Fahrrad Tretlager Wartung: Eine umfassende Anleitung

Fahrradpflege und -wartung sind entscheidend für die optimale Leistung und Langlebigkeit Ihres Rads. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Innenlager des Fahrrads, das eine zentrale Rolle im Antriebssystem spielt.

Warum ist die Tretlagerwartung wichtig?

Macht ein Fahrrad Geräusche beim Treten, so ist häufig das Tretlager schuld. Da es sich im Inneren eines Gehäuses an einer schwer zugänglichen Stelle zwischen den Kurbelarmen befindet, ist der Ausbau dieses essenziellen Fahrrad-Bauteils nicht einfach. Mit ein wenig Geduld und handwerklichem Geschick ist es allerdings möglich, das Tretlager zu wechseln.

Das Tretlager ist - ähnlich wie das Radlager am Auto - ein klassisches Verschleißteil. Man bezeichnet es auch als Innenlager. Es befindet sich typischerweise im Tretlagergehäuse des Fahrradrahmens zwischen den Pedalkurbeln. Die Qualität eines Tretlagers definiert sich in erster Linie über dessen Langlebigkeit.

Anzeichen für ein verschlissenes Tretlager

Es gibt einige untrügliche Zeichen dafür, dass es Zeit ist, das Tretlager zu wechseln. So verursacht ein defektes oder verschlissenes Tretlager bei jeder kräftigen Belastung der Pedale ein unüberhörbares Knarzen oder Quietschen. Ein verbrauchtes Tretlager hat zudem Spiel - es fühlt sich bei Weitem nicht mehr so präzise an wie ein neues Innenlager. Außerdem fällt das Treten mit einem kaputten Innenlager schwerer als mit einem funktionstüchtigen. Falls eines dieser „Symptome“ auftritt, sollte man das Innenlager wechseln.

Faktoren, die den Verschleiß beeinflussen

Verschiedene Faktoren beeinflussen den Verschleiß eines Tretlagers. Neben der reinen Kilometerleistung und dem Alter spielt die tatsächliche Beanspruchung eine wichtige Rolle. Außerdem hängt der Verschleiß des Lagers - ähnlich wie bei einem Kugellager - von den äußeren Bedingungen ab. Manchmal verursachen sogar relativ neue Lager Schwierigkeiten. Dies liegt häufig nicht am Verschleiß, sondern an eingedrungenem Wasser, Schmutz oder Mangel an Montagefett.

Tretlagertypen

Man unterscheidet zwischen Tretlagern, die gepresst, und solchen, die geschraubt werden. Aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Lagertypen ist es mitunter schwer, das passende Tretlager zu finden. Am einfachsten ist es, wenn man das alte Tretlager 1:1 durch ein identisches neues Lager ersetzt. Auf dem Lager befinden sich alle relevanten Daten wie Lagergröße sowie ein Code, der als Referenz für das neue Lager - beispielsweise für ein Shimano Tretlager - herangezogen werden kann.

Hier eine Übersicht über die gängigen Tretlagertypen:

  • Tretlager mit Patronenlager: Wartungsarm und zuverlässig, besonders für Alltagsfahrer und Pendler geeignet.
  • Klassisches Gewindetretlager (BSA/BSC): Traditionelle Technik, erfordert mehr Wartung, bietet aber möglicherweise höhere Haltbarkeit und Leistung.

Tretlager mit Patronenlager

Bei den Tretlagern mit Patronenlager handelt es sich um eine in der Fahrradbranche weitverbreitete und moderne Lösung. Diese Art von Innenlager besteht aus einer geschlossenen Einheit, in der die Lager und die Achse fest miteinander verbunden sind. Die Vorteile liegen hier insbesondere in der guten Dichtung und der einfachen Montage. Da die Lager bei dieser Variante bereits in einer Hülle vormontiert sind, ist die Installation in der Praxis relativ schnell und problemlos möglich. Ein weiterer Pluspunkt ist die Langlebigkeit der Patronenlager, die in der Regel sehr wartungsarm sind.

Allerdings hat ein Tretlager mit Patronenlager auch einige Nachteile. Einer davon ist die mangelnde Kompatibilität mit manchen Rahmen, was bei älteren Fahrradmodellen problematisch sein kann. Des Weiteren ist die Individualisierung der Lager- und Achskombinationen bei diesem System eher eingeschränkt.

Klassische Gewindetretlager (BSA-Tretlager)

Die klassischen Gewindetretlager, auch als BSA-Tretlager bezeichnet, zeichnen sich durch ihre einfache Bauweise und die Möglichkeit des individuellen Zusammenbaus aus. Bei dieser Variante können die einzelnen Lager und die Achse separat ausgewählt und montiert werden, was eine höhere Flexibilität und eine größere Auswahl an Komponenten ermöglicht.

Die Nachteile dieser Variante liegen jedoch in der aufwendigeren Montage und Wartung. Da die Lager und Achse einzeln montiert werden müssen, ist der Ein- und Ausbau sowie die Justierung im Vergleich zu Patronenlagern deutlich komplizierter. Dies erhöht das Risiko von Montagefehlern, die die Lebensdauer und Funktionalität der Lager beeinträchtigen können.

Werkzeuge für die Tretlagerwartung

Das nötige Werkzeug:

  • Innensechskante (links) oder Torx-Schlüssel: um die Bauteile zu demontieren und an die Lager zu kommen; auch die Einstellung des Lagerspiels erfolgt meist mit Inbusschlüsseln.
  • Shimano-Kurbelwerkzeug: um Shimano-Kurbeln zu montieren.
  • Einpresswerkzeug: Gut sind universelle Varianten, die sich für verschiedene Lager eignen. Auch die Schalen klassischer, nicht integrierter Steuersätze können damit eingepresst werden. Für die gelegentliche Montage von gepressten Tretlagern, etwa Pressfit-Lagern, reichen einfachere Varianten (rechts).
  • Ausschlagwerkzeug: je nach Lagergröße wichtig für die Demontage von gepressten Tretlagern. Die Werkzeuge schiebt man innen durch das Lager, das anschließend von der Gegenseite mit gezielten Hammerschlägen ausgetrieben wird.
  • Nuss für geschraubte Tretlager: Gewindelager brauchen unbedingt das passende Werkzeug, es gibt hier viele Varianten. Wichtig: Das Werkzeug muss satt sitzen, sonst rutscht es ab.
  • Hammer (links) und Schonhammer (rechts): Besonders die Kurbeln können bisweilen festsitzen, auch beim Ausbau von gepressten Lagern wird ein Hammer benötigt. Direkt auf den Bauteilen nur mit dem Schonhammer arbeiten!

Schritte zur Tretlagerwartung

  1. Vorbereitung: Vergewissern Sie sich, welcher Typ Tretlager in Ihrem Rahmen verbaut ist, und arbeiten Sie ausschließlich mit passendem Werkzeug.
  2. Demontage:
    • Lockern Sie die Inbusschrauben und entfernen Sie die Kurbelkappe mit dem Kurbelkappenwerkzeug.
    • Lösen Sie die Sicherheitsplatte zwischen den Inbusschrauben mit einem kleinen Schraubenzieher.
    • Ziehen Sie die linke Kurbel ab und klopfen Sie die rechte Kurbel mit einem Gummihammer sachte aus dem Lager.
    • Entfernen Sie die Lagerschalen mit einem passenden Dorn oder Tretlagerwerkzeug.
  3. Reinigung: Säubern Sie das Lagergehäuse gründlich! Schmutz kann die empfindlichen Gewindegänge beschädigen, bei gepressten Modellen können die Lager verkanten oder fluchten nicht perfekt.
  4. Schmierung: Geben Sie auf Gewinde oder Lagersitze etwas Fett, das erleichtert die Montage. Eine dünne Fettschicht auf dem äußeren Dichtring verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt.
  5. Montage:
    • Fetten Sie das Gewinde und die Gehäuseflächen großzügig mit Montagefett ein.
    • Schrauben bzw. pressen Sie die Lagerschalen in das Tretlagergehäuse. Das Anzugsmoment bei einem Schraublager sollte bei 40 - 45 Nm liegen. Bei einem Presslager muss man besonders auf Bündigkeit achten. Mit einem geeigneten Einpresswerkzeug sollte dies kein Problem sein.
    • Schieben Sie zunächst die rechte Kurbel bis zum Anliegen ins Gehäuse.
    • Danach folgt das Aufschieben der linken Kurbel auf die Kurbelachse.
    • Ziehen Sie die Kurbelkappe mit dem Kurbelkappenwerkzeug moderat an (maximal 1,5 Nm).
    • Drücken Sie die Sicherungsplättchen ein und ziehen Sie die Inbusschrauben wechselseitig mit 12 - 14 Nm an.
  6. Abschlusskontrolle: Die montierte Kurbel sollte sich unter Belastung locker im Gehäuse drehen.

Profi-Tipps

  • Um Rahmen und Teile zu schonen, sollten Sie solche Arbeiten nicht im Montageständer erledigen. Stellen Sie das Rad besser auf den Boden und bitten Sie, wenn möglich, jemanden, den Rahmen oder das Werkzeug während der Demontage festzuhalten.
  • Legen Sie vor der Demontage die Kette auf das große Kettenblatt, so verletzen Sie sich nicht so leicht an den scharfen Zähnen.
  • Wurden Kurbeln länger nicht demontiert, können sie sehr fest auf der Welle sitzen. Sprühen Sie etwas Öl in den Bereich der Verschraubung und in den Spalt zwischen Kurbel und Rahmen. Das löst Korrosion und erleichtert das Aufschrauben.
  • Gewinde von geschraubten Lagern müssen gut gefettet werden.

Besonderheiten der Kurbelhersteller

  • Shimano: Die Abdeckschraube in der linken Kurbel sichert lediglich die Position der Kurbel auf der Achse. Ziehen Sie die Schraube daher nur leicht mit 1 bis 2 Newtonmetern fest. Anschließend fixieren Sie die Kurbel mit den Inbusschrauben. Ziehen Sie diese abwechselnd und gleichmäßig an, damit sich die Kurbel nicht verkantet.
  • SRAM: SRAM-Kurbeln werden mit einem integrierten Abzieher demontiert. Die Kurbel kann extrem festsitzen und die Demontage viel Kraft erfordern! Bei vielen SRAM-Lagern muss außerdem das Lagerspiel eingestellt werden. Das geschieht mit einem geschraubten Ring auf der linken Seite, der in der richtigen Einstellung mit einer kleinen Inbusschraube fixiert wird.
  • Campagnolo: Bei hochwertigen Campagnolo-Kurbeln sind die beiden Achshälften mittig verschraubt, die Schraube erreichen Sie mit einem langen Inbusschlüssel. Achtung bei Super-Record-Kurbeln mit Titanachse: Hier hat die Schraube ein Linksgewinde! Diese Version erkennen Sie am aufgedruckten roten Ring um die Achse. Die Lager sind auf die Achshälften gepresst, für den Tausch werden spezielle Werkzeuge benötigt. Hier empfiehlt sich der Gang zum Händler.

Kurbelwechsel ohne Abzieher?

Die Frage taucht regelmäßig in Foren auf und lässt sich recht eindeutig beantworten: Kann man beim Fahrrad die Kurbel wechseln ohne Abzieher? Auf YouTube findet man zwar zahlreiche semiprofessionelle Videos zu diesem Thema, aber in der Praxis ist es für die meisten Laien dennoch nicht zu empfehlen, den Wechsel ohne Spezialwerkzeug durchzuführen. Der zusätzliche Kraftaufwand und das Risiko unbeabsichtigter Beschädigungen sind zu hoch.

Konuslager Wartung

Nicht nur Kette, Schaltung und Bremsen benötigen beim Fahrrad regelmäßig Pflege, sondern auch die Kugellager in den Laufradnaben, im Tretlager, in den Pedalen und in der Lenkung. Im Bereich der Maschinenelemente (Maschinenbau) differenziert man bei den Lagern zwischen Wälzlagern und Gleitlagern. Bei Wälzlagern kommen Kugeln, Nadeln, Rollen oder Kegel als Wälzkörper zum Einsatz, bei Gleitlagern gleiten Innen- und Außen-Lagerschale mit einem definierten Spiel aneinander vorbei. Im Vergleich zum Gleitlager erzeugt das Wälzlager weniger Reibung und läuft somit leichter.

Als Kugellager kommen beim Fahrrad entweder Konuslager oder genormte Industrielager zum Einsatz. Sie unterscheiden sich nicht nur konstruktiv, sondern auch bei Wartung und Reparatur.

Aufbau Konuslager

Konuslager bestehen aus einer äußeren Lagerschale, den Kugeln und einem sogenannten Konus, der per Gewinde von der Drehachse aufgenommen wird und die innere Lauffläche für die Kugeln bereitstellt. Dabei wird das Lagerspiel über das Gewinde eingestellt. Fixiert wird der Konus auf der Achse per Kontermutter. Konus und Kontermutter haben am Außenumfang schmale Abflachungen, an denen du mit dem Werkzeug (den flachen Konusschlüsseln) ansetzen kannst.

Aufbau genormter Industrielager

Genormte Industrielager werden in großen Stückzahlen hergestellt und kommen in allen Bereichen der Industrie, im Maschinenbau, Fahrzeugbau und eben auch beim Fahrrad zum Einsatz. Hier beschränkt sich die Wartung auf Reinigung und Fetten von außen, denn diese Industrielager lassen sich nicht zerlegen. Sind sie verschlissen, werden sie als Ganzes ausgetauscht.

Umgang mit Belastung und Verschleiß

Die meisten Kugellager am Fahrrad sind schlecht oder gar nicht vor den äußeren Einflüssen geschützt. Zudem werden sie mehr oder weniger stark belastet.Die wesentlichen Faktoren auf den Verschleiß:

  • Laufleistung und Drehzahl
  • Belastung durch Gewicht (Fahrer und Gepäck)
  • Untergrundbeschaffenheit (Schläge, Stöße, Vibration)
  • Bewitterung (Regen, Kälte, Streusalz, Hitze)
  • Schmutz und Staub
  • falsches Lagerspiel (zu fest, zu lose)
  • Qualität der Dichtungssysteme (Abdeckungen, Labyrinthdichtungen,…)

Je nach Verwendungszweck, Komponenten-Qualität, Behandlung und Fahrstil kommen diese Einflussgrößen unterschiedlich stark zum Tragen. Daher liegt es immer in deinem Ermessen, wie oft und wann Inspektion oder Wartung an den Kugellagern nötig ist.

Konuslager zerlegen, reparieren, austauschen

Konuslager lassen sich mit den passenden Konusschlüsseln zerlegen. Dabei werden aber lediglich auf einer Seite (links oder rechts) Kontermutter und Konus gelöst, denn danach lässt sich die Achse zur anderen Seite aus dem Zusammenbau herausziehen. Du schraubst also nie an beiden Seiten einer Konuslagerung herum.

Achte beim Öffnen des Lagers darauf, dass dir keine der Kugeln verloren geht. Reinige die Kugeln, den Konus und die Außenschale des Lagers und prüfe alles auf Beschädigungen. In der Regel beschränken sich Beschädigungen auf den Konus. Aber auch die Kugeln können es hinter sich haben. Sobald sie stumpf aussehen oder sogar schon eine verfärbte Oberfläche aufweisen, musst du sie austauschen. Die Konuslager in den gängigen Fahrrad-Komponenten sind genormt. Du findest also schnell und einfach Ersatz, wenn die Kugeln ausgetauscht werden müssen.

Gängige Kugelgrößen (ohne Gewähr):

  • 1/4″ Nabenlager Hinterrad
  • 3/16″ Nabenlager Vorderrad, Tretlager
  • 1/8″oder 3/32″ Pedallager

Kaufe die Lagerkugeln am besten nur im Fahrradgeschäft. Dann kannst du sicher sein, dass es hochwertige Kugeln sind (bzgl. Maß- und Form-Toleranzen, Oberflächenrauheit, Härtegrad).

Konuslager montieren

Für die Montage fettest du auf beiden Seiten die Außenschalen der Kugellager, legst die Kugeln ins Fettbett, fettest auch die Laufflächen auf den Konen (und nur die), steckst die Achse durch die Radnabe und schraubst Konus und Kontermutter wieder auf die Achse.

Achte darauf, dass kein Wälzlagerfett auf das Gewinde von Konus und Achse gelangt, sonst wirst du selbst mit der Kontermutter keinen Festsitz erreichen (weil Wälzlagerfett druckstabil ist). Halte dieses Fett auch von den Dichtungen fern, die in unmittelbarer Nähe zu den Kugellagern im Einsatz sind. Denn Wälzlagerfett ist in aller Regel Lithium-verseift und Lithium greift PTFE (z. B. Teflon) an.

Konuslager einstellen

Im Idealfall haben die Kugeln im Konuslager kein Spiel, werden aber auch nicht gepresst. Diese Situation herzustellen, ist nicht einfach und erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Und es gibt unterschiedliche Vorgehensweisen, je nach Einbau-Situation am Fahrrad:

  • Konuslager in den Laufradnaben einstellen: Grob stellst du die Radlager über Konus und Kontermutter an einer Seite der Achse ein. Die Achse zentriert sich dabei selber und sorgt in beiden Lagern (links und rechts) für die gleichen Lauf-Verhältnisse. Halte bei dieser Einstellung ein minimales Spiel vor und ziehe die Kontermutter fest an. Die Feineinstellung des Lagerspiels erfolgt danach über die Schnellspannachse im eingebauten Zustand. Das Radlager ist perfekt eingestellt, wenn das Laufrad seitlich kein Spiel mehr hat (Test durch Kippeln am Laufrad) und sich nach dem Ausrollen selbständig wieder in die andere Richtung bewegt.
  • Konuslager im Steuersatz einstellen: Du prüfst durch Vor- und Zurück-Wippen mit quergestelltem Vorderrad, ob die Lager spielfrei fixiert sind (eine Hand fühlt dabei auf der oberen Lagerschale, ob sich im Lager etwas bewegt). Auf zu starke Pressung prüfst du, indem du den Lenker zu beiden Seiten pendeln lässt, während du das Vorderrad in der Luft hältst. Wird der Lenker im Schwung abgebremst, ist der Steuersatz zu stramm eingestellt.

Ahead-Steuersatz einstellen

Die Einstellung des Lagerspiels erfolgt über die stirnseitig bedienbare Spannschraube (Inbusschlüssel). Dadurch wird der Gabelschaft axial gegen das Steuerrohr bewegt. Du musst dich beim Ahead-Steuersatz also in mehreren Schritten an die perfekte Einstellung herantasten: Vorbau lösen, Lager einstellen, Vorbau festziehen, Prüfen und ggf. alles wiederholen.

Gewindesteuersatz einstellen

Für den Gewindesteuersatz benötigst du zwei Gabelschlüssel mit 30, 32, 36 oder 40 mm Schlüsselweite (je nach Variante), die aber beide nicht zu dick sein dürfen, weil Konusmutter und Kontermutter recht flach gehalten sind. Zudem sind diese beiden Schlüssel auch nicht gerade klein (ca. 30 cm Länge), weil das erforderliche Drehmoment beim Festziehen halt nur über die Länge des Hebels aufgebracht werden kann.

Hollowtech II Tretlager Wartung

Das Hollowtech II Tretlager von Shimano zählt zu den beliebtesten Innenlagern auf dem Fahrrad-Markt. Das hat viele Gründe: Hohe Steifigkeit, robuste Kugellager, geringes Gewicht, einfache Konstruktion, usw. Doch es ist, wie andere Fahrrad-Komponenten auch, der Witterung ausgesetzt und unterliegt einem mehr oder weniger großen Verschleiß. Da braucht es ab und zu ein wenig Pflege und Wartung.

Aufbau des Fahrrad Tretlagers

Tretkurbeln und Kettenblätter sind auf einer Tretlagerwelle montiert, die wiederum über Kugellager im Tretlagergehäuse des Fahrradrahmens geführt wird. Dieses System aus Kugellagern (mit oder ohne Tretlagerwelle) bezeichnet man als Tretlager oder auch Innenlager.

Belastung des Fahrrad Tretlagers

Damit das Pedalieren kräfteschonend vonstattengeht, muss die Lagerung der Tretlagerwelle möglichst reibungsarm sein. Gleichzeitig müssen die Tretlager-Komponenten aber auch stabil genug ausgelegt sein, um den Belastungen im Betrieb standzuhalten. Denn insbesondere im sportlichen Einsatz werden Kugellager und Tretlagerwelle heute deutlich höher belastet, als früher: Sprünge im Gelände, das Treten im Wiegeschritt, Sprint, usw.

Das Shimano Hollowtech II Tretlager

Beim Hollowtech II Tretlager wurde diesen hohen Belastungen Rechnung getragen: Die Kugellager sitzen außerhalb des Tretlagergehäuses in Lagerschalen. Als Kugellager kommen beidseitig Rillenkugellager zum Einsatz. Damit realisiert Shimano einen größtmöglichen Abstand zwischen den beiden Lagern, eine größere Dimensionierung der Lager im Durchmesser und eine hohe Tragfähigkeit der Wälzlager an sich. Der dazu passende Hollowtech-Tretkurbelsatz besteht aus Tretkurbeln, Kettenblättern und Tretlagerwelle.

Die Spacer

Shimano liefert beim Hollowtech II Tretlager mehrere Spacer (Abstandsringe) als Beipackteile: 2 x 2,5 mm 1 x 1,8 mm 1 x 0,7 mm. Sie kommen bei der Montage der Lagerschalen links/rechts zum Einsatz, um das Tretlager auf unterschiedliche Einbauverhältnisse anzupassen. Das Ziel ist dabei stets eine saubere Kettenlinie zwischen den Kettenblättern vorne und der Kassette hinten.

Werkzeug für Arbeiten am Hollowtech II Tretlager

  • Inbusschlüssel 5 mm (zum Lösen der Verschraubung linke Kurbel / Tretlagerwelle)
  • Shimano-Werkzeug TL-FC16 (zum Lösen der Kurbelkappe in der linken Kurbel)
  • dünnes Messer oder ähnliches (zum Demontieren von Lager-Abdeckung und Dichtscheibe)
  • Passender Lager-Austreiber (zum Rausziehen der Kugellager aus den Lagerschalen)
  • Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36 (zum Demontieren / Montieren der beiden Lagerschalen links und rechts am Tretlagergehäuse des Fahrradrahmens)

Wartung am Hollowtech II Tretlager

Die Wartung besteht im Wesentlichen aus dem Überprüfen, Reinigen und Fetten der Kugellager. Dafür müssen folgende Bauteile demontiert werden:

  • linke Tretkurbel
  • rechte Tretkurbel samt Kettenblättern und Tretlagerwelle
  • die Lager-Abdeckungen beidseitig
  • die Dichtscheiben beidseitig

Die Demontage Schritt für Schritt:

  1. Fahrradkette vom Kettenblatt abheben und auf dem Tretlager-Rohr des Fahrradrahmens ablegen.
  2. Linke Kurbel: Zuerst beide Inbusschrauben lösen und entfernen, danach die Zwischenplatte (Stopper Plate) aus dem Kurbelschlitz entfernen.
  3. Linke Kurbel: Kurbelkappe lösen mit Shimano-Werkzeug TL-FC16 (diese Kappe lässt sich nur lösen, wenn die beiden Schrauben entfernt wurden, sonst zerstörst du das Gewinde der Kappe).
  4. Linke Kurbel von der Tretlagerwelle abziehen (Zahnprofil).
  5. Rechte Kurbel/Kettenblätter/Tretlagerwelle durch leichte Schläge von links nach rechts aus dem Tretlager herausschieben/ziehen (dabei darauf achten, dass die Tretlagerwelle nicht zu stark verkantet wird).

Abdeckung und Dichtscheibe entfernen

Um die Lager reinigen und fetten zu können, musst du als nächstes Abdeckung und Dichtscheibe demontieren. Greife bei der Abdeckung von außen vorsichtig mit einer Messerspitze oder ähnlichem hinter die Kunststoffscheibe und hebe sie leicht an. Wandere nun in kleinen Schritten mit diesem Hebeln um das gesamte Lager herum und achte darauf, dass die Abdeckung nicht zu stark verkantet und erst recht nicht beschädigt wird beim Demontieren.

Kugellager reinigen und fetten

Jetzt hast du freien Zugang zu den Kugellagern und kannst mit der Reinigung beginnen. Weil die Kugellager nicht zerlegt werden können, bleibt dir an dieser Stelle lediglich eine Behandlung mit einem sauberen Putzlappen von außen bei gleichzeitiger Drehung der inneren Kugellager-Schale. Verwende hierbei (wenn überhaupt) ausschließlich Reinigungsmittel, die sich vollständig verflüchtigen (z. B. Bremsenreiniger).

Kugellager austauschen

Lassen sich die Kugellager nicht mehr durch Reinigen und Fetten instandsetzen, musst du nicht gleich die gesamte Lagerschale samt Kugellager austauschen. Vielmehr reicht es, wenn du lediglich das Kugellager demontierst und gegen ein passendes Industrielager ersetzt.

Lagerschalen ausbauen links / rechts

Ist es unumgänglich, die Lagerschalen samt Kugellager auszubauen, benötigst du das Shimano-Werkzeug TL-FC32 bzw. TL-FC36. Sorge für eine stabile Arbeitsposition, denn bei der Demontage wirken sehr hohe Kräfte (40 Nm + x): Stelle das Fahrrad auf den Sattel oder nutze einen robusten Montageständer.

Die Stirnflächen am Tretlagergehäuse

Sind die Lagerschalen ausgebaut, hast du den freien Blick auf die Stirnflächen am Tretlagergehäuse in deinem Fahrradrahmen. Prüfe bei dieser Gelegenheit, ob die Stirnflächen sauber und plan bearbeitet wurden im Zuge der werksseitigen Montage-Vorbereitung.

Tipps zur Fehlerbehebung

Ungewöhnlichen Geräuschen am Bike sollten Sie stets auf den Grund gehen. In der Regel steckt eine fehlerhafte Montage und gelegentlich sogar ein ernsthaftes Problem dahinter. Ein knackendes Tretlager (auch Innenlager genannt) kommt häufiger mal vor, insbesondere wenn man besonders kräftig antritt oder gerade ein neues Bauteil montiert hat.

Verwenden Sie bei der Montage des Innenlagers / Tretlagers ausreichend Montagepaste beziehungsweise Lagerfett. Knackgeräusche können auch entstehen, wenn Schraubverbindungen zu fest oder zu lose angezogen werden. Ziehen Sie bei BSA Innenlagern die Lagerschalen mit etwa 40 bis 45 Newtonmetern an.

Fetten Sie bei der Montage auch die Welle der Kurbelgarnitur und schieben Sie diese dann durch das Tretlager. Fetten Sie die Verzahnung des anderen Kurbelarms und stecken Sie diesen dann auf die Welle. Ziehen Sie die Zentralschraube mit der Hand fest, drehen Sie die Kurbel einige Male und ziehen Sie die Schraube dann erneut fest.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0