Die Insolvenz der bekannten Motorradmarke „KTM“ aus Österreich verunsichert nicht nur Tausende Mitarbeiter, sondern auch die Kundschaft. Denn „KTM“ ist nicht gleich „KTM“, stellt jetzt die Fahrrad-Firma „KTM“ klar. Es ist ein Name zum Zungeschnalzen: die „Kraftfahrzeuge Trunkenpolz Mattighofen“, kurz „KTM“.
Die Ursprünge von KTM
Das Kult-Unternehmen wurde 1934 von Hans Trunkenpolz gegründet und ist heute Europas größter Motorradhersteller. Vor allem im Motocross machte sich der österreichischen Motorradhersteller einen Namen und feierte auch auf der Straße viele Rennerfolge. Aktuell gehört das Unternehmen zur Gruppe des steirischen Investors Stefan Pierer. Doch Ende November kam die schlechte Nachricht: Es musste Insolvenz anmelden.
Die Verwirrung um die Marke KTM
Seitdem leiden aber vor allem auch hiesige Fahrradhändler unter den Negativschlagzeilen. Denn „KTM“ ist nicht gleich „KTM“. Die beiden Unternehmen, also Fahrrad- und Motorradhersteller, tragen zwar denselben Namen, haben dasselbe Logo, mit der Farbe Orange dasselbe Branding und haben beide ihren Firmensitz in Mattighofen. Sie haben aber wirtschaftlich nichts mehr miteinander zu tun. „Das ist für unsere Kunden verwirrend“, sagen Horst Stückmann und Onno Thedinga.
Die beiden Fahrradhändler aus Rastede (Kreis Ammerland) und Norden (Ostfriesland) sind nur zwei von vielen, die die Fahrradmarke „KTM“ im Nordwesten vertreiben. „KTM“ bietet die volle Bandbreite an hochwertigen Fahrrädern: vom Rennrad über das Gravel- und Mountainbike, City- und Trekkingräder bis zu E-Bikes in verschiedenen Ausführungen.
Schwierige Zeiten für Fahrradhändler
Die Gerüchte zur „KTM“-Pleite trifft die Fahrradhändler in einer für sie ohnehin schwierigen Zeit. Denn auf die Corona-Boomjahre folgten eher magere Jahre. „Wir haben im letzten Monat so wenig ,KTM‘-Fahrräder wie noch nie verkauft“, sagt Horst Stückemann von Zweirad Stückemann in Rastede. „Die meisten Kunden sagen ja nichts“, berichtet der Händler.
„Lass man stecken, die sind ja pleite, da habe ich keine Garantie drauf“, hört er von anderen häufig. „Wir informieren, dass die ,KTM Fahrrad GmbH’ davon (der Pleite, Anm.) nicht betroffen ist und somit auch kein einziges Fahrrad oder Elektrofahrrad mit der Marke ,KTM‘“, heißt es in einer Mitteilung des Fahrradbauers, die auf der Homepage nachzulesen ist.
Die Trennung der Unternehmen
Seit 1992 sind die „KTM AG“ (Teil der Pierer Mobility AG) und „KTM Fahrrad GmbH“ zwei voneinander komplett unabhängige und eigenständige Unternehmen. Bis dahin gehörten beide Sparten jedoch zusammen. Als „KTM Motor-Fahrzeugbau KG“ geriet es aber schon einmal in die Insolvenz. Das war 1991. Im darauffolgenden Jahr wurde das Unternehmen zerschlagen und die Sparten Motorräder und Fahrräder getrennt.
Seitdem gibt es die „KTM Sportmotorcycles GmbH“, die sich 2019 in „Pierer Mobility AG“ umbenannte. Das Unternehmen beschäftigt rund 5000 Arbeitnehmer. Der Umsatz wurde 2023 mit 2,7 Milliarden Euro angegeben. Zum Unternehmen gehören auch die Motorradhersteller „GasGas“ aus Spanien sowie „MV Agusta“ aus Italien, aber auch die Fahrradmarke „Husqvarna Bikes“.
Und dann gibt es eben noch die „KTM Fahrrad GmbH“ mit der Produktion von Fahrrädern. Carol Urkauf-Chen ist Alleineigentümerin und Aufsichtsratsvorsitzende. Seit der Trennung der früheren Sparten tobt aber auch immer wieder zwischen beiden Firmen ein Rechtsstreit um den Markennamen.
So wurde etwa im Jahr 2020 entschieden, dass die Pierer Mobility AG den Markennamen nicht für Fahrräder nutzen darf. Jeder Verweis auf „KTM“ im Zusammenhang mit dem Bau von Fahrrädern sei weltweit ausschließlich für die „KTM“ Fahrrad GmbH reserviert. So verweist es darauf, dass es „finanziell gesund“ sei, und mit den negativen Schlagzeilen der Motorradsparte bei „KTM“ nichts zu tun habe.
„Sie können sich jederzeit ein ,KTM’-Fahrrad kaufen. Sie haben uneingeschränkte Gewährleistungsansprüche“, lautet der Beruhigungs-Appell. „Diese Hintergründe zu ,KTM’ kennen aber selbst viele Händler nicht“, wissen Horst Stückemann und Onno Thedinga aus Gesprächen mit Berufskollegen.
Das Ende von Thedinga in Norden und die Deichbrise
Norden - Das junge Familienunternehmen Deichbrise schlägt das nächste Kapitel seiner Erfolgsstory auf. Der Trendschmuck der Marke wird nicht allein im eigenen Store am Neuen Weg verkauft, sondern künftig noch verstärkt über die neuen Geschäftsräume in der Osterstraße 144. Im ehemaligen Thedinga-Fahrradfachgeschäft ist der Onlineshop von Deichbrise vor Anker gegangen.
Während der Corona- Zeit hat René Kretschmer sich kontinuierlich im Bereich Online-Marketing fortgebildet, den Onlineshop komplett neu designed. Nur so hatte man die Chance, sich die heutige Reichweite aufzubauen. „Wir haben unsere Kollektion in dieser Zeit um 60 Prozent erweitert“, so Kretschmer. Auch die Kundinnen und Kunden machten kräftig von der Möglichkeit Gebrauch, sich mit Schmuck von Deichbrise ein wenig Nordsee-Feeling nach Hause schicken zu lassen.
Um noch besser und schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können, erweitert Kretschmer den Geschäftsstandort in Norden. In den neuen Räumen an der Osterstraße ist viel Platz, um den hochwertigen Edelstahlschmuck (Ketten, Armbänder, Ohrringe), Armbänder aus Leder und Segeltau, die eigene Ring-Kollektion sowie maritime Accessoires für den Versand vorzubereiten. Das gut sortierte Lager, das Produktdesign und der Kundenservice sind mit umgezogen.
„Für den Onlinehandel mussten die Mitarbeiter bisher im Store immer zwischen der Kundschaft umherflitzen und Bestellungen zusammenstellen“, so Kretschmer über die bisherige Situation. Mit der Geschäftserweiterung ist das vorbei. Das Arbeiten und die Abwicklung des Online-Geschäfts werden komfortabler. Und auch der Direktverkauf im Store am Neuen Weg profitiert.
Über den Deichbrise-Onlineshop vertreibt das Schmuck-Label seine stetig wachsenden Kollektionen für Frauen und Männer. Schon ihre Namen verraten den Ideenreichtum der Gestalter. Hinter dem Titel „Küstengirls“ verbirgt sich die neueste Kollektion aus Edelstahl. Die Kollektion Kapitän rockt, spricht den Herren mit rockig maritimen Schmuckstücken an. Bei der Kollektion Lüttje-Charming können sich Kunden ein Armband mit maritimen Erinnerungen gestalten.
„Wir haben von Beginn an zugehört, was unsere Kunden sagen und sind entsprechend auf Wünsche und Anregungen eingegangen“, so Kretschmer. Die Kollektionen werden immer stärker individualisierbar, flexibler für die Kundschaft, damit man sein perfektes Schmuckstück kombinieren kann, erläutert René Kretschmer das Konzept. An Ideen mangelt es ihm, seiner Frau Julia und deren Schwester Anna nicht.
Baseballcaps, Schlüsselanhänger und sogar maritime Fußmatten ergänzen inzwischen das Schmuckangebot. Dabei hat alles einmal klein angefangen. „Anfangs hatten wir noch ein vollkommen anderes Konzept und keine eigene Marke“, erinnert sich Kretschmer. Im ersten, 20 Quadratmeter großen Geschäft im Neuen Weg 13 wurde zu Beginn vor allem Schmuck weiterverkauft und noch keine eigene Marke etabliert.
„Das lief für uns aber nicht besonders gut“, so der Firmengründer, und daher entschied er sich, eine eigene Marke, die „Deichbrise“, zu etablieren. Wie die Firma zu ihrem Namen kam, ist eine Geschichte, die die Firmengründer auf ihrer Internetseite www.deichbrise.com mit ihren Kunden teilen. Auf einer Bank am Deich in Norddeich und bei einer Flasche Wein beschlossen Kretschmer, seine Frau und Schwägerin Anna kurzerhand: „Wir gründen eine eigene Schmuckmarke.“
Doch das Kind musste noch einen Namen haben. Die drei saßen am Deich, eine frische Brise wehte ihnen um die Nase. Da passte doch Deichbrise. „Die Marke habe ich mir natürlich beim Deutschen Marken- und Patentamt schützen lassen und so konnten wir sicher starten.“ Das war 2018. Wie gut das Konzept ankam, zeigt, dass die Firma noch während der Pandemie in neue Räume umzog - wieder am Neuen Weg doch bereits deutlich größer. Die Verkaufsfläche wuchs von 20 auf 100 Quadratmeter. Mittlerweile reicht aber auch das nicht mehr aus. Der Onlinehandel wird nun an der Osterstraße weiter wachsen können.
Auch das Team der Deichbrise wächst stetig, somit stärkt Deichbrise nicht nur die Fußgängerzone und füllt diese durch Online-Marketing-Maßnahmen kräftig mit Kunden, sondern sorgt auch für mehr Arbeitsplätze.
Die Raiffeisenstraße und ihre Geschichte
Die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft (kurz: Bezugs- und Absatzgenossenschaft; auch: Raiffeisengenossenschaft) war ein genossenschaftlicher Zusammenschluss örtlicher Landwirte mit dem Ziel, ihre Waren bei solidarischer Gewinn-, Kosten- und Risikoverteilung gemeinsam abzusetzen. Das Gebäude der an der nach der Genossenschaft benannten Raiffeisenstraße wurde 2017 abgebrochen. Hier entstehen seitdem u.a. Mehrparteienhäuser gehobenen Standards in unmittelbarer Nähe zum Norder Tief. Das Projekt trägt den Namen Wohnen am Wasser.
Die Geschichte der Bezugs- und Absatzgenossenschaft ist eng mit der Entwicklung der Raiffeisenbank-Volksbank Norden verbunden, die nur etwa zwei Monate später ins Leben gerufen wurde. Beide Institutionen hatten zum Ziel, die existenziell bedrohliche Lage der örtlichen Landwirte nach dem Ersten Weltkrieg abzumildern, indem diese sich genossenschaftlich zusammenschlossen, um ihre Produkte gemeinsam abzusetzen und dabei sowohl die Risiken bzw. Kosten aber auch die Gewinne solidarisch zu teilen.
Zu Beginn verfügte die Genossenschaft noch über keine Lagerräume, weshalb die Landwirte ihre Waren direkt am Bahnhof in Empfang nehmen mussten. Später wurden die Güter beim Kornhaus Weerda gelagert und von dort ausgeliefert. Erste Schwierigkeiten ließen dabei nicht lange auf sich warten. Die aufkommende Inflation in den 1920er Jahren brachte die Genossenschaft, wie die gesamtdeutsche Wirtschaft in große Bedrängnis. Obwohl in den Folgejahren die Mitgliederzahlen stetig stiegen (das Eintrittsgeld in die Genossenschaft betrug lediglich 20 Reichsmark, ein Geschäftsanteil kostetete 100 Reichsmark), blieben die Warenumsätze niedrig.
1946 mietete die Genossenschaft die ehemalige Reichsgetreidehalle an, ehe sie 1948 einen Neubau am Norder Tief errichtete. Da die Lagerkapazitäten in den Folgejahren durch die stetig steigende Effizienz der Landwirtschaft durch die Motorisierung immer geringer wurden, baute die Genossenschaft bis 1967 weitere Bauten am neuen Standort an der nach der Genossenschaft benannten Raiffeisenstraße.
Dem Zeitgeist entsprechend wurden vor allem Asbestplatten verwendet. Dieser Baustoff galt damals als Wunderwerkstoff, denn er war robust, feuerfest und vor allem günstig. In den 1960er Jahren wird die Raiffeisengenossenschaft neuer Pächter der anliegenden Deichmühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktionsanlagen (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins. Die Mühle wird nun vor allem zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. In den Nebengebäuden wurde Düngemittel gelagert. 1968 entstand eine Getreidereinigungs- und Beizanlage, 1972 wurde die ehemalige Kalkmühle in Süderneuland II erworben. Drei Jahre später wurde das frühere Kohlenlager der Firma T. J. de Vries in den Gebäudekomplex an der Raiffeisenstraße nach Erwerb einbezogen.
Nicht zuletzt dank der nun ausreichend vorhandenen Lagerkapazitäten konnte die Genossenschaft ihre Absätze in den Folgejahren immer weiter steigen, ehe sie 2009 ein abruptes Ende fand. Der Gebäudekomplex wurde nach mehreren Jahren des Leerstands im Jahre 2017 abgebrochen. Zuletzt war seit dem 3. Juli 2010 die Genossenschaft GS Agri hier ansässig. Von Januar 2015 bis zum Umzug in einen Neubau nahe des Norder Tors war das ursprünglich im ehemaligen Hotel Henschen ansässige Fahrradgeschäft Zweirad Thedinga seinen provisorischen Sitz im Verwaltungsgebäude, ehe auch dieses 2019 abgebrochen wurde. Auf dem gesamten Gelände entstanden nachfolgend Wohn- und Geschäfts- bzw. Bürohäuser gehobenen Standards.
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