den vielgenutzten Gängen 5 und 6 liegen ganze 22,2 Prozent: Das ist spürbar und kann den „Flow“ unterbrechen. Die Gesamtübersetzung beträgt 307 Prozent.
Für die Primärübersetzung von Kettenblatt zu Ritzel gelten Limits: Das Verhältnis der Zähnezahlen soll zwischen 2 und 2,25 liegen. Das entspricht zwei bis drei Zähnen Unterschied bei der Ritzelwahl. Dies, um die eingeleitete Tretkraft zu begrenzen und das Getriebe nicht zu überlasten.
Für wen eignet sich die Alfine Nabenschaltung?
Die Shimano Alfine Nabenschaltung eignet sich für all diejenigen, die sich eine zuverlässige Schaltung für den sorgenfreien Gebrauch des Alltagsrads oder für längere Ausfahrten am Wochenende wünschen.
Die Nabenschaltung ist wahlweise mit 8 oder 11 Gängen ausgestattet. Die 8-fach Variante eignet sich für flaches bis welliges Terrain, stößt aber bei steilen Anstiegen an ihre Grenzen. Die 8-fach Nabe ist damit prädestiniert für die Nutzung im städtischen Terrain und für Radtouren in tendenziell ebenen Gegenden.
Die 11-fach Alfine Schaltung ermöglicht schon einen flexibleren Einsatz. Sie eignet sich für längere Fahrten zur Arbeit und kann am Wochenende auf ausgedehnteren Touren über den einen oder anderen längeren Anstieg genutzt werden.
Mit nur ein, maximal zwei Berggängen ist die Alfine 8 keine Empfehlung für häufige, starke oder lange Steigungen. Gepäckzuladung reduziert ihre bergtauglichen Gänge auf schlicht einen. In ebener Umgebung bewegt man sich bei flotter Fahrt meist in Gang 6 oder 7. Für hügelige Topografien ist das zu wenig.
Welche Varianten gibt es und worin unterscheiden sich diese?
Shimano bietet mehrere Varianten der Alfine Nabenschaltung an. Sie kann mechanisch oder elektronisch geschaltet werden und ist in beiden Varianten wahlweise mit 8 oder 11 Gängen erhältlich. Alle Alfine Naben sind mit einer Bremsscheiben-Aufnahme ausgestattet und können so wahlweise an Rädern mit Scheiben- oder Felgenbremse genutzt werden.
Der Unterschied zwischen der elektronischen und der mechanischen Shimano Alfine Schaltung besteht darin, wie der Schaltimpuls vom Schalthebel am Lenker an das Getriebe im Innern der Nabe übertragen wird. Bei der mechanischen Schaltung kommt hier ein Schaltzug zum Einsatz. Bei der elektronischen Variante sitzt ein Stellmotor auf der rechten Seite der Nabe. Dieser stellt den gewünschten Gang ein, nachdem die Fahrerin oder der Fahrer den Schalthebel betätigt hat.
Die Anzahl der Gänge macht sich bei der Shimano Alfine Nabe hinsichtlich der Übersetzungsbandbreite, also dem Unterschied zwischen kleinstem und größtem Gang, bemerkbar. Bei der 8-fach Schaltung beträgt dieser Unterschied 307%. Wenn das Hinterrad im kleinsten Gang eine Umdrehung pro Kurbelumdrehung zurücklegen würde, wären es im größten Gang damit drei Radumdrehungen pro Kurbelumdrehung.
Wählst du die 11-fach Schaltung, beträgt dieser Unterschied 409%.
Ist die Alfine Nabenschaltung mit E-Bikes kompatibel?
Die Shimano Alfine Nabe ist sowohl für die Nutzung im klassischen, alleine durch Muskelkraft betriebenen Fahrrad, als auch für die Nutzung im elektronisch unterstützen E-Bike ausgelegt. Sie verkraftet die höheren Kräfte, die bei der Nutzung im E-Bike auftreten, problemlos. In Kombination mit Shimanos E-Bike Antrieb, dem Shimano Steps System, besteht die Möglichkeit, die Gänge mithilfe des Bordcomputers automatisch zu wechseln.
Wie schaltet die Alfine Nabenschaltung?
Der Gangwechsel zwischen den 11 beziehungsweise 8 Gängen der mechanischen Shimano Alfine Nabenschaltung erfolgt über einen klassischen Schalthebel, der auf der rechten Seite des Lenkers angebracht ist. Dieser verfügt über zwei Hebel, die immer wieder in ihre Ausgangsposition zurückspringen und somit in jeder Situation erreichbar sind.
Der vordere Hebel ist zur Betätigung mit dem Daumen ausgelegt. Mit diesem wechselst du in den nächstniedrigeren Gang. Der hintere Hebel lässt sich gut mit dem Zeigefinger erreichen und dient dem Wechsel in eine größere Übersetzung.
Wenn du die elektronische Alfine Nabenschaltung, die sogenannte „DI2“-Version, nutzt, wird der Schaltimpuls ebenfalls über einen Daumenschalthebel ausgelöst. Ein Stellmotor, der außen an der Nabe angebracht ist, sorgt dann für den Gangwechsel. Alternativ kann die Alfine DI2 auch über einen Brems-Schalthebel bedient werden, der für die Montage am Rennradlenker entwickelt wurde. Über zwei Tasten auf der äußeren Seite des Bremshebels kannst du hoch- und runterschalten.
Die Alfine Schaltung verfügt weiterhin über die Option eines automatischen Gangwechsels. Wird die Nabe in einem E-Bike mit einem Shimano Steps Motor genutzt, besteht die Möglichkeit, dem System „beizubringen“, wann es schalten soll. Der Bordcomputer registriert dann, in welchen Situationen die Fahrerin oder der Fahrer bevorzugt schaltet und mit welcher Trittfrequenz bevorzugt gefahren wird. Auf dieser Grundlage besteht dann die Möglichkeit, die Gänge automatisch durch den Bordcomputer wechseln zu lassen.
Kann ich jedes Fahrrad damit nachrüsten?
Die Shimano Alfine Nabe ist mit einer 10mm Achse ausgestattet und ist 135mm breit. Sie kann somit in jedes Rad mit „normalen“ Ausfallenden eingebaut werden. Eine Nachrüstung ist an nahezu jedem Trekking- oder Citybike problemlos möglich.
Bei der Nachrüstung macht es in den meisten Fällen Sinn, direkt ein komplettes Hinterrad mit Alfine Nabe zu kaufen.
Wer ein neues Rad mit Alfine Nabe anschafft, kann sich überlegen, einen Rahmen zu wählen, der direkt für die Nutzung mit einer Nabenschaltung ausgelegt ist. Solche Rahmen zeichnen sich durch horizontal verschiebbare Ausfallenden aus. Diese ermöglichen, die Kette stets auf der optimalen Spannung zu halten.
Vor- und Nachteile des Systems
Die Vor- und Nachteile der Alfine Nabe betreffen einerseits die Entscheidung zwischen Ketten- und Nabenschaltung und andererseits die Positionierung im Feld der Nabenschaltungen, also gegenüber der Konkurrenz.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| dauerhafte Zuverlässigkeit | etwas schwerer als Kettenschaltungen |
| wenig Verschleiß | geringere Übersetzungsbandbreite als die Rohloff Speedhub |
| kaum Wartung notwendig | |
| hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen | |
| sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis | |
| vielseitig einsetzbar - in E-Bike und "normales" Fahrrad | |
| leichte, intuitive Bedienung - Option unterschiedlicher Schalthebel | |
| automatischer Gangwechsel in Verbindung mit dem Shimano Steps Motor möglich |
Die Vorteile der Nabenschaltung liegen in ihrer dauerhaften, verschleißarmen Nutzung. Eine Nabenschaltung braucht im Allgemeinen deutlich weniger gewartet zu werden, als eine Kettenschaltung. Weiterhin läuft die Kette hier stets optimal geradeaus, wodurch der Verschleiß gering gehalten wird.
Dadurch, dass der eigentlich Schaltvorgang im Innern der Nabe abgeschottet von äußeren Einflüssen stattfindet, ist dieser Schaltungstyp unempfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen als eine Kettenschaltung, bei der Wasser und Dreck von der Straßen direkt auf die Schaltkomponenten gelangen.
Gegenüber anderen Nabenschaltungen zeichnet sich die Alfine Schaltung vor allem durch ihr gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Als direkte Konkurrenz ist die geringfügig schwerere Rohloff Speedhub anzusehen. Diese ist mit einem Anschaffungspreis von rund 1200€ drei- bis viermal so teuer wie die Alfine Nabe.
Rohloff bietet für diesen Preis eine Nabe mit 14 Gängen und einem Übersetzungsspektrum von über 500% an. Die Rohloff Nabe ist damit die Oberklasse der klassischen Nabenschaltungen. Ihr Kundenstamm setzt sich vor allem aus Leuten zusammen, die viel bis sehr viel mit dem Rad unterwegs sind.
Wer auf das zusätzliche Übersetzungsspektrum verzichten kann, ist mit der Shimano Alfine Nabe bestens bedient.
Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine im Vergleich
Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Wie die einzelnen Hersteller im Vergleich abschneiden, kannst du in der folgenden Gegenüberstellung nachlesen.
| Pinion | Rohloff | Enviolo NuVinci | Alfine | |
|---|---|---|---|---|
| Max. Übersetzung | 636% | 526% | 380% | 307% - 409% |
| Max. Gangzahl | 18 | 14 | Stufenlose Gänge | 8 oder 11 |
| Garantie | Fünf Jahre bei Einhaltung der Wartungsintervalle | Zwei Jahre | Zwei Jahre | Zwei Jahre |
| Gewicht | Ca. 1700g | Ca. 2450g | Ca. 1700g | |
| Nachrüstbarkeit | Benötigt speziellen Rahmen | Kann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werden | Kompatibel mit 135x10mm Ausfallenden | Passt in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm. Das ist quasi jeder Trekking- oder Citybike-Rahmen |
| Verwendung im E-Bike | Funktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Getriebe kommuniziert auch nicht mit der Elektronik des Motors/Displays. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Empfohlene Gangwechsel werden angezeigt, im Stand wird automatisch auf einen leichten Gang zum Anfahren geschalten uvm. | Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen, die dann durch automatische Schaltvorgänge immer konstant gehalten wird. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden. |
| Wartung | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Wartungsfrei | Wartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden |
| Schaltgriff | Drehschaltgriff Im Stand, Rollen | Drehschaltgriff | "Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit | |
| Schaltvorgang | Im Stand oder Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast. | Im Stand, Rollen und unter Teillast. | Im Stand, Rollen und unter Last | Im Stand, Rollen und unter Last |
| Wirkungsgrad | Da nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer Rohloff | Bietet den höchsten Wirkungsgrad aller Nabenschaltungen | Durch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter Leistungsverlust | Etwas geringer als Rohloff Speedhub |
| Anschaffungskosten | Fahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich. | Ca. 1000 € | Ca. 350-400 € | Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante |
Die Alfine 11-Gang-Nabe
Deshalb, und wohl auch, um die Lücke zur universeller übersetzten und extrem langlebigen Rohloff-Nabe etwas zu verringern, konstruierten die Shimano-Ingenieure die größere Alfine11 von Grund auf neu.
Die 11-Gang-Alfine erschien im Jahr 2011 und schaltet mit teilweise schrägverzahnten Getriebe - im Unterschied zum geradverzahnten 8er-Getriebe ließen sich dadurch offenbar Schalteffizienz, Laufruhe und Langlebigkeit steigern.
Zudem, auch das eine Neuheit, läuft das 11er-Getriebe in einem Ölbad. Deshalb werden ein erstmaliger Ölwechsel nach 1000, die folgenden alle 5000 Kilometer oder zwei Jahre nötig.
Die Alfine 11 startet im ersten Gang mit derselben Übersetzung wie die 8-Gänger. Eine Untersetzung ist bei beiden Naben nicht möglich.
Die Gänge der Alfine 11 folgen jedoch enger und regelmäßiger aufeinander als bei der kleinen Schwester. Das Spektrum umfasst 409 Prozent und springt in Stufen zwischen 13 und 14 Prozent, außer von Gang eins zu zwei.
Dort schlägt der große Schaltschritt (29,2%) nicht so stark zu Buche, da man sich dort selten länger aufhält. Der größte Gang der Achter entspricht etwa Gang neun der Elfer. Bei ihr folgen noch zwei schwere Gänge obenauf.
Auch die Alfine 11 ist also nicht für Bergziegen gemacht. Doch durch ihre engere Gangstufung bleiben mit Gepäck etwa zwei, ganz ohne Last drei „Berggänge“, je nach Steigungsprozenten. In der Ebene pedaliert man in Gang 8 als meistgenutztem Arbeitsgang.
Auch hier gelten Grenzen für die Primärübersetzung: Um Überlast auszuschließen, gilt für das Verhältnis Kettenblatt zu Ritzel Faktor 1,8 bis 2. Fast alle Testräder halten diese Grenzen ein. Das Raleigh liegt zwei, das BMC acht Hundertstel über den Limits. Das stresst die beiden Getriebenaben zwar mehr als erwünscht.
Die Limits beinhalten immer ein gewisses Sicherheitspolster, sodass wir diese geringen Überschreitungen für tolerabel halten.
Fazit Testfahrt: Oft spielt es keine Rolle, ob 8 oder 11 Gänge in der Nabe stecken
Die Alfine 11 kann etwas leichter primärübersetzt werden als die 8, doch eine Überzahl an schweren Gängen bleibt. Im Vergleich fährt man mit der 11 um etwa einen Gang variantenreicher den Berg hinauf, mit gut zwei Schnellgängen mehr bolzt man anschließend zu Tal.
Gleichzeitig lässt ihre engere Gangfolge nicht so große Drehzahl-Lücken, sie fährt sich daher auch biomechanisch etwas flüssiger, weil anpassungsfähiger. Für die 8 ergeben sich als Schwerpunkte vorwiegend ebenes Terrain mit nur geringen und kurzen Steigungen, sowie Alltags- und Kurzstrecken ohne Reisegepäck.
Die große Schwester Alfine 11 darf man dagegen als rundum tourentauglich und ein wenig steigungs-freundlicher bewerten. In den Alpen wäre sie nicht ideal eingesetzt, aber man kann selbst dort mit ihr zurechtkommen.
Gepäckbeförderung macht sie ohne weiteres möglich, bei unbeladenen Bike schafft man sogar knackige Anstiege noch ganz anständig.
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