Fahrrad-Tattoos: Mehr als nur Körperkunst – Eine Leidenschaft auf der Haut

Rennrad-Tattoos sind für viele Radsportler ein Ausdruck dafür, dass Rennradfahren für sie nicht nur Sport, sondern vor allem Leidenschaft ist. Und mit Fahrrad-Tattoos sind hier keine öligen Abdrücke der Fahrradkette auf der Wade gemeint - sondern Körperkunst, die unter die Haut gestochen wird. Es ist spannend zu sehen, wie kreativ Rennradler sind, um ihrer Liebe zum Sport Ausdruck zu verleihen. Hier geht es eher fotorealistisch zu, egal ob modern oder retro. Die Fahrradkette als DNA oder in Herzform - so vielseitig!

Fahrradfahren kann Freiheit bedeuten oder - neben Pizza - auch einfach die schönste Nebensache der Welt sein. Ästhetik kann auch in kühlen technischen Abbildungen ihren Ausdruck finden. Tattoos sind weit verbreitet und finden besonders im Sport großen Anklang.

Die Geschichte und Bedeutung von Tattoos

Tätowierungen sind zwar nicht so alt wie die Menschheit, aber seit mehr als 5000 Jahren dokumentiert und überall auf der Welt unabhängig voneinander entstanden - folglich also auch mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen. Sie konnten religiöser Natur sein, Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe signalisieren oder auch ganz einfach Köperschmuck darstellen. Galten sie in der westlichen Welt lange Zeit als Stigma von Sträflingen, Soldaten oder Seeleuten, sind selbst großflächige und im Alltag sichtbare Tattoos heute alltäglich geworden; in Deutschland soll mittlerweile schon rund die Hälfte der jüngeren Menschen bis 30 Jahre tätowiert sein.

Tattoos im Radsport: Vielfalt und Individualität

Besonders im Sport scheinen Tattoos besonders weit verbreitet zu sein - der Eindruck mag aber auch dadurch entstehen, dass Sportkleidung in der Regel knapp ausfällt und viele Körperpartien freilässt, was die bunten Tintenbilder dann zwangsläufig ans Licht bringt, zumal sicher nicht nur bei Sportlern die Arme und Beine und der Oberkörper die beliebtesten Stellen dafür sind.

Auch bei Radsportlern sind die Gründe für Tattoos so unterschiedlich wie die Motive. Der ehemalige deutsche Top-Sprinter André Greipel hat beispielsweise die Namen seiner beiden Töchter Anna und Luna auf seinem rechten Unterarm verewigt. Der niederländische Radprofi Dylan Groenewegen trägt auf dem rechten Arm das Bild eines Löwenbabys, über dem der Name “Mayson” steht - sein 2021 geborener Sohn. Greipels ehemaliger Sprinter-Kollege Erik Zabel trägt einen kleinen Teufel auf der linken Schulter. Der ehemalige italienische Radprofi Filippo Pozzato trägt den Satz “Only God kann judge me” (Nur Gott kann über mich richten) als Bekenntnis groß auf den Schultern.

Der "Chainring Tattoo" - Ein Zeichen der Verbundenheit

Einige Menschen lassen sich den Abdruck des Kettenblatts tatsächlich als echtes Tattoo verewigen, als Ausdruck für die Freude am Radfahren. Man findet sie vor allem in der Messenger-, Critical Mass- oder Rennradszene.

„Ich habe das Tattoo bereits seit über neun Jahren, es hat sich damals aus einer Idee der Tätowiererin ergeben, da Fahrradfahren eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt“, erzählt Bernd, der unter anderem ein Charity Ride von Frankfurt nach Berlin organisiert und einen Radreiseführer über Wege entlang der Lahn veröffentlicht. Und noch ein weiteres Tattoo mit Velobezug hat Bernd aufzuweisen: ein abgebranntes Streichholz auf dem Knie.

Conrad aus Dresden berichtet: „Mein Tattoo habe ich seit 2003, ich glaube sogar, ich war in Deutschland einer der Ersten damit“. Für ihn steckt allerdings eine ganz besondere und eher ernste Geschichte hinter der Körperverzierung. Er war als junger Mann in einen Unfall verwickelt, bei dem ein Autofahrer über Rot raste, als Conrad bereits Grün hatte und es zu einer schweren Kollision kam. Das Kettenblatt des Rades drückte sich in sein Bein. „Eine Woche vor dem Gerichtstermin ließ ich mir genau diesen Abdruck tätowieren“, berichtet er.

Weitere Bedeutungen und Interpretationen von Fahrrad-Tattoos

Das Fahrrad kann die Kindheit symbolisieren, wie die Erinnerung an die Arbeit auf der Haut durchgeführt werden. Seit der Antike bedeutet das Rad Glück, Harmonie, Erfolg und Wohlstand, es ist ein Talisman und Schutz vor allen möglichen Problemen und Widrigkeiten.

Schon damals gaben ihm die Menschen diese Bedeutung, denn das Rad ermöglichte die Lieferung von Waren zum Verkauf, von Lebensmitteln ins Haus und von Nahrung für Haustiere und sich selbst. Der Wagen half zu verdienen und zu überleben, und das Rad war sein treibender Teil, ohne den man sich bewegen kann, einfach nicht funktionieren.

Als Glückssymbol hat das Rad seit seiner Erfindung seine Struktur verändert, seine Details haben sich geändert. Aber es blieb die gleiche Bedeutung - ein Ring, Unendlichkeit, Zyklizität. Das war das Stück, und das ist die Botschaft, die es transportiert: eine Rückkehr zum Anfang, eine Unendlichkeit von Möglichkeiten, die zyklische Natur des Lebens. In der Welt der Tätowierkunst hat das Rad diese Bedeutung schon seit langem.

Wiedergeburt und Erneuerung ist auch die Bedeutung des Radtattoos, da das Rad unweigerlich zu seinem ursprünglichen Punkt zurückkehren wird, von dem aus es sich zu bewegen begann.

Leistungseinbußen durch Tattoos?

So populär Tattoos bei Sportlern auch sind: Es gibt inzwischen wissenschaftliche Untersuchungen darüber, dass Tätowierungen beispielweise bei Spitzensportlern wie Fußballprofis Leistungseinbußen zwischen drei und fünf Prozent verursachen können. Ein zum falschen Zeitpunkt gestochenes Tattoo kann in einem engen Wettkampf der Weltspitze also durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden. Fachleute gehen davon aus, dass großflächige Tattoos die Fähigkeit der Haut zum Schwitzen und damit zur Thermoregulation beeinträchtigen - ein Aspekt, der im Sport von erheblicher Bedeutung ist.

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