E-Bikes gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Sie stellen eine umweltfreundliche und bequeme Alternative zum Auto dar und erleichtern das Fahrradfahren durch elektrische Unterstützung auf langen Strecken. Von Akku- und Motorproblemen bis hin zu mechanischen Reparaturen gibt es viele Gründe, warum auch E-Bikes regelmäßig gewartet und repariert werden müssen. Der Fokus liegt dem Antrieb und der Software.
Wartungsintervalle und Kosten
Wie oft Sie Ihr E-Bike zur Inspektion bringen müssen, hängt von der Nutzung ab. Die Faustregel besagt, dass ein E-Bike etwa alle 2000 Kilometer oder einmal im Jahr inspiziert werden sollte. Diese Leistung kann je nach Aufwand zwischen 90 und 150 Euro kosten und ist damit relativ überschaubar. Daher ist es wichtig, präventiv vorzugehen und einige Komponenten am Fahrrad regelmäßig selbst zu prüfen.
Dazu gehört es zum Beispiel, Kabel und Steckverbindungen zu prüfen und die Kette regelmäßig zu ölen. In welchem Turnus man für eine Wartung oder Inspektion zum Fahrradhändler kommen soll, kann Florian Rebel so pauschal nicht sagen. Zu unterschiedlich ist die Nutzung eines Fahrrades, zu verschieden die Kilometerleistungen. Eine jährliche Durchsicht des Fahrrades vor Saisonbeginn ist hingegen schon wegen der Sicherheit angebracht. Schaltet die Kette sauber? Packen die Bremsen noch zu? Um das zu prüfen muss man nicht zwangsläufig in eine Werkstatt.
Genauso wie die üblichen Pflegearbeiten selbst durchgeführt werden können. „Die Kette säubern und ölen, den Luftdruck prüfen und die Bremsbeläge regelmäßig kontrollieren - das ist nicht schwer!“ weiß der sympathische Schrauber-Profi. Und das kostet auch nicht viel. Ein Fläschchen Kettenöl ist für ca. acht Euro zu haben und eine gute Investition.
Typische Verschleißteile und ihre Kosten
Bei einem E-Bike können verschiedene Arten von Reparaturen anfallen - je nach Nutzung, Verschleiß und Komponentenschäden. Zu den häufigsten und kostengünstigeren Reparaturen gehören der Austausch von Verschleißteilen, darunter Bremsbeläge und Ketten. Weitere gängige Reparaturen betreffen die Reifen. So kostet ein Reifenwechsel inklusive Arbeitszeit und Material 40 bis 80 Euro. Zu den komplexeren Reparaturen gehört zum Beispiel die Wartung oder der Austausch der Schaltung.
Was die typischen Verschleißteile an einem Fahrrad sind, wissen wir von Florian Rebel: „Bremsbeläge!“, und dann: „Kette, Kassette, Kettenblätter, Bremsscheiben. Und natürlich Reifen.“
Die kostspieligeren Reparaturen sind die, die rund um Motor und Akku stattfinden. Dabei handelt es sich nämlich um die Kernkomponenten des E-Bikes. Je nach Modell und Hersteller kann ein Motortausch zwischen 300 und stolzen 1000 Euro kosten. Ein neuer Akku auf der anderen Seite liegt je nach Kapazität zwischen 300 und 900 Euro. Dabei gilt es abzuwägen, ob die Reparatur des Akkus möglich ist. Denn diese ist oft günstiger als ein kompletter Austausch.
E-Bike Akku Reparatur
Tatsächlich lässt sich ein E-Bike Akku in manchen Fällen reparieren, was oft günstiger und umweltfreundlicher ist als ein Austausch. Dabei können defekte Zellen im Akku ersetzt oder beschädigte Verbindungen und Elektronikkomponenten repariert werden. Die Arbeiten erfordern jedoch spezielles Wissen und sollten nur von Fachleuten durchgeführt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Grundsätzlich hält ein E-Bike Akku Schätzungen zufolge zwischen 500 und 1000 Ladezyklen. Rechnen wir mit einer Reichweite von rund 50 Kilometern, ergibt sich daraus eine Lebensdauer von 25.000 bis 50.000 Kilometer. Danach ist der Akku aber nicht defekt, denn meist ist noch eine Restkapazität von 70 Prozent vorhanden.
Motor Austausch
Der Motor kann im Rahmen einer E-Bike Reparatur grundsätzlich ausgetauscht werden, wenn er defekt ist oder Sie sich ein leistungsstärkeres Modell wünschen. Bei neueren E-Bikes ist oft ein kompatibler Motor desselben Herstellers erforderlich, um eine reibungslose Funktion zu gewährleisten. Darüber hinaus kann der Einbau eines neuen Motors die Garantie des E-Bikes ungültig machen. Prüfen Sie daher vorab die Garantiebedingungen des Herstellers und entscheiden erst dann, ob es sinnvoll ist, einen neuen Motor einzubauen oder nicht. Lassen Sie sich in jedem Fall vom Fachhändler beraten.
Werkstatt oder Hersteller?
Ob eine E-Bike Reparatur besser in einer Werkstatt oder direkt beim Hersteller durchgeführt werden sollte, hängt von mehreren Faktoren ab, wie Garantie, Art des Schadens und Kosten. Wenn das E-Bike noch Garantie hat, ist eine Reparatur beim Hersteller oft die beste Wahl. Hersteller bieten darüber hinaus spezialisierte Techniker und originale Ersatzteile an, was die Qualität und Lebensdauer der Reparatur erhöht. Andererseits kann der Versand an den Hersteller zeitaufwendig sein. Ist die Garantie abgelaufen, können bei Hersteller oft hohe Reparaturkosten anfallen. Dann kann es sich doch lohnen, eine zertifizierte Fahrradwerkstatt aufzusuchen. Viele solcher haben sich mittlerweile auch auf E-Bike Reparaturen spezialisiert und bieten eine breite Palette an Dienstleistungen in diesem Bereich. Die Werkstatt ist oft auch die günstigere Alternative im Vergleich zum Hersteller, sofern die Garantie abgelaufen ist oder nicht für den jeweiligen Schaden greift. Die Reparatur erfolgt zudem meist schneller, da der Versand entfällt.
Weitere Kostenfaktoren
Es ist wichtig, dass Sie Ihr E-Bike gut pflegen und regelmäßig warten, um teure Reparaturen vorzubeugen. Aber ist es mit diesen Kosten schon getan? „Wer billig kauft, kauft zweimal“, klingt es jedem im Ohr, der ein vermeintliches Schnäppchen machen will - aber stattdessen einen frühen Defekt erlebt. Das Prinzip kann man auch auf ein Fahrrad übertragen. „Das teure Fahrrad wird genauso wie ein günstiges Fahrrad auf sieben Jahre abgeschrieben“, erklärt Steuerberater Norbert Müller auf Nachfrage. Und tatsächlich: Der Gesetzgeber in Deutschland sieht eine Nutzungsdauer von sieben Jahren vor, wie die AfA-Tabelle für Anlagegüter des Bundesfinanzministeriums aufzeigt. Die echte Nutzungsdauer kann jedoch deutlich länger sein, wenn man ein entsprechend höherwertiges Fahrrad kauft. Für unsere Betriebskostenrechnung legen wir jedoch den Wert der Finanzbehörden als einheitliche Nutzungsdauer fest. Übrigens: Der Durchschnittspreis eines Fahrrads (ohne den Anteil der E-Bikes!) in Deutschland betrug im Jahr 2018 nach Angaben des ZIV 756 Euro.
Die zurückgelegte Strecke per Fahrrad bestimmt die Kosten pro Kilometer. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur weiß, dass die Bedeutung des Fahrrads für die Alltagsmobilität der Menschen in den letzten 15 Jahren erheblich zugenommen hat. Es hat daher im Zuge der Studie „Mobilitätsverhalten 2019“ ermittelt, dass Fahrradfahrer 2,4 Wege pro Tag mit insgesamt 9,3 Kilometern zurücklegen. Das macht knapp 3400 Kilometer pro Radfahrer. Der Zweirad Industrie Verband gibt eine wöchentliche Kilometerleistung pro Fahrradbesitzer von 30 Kilometer an. Das macht knapp 1600 Jahreskilometer.
Ein Radfahrer hat in mehr oder weniger festen Abständen gewisse Aufwendungen - unabhängig von der Kilometerleistung seines Rades. So schlägt hier typischerweise eine Diebstahlversicherung für besonders teure Fahrräder zu Buche. Bis ca. 2500 Euro sind Fahrräder meist in der Hausratversicherung inkludiert. Eine separate Fahrradversicherung kostet im Durchschnitt 10 Euro monatlich. Zu den Fixkosten gehört aber auch der Helm. Die Außenhülle eines Helmes unterliegt einer Alterung. Die Klebstoffe können sich zersetzen, der Helm buchstäblich in seine Bestandteile zerfallen. Deshalb ist es sinnvoll, Helme nach 3 bis 5 Jahren auszutauschen. Ein guter Fahrradhelm kostet ca. 90 Euro. Umgelegt auf die Nutzungsdauer sind das zwei Euro pro Monat.
Kommen wir zu all jenen Kosten, die dadurch entstehen, dass man das Fahrrad bewegt. Bei der angenommenen Fahrleistung von 2500 Kilometern gehen wir davon aus, dass Kette (20 Euro) und Kettenblatt (25 Euro) alle zwei Jahre getauscht werden müssen, die Bremsbeläge einmal jährlich (2 × 15 Euro). Wenn man keine Scheibenbremsen hat, sogar häufiger. Die Kassette einer Kettenschaltung (60 Euro) ist nach 10 - 15.000 km fällig. Die Reifen (2 × 30 Euro) sollten ca. 5000 Kilometer halten.
Uns ist bewusst, dass die tatsächlichen Laufleistungen der Verschleißteile deutlich variieren können. Ein weiterer Faktor, der maßgeblichen Einfluss auf die Betriebskosten hat, ist die technische Ausstattung, genauer: die Art des Antriebs. „Kette oder Riemen?“, ist die Frage, die man sich stellen sollte. Ein spezieller Rahmen mit Öffnung für den Riemen und eine Schaltungsnabe erhöht zwar den Kaufpreis - senkt aber die Betriebskosten! Reiseradler berichten, dass sie ca. 30.000 Kilometer mit einem Riemen zurücklegen. Bei Ketten werden Maximalleistungen von ca. 10.000 Kilometern angegeben, wenn sie mit einer Getriebeschaltung kombiniert werden, um verschleißträchtigen Kettenschräglauf zu vermeiden. Bei Kettenschaltungen die Hälfte oder weniger. Grob dient die Faustformel, dass bei vergleichbaren Bedingungen ein Riemen rund zweieinhalb bis dreimal länger hält als eine Kette. Hauptursache für Bremsenverschleiß ist permanentes „Schleifenlassen“ der Bremse bergab. Eine Kassette überlebt 3 - 4 Ketten, wenn man diese früh genug wechselt.
Doch nicht nur die Qualität und die technische Ausstattung eines Fahrrades entscheiden darüber, wie hoch die Betriebskosten sein werden. Sondern auch das Verhalten des Fahrradfahrers. Damit meinen wir nicht nur das Fahrverhalten, sondern in erster Linie das Serviceverhalten. „Viele Reparaturen sind vermeidbar“, weiß Thomas Kleiber, Filialleiter bei Radlbauer. Er hat die Erfahrung gemacht, dass manche Fahrradfahrer zu spät die Komponenten tauschen - und so leider vermeidbare Folgeschäden provozieren. Verschleiß lässt sich daher nicht nur aus technischer Sicht betrachten - sondern auch aus wirtschaftlicher.
Die Laufleistungen von Ketten variieren von 1000 km beim Einsatz auf dem MTB unter groben Bedigungen mit Schmutz und Schlamm, über 3000 bis 5000 km bei Trekkingrädern mit vorwiegend trockenen Bedingungen und guter Pflege bis hin zu Laufleistungen über 6000 km bei Cityrädern mit Nabenschaltungen im Schönwetter-Einsatz. Es kann Sinn machen, eine Kette früher als üblich zu wechseln, um ihr eine doppelte bis dreifache Lebenszeit zu spendieren. Der Profi hat zwei Ketten zur Auswahl und wechselt diese zeitlich in kurzer Folge nach wenigen hundert Kilometern jeweils untereinander.
Natürlich nagt ein trockener und kalter Winter stärker am Material. Schmutz bleibt an der Kette haften. Das fördert den abrasiven Verschleiß. Für den Winter muss evtl. ein zweites Paar Reifen zugelegt werden. Und der Ganzjahresfahrer benötigt auch mehr Bekleidung, um der kalten Jahreszeit trotzen zu können. Der kostensenkende Faktor einer hohen Fahrleistung kommt dann nicht unbedingt zum tragen, denn diese Mehrausgaben erhöhen die Fixkosten.
Auch der Streckenverlauf selbst hat direkten Einfluss auf den Verschleiß und damit auf die Kosten. Wer viel Ampeln auf seiner Pendlerstrecke hat, beschleunigt und bremst öfter - zu Lasten von Bremsen und Reifen. „Doch das Streckenprofil selbst ist dabei weniger wichtig“, weiß Vielfahrer Alexander Hanisch zu berichten. „Seit ich mehr Höhenmeter auf meiner neuen Pendlerstrecke absolvieren muss, habe ich tatsächlich weniger Verschleiß an Bremsbelägen!“ Was wie ein Paradoxon klingt, lässt sich anhand seiner Strecke schlüssig erklären. „Früher hatte ich zwei S-Kurven am Ende meines Bergab-Stückes. Ich musste stark abbremsen, was Bremsbeläge kostete.
Das Verhalten, oder besser, das Fahrverhalten ist auch genau der Punkt, den Florian Rebel als Kostenfaktor hervorhebt. „Ein Fahrtechnikkurs hilft, die Betriebskosten zu senken!“, mit dieser Aussage verblüfft uns der Mechaniker. Eine Verbesserung der Fahrtechnik macht nicht nur aus Gründen der Sicherheit Sinn, sondern hilft, die Technik eines Fahrrades zu verstehen. So kann man einen sich anbahnenden Defekt durch übermäßigen Verschleiß erkennen.
Kostenübersicht
Die Kosten einer Fahrradinspektion variieren je nach Fachhändler, Arbeitsumfang und auch je Radtyp. Die Wartung eines Rennrads beispielsweise unterscheidet sich immerhin von der eines Citybikes. Gemäß unseren Händlern fallen folgende Kosten an:
- Kleine Fahrradwartung: circa 50-70 €
- Große Fahrradwartung: circa 80-140 €
- Wartung bei E-Bikes: circa 100-200 €
Diese Angaben beziehen sich nur auf die Kosten für die eigentliche Inspektion. Wenn ein Austausch von (größeren) Bauteilen notwendig ist, erhöht sich der Preis entsprechend.
Servicepakete (Beispiel Trek Stores)
- Level 1: Der kleine Service (69.99 EUR) Empfohlen alle 25 Stunden Fahrzeit
- Bremsen justieren und ausrichten
- Justierung und Ausrichtung der Schaltung
- Alle Schrauben mit richtigem Drehmoment nachziehen
- Level 2: Der große Service (139.99 EUR) Empfohlen alle 50 Stunden Fahrzeit
- Einschließlich aller Servicearbeiten von Level 1
- Gründliche Reinigung des Antriebs
- Laufrad vertikal und lateral zentrieren
- Innenlager inspizieren
- Fahrradreinigung und Polieren
- Level 3: Der Neuaufbau (299.99 EUR) Empfohlen alle 100 Stunden Fahrzeit
- Einschließlich aller Servicearbeiten von Level 1 und Level 2
- Demontage und gründliche Reinigung aller Teile
- Neue Züge, Zughüllen und Lager*
- Umfangreiche Laufradzentrierung
- Austausch der Abstreifer und Dichtungen und Ölwechsel an Federgabel und Hinterbaudämpfer**
Kosten für Ersatzteile sind nicht im Preis des Servicepakets enthalten. Die Preise können für Fahrräder mit Federung abweichen.
Zusätzliche Serviceangebote für E-Bikes (27 EUR)
Unsere Servicepakete sind auch für E-Bikes geeignet! An E-Bikes können die gleichen Arbeiten durchgeführt werden wie an herkömmlichen Fahrrädern. Wir bieten darüber hinaus jedoch einige zusätzliche Services für E-Bikes an, die speziell auf deren elektrischen Systeme abgestimmt sind.
- Zusätzlicher E-Bike-Service
- Software-Update
- Austausch des Akkus oder Motors durch entsprechendes Neuteil
Jährliche Kosten
In unserer Beispielrechnung haben wir jährliche Kosten von 383,28 Euro pro Jahr ermittelt. Das macht 31,95 Euro pro Monat bzw. Wird die Nutzungsdauer dieses Fahrrades auf 10 Jahre gesteigert, die jährliche Kilometerleistung um 500 Kilometer auf 3000 Kilometer angehoben und alle Wartungsarbeiten am Fahrrad konsequent selber durchgeführt, so ergeben sich 249 Euro Kosten pro Jahr.
Alles in allem ist es wichtig, dass Sie Ihr E-Bike gut pflegen und regelmäßig warten, um teure Reparaturen vorzubeugen.
Abschließend ist es ratsam, regelmäßige Inspektionen durchführen zu lassen und Verschleißteile rechtzeitig auszutauschen, um die Lebensdauer Ihres Fahrrads oder E-Bikes zu verlängern und teure Folgeschäden zu vermeiden.
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