Die Wahl der richtigen Fahrradbekleidung ist entscheidend für Komfort und Leistung beim Radfahren. Hitze, Schweiß und Erschöpfung gehören zum Rennradfahren im Sommer dazu, und die richtige Bekleidung kann hier einen großen Unterschied machen. Gerade bei hohen Temperaturen gilt: weniger ist oft mehr. Leichtgewicht, Atmungsaktivität und wenig Stoff für eine gute Belüftung sind entscheidend.
In diesem großen Test wurden insgesamt 66 Radtrikots und -hosen für Männer und Frauen unter die Lupe genommen. Dabei wurde besonders auf Material, Verarbeitung, Atmungsaktivität, Passform, Komfort und Robustheit geachtet.
Qualität hat ihren Preis?
Was kostet Qualität? Das ist eine Grundsatzfrage, die sich wohl jeder stellt - gerade jetzt, nach Jahren teils sehr hoher Preissprünge. Kurze Radhosen, die 280 Euro oder mehr kosten, sind inzwischen keine Seltenheit mehr. In diesem großen Test haben wir uns dafür entschieden, alle Marktbereiche und damit auch alle Preisklassen abzudecken. Das günstigste Test-Trikot kostet 75, die günstigste Hose 90 Euro. Positiv fiel unseren Testern in vielen Fällen die Materialqualität und die Verarbeitung auf - dies macht sich in der Regel auch in Form einer langen Haltbarkeit bezahlt.
Zudem wird anhand des Testfelds deutlich, dass auch die bekannten, etablierten Hersteller wie etwa Gorewear, Bioracer, Gobik oder Straede ganz bewusst das niedrigere Preissegment bedienen. Auffallend ist auch, dass einige wenige Test-Produkte etwas günstiger geworden sind. Dabei wird jedoch nicht an der Qualität gespart.
Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl
Für viele ist die Passform das wichtigste Kaufkriterium. Rennrad-Trikots verfügen in der Regel über eine sportiv-enge und körpernahe Passform. Dieser Schnitt bietet auch aerodynamische Vorteile. Dies bedeutet aber auch, dass eine üblicherweise getragene Konfektionsgröße nicht unbedingt auf die Radbekleidung übertragen werden kann. Die Größenfindung ist demnach - leider - nicht immer einfach. Bei Sommer-Trikots oftmals positiv ist die Kombination verschiedener Stoffarten.
Vorne wird etwa in nicht wenigen Fällen ein luftdurchlässiges, aber nur leicht perforiertes Material eingesetzt - und in der Rückenpartie ein noch deutlich atmungsaktiveres. Bei manchen Modellen kommen hier, oder unter den Ärmeln beziehungsweise in den Seitenbereichen, Mesh-Stoffe zum Einsatz.
Radhosen: Komfort ist Trumpf
Bei Radhosen ist der Komfort noch einmal wichtiger als bei Trikots. Mitentscheidend dafür ist die Wahl des Sitzpolsters. Dessen Konstruktionsweise und Materialeigenschaften müssen zur Anatomie des Trägers oder der Trägerin passen. Für Sitzpolster gilt: Dicker bedeutet nicht immer auch komfortabler. In manchen der Test-Bibshorts sind dreizehn, in anderen nur vier Millimeter dicke Sitzpolster eingebaut. Auch die dünneren Modelle zeigten einen teils herausragenden Dauertragekomfort.
Löffler und Gonso verbauen in unseren Testmodellen ein extrem dünnvolumiges Polster der Ergonomie-Spezialisten von SQlab - fast alle Testfahrer hatten damit auch während sehr langer Fahrten keinerlei Probleme. Was den Beinbereich der Radhosen angeht, werben manche Hersteller explizit mit einer Kompressionswirkung. Im besten Fall unterstützt dies die Muskelarbeit, im schlechtesten hat es keine negativen Effekte.
Details, die den Unterschied machen
Neben den wichtigen Parametern - Material, Verarbeitung, Atmungsaktivität, Passform, Komfort und Robustheit - gibt es auch in weiteren Details teils große Unterschiede. Etwa bei den Trikottaschen. Hier ist die Variante drei plus eins - drei Rückentaschen und eine zusätzliche Reißverschlusstasche - fast schon der Standard. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen. So verwendet Löffler an seinem Testmodell - auch aus Gewichtsgründen - nur zwei Taschen.
Nachhaltigkeit und Produktion
Diese Hersteller zeigen zudem, dass Lieferketten auch kurz sein können. Sie fertigen innerhalb Europas. Die Löffler-Produkte sind bekannt dafür, „made in Austria“ zu sein. Löffler bietet zudem mittlerweile auch einen 360-Grad-„Second-Life“-Ansatz: Eingesandte Artikel werden entweder repariert oder durchlaufen einen Upcycling-Prozess. Aus dem Bein einer Radhose kann dann zum Beispiel noch ein Stirnband werden.
Weitere Aspekte im Test
- Material und Verarbeitung: Bei vielen Kurzarmmodellen ist das Material sehr dünn und teilweise sehr großporig. Oft sind die Abschlüsse an den Ärmeln nicht vernäht.
- Schnitt und Passform: Die Schnitte fallen oftmals enganliegend aus, während die Dehnbarkeit der Stoffe hoch ist.
- Aerodynamik: Glatte feine Stoffe an der Vorderseite und an den Ärmeln sollen teilweise auch der Aerodynamik dienen und einen Luftstrom mit möglichst wenigen Verwirbelungen ermöglichen.
- Schweißtransport: Am Rücken werden häufig Stoffe mit einer raueren Struktur verarbeitet. Dies dient vor allem dem Schweißtransport.
- Kragen Design: Viele der Testprodukte verfügen über ein nahezu kragenloses Design. Manche dieser Modelle sind zudem besonders enganliegend und aerodynamisch optimiert geschnitten.
Hersteller wie etwa Ekoi und De Marchi bieten zudem Bekleidung mit einem Graphen-Anteil in den Fasern. Graphen soll die Wärme noch besser ableiten können.
Um die Robustheit und die Passform nicht zu sehr zu beeinträchtigen, sparen viele Hersteller bei ihren „Sommer-Radhosen“ nur wenig Material ein. Sportful beispielsweise belässt den dickeren, robusteren Stoff an der Innenseite und verarbeitet nur an der Außenseite ein sehr dünnes netzähnliches Gewebe. Assos verzichtet ganz auf einen Rückeneinsatz zwischen den Trägern und spart bei seinem Top-Modell zudem viele Nähte ein.
Sitzpolster im Fokus
Entscheidend ist, wie immer bei Radhosen, dass der Stoff das Sitzpolster eng am Körper und ohne Verrutschen stabilisieren kann. Perforierte Sitzpolster können die Belüftung dabei in der Regel insgesamt deutlich verbessern.
Die Sitzpolster, die in Damen-Modell-Radhosen verarbeitetet werden, sind in der Regel speziell der weiblichen Anatomie angepasst. Bei manchen Modellen sind sie etwas dicker gehalten, gerade im Bereich der Sitzknochen. Anders als bei Männer- werden viele Frauen-Radhosen auch als Modelle ohne Träger angeboten. Hinsichtlich des Dauer-Tragekomforts liegen jedoch in den meisten Fällen Träger-Modelle vorne.
Einen speziellen Weg hinsichtlich der Sitzpolster schlagen hier die Ergonomie- und Sattelspezialisten von SQ-Lab ein. Ihre Ingenieure haben ein Polster entwickelt, das in der Premium-Version gerade einmal vier Millimeter dünn ist. Das Sitzgefühl: hart. Das Gefühl nach mehreren Fahrstunden auf dem Rennrad: Das Konzept funktioniert. SQLab hat es geschafft, dass dieses harte Pad genauso gut „atmet“ wie ein klassisches.
In diesem Testfeld verwende die Gonso-Damen-Bibshorts dieses Chamois - wenn auch in der günstigeren sechs bis acht Millimeter dicken Variante. Unsere Testerinnen überzeugte dieses Konzept.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Wie auch bei den Tests der vergangenen Jahre kategorisieren wir die Sets in verschiedenen Preis-Levels. Diese müssen wir aufgrund der Preissteigerungen immer wieder anheben. Am stärksten spürbar ist dies in der günstigsten Preisgruppe. Hier sind oft Preisaufschläge von zehn oder gar 20 Euro pro Trikot beziehungsweise Hose festzustellen.
Testergebnisse im Überblick
Eine Zusammenfassung der Testergebnisse für Herren-Radhosen:
| Hersteller | Modell | Preis | Bewertung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Dos Caballos | DC34-2 Evo | 190 Euro | Gut (49 Punkte) | Nahtlose Träger, viel Reflex |
| Everve | Me Hose | 160 Euro | Sehr Gut (51 Punkte) | Anpassbare Polster, Made in Germany |
| Gonso | SQlab Go Bib | 130 Euro | Gut (50 Punkte) | Dünnes, straffes Polster |
| Assos | Mille GTO Bib Shorts C2 | 290 Euro | Super (58 Punkte) | Nahtlose Träger, sehr komfortabel |
| Café du Cycliste | Mathilde Bib | 250 Euro | Gut (48 Punkte) | Großzügiger Mesh-Body |
| Castelli | Premio Black Bibshort | 230 Euro | Sehr Gut (54 Punkte) | Nahtlose Träger, minimalistisch |
| SQlab | SQ-Short One12 | 200 Euro | Gut (50 Punkte) | Hartes, dünnes Polster |
| Velocio | Luxe Bib Short | 239 Euro | Sehr Gut (54 Punkte) | Sehr angenehm zu tragen |
| Isadore | Gravel Bib Shorts | 210 Euro | Gut (50 Punkte) | Abriebfest, wasserabweisend |
| Gorewear | Long Distance Bib Shorts+ | 200 Euro | Sehr Gut (52 Punkte) | Nahtloser Bund, dünnes Polster |
| Protective | P-Traverse Bib | 130 Euro | - | - |
Die ausführlichen Testberichte der kurzen Trikots und Radhosen für 2025 lesen Sie in der RennRad 6/2025. Die ausführlichen Testberichte der kurzen Trikots und Hosen lesen Sie in der RennRad 7/2023.
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