Warum viel Geld für ein Fahrrad ausgeben, wenn man es auch billiger haben kann? Insbesondere für Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, klingt das Angebot eines voll ausgestatteten Trekkingrades für 239 Euro reizvoll. Aber wie verhält es sich mit der Qualität?
Fahrräder aus dem Niedrigpreisbereich genießen keinen guten Ruf - schlechte Funktion, schlechte Haltbarkeit. Wer billig kauft, kauft zwei Mal, heißt es. Wir probieren es in der Praxis aus: Was kann ein Rad für 239 Euro?
Der ADFC rät dazu, mindestens 500 Euro für ein Fahrrad auszugeben, das regelmäßig genutzt werden soll. Diese Empfehlung beruht auf Erfahrungen von Nutzer*innen und aus Fachhandels-Werkstätten. Kurz gefasst lauten deren Urteile: Mäßige Erstmontage, mäßige bis schlechte Funktion, mangelhafte Dauerhaltbarkeit. Oder „gepresste Blumenerde“, wie es ein ehemaliger Chef des Autors nannte, als dieser noch im Fahrradladen an Rädern schraubte.
Um diese harschen Urteile zu überprüfen, hat sich die Radwelt-Redaktion entschlossen, die eigenen Ratschläge zu ignorieren und im Baumarkt ein Fahrrad erstanden: Ein Trekkingrad der Marke Camax, komplett verkehrssicher und alltagstauglich ausgestattet. Das Rad wird nun im Alltag ausprobiert und hat die Chance, die Kritiker*innen Lügen zu strafen oder aber sie zu bestätigen.
Der Test: Ein Baumarkt-Fahrrad im Dauereinsatz
Das ADFC-Magazin Radwelt hat ein Jahr lang ein Rad aus dem Baumarkt für 239 Euro ausprobiert. Die Erfahrungen, die wir mit dem Rad sammeln, werden in diesem Dossier nach und nach in neuen Artikeln präsentiert, auf die im ADFC-Magazin Radwelt und im Radwelt-Newsletter hingewiesen wird.
Einige hundert Kilometer sind auf dem Baumarkt-Fahrrad absolviert. Bislang schlägt es sich ganz ordentlich. Ein Reifenwechsel bot aber Einblicke, was bei der Herstellung vernachlässigt wurde.
Fast 2.000 Kilometer ist das Rad aus dem Baumarkt mittlerweile unterwegs. Eine erste umfangreichere Renovierung wurde nötig, da ein Teil des Antriebs und Reifen getauscht werden mussten.
Fast 1.000 Kilometer sind geschafft, das Rad aus dem Baumarkt hat seinen ersten Winter überstanden. Nicht ganz ohne Spuren, die sich vor allem an den Reifen zeigen.
Nachdem der Sommer überstanden ist, wird es Zeit, genauer hinzusehen: Welche Spuren hat die Benutzung des Baumarkt-Fahrrads an den Nabenlagern hinterlassen? Das Hinterrad wartete mit einer unschönen Überraschung auf.
Ausstattung und erste Eindrücke
Das Camax-Rad aus dem Baumarkt ist aus sehr günstigen Teilen zusammengestellt. Das bringt es mit sich, das viel Massenware teils ohne Herstellerbezeichnung eingesetzt wird.
Dort, wo sich Schlagbohrmaschinen und Sanitärausstattung tummeln, gibt es auch Fahrräder zu kaufen. Der Kauf im Baumarkt geht flott vonstatten: Auf der Homepage des Marktes bestellt man das Rad zur Abholung und bezahlt es auch gleich.
Die Infos auf der Homepage zum Rad sind spärlich; Beratung im Markt gibt es nicht, denn niemand kennt sich mit Fahrrädern aus. Eine Probefahrt ist auch nicht drin, denn dafür müsste das Rad erst ausgepackt und eingestellt werden.
Das Auspacken übernimmt der Kunde, die Verpackung bleibt im Markt, denn der Plan ist, mit dem Rad zurück in die Redaktion zu fahren.
Der Lenker muss noch gerade- und die korrekte Sattelhöhe eingestellt werden. Doch dann taucht gleich das erste Problemchen auf: Die Reifen sind fast platt, das Rad somit unfahrbar, eine Luftpumpe nicht vorhanden. Daher wird das Rad mehrere Kilometer in die Redaktion geschoben, wo es einer ersten Prüfung unterzogen wird.
Wer ist Camax?
Camax ist kein echter Fahrradhersteller, sondern eine Handelsmarke der Bielefelder Firma Sprick. Diese stellt unter mehreren Markennamen Fahrräder her, die in fachfremden Geschäften wie Bau- und Supermärkten zu günstigen Preisen verkauft werden.
Das Camax wird nicht nur in einer Baumarktkette, sondern auch bei einem großen Supermarkt angeboten. Beim Besuch eines Möbelmarktes fiel zudem ein fast identisch ausgestattetes Rad mit anderem Markennamen auf. Namen sind in diesem Fall also tatsächlich Schall und Rauch.
Erster Check
Der Montagezustand ist größtenteils in Ordnung - die Schrauben sind fest, die Bremsen korrekt eingestellt. Einzig der Umwerfer ist etwas zu hoch und dazu leicht schräg montiert - in fast jedem Gang schleift die Kette.
Wer sich mit Fahrradtechnik nicht gut auskennt, ist hier aufgeschmissen. Denn auch die eigentlich sehr ausführliche Bedienungsanleitung hilft in diesem Fall nicht weiter. Da bleibt nur, mit schleifender Kette zu fahren oder eine Werkstatt aufzusuchen, was das Rad direkt teurer machen würde.
Der Schutzbügel vor dem Schaltwerk war verbogen und blockierte das Schaltwerk, sodass die Kette nicht auf das kleinste Ritzel wandern konnte. Er war leicht zurechtzubiegen. Eigentlich sind diese Bügel ausgestorben, weil sie sich als weitgehend überflüssig herausgestellt haben.
Schaltwerke werden bei Stürzen selten beschädigt, dafür können aber die Bügel durch ihre Hebelwirkung unter Umständen das Ausfallende beschädigen. Daher kann man auf sie gut verzichten.
Nachdem der Umwerfer korrekt eingestellt ist, arbeitet die Shimano-Kettenschaltung mit ihren 21 Gängen zufriedenstellend. Die Schaltvorgänge sind allerdings deutlich ruppiger als bei höherwertigen Schaltgruppen des Herstellers. Zudem ist ein Schraubkranz verbaut - das ist ein veraltetes System, bei dem der Freilauf im Ritzelpaket sitzt. Dieses System findet sich fast nur noch im untersten Preisbereich.
Einheitsgröße
Das Rad ist nur in einer Einheitsgröße erhältlich, die Anpassung auf die Körpergröße kann nur durch die Verstellung der Sattel- und Lenkerhöhe erfolgen. Letzteres ist recht einfach möglich durch den technisch eigentlich veralteten Schaftvorbau.
Für den 1,84 Meter großen Fahrer ist es das Rad aber etwas zu kurz, daran lässt sich kaum etwas verändern. Lange Strecken möchte man so nicht fahren, für die Alltagswege ist das aber in Ordnung.
Beleuchtung mit Licht und Schatten
Eine positive Überraschung ist der LED-Scheinwerfer, der dunkle Fahrbahnen sehr ordentlich ausleuchtet. Zudem hat er Standlicht. Dabei steht auf der Ausstattungsliste, dass lediglich das Rücklicht mit Standlicht ausgerüstet ist.
Dieses Merkmal findet sich eigentlich erst bei deutlich teureren Rädern. Das nährt den Verdacht, dass es sich hier um einen Zufall handelt: Wurde etwa beim Hersteller die Kiste mit den Scheinwerfern verwechselt? Jedenfalls sollte man nicht damit rechnen, an allen Modellen dieses Fahrrads einen Scheinwerfer mit Standlicht zu finden.
Angetrieben wird die Beleuchtung von einem Seitenläufer-Dynamo einfachster Bauart. Bei Trockenheit funktioniert das noch ganz ordentlich, obwohl der Widerstand beim Treten deutlich spürbar ist, sobald der Dynamo an den Reifen geklappt wird.
Dynamo macht Probleme
Bei Feuchtigkeit treten allerdings die klassischen Probleme der Bauart auf: Der Dynamo rutscht durch und macht dabei einen Höllenlärm, ohne Energie zu produzieren. Jeder Versuch, durch optimierte Einstellung eine Besserung zu erreichen, schlug fehl - deshalb fahren jetzt bei Regen immer Batterielampen mit, um nicht ohne Licht dazustehen. Das ist wohl der größte unmittelbar spürbare Funktionsnachteil gegenüber höherwertigen Fahrrädern mit Nabendynamo.
Zu Beginn war die Laufrolle des Dynamos mit einer Gummiabdeckung ausgestattet, die die Geräusche dämpfte. Diese war allerdings nach nicht einmal 150 Kilometern so durchgeraspelt, dass sie vom Dynamo fiel. Und nur während eines Bruchteils der Kilometer war der Dynamo überhaupt eingeschaltet...
All diese Probleme wurden mit Nabendynamos gelöst. Wenn man bedenkt, dass diese Bauform bereits in den 1930er-Jahren aufkam, kann man sich kaum erklären, weshalb Radfahrende sich jahrzehntelang mit Seitenläufern abplagen mussten.
Es fährt
Vom Dynamo-Drama abgesehen lässt sich sagen: Das Camax fährt. Wendig mit leichtem Trend zum Nervösen, aber unproblematisch. Die Bremsen haben ausreichend Kraft, allerdings einen sehr teigigen Druckpunkt, was es etwas schwierig macht, die Bremskraft zu dosieren. Zudem sind die Bedienkräfte recht hoch.
Hoch ist auch das Gewicht für ein ungefedertes Trekkingrad. Das liegt am einfachen Stahl für Rahmen und Gabel und den günstigen Anbauteilen, die ebenfalls das Gewicht nach oben treiben.
Die Naben laufen trotz korrekter Konuseinstellung sehr rau, was beim Fahren aber nicht zu spüren ist. Es lässt aber Rückschlüsse auf die geringe Qualität und Lebenserwartung zu. Der Gepäckträger wirkt sehr solide und scheint auch mehr als die angegebenen 18 Kilogramm problemlos transportieren zu können. Ein schönes Detail ist, dass das Rücklicht durch die ausladende Gepäckträgerstrebe geschützt wird.
Größere Probleme sind noch nicht aufgetreten - das Rad hat nun etwa 340 Kilometer auf dem Buckel. Wie schnell macht sich die geringe Qualität bemerkbar? Oder tut sie das überhaupt?
Die Tücken im Detail
Auch unser Testfahrrad wies mehrere dieser Probleme auf. Das Rad wurde nur in einer Größe angeboten - für Herren, aber offenbar hatte man dabei an kleinwüchsige Männer gedacht.
Der Rahmen war sehr klein dimensioniert, so dass die fehlende Höhe durch extremes Herausziehen der Sattelstütze und Hochstellen des Lenkers kompensiert werden musste.
Wer nun denkt, durch den kleinen Rahmen wäre wenigstens Gewicht gespart worden, irrt. Denn das Fahrrad ist ein optischer „Blender“: der Fahrradrahmen sieht aus wie einer aus (leichtem) Aluminium, besteht in Wirklichkeit aber aus schwerem Stahl.
Die Rahmenrohre sind somit dicker, als sie eigentlich sein müssten, denn Stahlrahmen kommen auch mit geringeren Rohrdurchmessern aus. Zugunsten des moderneren Erscheinungsbildes wurde jedoch auf eine leichtere Bauweise verzichtet. Das gaukelt nach außen hin ein modernes Fahrrad vor, macht das Rad aber unnötig schwer.
Auch im Übrigen wurde Stahl statt Aluminium verwendet: Gepäckträger, Lenker, Sattelstütze - alles kein Aluminium. Nur die Bremsgabeln sind tatsächlich aus Aluminium - so konnte man das begehrte Schlagwort „Alu“ dann doch noch im Werbeprospekt unterbringen.
Auch an weiteren Stellen trickste das Fahrrad. Die „Sprungfedern“ unter dem Sattel etwa waren nicht echt, sondern durch eine entsprechende Form aus Plastik nur angedeutet.
Die nächstwichtigste Frage beim Kauf eines Rades, gerade in Bezug auf die typischen Baumarkträder, ist natürlich, wie lange es überhaupt hält.
Die Mängelliste nach drei Jahren
- Das wahrscheinlich unwichtigste Teil am Fahrrad ging ironischerweise zuerst über den Jordan: die Klingel. Beim Testen der Klingel kurz nach dem Kauf brach der Klingelklöppel ab, die Klingel wurde damit unbrauchbar.
- Kurz nach Ablauf der Frist für die Gewährleistungsbeweislastumkehr fing das Hinterrad an zu eiern.
- Nachdem das neue Hinterrad eingebaut war, machte auch der dazugehörige Reifen schlapp. Das Profil war abgerieben und an der Seite entstanden tiefe Risse.
- Wider Erwarten hielt der Schlauch des Hinterrades durch, dafür gab es nun vorne einen Platten.
- Die Lenkergriffe waren eigentlich gar keine, sondern schlichte Schaumstoffüberzüge, die sich nach einem Regenschauer bis zur letzten Pore mit Wasser vollsogen. Griff man dann an den Lenker, war es, als würde man einen Schwamm auswringen. Nach einem Dreivierteljahr sahen die Lenkerbezüge nicht mehr schön aus: die Lenkstangenummantelung aus hartem Schaumstoff war spröde geworden und auf einer Seite bereits aufgerissen.
- Das Gel im Gelsattel war nach etwa einem Jahr nicht mehr im Urzustand, der Sattel verformte sich, wurde platter und faltig. Es trat zwar kein Gel aus, es schien sich jedoch innerhalb des Sattels neue Wege zu suchen.
- Passend zum Sattel machte auch die Sattelstütze im selben Zeitraum Probleme. Sie setzte so viel Rost an, dass das Rohr äußerlich bereits völlig korrodiert schien. Aus dem ehemaligen Silber des Metalls war ein satter Bronze-Ton geworden. Der Rost bröselte andauernd herunter, verschmutzte die Kleidung und landete auf der Ladung des Gepäckträgers.
- Das Fahrrad war noch nicht mit dem heute auch in dieser Preisklasse üblichen Nabendynamos ausgestattet, sondern verfügte noch über einen klassischen Seitenläuferdynamo. Dessen Laufrolle war nach ca. anderthalb Jahren so abgefahren, dass die Rolle kein Profil mehr hatte und am Reifen durchrutschte.
- Der Scheinwerfer hielt anderthalb Jahre, dann brach der Kontaktstift für die Aufnahme des Stromkabels, vermutlich aufgrund Durchrostung, ab.
- Die Halterung für den Lenker war bereits ab dem Kauf eine eher wackelige Angelegenheit gewesen, doch mit der Zeit wurde der Vorbau derart instabil, dass der Lenker bei Belastung deutlich Spiel zu beiden Seiten hatte - trotz fest angezogener Schrauben. Die Konstruktion des höhenverstellbaren Vorbaus schien mangelhaft zu sein, das Scharnier für die Höhenverstellung war nicht exakt eingepasst und lockerte sich im Laufe der Zeit immer mehr.
- Nach etwas über 2 Jahren brach eine der Pedale während der Fahrt. Der Kunststoffrahmen, der den Metallkern umfasste, riss auf einer Seite ab, die Pedalfläche verkleinerte sich um 30 Prozent.
- Nach zweieinhalb Jahren flog ebenfalls mitten in Fahrt der Kettenschutzring weg.
- Der Lack ist ab. Diese Aussage ist zugespitzt, doch nach 3 Jahren zeigen sich an der Lackierung deutliche Gebrauchspuren. Vor allem am Oberrohr zeigen sich deutliche Schäden. Diverse Schlagstellen ziehen sich über den Fahrradrahmen, die durch das Anlehnen an z.B. Straßenlaternen und Fahrradständern entstanden sind.
Was hielt durch?
Doch nicht alles ging im Laufe des Testzeitraumes kaputt, manche Fahrradteile erwiesen sich als äußerst beständig. Die Bremsen sind noch absolut in Ordnung. Sowohl die Bremsgriffe als auch die Bowdenzüge und die Bremsen selbst. Lediglich die Bremsklötze mussten zwischenzeitlich ausgetauscht werden, doch da diese als Verbrauchsmaterial anzusehen sind, kann deren Austausch nicht zulasten der Qualität der Bremsvorrichtung ausgelegt werden.
Auch das Vorderrad samt Vorderreifen sind weiterhin in gutem Zustand. Das Profil des Vorderreifens ist abgenutzt, aber noch ausreichend.
Die Gangschaltung überraschte am meisten, ist sie doch häufig das Sorgenkind bei Billigfahrrädern. Nicht so bei diesem Rad. Die Gangschaltung schaltet auch nach Jahren noch zuverlässig, Schalthebel, Verdrahtung und die Gangschaltung an sich sind tip-top, das Schalten erfolgt wie am ersten Tag leichtgängig und präzise.
Bewährt haben sich auch das Rücklicht mit Standlichtfunktion, das ohne Wartung auskam, der Drahtgepäckträger, die Kette, der Ständer und die Schutzbleche. Tretlager und Kurbeln funktionieren wunschgemäß. Auch die Katzenaugen in den Speichen haben durchgehalten. Der Lenker zeigt nach 3 Jahren nun stellenweise auch Ansätze von Flugrost, ist aber weiterhin brauchbar.
Lohnt sich der Kauf eines Billigrades?
Auch Billigräder sind Fahrräder, mit denen man von A nach B kommt, das hat der Langzeittest bewiesen. Auch ein Rad aus dem Supermarkt kann sich gut und komfortabel fahren. Die Frage ist jedoch, zu welchem Preis, wobei Preis wortwörtlich gemeint ist.
Rechnet man alle Ersatzteile zusammen, übersteigen die Kosten hierfür den Anschaffungspreis des Fahrrades um genau 50 Euro, es wurden also Ersatzteile für 149 Euro beschafft. Letztendlich hat sich der Preis für das Fahrrad nach 3 Jahren Fahrt dadurch um 150% auf 248 Euro erhöht - Arbeitszeit für Reparaturen und Ersatzteileinbau nicht eingerechnet. Im Ergebnis sind aus den unschlagbaren 99 Euro nach 3 Jahren Fahrt also knapp 250 Euro geworden. Doch auch dies ist immer noch sehr viel günstiger als ein höherwertiges Fahrrad.
Lohnt sich der Kauf eines Billigrades also doch? Jein. Es kann wie gesehen eine billige Alternative sein, nämlich dann, wenn man Selbstreparieren nicht scheut. Es ist eine günstige Möglichkeit, an ein „Fahrradgrundgerüst“ zu gelangen, das die ersten Monate erst einmal fährt.
Man muss aber davon ausgehen, dass man mindestens noch einmal denselben Betrag in Ersatzteile investieren muss - und immer wieder den Werkzeugkasten auszupacken hat. Lässt man die Reparaturen in einer Werkstatt ausführen und montiert nicht selbst, wird es noch sehr viel teurer.
Radfahrer, die sich die Hände nicht schmutzig machen möchten, sollten von Baumarkträdern daher Abstand nehmen und sich für höherpreisige Räder entscheiden, die aus höherwertigeren Teilen zusammengesetzt sind, da sich der vermeintlich billige Fahrradkauf sonst sehr schnell in eine Kostenfalle verwandelt. Wer nur Rad fahren, aber nicht reparieren will, sollte bereits am Anfang mehr Geld in eine qualitativ bessere Ausstattung investieren.
Wer jedoch auch gerne mal an seinem Fahrrad herumschraubt, wer das Fahrrad an sich als Hobby betrachtet, der kann durchaus auch mit einem Billigrad glücklich werden. Ein Käufer eines Supermarktrades muss wissen, was er tut - oder sich das Wissen über Montage und Instandsetzung selbst aneignen. Das und die vielen kleinen Reparaturen kosten Geld und Zeit.
Zu einem gewissen Teil bleibt der Kauf eines Billigstrades jedoch auch Glückssache, denn man weiß nie, wie lange ein Teil halten wird oder wann es zu ersten Ausfallerscheinungen kommt. In einem Punkt hat diese Art von Rädern jedoch einen eindeutigen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: sie ist relativ sicher vor Diebstahl.
Alternativen und Tipps für den Kauf
Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es zum Teil hochwertige Räder zu Dumpingpreisen. "Durch die ganzen Innovationen auf dem Markt sind vor allem die älteren Mountainbikes zu Ladenhütern und Auslaufmodellen geworden, die es eigentlich gar nicht verdient haben", so Christoph Liftmann von Bike. "Da kriegt man gute, hochwertige Räder für kleines Geld." Allerdings gilt auch hier: genau hinschauen. "Sind der Antrieb oder die Bremsen verschlissen, hat der Rahmen vielleicht einen Riss? Wenn man keine Ahnung hat, lieber einen Fachmann mitnehmen zur Ansicht", rät der Profi.
Eine weitere Gelegenheit bietet sich im Sommer. Pünktlich zur Fachmesse Eurobike im August werden die Vorjahresmodelle zum Teil deutlich billiger verkauft.
Was ist bei der Montage zu beachten?
Die Montage des Fahrrades ist ein wichtiger Risikofaktor. Viele der Billig-Angebote sind beim Kauf nicht betriebsbereit, der neue Besitzer muss selbst schrauben. Das ist insofern kritisch, da sich der Hersteller bei etwaigen Schäden und Unfällen mit einer nicht sachkundigen Montage herausreden kann. Der Kunde trägt dann die Verantwortung.
Die Rolle des ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein.
Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.
Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.
Vorteile einer ADFC-Mitgliedschaft
- Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür - auch dank Ihrer Mitgliedschaft - nicht nur Einfluss auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrenden ein.
- Als ADFC-Mitglied profitieren Sie außerdem von umfangreichen Serviceleistungen: Sie können, egal wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die ADFC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem ADFC-Magazin Radwelt Informationen zu allem, was Sie als Rad fahrenden Menschen politisch, technisch und im Alltag bewegt. Nutzen Sie als ADFC-Mitglied außerdem vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Unternehmen sowie Versicherungen ausgehandelt haben.
Verkehrssicherheit
Wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszustatten ist, legt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) fest. Sie schreibt u. a. zwei voneinander unabhängige Bremsen vor, damit ein Fahrrad sicher zum Stehen kommt. Ebenso vorgeschrieben ist eine helltönende Klingel. Auch zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale mit je zwei nach vorne und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern sind Pflicht.
Am wichtigsten für die Verkehrssicherheit ist neben den Bremsen die Beleuchtung. Ein rotes Rücklicht und ein weißer Frontscheinwerfer sind vorgeschrieben. Die Beleuchtung kann batteriebetrieben sein und muss tagsüber nicht mitgeführt werden. Sie muss aber dann einsatzbereit sein, wenn die Sichtverhältnisse Licht erforderlich machen. Für den Straßenverkehr zugelassen ist Beleuchtung nur mit dem Prüfzeichen des Kraftfahrtbundesamts (eine Wellenlinie, Großbuchstabe K und fünfstellige Zahl).
Damit Radfahrende auch seitlich gesehen werden, sind Reflektoren in den Speichen oder Reflexstreifen an Reifen oder Felge vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO vorgeschrieben sind.
Verhalten im Straßenverkehr
Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Sie haben keine Knautschzone - deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrer*in im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmenden zu rechnen.
Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer*innen nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen.
Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmenden gültigen Regeln - und seien Sie nicht als Geisterfahrende auf Straßen und Radwegen unterwegs.
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