Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad für den Weg zur Arbeit, auch bei winterlichen Temperaturen. Da fast die Hälfte der arbeitenden Menschen hierzulande einen Arbeitsweg von weniger als zehn Kilometern hat, lässt sich diese Strecke gut mit dem Rad bewältigen. Damit du dich beim Fahrradfahren im Winter wohlfühlst, sind zwei Dinge wichtig: Die Kälte sollte nicht durch die Kleidung eindringen und der Schweiß sollte nach außen abtransportiert werden.
Das Zwiebelprinzip für optimale Isolation
Eine mehrschichtige Zusammenstellung der Bekleidung, das sogenannte Zwiebelprinzip, hilft dir, eine gute Isolation aufzubauen und auf Temperaturschwankungen flexibel einzugehen. Sinnvoller ist es, mehrere dünne Schichten übereinander zu tragen. Zwischen den verschiedenen Schichten bilden sich isolierende Luftpolster, die dich zusätzlich vor der Kälte schützen.
Eine dicke Daunenjacke über einer dünnen Bluse oder einem Hemd mag am Anfang der Strecke wärmend sein, kann aber während der Fahrt zu einem Hitzestau und übermäßiger Schweißbildung führen. Daunenjacken halten zwar die Wärme am Körper, aber lassen die Feuchtigkeit kaum entweichen. So frierst du nach ein paar Minuten trotzdem und nach der Fahrt klebt Hemd oder Bluse am Körper, das ist unangenehm und zwingt dich zu einem Klamottenwechsel, bevor du mit der Arbeit loslegen kannst.
Wenn du für deinen Arbeitsweg weniger als 15 Minuten brauchst, musst du nicht dick eingepackt das Haus verlassen. Vielmehr solltest du auf einige dünne Schichten Alltagskleidung und eine wasser- und/oder windabweisende äußere Schicht achten.
Die richtige Jacke für jedes Wetter
Regenwetter kann das Radfahren zu einer ungemütlichen Angelegenheit werden lassen. Um nicht durchnässt in der Arbeit aufzutauchen, kannst du ganz einfach eine Regenjacke über der regulären Kleidung tragen und dich darauf verlassen, dass die bedeckten Stellen trocken bleiben. Die Luftzirkulation wird bei manchen Modellen über Lüftungsschlitze an den Achseln verbessert. Bei winterlichen Verhältnissen reicht eine Regenjacke aufgrund der schlechten Isolierung nicht mehr aus. Fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, solltest du zu einer Soft- oder Hardshell-Jacke greifen.
Softshell-Jacken
Softshell-Jacken sind atmungsaktiv und bieten wasser- und windabweisenden Schutz. Das ist ein Funktionsstoff mit hoher Atmungsaktivität, der jedoch nur wasserabweisend und nicht wasserdicht ist. Das Material besteht aus zwei oder drei Schichten, die fest miteinander laminiert sind. Man unterscheidet dabei zwischen Softshell-Stoffen mit und ohne Membran. Fahrradjacken sind übrigens nicht an jeder Stelle von allen Schichten durchzogen. Dort, wo der Körper starkem Wind ausgesetzt ist, kommt windabweisendes Material zu Verwendung.
Hardshell-Jacken
Darunter versteht man ein vollkommen wasserdichtes, winddichtes und relativ atmungsaktives Material. Bei diesem Stoff wird immer eine spezielle Membran, entweder direkt auf den Außenstoff oder zwischen den Außen- und Innenstoffen, laminiert. Reißverschlüsse und Nähte sind ebenso laminiert oder verklebt. Hardshell-Jacken sind in erster Linie auf den Schutz vor Wasser und Wind ausgelegt.
Funktionskleidung für längere Strecken
Wer länger als 15 Minuten auf dem Fahrrad fährt, bekommt die Witterungsbedingungen deutlicher zu spüren. Dann ist es sinnvoll, zumindest teilweise auf Funktionskleidung statt auf Alltagskleidung zu setzen und der Kälte so keine Chance zu geben. Ein Funktionsunterhemd liegt als erste Schicht direkt auf deiner Haut und hält deinen Oberkörper warm und trocken. Viele Firmen setzen bei der Herstellung auf eine Kombination aus zwei Stoffen. Optional kannst du dein Funktionsunterhemd mit einer langen Unterhose aus Funktionsfaser ergänzen. Ein Funktionsshirt wirkt als zweite Schicht thermoregulierend. Für besonders kalte Tage gibt es eine angeraute Thermo-Version dieses Shirts, manche haben sogar Fleece eingearbeitet. Die äußerste Schicht sollte wieder eine Hard- oder Softshell-Jacke sein.
Wichtige Accessoires für den Winter
Die richtigen Accessoires vervollständigen dein Winteroutfit und helfen, sensible Körperstellen wie Hände, Füße und Hals warm zu halten.
Fahrradhandschuhe
Fahrradhandschuhe sind ein absolutes Must-have im Winter. Die äußere Schicht des Handschuhs sollte zumindest windabweisend, im besten Fall winddicht sein, eine leichte Fütterung wärmt deine Hände zusätzlich.
Mützen und Tücher
Unter dem Helm kannst du eine Mütze tragen, die nicht zu dick sein sollte. Vor allem der Sitz des Helmes darf nicht beeinträchtigt werden. Nützlich sind daher schlauchartige Funktionstücher, die deinen Kopf, den Hals und den Nackenbereich gut schützen und schön dicht anliegen.
Überschuhe
Überschuhe sind aus imprägniertem Polyester oder auch Neopren gefertigt und halten Regen- und Spritzwasser von deinen Alltagsschuhen fern. Damit ein Schuh im Überschuh genügend Platz hat, wird die Sohle in der Regel ausgespart.
Sicherheit geht vor
Wer das Fahrrad zum Pendeln in die Arbeit nutzt, der bewegt sich im Winter zwangsläufig in der Dunkelheit im Straßenverkehr. Gute Sichtbarkeit für alle anderen Verkehrsteilnehmer ist daher besonders wichtig. Helle Materialien reflektieren das Umgebungslicht von Straßenlaternen und das direkte Licht von Autoscheinwerfern deutlich besser als dunkle, gedeckte Farben. Viele Funktionsjacken sind deshalb in Neonfarben gehalten und weisen reflektierende Elemente auf. Neongelb hat die Eigenschaft besonders viel Licht zurückzustrahlen.
Funktionsmaterialien für lange Strecken
Wind, eisige Temperaturen und früh einsetzende Dunkelheit müssen nicht zu einem Outdoor-Trainingsstopp im Winter führen. Wer länger auf dem Fahrrad unterwegs ist, sollte ausschließlich auf Funktionsmaterialien setzen. Sie gewährleisten auf langen Strecken die nötige Bewegungsfreiheit bei optimaler Temperaturregulation. Ein enganliegende Base-Layer nimmt deinen Schweiß auf und gibt ihn an Schicht 2, das Funktionstrikot, weiter. Als Material kommen Merinowolle und Funktionsfasern infrage. Dann folgt die Winterjacke aus Hard- oder Softshell-Material. Die Rückenpartie vieler Rennradwinterjacken besteht aus einer gesonderten Materialmischung, die überschüssige Wärme ableiten kann.
Der Windschutz ist an den Beinen wichtiger als kuscheliges Futter. Das windabweisende Material sollte vor allem an den Oberschenkeln und im Schritt verarbeitet werden. Viele Hersteller verwenden dafür spezielle Einsätze. Winterhosen für Rennradfahrer sind wasserabweisend, aber nicht wasserdicht, deshalb solltest du beim Training auf der nassen Straße nicht auf dein Schutzblech verzichten.
Hartgesottene Mountainbiker sind selbst bei Regen und Schnee unterwegs und benötigen deshalb besonderen Schutz vor Feuchtigkeit. Deine Füße kühlen auf dem Bike besonders schnell aus, da sie weit von der Körpermitte entfernt sind und beim Radfahren kaum bewegt werden. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, sind Winterschuhe rundum geschlossen, oft knöchelhoch und mit einer Thermosohle und wärmendem Innenfutter ausgestattet. Der klassischen Kältebrücke an der Verbindung Schuhsohle und Pedal kannst du so - zumindest eine Zeit lang - entgegenwirken. Mountainbike-Winterschuhe sind mit einer wasserdichten Membran versehen, deren feine Poren Nässe aus Pfützen abhalten, aber Schweiß durchlassen. Sie sollten bequem sein und Platz für dickere Socken bieten.
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