Bikepacking liegt voll im Trend! Immer mehr Radfahrer sind mit leichtem Gepäck auf Deutschlands Straßen und Trails unterwegs und suchen abends eine passende Übernachtungsmöglichkeit.
Wildcampen vs. Biwakieren: Was ist erlaubt?
Viele träumen davon, ihr Zelt am Waldrand aufzuschlagen oder direkt unter dem Sternenhimmel zu schlafen. Doch ist das in Deutschland überhaupt erlaubt?
Leider ist Wildcampen in Deutschland (=Zelt aufschlagen) bis auf wenige Ausnahmen verboten. Beim Biwakieren (Übernachten ohne Zelt) wird die Sache in der Regel toleriert, ist aber natürlich nicht bei jedem Wetter und an jedem Ort eine Option.
In Schutzgebieten ist das freie Übernachten, egal ob mit oder ohne Zelt, grundsätzlich verboten. Dabei gelten an verschiedenen Orten unterschiedliche Regeln. Der durch Corona ausgelöste Camping-Boom hat dazu geführt, dass die Ranger Wildcamper "erwischen".
Hohe Strafen für Wildcamping
In Bayern betragen die Strafen für Wildcamping in geschützten Gebieten bis zu 500 Euro. Davon abgesehen leidet die Natur dort, wo sie am meisten Schutz braucht. Es gibt aber viele Alternativen zu teurem und illegalem Wildcamping - sogar unter freiem Himmel.
Bikepacking Übernachtungen in Deutschland - eine Auswahl
1. Online-Portale
Auf Airbnb, booking.com, monteurzimmer.de, trivago oder expedia kannst Du Übernachtungsmöglichkeiten buchen und teilweise noch am Anreisetag stornieren, wenn Deine Tour anders verläuft als geplant. Ob Hotel oder Pension, die Auswahl ist groß.
Auf meiner Northcape4000 Tour habe ich beispielsweise meinen Biwacksack gar nicht ausgepackt und alle Übernachtungen über Booking.com gebucht.
- Bett und Bike: Auf bettundbike.de findest Du eine Auswahl fahrradfreundlicher und vom ADFC zertifizierter Unterkünfte in Deutschland und anderen europäischen Ländern.
- Dachgeber: Dachgeber.de ist ein Übernachtungsverzeichnis der speziellen Art mit kostenfreien Unterkünften von Radlern für Radler. Aber Achtung - Du kannst nur dann eine Übernachtung erhalten, wenn Du selber anderen einen Schlafplatz anbietest. Und vergiss Deinen Schlafsack nicht.
- Warm Showers: Auf ganz ähnliche Art funktioniert das weltweite Netzwerk Warm Showers. Hier kannst Du Dich allerdings auch dann anmelden und einen Gastgeber suchen, wenn Du „nur“ Radler bist und keinen Schlafplatz zu bieten hast.
- My Cabin: My Cabin bietet naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten, von der Wiese bis zur Holzhütte am Waldrand, teilweise mit Feuerstelle. Je nach Ort brauchst Du zusätzlich zum Schlafsack ein Zelt.
- Couchsurfing: Eine weitere Option, bei der man auch gut neue Leute kennenlernen kann, ist das Couchsurfing.
2. Schutzhütten und Schutzhüttenverzeichnisse
Dich hat mitten auf deiner Tour ein Unwetter überrascht? Der Trail versinkt im Morast? Dann ab in die nächste Schutzhütte. Teilweise handelt es sich dabei nur um eine Art „Unterstand“ in Form einer überdachten Bushaltestelle. Teilweise sind da aber wirklich tolle Hütten dabei, die von einem Verein gehegt und gepflegt werden.
Mir wird oft die Frage gestellt, ob es eine Art Verzeichnis für Schutzhütten gebe. mapy.cz ist mein absoluter Geheim-Tipp. Axel und ich sind bei der Vorbereitung unseres Bikepacking Transgermany Tripps drauf gestossen. Die App bietet unter dem Suchbegriff “Shelter” bzw. “Touristisches Schutzdach” eine sehr detaillierte und aktuelle Übersicht aller möglichen Schutzhütten. Auch beim Albtraum Bikepacking, wo ich alleine unterwegs war, hab ich so Unterschlupf für die Nacht gefunden.
3. Trekkingcamps
Wildcampen ist in Deutschland verboten, besonders in Schutzgebieten. Allerdings gibt es wie immer eine Ausnahme von der Regel: Trekking Camps beziehungsweise Trekkingplätze. Dabei handelt es sich um kleine, einfache Naturlagerplätze, teilweise in Nationalparks.
Platz für drei bis vier Zelte, eine Bio- oder Kompost-Toilette und eine Feuerstelle, fertig. Viel Komfort darfst Du von Trekkingplätzen nicht erwarten, dafür bestechen sie durch andere Vorteile: Du kannst legal unter freiem Himmel zelten und bist mitten in der Natur. Oft befinden sich Trekkingplätze in einer besonders malerischen Gegend.
Wichtig: Weil der Platz begrenzt ist, musst Du dich bei den meisten Trekkingplätzen vorab anmelden. Am besten denkst Du auch daran, genug Lebensmittel und Getränke mitzunehmen.
4. Fragen
Schließlich gibt es noch eine ganz einfache Möglichkeit, die Axel und ich bei unserer Bikepacking Transgermany Tour mitten im ersten Corona Lockdown öfter ausprobiert haben bzw. ausprobieren mussten: Fragen! Ich kam mir im ersten Moment auch ziemlich doof vor, an einer Haustüre zu klopfen und eine mir völlig unbekannte Person zu fragen, ob wir unser Zelt im Vorgarten aufbauen dürfen. Aber ich hab damit bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Der Wart vom Kanuverein am Rhein hat uns auf seinem Rasen und ein Bauer an der polnischen Grenze in seinem Apfelgarten übernachten lassen.
Nützliche Apps für deine Bikepacking-Tour
Radroutenplaner Bayern
Es gibt eine neue Radfahr-App für den Freistaat: den "Radroutenplaner Bayern", die Nachfolge-Version der 2020 veröffentlichten Bayern-Rad-App. Sie verfolgt ein Ziel: Alle 50.000 Kilometer Radwege im Freistaat sollen mit einem einfachen Werkzeug einfach gefunden und abgefahren werden können.
Die Benutzung ist intuitiv. Start- und Zielort eingeben, und schon schlägt die App einen passenden Weg mit dem Fahrrad vor. Größte Neuerung: Die kostenlose App verfügt über eine umfangreiche Suchfunktion für Gastronomie, Fahrrad-Support und Übernachtungsmöglichkeiten. Zertifizierte Bed- & Bike-Gasthäuser können direkt angesteuert werden.
Der RadRoutenplaner Bayern bildet alle Radwanderwege des Landes von Aschaffenburg bis Berchtesgaden und von Lindau bis Hof ab. Die Strecken werden mit der Entfernung, einem Höhenprofil und einer durchschnittlichen Fahrzeit angegeben.
Komoot
Die Handy-App Komoot ermöglicht es, Wanderungen oder Touren mit dem Fahrrad zu planen und anschließend auch im Gelände zu navigieren. Die aktuelle Version der App greift dabei einen neuen Fahrrad-Trend auf, Bikepacking. Dabei geht es darum, Fahrradtouren und Camping zu kombinieren.
Die besten Touren für Bikepacker integriert Komoot jetzt zum Beispiel in das Entdecken-Tab seiner Apps. Praktisch: Zu Ihrer Route lassen sich anschließend Wegpunkte wie etwa Strände und Schwimmbäder, Sehenswürdigkeiten, Parks oder Übernachtungsmöglichkeiten hinzufügen. So planen Sie beispielsweise Sightseeing-Trips, Naturausflüge und mehrtägige Touren.
Einziges Manko: Für die Navigation über die App müssen Sie das Kartenmaterial für jede Region kaufen. Eine Region Ihrer Wahl erhalten Sie zum Start kostenlos, jede weitere kostet Sie allerdings 3,99 Euro.
Weitere nützliche Apps
ISPO.com hat die besten KOSTENLOSEN Bike-Apps für Android und iOS zusammengestellt - zuverlässig, praxisnah und direkt einsetzbar. Die Tools helfen dabei, Abläufe zu optimieren, Kosten zu senken und dein Angebot für Kund*innen noch attraktiver zu machen.
- First Aid RFC: Bietet Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu Erster Hilfe, Wundversorgung und Notrufnummern.
- Bike Citizens: Navigations-App speziell für urbane Radfahrer.
- ViewRanger: Mit GPS und Kamera erkennt sie Landschaftspunkte und blendet ihre Namen per Augmented Reality (AR) ins Bild ein.
- Falk Maps & Routenplaner: Karten, Routen, POIs und Unterkünfte mit vielen Zusatzinfos.
- Bikemap: Ein riesiges Routenportal für Mountainbike, Rennrad, E-Bike oder Pedelec.
- Strava: Zeichnet Fahr- und Trainingsdaten auf, und auch die Pulsfrequenz kann integriert werden.
Weitere Tipps für deine Bikepacking Übernachtung
Für die Übernachtung beim Bikepacking gibt es also viele verschiedene Möglichkeiten - von Hotels und Pensionen, Übernachtung bei Privatpersonen im Gästezimmer oder der Couch bis hin zur Übernachtung in Schutzhütten oder Trekkingcamps.
Übernachtungsmöglichkeiten erfordern oft eine rechtzeitige Anmeldung. Außerdem haben manche Trekkingplätze oder andere Angebote draußen nur zu bestimmten Jahreszeiten geöffnet. Erkundige dich deshalb am besten vor Deiner Tour, wo Du wie übernachten kannst und ob es am Ort Deiner Wahl noch freie Plätze gibt.
Schließlich trägt ein guter Schlaf dazu bei, dass Du Dein Bikepacking-Abenteuer richtig genießen kannst!
Checkliste für den Overnighter
- Fahrrad
- Taschen
- Zelt oder Biwaksack
- Schlafsack und Unterlage
- Kocher und Wasser (optional)
- Essen und Trinken
- Liste mit wichtigen Gegenständen
Sicherheitshinweise
Wer unsicher ist und Sorge vor Mensch und Tier hat, der hat aus meiner Sicht nur die Möglichkeit, sich zu überwinden und diesen Ängsten zu stellen. Egal ob in Schutzhütten, auf dem Campingplatz oder beim wilden Übernachten: ich habe mich noch nie unsicher gefühlt.
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